Kleine Bilder aus der Gegenwart/Der Munk-Affe

Textdaten
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Autor: v. J.
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Titel: Der „Munk-Affe“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 20, S. 325
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1883
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Reihe Kleine Bilder aus der Gegenwart
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Kleine Bilder aus der Gegenwart.
Nr. 1. Der „Munk-Affe“.

Wohl hat es Asien gegeben die, in den Käfigen nuserer zoologischen Gärten zur Schutt ausge^ll^ in kurzer Zeit Lieblinge des Publiettuts wurden: Die Ledettsschicksafe dieser Bevorzugten des Allengeschlechtes nmrden oott der Presse mit besonderer Sorgsalt aufgezeichnet, ttud die Blatter brachten oft Bulletins über die Erkraltkung eiues solchen Thieres uud meldeten gewissenhaft den Eintritt seines Todes.

Die Gartenlaube (1883) b 325.jpg

Der „Munk-Affe“ im Berliner Aquarium.
Nach dem Leben gezeichnet von G. Mützel.

Aber keinem dieser drolligen Garste unseres nördlichen Klimas wttrde bis jetzt die Aufzeichnung zu Theil, daß ein Minister ihu in den Ver. btutbluttgen eiues Parlantents genannt hätte. Der Huudskopfpaviau des Berliner Aguariums ist in dieser Weise zttttt ersten Male ansgezeichnet wordell. Als es sich nämlich dartun handelten die Vivisertiou vor den Angriffen unberufener Leute in Schutz zu nehmen, wttrde im Landtage von dem preußischen Ennnsntinister auch dieser Aste erwähnt, und seit teuer Zeit ist er weit ttud breit unter deiit Namen des "Mnuk.Affeu be- ka ttttt geworden

Welcher Art ist mm das Ver. dieust dieses Dllieres? Hat er etwa irgend eine That verrichtet, die wie eiust das Geschnatter der kapitolinischen Gänse den Staat aus der höchsten Gefahr retteten Mit üichten! Das, wodurch die. s.er Aste zur Berühmtheit ge. langte, hat er gemeinsam mit dielen anderen Seinesaleichen ertragen müssen, denu sollt Ver. dienst ist dnrchaus leidender ^.atur. Das .Thier wurde vott dem Berliner Professor Hertnatiit Mltnk zu einer Neihe voll Ver.. suchen benutzt, welche die Lösung der wichtigen Fraa.e über die Thätigkeit des Gehlrtts erstreb. ten. Es wurde ihm der Schädel geössnet, es wnrden ihnl einzelne Gehirnpartielt herausgeschnitten uud uach erfolgter Beobachtung der inBethätigung seines Sinnen., und Empsindllllgslebeus erfolg- tett Veräußerungen ward der Alle geheilt ttud dem Bertitter Aana- ritnn geschenkt. Hier lebt er uuu in voller Assenlust und er. srettt sich einer so vortrefflichen Gesundheit, dag Niemand vott selbst auf den Gedattken kommen würde, daß diesem Vierhättder ganze Theile seiues Gehirns ent^ kernt wurden.

Aber nicht allein dieser Pavian, sondertt eine große Anzahl an. derer Assen und Hnttde wnrde geopfert, bevor die Wissenschaft

t.ette Eroberungen nlachelt kottttte, die entschieden zu dem Hervorragendsten gehören, was seit Jahrhttuderten über die Thätigkeit des Gehirns belmnptet und geschrieben wttrde.

.....eit dem Anfange dieses Iahchnnderts war die Meinung verbreitet, daß man das Großhirn als den Sitz des Willens und der Wahrnehnntttgen annehmen müsse, man glanbte aber dabei altf Grllnd der von dem standst,. scheu Forscher Flottretts angestellten Versuche, daß nicht bestimmte theile des Groschirns für bestimmte Wahrnehmungen eingerichtet seien, sondern daß jedes Entpstndeu und Wahrnehmen itl beliebigem Theile des Gehirns entstehen könne.

Da fanden im Jahre 18,^0 die Aerzte Fritsch und Hitzig, daß in der grauen Sttbstanz, welche das Grollhirtt umkleidet und gewöhnlich dessen Grinde genannt wird, es Stellen gäbe, die, sobald ltlan sie durch einen

^er ^^uull^Afle^ im ^erliuer Nach deul Lebeit gezeichnet von E

elektrischett Strom reize, gewisse eombinirte Muskelzuckungen der gegen., überliegenden Körperhalste hervor rufen. Sie eutfertttett hierauf jene Partien der Großhirnrinde, lttld tttttt stellten sich in den durch iette Mlt.skelzusamnten. ziehtmgen bedingten Vewegungserscheltntugen der Thiere (z, B. Bewegen der Vordervfoteu) gewiffe Störtlngett ein.

Diese Versuche wnrden von den deidett genannten Forschern und ttnter Anderem auch vottt Professor H. Munt fortgesetzt, bis es gelungen war, folgende Thatsachen feftzustelleu:

Die Großhirnriude zerfällt, gleichmäßig an ihren beiden Hälften, itl eine Anzahl verschiedener Gebiete, deren jedes eiiient bestimmten Sinne

zugehört, und zwar der Art, daß itl den einzelnett Gebieten bie betreuenden Empfindungen ttttd Wahrnehmungen dieses Sinnes ztt Stattde kommen. In der .jtinde des Hinterhaupnappetls hat die Lichtempstndung, die Ge. sicht...wahrttehntultg , statt ; ^ ist diese Nittdettpartie, die man Seh. sphäre ueuut, beiderseits etttferut oder zerstört, so ist das Thier vollkommen blind, obwohl das Auge sehen katttt. Iu der Niude des Schläfenlappens kotttttit es zur ^challentvfindung, zttr Ge. börswahruehlnung : beiderseitige Zerstörung dieser Hörsphäre dringt die Taubheit des Thieres iiiit sich. knterhalb der Hör- sphäre ist das Eentralorgan des Gertlchssinues gelegetl. Von der größten Ausdehnnltg ist schlieü. t ich diejenige Nindeltpartie, welche zu dem Gefühlssiulte des Körpers in Beziehung steht, in welcher die Hautgefühle, die Mttskelge. fühle ltnd die Anregungen zu Muskelbewegungen zlt Stande komuleu, llttd diese Fühlsphäre erstreckt sich über dell Scheitel- tappett und Stintlavpelt. Nttr die Schntecksphäre ist bis jetzt uoch nicht aufgefunden

Att diese Entdeckungen knüpfte sich eine Neihe anderer höchst wichtiger Beobachtungen. Eitt Thier, dem nugefähr die ulitt. lerelt Partum beider Sehsphären abgetragen sittd, ist seelettbliud, das heillt es sieht alles, erkeuut aber uichts, was es steht" Erst mit der Zeit lernt das Thier wieder, gerade wie in seiner Iugeud, das Gesehelte kenneu, da alsdaun die angrenzenden

)titidettbartieu für die zerstör.

tett eiittretett, ein nmstaltd, durch dett die volle (Gesundheit des Paviatts im Berliner Aanarinm erklärt wird. Daß durch diese Erfahrungelt tticht allein unser Wissen dereichert, sondern auch in manchen Fällelt die Heilung schwerer Gehirttkrankheiten all Menschen ermöglicht wttrde, das ist schon in der obelt erwähnten Nede des Enltttsministers in klarster Weise dargestellt lvordett.

Att diesent kleinen Bilde aus der Gegenwart lernen wir znnächst, wie wichtig die Viviseetion für die Wissenschaft ist und wie nur f.lnkeunnnß gegen dieselbe aufzutreten vermag. und welttt wir schließlich den lustigen Pavian ansehen, wie er seinem früheren Herrn bei dessen ziemlich hänsigett Besuchelt im Berliner Aallariltm dte "Haud" freudig entgegenstreckt, ttttt allerlei Leckerbissen zu empfangen so mttß es uns auch klar werden daß iette Behauvtnugen von der Nohheit und Grausamkeit der erttsten willen. schaftlichen Viviseetoreu rein aus der Lust gegriffen sittd. v. I.

Aguarlum.

Mützel.