Kiaotschau und Schantung

Textdaten
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Autor: Ernst v. Hesse-Wartegg
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Titel: Kiaotschau und Schantung
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 2, S. 49-51
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1898
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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     Arkona. Prinzeß Wilhelm. Kaiserin Augusta. Kaiser, Flaggschiff der I. Division. Kormoran. Irene. Gefion. Deutschland.., Flaggschiff der II. Division.
Die Schiffe des deutschen Kreuzergeschwaders in Ostasien.
Nach einer Originalzeichnung von W. Stöwer.

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Kiaotschau und Schantung.
Von Ernst v. Hesse-Wartegg.
Mit Illustrationen S. 45, 49, 50 u. 51.
Das ganze deutsche Volk steht unter dem mächtigen Eindruck der Ereignisse in Ostasien. Zum erstenmal weht die deutsche Flagge auf den Türmen einer ostasiatischen Stadt, zum erstenmal stehen deutsche Truppen auf chinesischem Boden, und der Name Kiaotschau ist in aller Mund.

Bis vor wenigen Monaten erfreute sich diese etwa 60000 Einwohner zählende Hafenstadt an der Südküste der Halbinsel von Schantung eines friedlichen, der großen Welt ziemlich unbekannten Daseins, denn seit der in früheren Jahrhunderten die Halbinsel in nordsüdlicher Richtung durchschneidende Schiffskanal versandete, hat Kiaotschau seine frühere Bedeutung eingebüßt. Sein Reichtum ist verschwunden; die Tempel und Pagoden, welche von der einstigen Größe dieser mit mächtigen Ringmauern umgebenen Stadt zeugen, sind dem Verfall nahe. Kiaotschau wäre wohl noch längere Zeit für Europa bedeutungslos geblieben, wenn nicht im vergangenen Herbst in den westlichen Teilen der Provinz Schantung zwei deutsche Missionäre ermordet worden wären.

Das Reisen in China, und namentlich in der genannten am Gelben Meere gelegenen Provinz, ist für den gewöhnlichen Europäer, den Forschungsreisenden oder Kaufmann, nicht besonders gefährlich. Seit der große Venetianer Marco Polo im dreizehnten Jahrhundert das chinesische Reich bereist hat, wurde es von Hunderten von Europäern nach allen Richtungen durchzogen und durchforscht, ohne daß sie anderen Unbilden oder Gefahren ausgesetzt gewesen wären als in den benachbarten nichtchristlichen Ländern. Hunderte von Missionären sind im chinesischen Reiche thätig und leben in Ruhe und Sicherheit, bis der fanatische Pöbel, durch Mandarinen aufgestachelt, die Oberhand bekommt. Das war nun leider in den letzten Jahren an verschiedenen Orten Chinas, zuletzt in der Provinz Schantung, der Fall.

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Karte von Schantung.

Im westlichen Teile dieser so ungemein fruchtbaren und dichtbevölkerten Provinz liegt einer der heiligsten Orte der ganzen buddhistischen Welt, eine Art buddhistisches Jerusalem, denn in der Stadt Kiu-fao wurde im Jahre 551 vor Christi Geburt der größte Heilige Chinas und Ostasiens, Confucius, geboren. Noch heute leben in dieser Stadt die Nachkommen dieses Weisen, und vier Fünftel der 20000 Einwohner von Kiu-fao stammen mehr oder weniger direkt von ihm ab, oder führen doch wenigstens seinen Namen. Der Confuciustempel von Kiu-fao ist einer der großartigsten und kostbarsten des chinesischen Reiches; seine Wände sind mit prächtigen Inschriftentafeln bedeckt, welche von den Kaisern aller Dynastien seit zweitausend Jahren gespendet worden sind, und die im Tempel sowohl als in den ihn umgebenden Galerien aufgehäuften Schätze, durchweg Opferspenden von frommen Chinesen, bilden das kostbarste und reichhaltigste Museum chinesischer Kunstwerke; in dem den Tempel umgebenden Park erheben sich uralte Bäume, und nahe dem Eingang zu dem Palast des Confucius zeigt man den knorrigen Stamm einer Cypresse, welche von dem großen Manne selbst gepflanzt worden ist. Nicht weit von dem Tempel erhebt sich der hohe Grabhügel des großen Moralisten; auch eine Anzahl chinesischer Kaiser ist in seiner Nähe begraben, und im Südwesten von Kiu-fao, in der unweit davon gelegenen Stadt Tsiu-hien befindet sich überdies in einem uralten Parke seit mehr denn 22 Jahrhunderten die Grabstätte des berühmten Apostels von Confucius, des vielverehrten Mencius. Einige dreißig Kilometer nördlich von Kiu-fao liegt der berühmteste Wallfahrtsort von China, die Stadt Taingan, zu Füßen des heiligen Berges Tai-schan, auf welchem schon vor 41 Jahrhunderten chinesische Kaiser den Göttern geopfert haben und den auch Confucius bestiegen hat. Hunderttausende von Wallfahrern aus allen Teilen des Reiches strömen in jedem Jahre hier zusammen, und der ganze Bergdistrikt des westlichen Schantung wird von den Chinesen als heiliges Land angesehen. Wenn also christliche Missionäre ihre Tätigkeit gerade hierher verlegten, so waren sie sich der ihnen drohenden Gefahren wohlbewußt, und so sehr ihre Kühnheit und ihr Opfermut im Interesse des christlichen Glaubens Bewunderung verdient, ihr bedauernswerter Tod durch die Hand fanatischer Mörder erscheint hier erklärlicher als anderswo.

Glücklicherweise befand sich gerade zu dieser Zeit ein deutsches Kriegsgeschwader in den chinesischen Gewässern, so daß ein kräftiges Einschreiten zur Sühnung der Mordthat unmittelbar darauf erfolgen konnte. Am 15. November v. J. erschienen die Kreuzer „Kaiser“, „Prinzeß Wilhelm“, „Irene“ und „Arkona“ vor Kiaotschau und Viceadmiral von Diederichs ließ 600 Mann und 6 Geschütze landen. Die chinesische Besatzung der dort befindlichen Forts trat beim Anblick der deutschen Truppen den Rückzug an. So wurden dieselben ohne Blutvergießen eingenommen und an Stelle der chinesischen Flagge die deutsche [50] gehißt. Die deutsche Seemacht in den ostasiatischcn Gewässern, zu der außer den genannten Schiffen noch der Kreuzer vierter Klasse „Kormoran“ gehört, wurde durch eine zweite Division verstärkt, die aus den Kreuzern „Deutschland“, „Kaiserin Augusta“ und „Gefion“ zusammengesetzt ist und unter dem Befehl des Prinzen Heinrich steht. Nachdem der Kreuzer „Kaiserin Augusta“ schon früher von Kreta aus seine Reise nach Kiaotschau angetreten hatte, verließ Prinz Heinrich am 16. Dezember mit den beiden übrigen Schiffen den Kieler Hafen. Inzwischen gelang es aber der deutschen Diplomatie, die Angelegenheit in friedlicher Weise zu regeln. Es kam in Peking ein Vertrag zu stande, durch den China die Kiaotschaubucht mit allen Hoheitsrechten für 99 Jahre pachtweise an Deutschland abgetreten hat. So wurde nicht allein für einen besseren Schutz der Missionen in Schantung gesorgt, sondern Deutschland gewann zugleich einen Stützpunkt für seinen Handel in Ostasien und eine Kohlenstation für seine Schiffe.

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Landschaft im mittleren Schantung.

Kiaotschau mit seinem großen und sicheren Hafen wird sich unter deutschem Schutze gewiß zu einem blühenden Handelshafen entwickeln. Denn es ist günstiger gelegen als eine ganze Reihe der bisher dem europäischen Handelsverkehr in China geöffneten Häfen und besitzt auch ein reicheres, besser zugängliches Hinterland. War doch auch Hongkong vor einigen Jahrzehnten nur eine kleine Felseninsel ohne irgend welche Vegetation oder Kultur und nur von einigen hundert Fischern bewohnt. Im Jahre 1839 wurde es von den Engländern besetzt, und heute ist es die mächtigste Handelsmetropole des Ostens mit einer halben Million Einwohnern und einem Schiffs- und Warenverkehr, welcher mit jenen der Aehnlich war die Entwicklung von Shanghai; nördlich von diesem Handelsemporium des Yangtsestromes befinden sich noch drei offene Häfen auf chinesischem Gebiet: Tientsin, der Hafen von Peking, Niutschwang, der Hafen der Mandschurei, und Tschisu, der bisherige Hafen von Schantung. Wenn diese drei Häfen sich nicht in dem gleichen Maße entwickelt haben wie Shanghai, so hat dies seinen Grund in der weniger günstigen Lage in Bezug auf die Schiffahrt wie auch auf das Hinterland. Tschisu besonders liegt an der Nordspitze der weit in das Gelbe Meer vorspringenden Halbinsel von Schantung und ist mit dem Hinterlande nur durch einen elenden Karrenweg verbunden, so daß europäische Waren, welche für den westlichen Teil der Provinz Schantung bestimmt sind, großenteils nicht über Tschisu ihren Weg nehmen, sondern von Shanghai den Jangtsestrom aufwärts nach Tsching-kiang und von dort auf dem großen Kaiserkanal, welcher den Westen von Schantung durchzieht, an ihre Bestimmung gesandt werden. Für den europäischen Handel mit Schantung und für die Ausfuhr der mannigfachen und ungemein wertvollen Naturprodukte dieser fruchtbaren und mineralreichen Provinz ist kein Hafen so günstig gelegen wie gerade der von Kiaotschau, so daß sich nicht nur der Verkehr über Tschingkiang, sondern auch jener des Hafens Tschisu voraussichtlich nach Kiaotschau ziehen wird.

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Dorfstraße in Schantung.

Welche Wichtigkeit der Handel der Provinz Schantung mit der Zeit gewinnen wird, geht schon daraus hervor, daß Schantung bei einem Flächenraum von 140 000 Quadratkilometern, der also nicht viel größer ist als ganz Süddeutschland und die Reichslande zusammengenommen, mehr als die doppelte Bevölkerung dieses Gebietes besitzt. Während Süddeutschland mit Elsaß-Lothringen nur 12½ Millionen Einwohner zählt, hat die Provinz Schantung deren 30 Millionen und gehört somit zu den bevölkertsten Gebieten des Erdballs, an Dichtigkeit mit jener Belgiens vergleichbar. Auch in Bezug auf seine Lage ist Schantung dem europäischen Handel günstiger als die Mehrzahl der anderen Provinzen des chinesischen Riesenreiches. Denn während seine Osthälfte ganz vom Meere umschlossen ist, wird die Westhälfte von schiffbaren Flüssen sowie von dem schon genannten großen Kaiserkanal, einer der belebtesten und wichtigsten Wasserstraßen Chinas, durchzogen.

Die östliche, gebirgige Hälfte ist reich an mineralischen Produkten; in der Nähe der Stadt Wei oder Wei-sjang, die [51] seit altersher durch ihre Handelsbeziehungen berühmt ist, befinden sich ausgedehnte Steinkohlenlager, die großenteils zu Tage liegen und verhältnismäßig leicht ausgebeutet werden können. Bon Kiaotschau sind diese Kohlenlager nur etwa 100 km entfernt. Wohl ist die weit ins Meer vorspringende Halbinsel, auf welcher beide Städte liegen, gebirgig, allein die Richtung dieser Gebirgszüge ist nordsüdlich, und zwischen ihnen befinden sich weite fruchtbare, reichbewässerte Thäler, von welchen eines von Kiaotschau direkt nördlich in die Kohlengebiete führt, an welche sich östlich bei Ping-tu wertvolle Eisen-, Blei- und Goldlager anschließen. In früheren Jahrhunderten, als Kiaotschau noch ein bedeutender Hafen war, führte denn auch, wie erwähnt, ein schiffbarer Kanal mit Benutzung der dortigen Flüsse, vor allem des Kiao-ho, quer durch die Halbinsel und verband das Gelbe Meer mit dem Golf von Petschili. Der Kanal ist heute wohl verfallen, kann aber ohne große Mittel wieder hergestellt werden.

In den weiten Thälern der Halbinsel, dann im ganzen Westen und Süden der Provinz ist der Ackerbau in hoher Blüte; Weizen, Bohnen, Reis, Hirse, Erdnüsse, Baumwolle, Tsutsao, eine Pflanze zur Gewinnung von rotem Farbstoff, bedecken weite Strecken, und aus dem Getreidestroh stellen die Bewohner von Schantung massenhaft Strohgeflechte her, welche einen wichtigen Ausfuhrartikel von mehreren Millionen im Wert bilden. Der mittlere Theil der Provinz besitzt einen hochbedeutenden Seidenbau; die Seidenraupen werden auf Maulbeeren aber auch auf Eichen gezogen, und die Einwohner senden nicht nur die Cocons und gesponnene Seide, sondern auch fertige Seidenstoffe hauptsächlich nach Peking: in den nördlichen Gebieten befinden sich ausgedehnte Mohnpflanzungen zur Erzeugung von Opium. Wandert man durch die Provinz Schantung, so erblickt man oft fruchtbare grüne Thäler, in welchen die Dörfer weilerartig zerstreut liegen und die Häuser von Obstbäumen umgeben sind. Die Berge, deren Spitzen häufig von Tempelbauten gekrönt sind, zeigen dagegen nur einen spärlichen Pflanzenwuchs, an ihren Hängen tritt fast überall der nackte Fels zum Vorschein. In größeren Dörfern sind die Häuser massiv gebaut und die Straßen breit und regelmäßig angelegt. Eine unserer Abbildungen Seite 50 zeigt eine Dorfstraße, die gerade durch einen Zug mit Waren beladener Maultiere belebt wird, während wir auf der obenstehenden Abbildung chinesische Feldarbeiter an einem Bewässerungskanal dargestellt sehen.

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Chinesische Feldarbeiter.

Die Bevölkerung von Schantung ist friedfertig, arbeitsam und mäßig, dabei ist der Menschenschlag kräftiger und größer als im Süden und Westen von China; wenn der Volksreichtum kein größerer ist, so hat dies seinen Grund weniger in der Bedrückung durch die Mandarine als in den klimatischen Verhältnissen. In manchen Jahren herrscht große Trockenheit, in anderen werden die Ernten durch anhaltende heftige Regengüsse zerstört, welche auch die Flüsse aus ihren Ufern treten lassen und verheerende Überschwemmungen verursachen.

Ein weiteres Hindernis der Entwicklung von Schantung ist die Abwesenheit von Verkehrsmitteln. Auf dem ganzen Gebiete von der Größe Süddeutschlands befindet sich nur eine einzige für Karren benutzbare Straße, jene, welche von Tschisu an der Nordseite der Halbinsel in westlicher Richtung über Wei-sjang nach Tsinan, der Provinz-Hauptstadt, führt. Auch diese Straße ist in der Nähe Tschisus für Karren nicht benutzbar, und so bewegt sich der ganze Warenverkehr der Provinz, wo nicht Schiffsstraßen vorhanden sind, auf elenden Saumpfaden. Die Waren werden auf Maultierrücken oder Schiebkarren verladen, aber trotz der dadurch entstehenden Langsamkeit und Verteuerung des Transportes treffen in Tschisu täglich Tausende von schwerbepackten Maultieren ein. Der Transport von Eisen oder Kohlen aus den nur 150 Kilometer von Tschisu entfernten Minen dorthin kostet ebensoviel wie von Tschisu nach Europa!

Daß sich unter solch elenden Verhältnissen der Handel und Reichtum der Provinz nicht bester entwickeln konnten, liegt auf der Hand, und das erste Erfordernis einer neuen Verwaltung würde es sein müssen, dem Eisenbahnenbau allen möglichen Vorschub zu leisten, zunächst Kiaotschau mit der Hauptstadt Tsinan durch einen Schienenstrang zu verbinden. Der Bau bietet bei den ungemein günstigen Bodenverhältnissen keine Schwierigkeiten und in Anbetracht der dichten Bevölkerung sowie der massenhaft vorhandenen Waren ist der finanzielle Erfolg wohl außer Zweifel. Schon heute besitzt Tschisu, das nur einen Teil des Warenverkehrs von Schantung in seinen Händen hat, eine Ausfuhr von etwa 36 Millionen Mark und eine Einfuhr von etwa 30 Millionen Mark Wert. Daran ist England mit etwa 50% beteiligt, hierauf folgt in erster Linie Deutschland mit 23%, China selbst mit 20% und die restlichen 7% entfallen hauptsächlich auf Rußland und Japan. Man sieht allein daraus schon, zu welcher Bedeutung Schantung für Deutschland werden kann.

In den nächsten Jahren wird sich die Thätigkeit hauptsächlich auf Kiaotschau selbst werfen; ebenso wie in allen anderen offenen Häfen Chinas wird wohl auch dort in der Nähe der Chinesenstadt an einem für den Warenverkehr günstigen Teil der Bucht eine europäische Niederlassung entstehen, in welcher voraussichtlich die Deutschen am zahlreichsten vertreten sein werden. Neben den Kohlenlagern, Reparaturwerkstätten und Docks für die Schiffe werden auch „Hongs“ und „Godauns“ (Warenlager) europäischer und chinesischer Kaufleute errichtet werden, und rings um diese werden sich gewiß auch Tausende fleißiger kräftiger Bewohner von Schantung auf der Suche nach Arbeit und Erwerb ansiedeln.

Es fehlt also keineswegs an Arbeitskräften, und dieser Umstand, verbunden mit der günstigen Lage und einem gesunden, gemäßigten Klima, wird den neuen deutschen Hafen in China gewiß bald einer bedeutenden Blüte zuführen. Wohl sind dort die Winter kälter, die Sommer wärmer als in Deutschland, allein dank der Nähe des Meeres sind die Temperaturübergänge keine plötzlichen; Kiaotschau liegt nur 500 Kilometer von Shanghai, dieser europäischen Großstadt in China, entfernt, ist also von Schnelldampfern in einem Tage zu erreichen. Von dort können sämtliche Bedürfnisse europäischer Ansiedler mit Leichtigkeit befriedigt werden, im Verhältnis gerade so wohlfeil wie in Europa. Ist einmal der Kanal durch die Halbinsel von Schantung hergestellt, so wird sich gewiß ein Teil des großen Schiffs- und Tschunkenverkehrs zwischen dem Süden und Peking über Kiaotschau wenden und dadurch zu einer neuen Quelle des Erwerbs werden. Deutschland kann sich also zu seiner ersten Erwerbung in Ostasien mit Recht beglückwünschen.