Hauptmenü öffnen
Textdaten
>>>
Autor: Ernst Ziel
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Kein Elternhaus mehr
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 517
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1875
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[517]
Kein Elternhaus mehr.

      Nun hegt auf dem Herde,
Wo hold ich die Tage
Der Kindheit verträumte,
Die Flamme ein Fremder.
Ich segne in Wehmuth
Sein Walten und Wohnen
Im Haus meiner Väter
Und grüß’ ihn von ferne.
      Mir aber, mir wandern
Die düstern Gedanken
Verwehrte Wege
Zu Gräbern des Glückes,
Als wäre mir Wonne
Und Liebe und Leben
Verschüttet, verschollen,
     Es meldet das Märchen:
Wenn schon sich umschattet
Im Schauer des Todes
Die sinkende Wimper,
Dann wandle noch einmal
Vorm bangenden Geiste
Das Bildniß der Jugend
In Rosengewölken
Wie winkend vorüber.
      O, gäbe ein Gott mir,
Im Scheiden zu schauen
Dich, sehnsuchtgesuchtes Asyl
Meiner Kindheit!
Dann pflanzt’ ich und pflückt’ ich
Wie sonst wohl im Sommer
Reseda und Rosen
Auf blumigen Beeten
Im Garten der Eltern.
Durch schattige Gänge
Käm’ sinnend geschritten
Die sorgende Mutter.
Sie legte mir leise
Auf’s Haupt wohl die Hände
Und lächelte linde,
Mich segnend in Sanftmuth.
Wohl schaut’ ich in’s liebe,
Verehrte Gesicht ihr
Beseligt noch einmal
Und schlösse die Augen
Und schliefe hinüber,
Hinüber in Schweigen.


Leipzig, 12. April 1875.
Ernst Ziel.