Königin Christina von Schweden

Textdaten
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Autor: Otto Beneke
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Titel: Königin Christina von Schweden
Untertitel:
aus: Hamburgische Geschichten und Sagen, S. 312–314
Herausgeber:
Auflage: 2. unveränderte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Perthes-Besser & Mauke
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Erscheinungsort: Hamburg
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Quelle: Google, Commons
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[312]
106. Königin Christina von Schweden.
(1654.)

Ganz unerkannter Weise langte die Königin Christina von Schweden am 3. Juli 1654 in Hamburg an, denn sie kam in Mannskleidern, den Degen an der Seite, einhergeritten. Sie nahm ihre Herberge in dem Hause ihres Agenten, des reichen Portugiesischen Juden Emanuel Texeira, hinter der neuen Michaelis-Kirche, am Krayenkamp. Sobald E. E. Rath solches erfahren, ließ er Ihre Majestät durch zwei Herren seines Mittels becomplimentiren und ihr einiges Silbergeräth [313] überreichen, wie allezeit bei solchen Anlässen gebräuchlich. Welches sie auch gnädigst an- und aufnahm. Folgenden Sonntags fuhr die Königin gegen 9 Uhr nach St. Petri-Kirche. Das Raths-Gestühlte daselbst war mit köstlichen Tapezereien belegt und behangen. Die Königin und der Landgraf Friedrich von Hessen nebst seiner Gemahlin nahmen hier Platz. Der Pastor und Senior Dr. Müller hielt eine schöne Predigt, und legte den Text aus von der Königin aus Arabia, mit welcher er die Königin Christina gar sinnreich verglich. Sie aber hörte ersichtlich wenig zu und hatte der trefflichen Rede kein Acht; gleichwohl beschenkte sie hernach den Herrn Doctor mit einer güldenen Gnadenkette. Es war noch eine schöne Musik angeordnet; wie solche nach der Predigt recht angehen sollte, und die Chor-Jungen und Cantoren eben hoch und tief ausholten zum kräftigen Intoniren, da hatte Ihre Majestät übergenug und ging aus der Kirche, was nicht ganz unanstößig vermerkt worden ist. Der Raths-Schenk Benedict Petersen fand hernach auf ihrem Sitze ein Buch, das war von Zibeth wohlriechend gemacht und in braunroth Leder gebunden, auch stark verguldet; er dachte, es wär etwa ein Schwedisch Gesang- oder Gebetbuch, als er’s aber öffnet, da waren es des heidnischen Dichters Virgilius Carmina. Er trug das Buch zum worthaltenden Bürgermeister Barthold Moller, dieser befahl ihm, solches alsbald Ihrer Majestät wieder einzuhändigen. Als er es nun Derselben überreichte und dabei mit bedeutsamer Ernsthaftigkeit die Bermerkung that, wo er’s gefunden, da hat die Königin das Buch mit gar sonderbarem, fast sportlichem Lächeln in Empfang genommen, was den Herrenschenken sehr gewundert.

Fast alle Tage, so lange sie hier war, ist sie bald in Manns-, bald in Frauen-Kleidern ausgeritten, zu großem Aergerniß mancher der ehrbaren Frauen Hamburgs. Am 16. Juli wurde sie nebst den Hessischen Herrschaften und andern [314] Standespersonen auf der Burg zu Wandsbeck (die dem Dänischen Residenten Albert Balthasar Berens gehörte) herrlich bewirthet, so daß sie sich bis nach Mitternacht erlustirte. Als sie heimkehrte, war das Steinthor längst verschlossen, und wurde selbiges ihr erst auf expresse Order Herrn Bürgermeister Moller’s eröffnet, welcher Herr darüber beinahe Verdruß bekommen, indem die Bürger hierüber fast schwürig geworden waren.

Morgens darauf mit Thoröffnung ritt sie wiederum davon.

Anmerkungen

[387] Geschichtlich. Steltzner III. 697–699. Granert, Königin Christina und ihr Hof, II. 9. 10.