König Humbert von Italien und seine Gemahlin

Textdaten
Autor: Unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: König Humbert von Italien und seine Gemahlin.
Untertitel:
aus: Volksblatt. Eine Wochenzeitschrift mit Bildern. Jahrgang 1878, Nr. 8, S. 57–58
Herausgeber: Dr. Christlieb Gotthold Hottinger
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Dr. Hottinger’s Volksblatt
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Straßburg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]

[57]

König Humbert von Italien und seine Gemahlin.

An demselben Tage, an welchem der verstorbene König von Italien, Victor Emanuel, das Licht der Welt erblickte, am 14. März, ist auch sein Sohn, der jetzige König Humbert I., geboren (Victor Emanuel im Jahre 1820, Humbert 1844).

Seine Mutter, Adelheid, Tochter des Erzherzogs Rainer von Oesterreich, verlor er, als er noch nicht 11 Jahre alt war (Sie starb am 20. Januar 1855). Schon frühe führte ihn sein Vater in das öffentliche Leben ein, nahm ihn z. B., als im Jahre 1859 Krieg gegen Oesterreich ausbrach, zum Heere mit. Im 1866er Feldzuge befehligte er bereits – mit dem Range eines Generallieutenants – eine Division.

Am 22. April 1868 verehelichte er sich mit Margaretha von Savoyen. Dieselbe ist am 20. November 1851 geboren als Tochter des (1855 verstorbenen) Prinzen Ferdinand von Savoyen, Herzogs von Genua (Bruders des Königs Victor Emanuel) und der Prinzessin Elisabeth von Sachsen, einer Tochter des verstorbenen Königs Johann von Sachsen. Ehe Rom Hauptstadt des Königreichs Italien wurde, lebte Humbert mit seiner Gemahlin in Neapel; dort wurde ihnen am 11. November 1869 ein Söhnchen geschenkt, der nunmehrige Kronprinz Victor Emanuel.

Der am 9. Januar d. J. unerwartet schnell erfolgte Tod seines Vaters führte ihn auf den Thron des schönen Italiens. Am 19. Januar leistete er vor den Mitgliedern des Parlaments den Eid auf die Verfassung. Derselbe lautete: „In Gegenwart Gottes schwöre ich, die Verfassung treu zu beobachten, die königliche Macht nur kraft und in Gemäßheit der Gesetze auszuüben, Jedem nach seinem Rechte volle und genaue Gerechtigkeit zu Theil werden zu lassen, und in jeder Sache einzig und allein dem Interesse, dem Wohlergehen und der Ehre der Nation gemäß zu handeln.“

Gleich am Beginne seiner Regierung konnte er wahrnehmen, daß das Volk ihm mit großer Liebe entgegenkam. Wie mußte er sich schon dadurch gehoben fühlen, [58] daß, wie er kurz nach seiner Eidesleistung in einer Ansprache an die Abgeordneten sagte, das Andenken an seinen Vater „aus allen italienischen Familien eine einzige machte!“

Der Feierlichkeit im Abgeordnetenhause wohnte auf seinen ausdrücklichen Wunsch der mit ihm innig befreundete deutsche Kronprinz Friedrich Wilhelm bei. Derselbe war nach Rom gekommen, um die herzliche Theilnahme seines Vaters und des deutschen Volkes an dem Hinscheiden Victor Emanuels auszudrücken. Seine ritterliche Gestalt, sein gewinnendes Auftreten, sein ruhmvoller Name hatten ihn bei den Römern zu einem besonders lieben Gast ihrer Stadt gemacht; mit lautem Hochrufen, mit dem Ausdruck herzlicher Freude wurde er von ihnen schon bei seiner Ankunft begrüßt.

Als die königliche Familie nach der Eidesleistung in den Quirinal zurückgekehrt war, sammelte sich vor dem Palaste eine große Menge Volks, welches sie sehen wollte. Der König erschien unter vieltausendstimmigem Jauchzen der Anwesenden mit seiner Gemahlin auf dem Balkon. Beide ziehen sich nach einer Weile wieder zurück. Aufs Neue gibt sich das Verlangen kund, sie möchten sich nochmals zeigen. Sie willfahren demselben. Nun tritt auch der deutsche Kronprinz heraus, nimmt den kleinen Königssohn auf die Arme, drückt ihn an sein Herz, küßt ihn und zeigt ihn dem Volke. Wer vermag den Jubel zu schildern, in den die Römer nun ausbrachen? Es war ein so hinreißender Auftritt, daß noch lange nachher davon gesprochen, in Zeitungen darüber berichtet wurde. Der Erbe des deutschen Kaiserthrons, der sich im Kreise seiner eigenen blühenden Kinderschaar so wohl fühlt, herzt Italiens Kronprinzen und zeigt ihn dem Volke! In der That ein Bild zum Malen schön, wohl geeignet, in jedem Deutschen, der sein Vaterland lieb hat, den Wunsch zu wecken, es möge von guter Vorbedeutung dafür sein, daß die beiden Völker, Italiener und Deutsche, deren jedes nach jahrhundertelangem vergeblichem Mühen erst vor wenigen Jahren das heißersehnte Ziel der Einigung seiner Stämme erreichte, stets im Frieden mit einander leben als Glieder einer durch die Sprache zwar getrennten aber durch innere Eintracht verbundenen Familie.

Ehe der deutsche Kronprinz Italien verließ, telegraphirte er am 20. Januar an König Humbert: „Bevor ich die Grenze überschreite, erflehe ich jegliches Wohlsein auf Dich, auf Margaretha und auf Italien herab. Ich bete für Dein Reich zur Vorsehung. Sei umarmt von Deinem Bruder Friedrich Wilhelm.“

König Humbert wird als ein feingebildeter, ernster, ziemlich schweigsamer Mann geschildert; in seiner Rede im italienischen Abgeordnetenhause sprach er den Regierungsgrundsatz aus, „daß die gewissenhafte Achtung freier Einrichtungen der sicherste Schutz gegen alle Gefahren sei, und daß die Aufrichtigkeit der Gedanken und die Einigkeit in der Liebe zum Vaterlande sicherlich die Stützen seien, welche er auf dem schwierigen Wege finden werde, den sie gemeinsam zurückzulegen hätten.“ Seine Gemahlin genoß eine sehr gute Erziehung; es werden an ihr gewinnende Anmuth, bezaubernde Liebenswürdigkeit und Leutseligkeit gegen Jedermann gerühmt. In einer Schilderung der Gesellschaftsabende, welche sie als Kronprinzessin im Quirinal abhielt, heißt es: „Der Ton, der bei diesen Zusammenkünften herrscht, ist ein durchaus ungezwungener. Man lacht und scherzt, als wäre man bei guten Bekannten, und die Kronprinzessin selbst stimmt freudig in den heiteren Ton ein. Auch bei den großen Hoffestlichkeiten, wo ihr die Pflicht obliegt, mit Victor Emanuel gemeinsam das königliche Haus zu vertreten, waltet sie ihres Amtes mit gleicher Liebenswürdigkeit.“

In seinem häuslichen Leben hat Victor Emanuel leider Vielen großen Anstoß gegeben; es ist daher um so erfreulicher, von der Familie seines Sohnes so Angenehmes berichten und einen segensreichen Einfluß auf das Volk von ihr hoffen zu dürfen.