In einer Bataille von einem Offizier

Textdaten
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Autor: Friedrich Schiller
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Titel: In einer Bataille
Untertitel: von einem Offizier
aus: Anthologie auf das Jahr 1782, S. 49 – 53
Herausgeber: Friedrich Schiller
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1782
Verlag: J. B. Metzler
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Quelle: Scans auf Commons
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[49]
In einer Bataille
von einem Offizier.


          Schwer und dumpfig
          Eine Wetterwolke
Durch die grüne Ebne schwankt der Marsch.
     Zum wilden eisernen Würfelspiel

5
Strekt sich unabsehlich das Gefilde,

     Blicke kriechen niederwärts,
An die Rippen pocht das Männerherz,
     Vorüber an holen Todengesichtern
     Niederjagt die Front der Major,

10
          Halt!

Und Regimenter fesselt das starre Kommando.

               Lautlos steht die Front.

Prächtig im glüenden Morgenroth
Was blizt dorther vom Gebürge?

15
Seht ihr des Feindes Fahnen wehn?

Wir sehn des Feindes Fahnen wehn,

[50]

Gott mit euch Weib und Kinder.
Lustig! hört ihr den Gesang?
Trommelwirbel, Pfeiffenklang

20
Schmettert durch die Glieder

Wie braußt es fort im schönen wilden Takt!
Und braußt durch Mark und Bein.

               Gott befohlen Brüder!
               In einer andern Welt wieder.

25
Schon fleugt es fort wie Wetterleucht,

Dumpf brüllt der Donner schon dort
Die Wimper zukt, hier kracht er laut,
Die Losung braußt von Heer zu Heer,
Laß brausen in Gottes Namen fort,

30
Freier schon athmet die Brust.


               Der Tod ist los – schon woogt sich der Kampf
               Eisern im wolkigten Pulverdampf
               Eisern fallen die Würffel.

[51]

Nah umarmen die Heere sich,

35
Fertig! heults von Ploton zu Ploton,

Auf die Kniee geworfen
Feur’n die Vordern, viele stehen nicht mehr auf,
Lücken reißt die streifende Kartetsche,
Auf Vormanns Rumpfe springt der Hintermann,

40
Verwüstung rechts und links und um und um,

Bataillone niederwälzt der Tod.

               Die Sonn löscht aus – heiß brennt die Schlacht,
               Schwarz brütet auf dem Heer die Nacht.
                    Gott befohlen Brüder!

45
                    In einer andern Welt wieder.


Hoch sprizt an den Nacken das Blut,
Lebende wechseln mit Toden, der Fuß
Strauchelt über den Leichnamen –
„Und auch du, Franz?“ – „„Grüße mein Lottchen Freund;““

50
Wilder immer wüthet der Streit,
[52]

„Grüßen will ich“ – Gott! Kameraden! seht
Hinter uns wie die Kartetsche springt!
„Grüßen will ich dein Lottchen, Freund
„Schlummre sanft! wo die Kanone sich

55
„Heischer speit stürz ich Verlaßner hinein.


               Hieher, dorthin schwankt die Schlacht,
               Finstrer brütet auf dem Heer die Nacht,
                    Gott befohlen Brüder!
                    In einer andern Welt wieder!

60
Horch! was strampft im Galopp vorbei?

          Die Adjutanten fliegen:
Dragoner rasseln in den Feind
          Und seine Donner ruhen.
     Victoria Brüder,

65
Schrecken reißt die faigen Glieder!

     Und seine Fahne sinkt.

[53]

               Entschieden ist die scharfe Schlacht,
               Der Tag blikt siegend durch die Nacht!
                    Horch! Trommelwirbel, Pfeiffenklang

70
                    Stimmen schon Triumfgesang!

               Lebt wohl ihr gebliebenen Brüder
               In einer andern Welt wieder.

v. R.