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Textdaten
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Autor: Carl Leyell
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Titel: Historie des Salmiacs
Untertitel: aus dem letzten Quartal 1751. der Kongl. Svenska Wetenskaps - Academiens Handlingar
aus: Physikalische Belustigungen. Siebenzehntes Stück, S. 493–510
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Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1752
Verlag: Christian Friedrich Voß
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer: Stil
Originaltitel: Historia om sal ammoniacum (Quelle)
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[493]
2.
C. Leyells
Historie des Salmiacs,
aus dem letzten Quartal 1751. der Kongl. Svenska
Wetenskaps - Academiens Handlingar
übersetzt
von
Herrn Stils,
aus Christiania in Norwegen.

Der Salmiac ist an sich selbst bey den Chymisten ein bekanntes Salz und wird von denselben bey verschiedenen Arbeiten gebraucht. Es würde also unnöthig seyn, den Unterschied zwischen diesem Salze und andern Salzen und dessen Eigenschaften nach der Chymie zu beschreiben. [494] Auch halte ich für überflüßig, die verschiedenen Namen anzuzeigen, welche unsere Vorfahren diesem Salze gegeben haben; Da sie es Lapis adir Audix genennet, und ihm mehr dergleichen seltsame Namen gegeben, um das, was sie darunter verstanden, zu verdunkeln. Bey einigen wird es auch der weisse Adler genennet, und dieses wegen dessen raubender Kraft, und weil es das Metall ausspüret, besonders das schlechteste.

In des Herrn Caspar Neumanns chymischen Vorlesungen findet man hiervon einen großen Vorrath, und rechnet er 48. dergleichen Namen, womit der Salmiac bezeichnet worden. Die bey den Schriftstellern gebräuchlichsten Namen sind folgende: Sal Ammoniacum, Armoniacum, Hammoniacum, Ammoniacale, Armeniacum. Ammonium, Sal Cyrenaicum, Sal arenosum oder Arenae. Auch wird es von einigen der König des Salzes, oder auch Salmiac genennet.

Von den vier ersten dieser Namen haben einige Schriftsteller Gelegenheit genommen, den ersten Ursprung des Salmiacs zu bestimmen, indem derselbe in vorigen Zeiten in dem sandigen Feldern, ohnweit dem Tempel des Jupiter Ammons in Lybien durch den Urin der Kameele hervorgebracht und gesucht, und also Ammons Salz genennet worden.

Einige glauben auch, daß dieses Salz ehedem aus Armenien gekommen, und daher Sal Armeniacum, oder richtiger, Sal Armenianum, genennet worden. Andere meynen, es habe von der Cyrenischen Landschaft Ammonia, wo dieses Salz in [495] großer Menge soll seyn gegraben worden, den Namen, daher es auch Sal Cyrenaicum oder Ammonium genennet worden.

Es kann nun dieses einerley seyn, ob das Wort Ammoniac von Ammons Tempel, oder von Ammonia, oder von einer andern Landschaft, oder, wie einige meynen, von dem Griechischen Wort άμμος, welches Sand heist, herkömmt. Dieses ist eine Sache von geringer Wichtigkeit, und gründet sich bloß auf Muthmaßungen. Soll man aber dem Bericht der alten Naturkündiger, und dem, was sie davon schreiben glauben, so ist der von ihnen sogenannte rechte Salmiac nicht nur eine andere Art Salz, als das, welches wir itzo also nennen, sondern es ist auch eine wirkliche Hervorbringung der Natur.

Plinius sagt in seiner Naturgeschichte, im 3. Buch, im 6. Cap. welches vom Salz handelt; gleich nachdem er von dem Bergsalz Meldung gethan, welches auf dem Berg Oromenus in Indien soll gefunden werden, daß man es auch in Cappadocien aus der Erde ausgrabe, wie auch in Pelusien, imgleichen zwischen Egypten und Arabien, wo es aus der Erde, an sumpfigen Oertern, unter dem Sande ausgegraben werde. Er sagt auch, daß man ein solches Salz gegen Africa, bis an Ammons Orakel, wie auch in der Cyrenischen Landschaft eine Art Salz unter dem Sande gefunden, welches Sal Ammoniacum genennet worden. An Farbe, fährt er fort, gleichet es der Alaune, welche sie [496] Schistus nennen, aus langen Scheiben bestehet und nicht durchsichtig ist, einen widerlichen Geschmack hat, zur Heilung aber nützlich ist? u. s. w.

Agricola nennet in seinem Buche, worinnen er von der Natur der Fossilien handelt, dieses Salz Ammoniacum, welches bey Pelusien gefunden worden, und gedenkt auch des übrigen, was itzt aus dem Plinius angeführet worden.

Plinius berichtet weiter, daß, so lange dieses Salz in seinen Gruben liege, dasselbe sehr leicht sey, daß es aber eine unglaubliche Schwere annähme, so bald es in die freye Luft käme.

Wenn dieses nun in der That sich so verhalten, so ist zu merken, daß es, in Ansehung dieser Eigenschaften, noch eher ein alkalisches Salz gewesen, da es denn, wenn es an die Luft gekommen, Nässe an sich gezogen, und also schwerer geworden. Denn so viel uns bekannt ist, so hat man keine Erfahrung gehabt, daß weder der gemachte itzt bekannte, noch der von der Natur an gewissen Oertern erzeugte Salmiac, an der Luft seine Schwere verändert hätte.

Plinius sagt auch in dem oben angeführten Capitel, daß das Salz, wovon er redet, verfälscht würde; welche Worte Agricola in seinem Buche von den Fossilien wiederholet, und hinzusetzt, daß diese Betrügerey leicht zu merken sey; denn wenn das Haf-oder Seesalz ins Feuer geworfen werde, sagt er, so knistere es, und springe weg, welches aber das Indianische Salz nicht thäte. Der falsche Salmiac wird in Kisten gemacht, und [497] knistert nicht im Feuer: aber er verfliegt und verzehret sich ganz und gar. Der ächte Salmiac hingegen hat eine langgestreifte äuserliche Rinde, knistert im Feuer und springt weg.

Agricola scheinet, da er von dem Salmiac handelt, der Meynung zu seyn, als ob dieses Salz ein Brunnensalz oder ein Bergsalz sey, und macht also dieses Salz zu einem gegrabenen Salze.

Man merket dennoch aus dem, was er unter dem Worte Salmiac verstanden, daß dieses ein ganz anderes Salz gewesen, als das, was wir itzo mit gleichem Namen benennen, und scheinet es sehr wohl mit dem falschen oder nachgemachten Salmiac, in Ansehnung derer Eigenschaften, welche er ihm belegt, übereinzukommen, indem unser Salmiac nicht, wie jenes, im Feuer knistert, sondern gänzlich verflieget. Auch hat dieser keine längliche Scheiben, wie der, welchen Agricola zu seiner Zeit für den rechten ausgiebt, und welcher, nach seiner Beschreibung, dem Berg oder Küchensalze, Sal commune, welches, wie bekannt, im Feuer springet und knistert, an sich selbst aber nicht flüchtig ist, gleich seyn soll.

Dioscorides, da er von dem Salmiac schreibt, welcher bey Ammons Tempel soll seyn gefunden worden, sagt, es wäre eine Art elementarisch Salz, hart, durchsichtig, weiß, scheibigt und von mineralischem Wesen, und er scheinet also auch nicht den itzo bekannten Salmiac darunter verstanden zu haben.

Mit einem Worte, die Nachrichten, welche die Alten uns von diesem Salze hinterlassen haben, sind so dunkel, daß man nicht mit Gewißheit daraus sehen kann, ob alle unter einerley Namen, einerley [498] Art Salz verstanden, oder ob sie verschiedene Meynungen, von dem Salmiac gehabt haben, und was für eine Art von Salz es eigentlich gewesen sey. Denn die meisten dieser Schriftsteller werden hier, gleichwie in andern Fällen nur das abgeschrieben haben, was von ihren Vorfahren angemerket worden, ohne daß sie selbst die Sache, wovon sie geschrieben, untersucht hätten.

Was nun aber den in spätern Zeiten durch Kunst zubereiteten und so genannten officinalen Salmiac anlangt, als welcher ein Mittelsalz ist, und aus der Küchensalzsäure, und einem flüchtigen Alkal bestehet, so wissen wir, daß derselbe in Epgypten verfertiget, und vermittelst des Levantischen Handels in Gestalt runder Kuchen nach Europa gebracht wird, welche Kuchen ohngefähr eine Querhand dick sind, und 8. bis 10. Zoll im Durchmesser haben. Auf der einen Seite sind sie hohl, und auf der andern erhaben, wo sie oben wie ein Knopf formiret sind, welche Figur sie ohnfehlbar von dem Gefäß haben, worinnen sie sublimiret worden.

Es giebt noch eine andere Art gemachten Salmiac, welcher nur äuserlich von jenem unterschieden ist, und aus Indien gebracht wird: er ist aber bey uns nicht so bekannt und gebräuchlich, als der Egyptische.

Er hat die Figur eines Zuckerhuts, von welchem die Spitze abgeschlagen ist. Herr Geoffroy der jüngere berichtet in den Memoiren der Königl. Franz. Akad. der Wiss. im Jahre 1723, 211. S. daß die Salmiacshüte, welche er gesehen, im Boden [499] 9. Zoll, in der Spitze 3 ¼ Zoll dick, und 11. Zoll hoch gewesen.

Was nun den Salmiac anlangt, von welchem wir itzo gehandelt, und von welchem Herr Hasselquist, ein werthes Mitglied unserer Akademie, aus Cairo eine Beschreibung eingesandt hat, so ist dessen Ursprung, und die Art, wie er verfertiget wird, nunmehr keine unbekannte Sache mehr, wie vordem, da man noch keine sichere Nachricht davon gehabt. Die Chymisten sind damals wegen der rohen Meterialien zu diesem Salze noch nicht einig gewesen, ob sie gleich befunden, daß es ein Werk der Kunst sey. Es finden sich verschiedene Muthmaßungen zu Auflösung dieses Knotens. Man findet auch noch in Büchern verschiedene Beschreibungen der Verfertigung des Salmiacs. Diese gehen aber alle dahin, daß er aus Urin, Küchensalz und Ruß verfertiget werde. Woraus sie auch zugleich schließen wollen, daß er auch in Egypten von diesen Vermischungen verfertiget werde.

Ja man findet auch unter den neuern chymischen Schriftstellern einige, welche wegen Verfertigung des Egyptischen Salmiacs gefehlet, wenn sie sagen, derselbe werde von Kameelurin, Küchensalz und dem besten Holzruß mit einander inspissiret, dann in Wasser gekocht, hernach getrocknet und sublimiret, alsdann wieder aufgelöset, depuriret und coaguliret. Ob sie gleich nähere Nachricht gehabt, so sind sie doch bey dieser ungereimten Beschreibung der Verfertigung des Salmiacs der Spur der Alten gefolget; und zwar ein Theil aus Unwissenheit und nach den [500] zu ihrer Zeit davon abgefaßten Schriften; ein Theil aus Blindheit, da sie von der alten Meynung einmal eingenommen gewesen. Es bestehet demnach Herr Neumann in seinen chymischen Vorlesungen darauf, daß die, welche zwar sowohl zu Delta die Bearbeitung des Salmiacs gesehen, als auch davon geschrieben, dennoch keine genaue Nachricht von dessen Mischung bekommen, sondern, daß die Egypter ihnen das Wesentliche verborgen gehalten, wie in dessen Buche mit mehrerem zu ersehen ist.

Ein gewisser Schriftsteller in Deutschland, welcher 1750. eine metallurgische Chymie herausgegeben, scheinet ebenfalls dieser Sache nicht recht kundig zu seyn, indem er mit einigen Worten, den Ursprung des Salmiacs anzeigt, und sagt, daß derselbe in Egypten und Venedig von Küchensalz, Urin und Spiegelruß gemacht werde. Wo er und andere dergleichen Nachrichten her bekommen, davon schweigen sie. Man hat auch niemals gehöret, daß in Venedig Salmiac gemacht worden, obgleich die dasigen Einwohner Handlung damit getrieben und denselben aus Egypten geholet.

Was noch zuverläßiges von der Zubereitung des Salmiacs in Egypten geschrieben worden, das haben folgende glaubwürdige Männer gethan.

Der Pater Sicard, ein Jesuit, welcher nach Egypten geschickt worden, hat unterm 1. Jun. 1716. aus Cairo einen Brief an den Grafen von Toulouse geschrieben, in welchem er ihm die Zubereitung dieses Salzes auf der Insel Delta bey Damagera berichtet. Dieser Brief ward 1717. in [501] dem zweyten Band der Nouveaux Mémoires des Missions de la Compagnie de Jesus eingerücket.

Dieses ist, so viel man weis, die erste Nachricht von der Verfertigung des Salmiacs, welche in Europa durch den Druck bekannt gemacht worden.

Herr Sicard beschreibt darinne kürzlich die dazu gebräuchlichen Ofen, die Gläser und die eigentliche Materie, womit selbige angefüllet werden. Diese, sagt er, bestehe aus gebranntem Viehmist, ein wenig Meersalz und Urin, woraus der Salmiac sublimiret und in Form einer runden weissen Masse gemacht werde.

Durch die Bemühung der Königl. Franz. Akademie der Wissenschaften ist diese Sache hernach weiter untersuchet und die Art der Zubereitung dieses Salzes in Egypten deutlich beschrieben worden. In das Jahr 1720. der Memoiren erwähnter Akademie hat Herr Geoffroy der jüngere Anmerkungen über die Eigenschaften und Zusammensetzung des Salmiacs eingerücket, und denselben einen Bericht davon beygefüget, welchen der Französische Consul zu Cairo, Herr Lemere, unterm 29. Jul. 1719. an die Akademie eingesandt hat.

Dieser Bericht stimmet darinne mit jenem wohl überein, daß der Ruß von Viehmist sey: aber von der Zuthuung des Meersalzes und des Urins gedenket Herr Lemere kein Wort, sondern daß daselbst der Salmiac einzig und allein von Ruß aufgetrieben (sublimiret) werde.

Dieses scheinet auch der weit gereiste Engländer, Thomas Shaw, in seiner Reisebeschribung in einen großen Theil der Barbarey und der [502] Levante, welche er, nachdem er diese Länder durchreiset, im Jahr 1738. zu Oxford herausgegeben, zu bestärken. Er berichtet in dem Anhange, a. d 55. S. der Salmiac werde von Kameelmist, als welcher der stärkste und beste dazu wäre, gemacht; dieser Mist werde besonders hierzu gesammlet, und in den Caminen anstatt Holz gebrannt, und nur der Ruß davon werde in die zu Cairo befindlichen Salzfabriken gebracht, wo man ihn in große Flaschen thue, und in selbigen den Salmiac daraus auftreibe. Er schließt auch seinen Bericht mit diesen Worten: Wenn der Salmiac fertig ist, so wird der Hals von den Flaschen abgeschlagen, der Kuchen herausgenommen, und in dieser Gestalt wird es nach England gesandt.

Weiter belehret uns nach der itzt gedachten Beschreibung der Bericht des Herrn Hasselquist, welchen die hiesige Königl. Akademie der Wissenschaften von ihm erhalten, und in welchem er meldet, wie der Salmiac in Egypten zubereitet wird, daß nämlich dessen Wesen eigentlich in Ruß von allerley Mist von Thieren, welche er nennet, bestehet, und daß der Mist von Kameelen von anderem Miste nicht hierinnen unterschieden, oder besser sey, viel weniger der Urin derselben.

Dieser Bericht scheinet der zuverläßigste von allem denjenigen zu seyn, welche hiervon nach Europa gekommen. Unter andern nützlichen und diese Art der Oekonomie betreffenden Anmerkungen, zeigt Herr Hasselquist auch die rechte Jahreszeit an, [503] wenn dieser Mist gesammlet, und die Art, wie er zum Salzbrennen geschickt gemacht wird. Wir haben insonderheit Ursache, demselben für die wichtige Erläuterung zu danken, welche er uns von dem Grunde dieses Salzes gegeben, nämlich, daß das Küchensalzsaure seinen Ursprung in den dazu genommenen Materialien hat, und nicht besonders dazu gethan wird. Dieses Küchensalzsaure befindet sich in dem Mist, und in demselben entstehet es theils aus den salzigen Gewächsen, welche das Vieh in Egypten genießet, theils aus dem salzigen Wasser, welches es trinket.

Diesen Umstand hat zuvor keiner von allen denen, welche von dem Egyptischen Salmiac geschrieben, angemerket. Daher ist es auch gekommen, daß die, welche des Herrn Lemere und Shaw Bericht gelesen, nicht so leicht inne werden können, wo diese Salzsäure in dem Salmiac herrühre, welche man auch in anderem Viehmist nicht bemerket, und der auch nicht zum Salmiac tüchtig ist. Viele haben deswegen der Vermischung des Herrn Sicard Beyfall gegeben, indem derselbe ausdrücklich sagt, daß Seesalz mit dazu genommen werde. Woher er seine Nachricht gehabt, ist nicht bekannt, und es kann seyn, daß er sich nach anderer ihren Nachrichten gerichtet, und selbst nicht gegenwärtig gewesen, wenn die Materie eingelegt worden.

Da Herr Hasselquist die Verfertigung dieses Salzes beschreibet, so stimmet er in demjenigen, was Herr Lemere davon an die französische Akademie der Wissenschaften berichtet, nicht vollkommen übereyn: indessen sind sie in der Hauptsache nicht [504] unterschieden, sondern scheinen darinne sehr überein zu kommen. Sie sind eigentlich nur darinne unterschieden, wie die Aufstellung der Gläser geschieht, wieviel ihrer auf jeden Ofen gesetzt werden, und wieviel Salmiac verfertiget wird.

Der Unterschied in Ansehung der Oefen kann leicht daher rühren, daß, seit dem Herrn Lemere in Egypten gewesen, darinnen eine Aenderung gemacht worden, und daß man sich itzo größerer Oefen bedienet, oder daß sie auf verschiedene Einrichtungen ihr Augenmerk gehabt.

Was die Menge des verfertigten Salzes anlangt, so berichtet Herr Lemere, daß damals bey 25. große und etliche kleine Fabriken zu Damagera gewesen, und daß daselbst jährlich 1500. bis 2000. Centner Salmiac verfertiget worden. Herr Hasselquist aber sagt, daß nur 600. Canthar Gerovini, welche 848. Center und 57. Pfund ausmachen, jährlich aus Cairo verführet würden; welcher Absatz sich nicht auf die Hälfte des von dem Herrn Lemere angezeigten beläuft. Man könnte sich also vorstellen, daß das übrige aus andern Egyptischen Häven nach andern Oertern verführet würde, welches Herr Hasselquist so eigentlich nicht wissen können. Vielleicht kann auch ein Theil davon im Lande gebraucht werden, wenn itzo noch soviel, als vor 32. Jahren, wie Lemere schreibt, gemacht wird.

Ob nun gleich vor diesem wegen der Zubereitung des Salmiacs viel Streit gewesen, so können doch aus des Herrn Hasselquist Berichte, zur Erläuterung der Historie des Salmiacs folgende zwey Schlußsätze mit Gewißheit gemacht werden:

[505] 1) Daß der Salmiac in Egypten aus Ruß von gebranntem Viehmist gemacht wird, und zwar ohne einigen andern Zusatz; wie man denn auch keine Ursache hat, hieran zu zweifeln, indem man ja vorher schon weiß, daß darinnen ein flüchtiges Alkali ist, welches allenthalben in dem Thierreich gefunden wird; daß man ferner, wie oben gedacht worden, überzeuget ist, daß auch Küchensalz in selbigem Mist enthalten ist, und daß, wenn derselbe zu Ruß gebrannt wird, die Küchensalzsäure aufsteiget, und sich mit dem flüchtigen Alkali vereiniget, welches denn, wenn es durch eine Sublimirhitze getrieben wird, aufsteiget, wovon das Mittelsalz, welches man Salmiac nennet, entstehet, da sich die unreinen und irdischen Theile davon scheiden, und auf dem Boden liegen bleiben.

2) Daß der Egyptische Salmiac, so, wie derselbe nach dessen Verfertigung aus den Gläsern genommen wird, nach Europa versandt wird, und also ein wirkliches Sublimat ist. Dieses bestärken alle Berichte, welche von dem Ort herkommen, wo er gemacht wird. Es kann sich auch ein jeder mit geringer Mühe in seinem Laboratorio durch die Erfahrung davon versichern. Denn wenn man diesen officinalen Salmiac allein und für sich selbst mit gehöriger und mittelmäßiger Hitze aufs neue auftreibet, so steigt er auf, und setzt sich als eine feste Masse an, welche, wenn man sie eröffnet, inwendig crystallisch, und sonst eben so beschaffen ist, wie zuvor: Doch auswendig zeigt sich der Kuchen so, wie das Geschirr gewesen ist. Man bedienet sich deshalb hierzu solcher runder Gläser, welche von den Egyptern [506] dazu gebraucht werden, und man bekömmt also aufs neue aufgetriebenen Salmiac in eben solchen Kuchen, wie er zuvor gewesen: obgleich Herr Neumann in dem 24. Cap. seiner chymischen Vorlesungen, welche Herr Zimmermann 1740. heraus gegeben, gänzlich behauptet, daß dieses nicht angienge. Man hat auch keinen Abgang zu befürchten, wenn nur die Arbeit einigermaßen mit Aufmerksamkeit verrichtet wird.

Es folget also hieraus, daß die Meynung einiger, als ob dieser gemachte Salmiac ein inspissirtes Salz sey, ganz falsch ist, welches besonders Herr Lemery in seiner Abhandlung, von dem Wesen des Salmiacs, welche er 1716. bey der französischen Akademie der Wissenschaften eingegeben, behauptet, und also, ehe noch die Akademie, durch den vorhingedachten Bericht belehret worden, daß man dieses Salz vermittelst der Sublimation bekömmt.

Herr Neumann hält in oben gedachtem Capitel seiner Vorlesungen dafür, daß der sublimirte Salmiac nicht weiter verführet werde, sondern daß er, nachdem er sublimiret worden, in kleinen Gefäßen aufgeloset, und durch eine geringe Aufdunstung zu solchen Kuchen oder Scheiben inspissiret werde, wie man sie in den Apotheken findet.

Dieses sucht er mit unterschiedenen Beweisen zu bestärken, welche aber von keiner sonderlichen Erheblichkeit sind, und welche, wenn man sie recht betrachtet, gar nichts von seinem Satz bekräftigen.

Ebenfalls ist es unnöthig, zu wiederholen, was er von einer besondern Crystallisation sagt, welche sich [507] mitten in diesen Kuchen erzeugen soll; weil seine Meynung der Sublimation ganz zuwider ist, da er sagt, daß die Crystalle in den Kuchen durch die Nässe anschießen, und weil man durch richtigere und zuverläßigere Erfahrung von dem Gegentheil genugsam überzeuget und versichert worden, daß der Salmiac ein wirkliches Sublimat ist.

Ein jeder, der sich die Mühe geben will, vermittelst der Auflösung und Abdunstung den Salmiac zu inspissiren, wird leicht finden, wie wenig wahrscheinlich es sey, daß diejenigen, welche ihn verfertigen, sich dieses Mittels bedienen können, um von selbigem feste Kuchen zu bekommen. Denn wenn er also bearbeitet wird, so zeigt er sich ganz anders, nämlich:

1) Bey einer gelinden Abdunstung in einem offenen Glase steiget er über das Geschirr und setzet sich in- und auswendig, ganz schneeweiß und in Form kleiner Corallen an. Das übrige auf dem Boden wird größtentheils zu ganz feinen und lockern Crystallen. Diese Arbeit ist auch langweilig und nicht ohne Verlust.

2) Wird der aufgelöste Salmiac bey einer grössern Hitze eingekocht, so wird zuletzt gar ein pulverichte, lockere und nicht zusammenhängende Masse draus. Und da er ohnedieß wegen seiner natürlichen Flüchtigkeit verrauchet, so verliert man nach vieler aufgewandten Mühe so viel davon, daß kein sonderlicher Vortheil dabey herauskommen würde.

Daß ein solcher Salmiac, wie der officinale ist, in Ansehung seiner Grundmischung, auch aus mehreren Dingen, als wie der nunmehr bekannte Egyptische, [508] aufgetrieben werden kann, dieses zeiget Herr Scheffer in seinem bey dieser Gelegenheit der Akademie vorgelegten kurzen und schönen Anhange. Er zeiget insonderheit an, daß man ihn größtentheils aus Thon mit Küchensalz vermischt bekommen kann. Dieses gehet ebenfalls mit allen flüchtigen Salzen aus dem Thierreiche an; als z. E. mit Hirschhornsalz, mit Urin, wie auch mit dem flüchtigen Alkali aus dem Senf, Pfeffer und Ingber, da eins oder das andere hiervon mit Küchensalz saturiret wird, und dieses aus eben der Ursache, wie bey dem Egyptischen.

Aus dem Menschenurin allein, kann ein solcher Salmiac getrieben werden, indem derselbe vor dem Urin aller andern Creaturen hinlänglich Küchensalz in sich hat. Dieses hat auch Herr Geoffroy der jüngere in seiner Abhandlung von der Natur und Zusammensetzung des Salmiacs, im Jahr 1720. der französischen Memoiren, a. d. 200. S. angemerket.

Was nun den Nutzen und Gebrauch des allgemeinen Salmiacs anlangt, so ist derselbe vornehmlich in der Chirurgie und Chymie bekannt. Man kann damit die Metalle, besonders die schlechtesten, auftreiben und sublimiren, die Farbe des Goldes durch Schmelzung erhöhen, Aqua Regis machen u. s. w. Er wird auch bey Verzinnung des Eisens, des Messings und des Kupfers gebraucht; besonders aber hat er, nach der Türkischen Art, bey reinem Zinn ohne Zusatz von Bley seinem Nutzen. Auch ist er bey unterschiedenen Künstlern und Handwerkern, bey Versilberungen u. d. gl. nützlich.

[509] Ausser dem allgemeinen Salmiac werden auch andere Arten desselben, aus andern Sauren durch Kunst zusammengesetzt. Dergleichen sind das Sal Ammoniacum secretum Glauberi, in welchem an statt des Küchensalzsauren, ein Vitriolsaures mit demselben flüchtigen Alkali, wie bey jenem, vermischt ist; ferner der brennende Salpeter, welcher von Salpetersaurem und einem eben solchen flüchtigen Alkali gemacht wird. Dieser brennet allein, ohne daß man ein Phlogiston zusetzt.

Aus einigen sauren Gewächsen, woraus man ein flüchtiges Alkali bekömmt, erhält man ebenfalls eine Art Salmiac.

Alle diese haben mit dem officinalen Salmiac die gemeinschaftliche Eigenschaft, daß sie einen Geruch eines Stinkspiritus[WS 1] von sich geben, wenn sie mit einem feuerbeständigen Alkali oder mit Kalk gerieben werden; im Feuer sind sie auch flüchtig und steigen auf.

Als ich 1748. in Freyberg war, sah ich bey dem werthesten Mitgliede der königl. Akademie, Herrn von Kirchbach, aus einem Erdgalmey eine Art Salmiac auftreiben. Er hat dieses selbst zuerst entdecket, und versprochen, der Akademie eine Beschreibung davon mitzutheilen. Was für eine Art des Sauren dieser Salmiac eigentlich in sich habe, das habe ich damals nicht Gelegenheit gehabt zu untersuchen: aber der flüchtige und starke Geruch, da er mit feuerbeständigem Alkali gerieben ward, äuserte sogleich, was er war.

Von dem Salmiac, welchen die Natur selbst an gewissen Oertern erzeuget, haben wir keinen sichern [510] Beweis, außer daß Herr Scheffer anführet, daß man ihn bey Pozzuolo in Italien gefunden. Einigen Berichten nach, soll er wohl auch aus den feuerspeyenden Bergen ausgeworfen werden: aber diese Nachrichten sind in den Beschreibungen sehr wenig übereinstimmend; daher viele läugnen, daß es ein wirklicher Salmiac ist. Herr Boccone aber nennet in seinen physikalischen Untersuchungen und Anmerkungen den, welcher aus dem Vesuv kömmt, wirklich Salmiac: Doch siehet man aus seiner Beschreibung, daß er wenigstens nicht rein und von andern Mischungen frey gewesen.

Dieses Mittelsalz, welches auf diese Art aus allen 3. Reichen der Natur seinen Ursprung haben kann, auch zu seiner Zusammensetzung gewöhnlicher Weise, das Saure aus dem Mineralreich, und das flüchtige Alkali aus einem von den andern beyden Reichen, besonders aus dem Thierreiche, erfordert, kann dennoch auch, ohne daß etwas von den letztern beyden zu Hülfe kömmt, in Bergen hervorgebracht worden. Man sieht also hieraus, daß das flüchtige Alkali eben sowohl in dem Mineral- als in dem Thier- und Pflanzenreiche anzutreffen ist; welches beweiset, daß das Mineralreich einen überflüßigen Vorrath von allerhand Materien hat, woraus vielerley Dinge hervorgebracht werden können.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Stinkspiritus ist ein Synonym für eine Ammoniaklösung