Heinrich Martin Arnold aus Dresden macht einen Bund mit dem Teufel

Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Heinrich Martin Arnold aus Dresden macht einen Bund mit dem Teufel
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 132-136
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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153) Heinrich Martin Arnold aus Dresden macht einen Bund mit dem Teufel.
S. Monatl. Unterr. a. d. Reiche d. Geister. Bd. I. S. 603.

In einem sächsischen Adeligen Fräuleinstifte, welches früher ein Kloster gewesen war, ward im J. 1695 ein junger [133] Mensch, Namens Martin Heinrich Arnold aus Dresden, vor Gericht gezogen, weil er sich seit der Zeit, wo er hier diente, öfters hatte verlauten lassen, daß er mit dem Teufel im Bunde stehe. Da er nun hierüber vor Gericht eidlich befragt ward, gab er ohne Bedenken zur Antwort, es sey wahr, daß er sich mit dem Teufel in ein genaues Bündniß eingelassen habe und solches wäre vor fünf Jahren zu Frankfurt a. d. Od. geschehen, da er bei Andreas Gutschmann, einem reisenden Arzte, in Diensten gestanden. Er sey einstmals vom Theater ins Wirthshaus gekommen, wo ihm der Gedanke eingefallen, daß er in den Stall gehen solle. Nachdem er diesem innerlichen Triebe gefolgt, hätte er daselbst den Satan in Gestalt eines Menschen in schwarzem Kleide angetroffen, welcher zu ihm gesagt, wenn er sich mit ihm verbinden und Gutes von ihm genießen wolle, so solle er ihm eine Handschrift, mit seinem eigenen Blute geschrieben, geben, mit beigefügtem Anhange, er könne mehr als Gott und sey auch mehr als derselbe. Den Satan hätte er zwar zuvor schon oftmals in der Gestalt eines schwarzen Bockes mit einem feurigen Kopfe gesehen, indem sein gewesener Herr denselben stets bei sich geführt, wie ihm denn dieser auch immerfort in den Ohren gelegen, daß er sich dem Satan verschreiben möchte. Nun habe er zwar die begehrte Handschrift damals nicht ausgestellt, doch hätte der Geist drei Haare von seinem Haupte verlangt, so er ihm auch gegeben, dagegen habe er von ihm einen rothen Faden bekommen, welcher dreimal um den Leib gereichet und von ihm auf des Geistes Geheiß zum Zeichen des getroffenen Bundes um den Leib gebunden worden. Ueberdem habe ihm jener einen Brief überreicht, welcher nicht versiegelt, doch aber dermaßen fest zusammengelegt gewesen, daß man denselben nicht mit Händen aufmachen können. Wenn er hiernächst eine Begierde nach Geld empfunden, so habe er obgemeldeten Brief in die linke Hand nehmen, den Teufel anbeten und in dessen Namen die rechte Hand schütteln müssen, worauf er soviel Geld, als er begehrt, erlangt, auch so oft er diese Probe versuchet, solche [134] richtig befunden hätte. Endlich wäre er durch Neugierde angetrieben worden, zu wissen, was in demselben Briefe geschrieben stehe, damit er dergleichen nachmachen könne. Er hätte ihn deswegen in des Teufels Namen mit einem hölzernen Messer, das er selbst dazu verfertigt, weil es mit einem andern nicht angehen wollen, von einander geschnitten, da er den Teufel in eines Bockes Gestalt mit zwei Bärenklauen, einem Pferde- und Menschenfuße angetroffen. Ueberdem wäre darin die Hölle abgebildet gewesen, welche viele Menschen in und um sich gehabt, wobei es geschienen, als wenn es von oben herein geregnet hätte, auch hätten sich einige Feuerhaken und ein todter Menschenkopf darin gezeigt. Daß er aber dieses unternommen, solches hätte sein gewesener Herr Gutschmann veranlaßt, der ihm immer vom Teufel vorgeschwatzt und ihm versichert hätte, der Teufel vermöge mehr als Gott auszurichten und ihn aus aller Gefahr zu retten, auch könne er ihm Alles geben, was er nur verlange. Dieses wahr zu machen, habe ihm sein Herr gefragt, was er zu essen begehre? Da er nun Weintrauben und Obst, was gerade zu dieser Zeit nicht zu bekommen gewesen, verlangt, so sey Solches auch angeschafft worden und habe er wirklich geglaubt, den natürlichen Geschmack davon zu empfinden. Nachdem er nun solches Bündniß besagter Maßen eingegangen, sey er sowohl vom Satan, der ihm allezeit in dieser Gestalt erschienen sey, als auch von seinem Herrn angetrieben worden, andern Menschen auf alle Art und Weise Schaden zuzufügen. Zu dem Ende hätte er die Gestalt einer Katze angenommen und alsdann nebst seinem Herrn, welcher eine anderes Thier vorgestellt, den Leuten mancherlei Uebels und Unrecht angethan. Insonderheit erzählte er, daß sie auf einem Dorfe, dessen Namen er nicht zu nennen wußte, in angenommener Katzengestalt die frischen Würste im Wirthshaus aufgefressen. Zu einer andern Zeit hätten sie alle beide sich in Aepfel verwandelt und durch ein offenes Fenster oder zerbrochene Scheibe in ein Haus, Stube oder Kammer, wo die Leute geschlafen, sich bis ins Bette gerollt. Wenn dann dieselben [135] aufgewacht und den im Bette gefundenen Apfel bis auf den Kern verzehrt, das Kernhaus aber vom Bett auf die Erde geworfen, so hätte sich dasselbe in einen todten Menschenkörper verwandelt und einen greulichen Gestank von sich gegeben, worüber sich die Menschen entsetzt, krank worden, auch wohl gar gestorben. Mit der Verwandlung aber in eine Katze, Apfel oder Vogel wäre es so zugegangen. Sein gewesener Herr Gutschmann hätte drei Hände voll Mist genommen, und selbige auf einander auf einen Ort gelegt, er aber hätte dreimal darüber springen, um ein altes Spinnrad herumlaufen und die h. Dreifaltigkeit verleugnen müssen. Wenn solches geschehen, wäre er Dasjenige geworden, wozu ihn sein Herr hätte haben wollen. Wenn sie sich in einen Apfel verwandelt, wäre er eigentlich nur der Kern gewesen und sein Herr hätte ihn mit Aepfelschale überzogen. Er bekannte noch mehr von solchen Veränderungen, unter andern hätte sein Herr unweit Frauenstein in einem Dorfe, dessen Namen er nicht wußte, die Gestalt eines Esels angenommen, er hingegen hätte sich in einen Vogel verwandelt, der in des Esels Ohr gesessen. Da sie nun an demselben Orte des Nachts vor des Verwalters Haus gegangen, hätte er sich aus dem Eselsohr in desselben Mannes Stube verfügt und unterschiedliche Sachen, nebst einer Summe Geldes entwendet, welches er alles zu dem Esel gebracht, der nur auf drei Beinen gegangen und das vierte nach sich geschleppt hätte. Außerdem hätte er gar oft in Gestalt eines Apfels ungetaufte Kinder seinem Herrn zugeführt, die er an gewissen Orten weggenommen, dagegen er andere Kinder von demselben empfangen, die er von jener Stelle wieder an den vorigen Ort tragen müssen. Er hat noch viele andere seltsame Wirkungen entdeckt, welche alle anzuführen billig Bedenken getragen wird. Da er nun nach solcher Aussage ernstlich befragt wurde, ob er sonst noch ein Zeichen vom Satan empfangen, da er sich mit ihm verbunden, und woher er die Wunde über den Arm bekommen? so gab er darauf zur Antwort, er wäre gleich nach geschlossenem Bündniß auf dem Wolpersberge unweit [136] Dresden gewesen, allwo die Hexen und Angehörigen des Teufels jährlich dreimal, als nämlich am Walpurgis-, Johannis- und Stephansabend zusammen kämen, der Teufel wäre daselbst auf einem Stuhle in Menschengestalt sitzend gesehen worden und hätte allen und jeden Anwesenden ein Schwert in die Hand gegeben, womit sie sich wider einander schlagen müssen. Dazumal hätte er die Wunde über den rechten Ellbogen bekommen, wiewohl er denselben Abend nichts davon gefühlet, des folgenden Tags aber hätte der Satan diese Wunde mit einem Hauch geheilt. Als er ferner befragt wurde, wie er auf besagten Berg hinauf- und wieder zurückgekommen, ingleichen was sich darauf weiter zugetragen, gab er folgende Nachricht. Er wäre unter eine Feuermauer getreten und hätte sich ins Teufels Namen mit einer Salbe beschmieret, daraus wäre er oben herausgefahren, woselbst ein schwarzer Bock gestanden, auf welchen er sich gesetzt und solcher Gestalt von demselben auf obgemeldeten Berg gebracht worden und auf eben dieselbe Weise wäre er wieder zurückgekommen. Dieses Alles hat besagter Mensch gerichtlich ausgesagt, wie es denn also auch in den Gerichtsacten aufgezeichnet gefunden wird. Vermuthlich ist er aber für verrückt gehalten worden, denn bestraft scheint man ihn nicht zu haben.