Textdaten
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Autor:
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Titel: Hans Arnold
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 24, S. 772
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[772] Hans Arnold. (Mit Bildnis.) Als vor einiger Zeit die „Gartenlaube“ eine der anmutig heiteren Erzählungen aus dem deutschen Offiziersleben von Hans Arnold veröffentlicht hatte, erhielt die Redaktion von seiten einer jüngeren Leserin des Blattes die Anfrage, bei welcher Waffe der Herr Verfasser stehe und in welchem Regiment er diene – die Fragerin wollte ihn gern um einen Beitrag für ihr Selbstschriftenalbum ersuchen! Der Wunsch mußte unerfüllt bleiben. Der „Herr Verfasser“ Hans Arnold, der so lustige Schwänke und Abenteuer aus dem Leben unserer Leutnants zu erzählen weiß, ist eine Dame; das Regiment, das sie führt, erstreckt sich auf Familie und Häuslichkeit, und ihr Dienst gilt nur den Musen, nicht den Waffen. Aber als Gattin eines Offiziers hat Frau Babett v. Bülow allerdings aus der Welt eigener Beobachtungen geschöpft, wenn sie daran ging, uns unternehmungskecke Leutnants als kühne Herzenseroberer oder brave Fähnrichs gar als „Erzieher“ vorlauter Backfischchen zu schildern, und die große Lebenswahrheit und frische Natürlichkeit, welche diese humoristischen Novellen und Skizzen auszeichnen, machen den Irrtum begreiflich, der in der Verfasserin einen Mann vermutete, welcher selbst Offizier sei. Dieselbe Lebenswahrheit und Natürlichkeit hat der Humor der Verfasserin denn auch in jenen zahlreichen anderen Novellen entfaltet, die von der Beobachtungsschärfe liebevoller und sorgsamer Mutter- und Hausfrauenaugen zeugen, in den „Skizzen aus dem Familienleben“ und „Skizzen aus dem häuslichen Leben“, von denen einige der reizvollsten die „Gartenlaube“ veröffentlicht hat.

Babett von Bülow ist aus Schlesien gebürtig, und die heitere Sinnesart, die dort heimisch ist, gepaart mit feiner Satire, spiegelte sich gleich in den ersten Erzählungen, die ihr Pseudonym „Hans Arnold“ bekannt gemacht haben. Ihr Vater war der Breslauer Professor Felix Eberty, der durch seine Biographien Walter Scotts und Lord Byrons allgemeiner bekannt ist und dessen „Jugenderinnerungen eines alten Berliners“ beweisen, daß auch ihm eine kräftige humoristische Ader verliehen war. Ihre Mutter war die Tochter des Gutsbesitzers Henry Hasse in Cunersdorf bei Hirschberg in Schlesien und durch manche Beziehung wurde das Mädchen, welches in Breslau heranwuchs, auch mit dem Landleben vertraut.

Die Lust zum Fabulieren regte sich früh in ihr; als sie sich am 10. Juni 1876 mit dem damaligen Leutnant von Bülow verheiratete, hatte sie schon mancherlei geschrieben. Wie die meisten Offiziersfrauen, ist auch Frau v. Bülow viel in der Welt herumgeworfen worden; ihr Gatte, der heute Major in Stettin ist, hatte zweimal Breslau, zweimal Berlin, dann Straßburg, Engers a. Rh., Hannover und Erfurt zur Garnison. Die Fülle an feinen Beobachtungen und originellen Zügen, welche die drolligen Backfische und braven lustigen Jungen in Hans Arnolds Geschichten aufweisen, würde wohl kaum vorhanden sein, wenn das Familienleben der Dichterin nicht von eigenen Kindern belebt wäre; sie hat deren vier. In neuerer Zeit hat sich Hans Arnolds Muse auch ernsten Stoffen zugewandt. Die in diesem Hefte der „Gartenlaube“ zum Schluß gelangende Novelle „Galeerensklaven!“ zeigt aufs neue, wie die scharfe Lebensbeobachtung und tiefe Menschenkenntnis der Verfasserin sich in tragischen Seelenbildern ebenfalls mit packender Wirkung bewähren. Auch Lustspiele hat sie geschrieben, die beiden Einakter „Geburtstagsfreuden“ und „Zwei Friedfertige“ und das dreiaktige „Theorie und Praxis“. Sie sind bewegt von demselben frischen Humor, der ihre meisten Novellen und Skizzen zu einer so herzerquickenden Lektüre macht.