Grausame Strafen für Wilddiebe

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Titel: Grausame Strafen für Wilddiebe
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aus: Die Gartenlaube, Heft 33, S. 548
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1887
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[548] Grausame Strafen für Wilddiebe. Herzog Galeazzo Sforza von Mailand zwang den Dieb eines Hasen, denselben roh mit sammt dem ganzen Balge aufzuessen, an welcher Mahlzeit der arme Kerl gar jämmerlich gestorben ist. Herzog Vitolt von Littauen ließ die Verurtheilten lebendig in Bärenhäute einnähen und dann von Hunden hetzen und zerreißen. Der Erzbischof Michel von Salzburg nahm statt der Bärenhaut eine Hirschhaut, ließ den eingenähten Wilddieb auf den Markt bringen und dort zerreißen. Andere wurden lebend auf Hirsche geschmiedet, welche dann in Freiheit gesetzt wurden. So sah man 1666 in der Wetterau in einem Saatfeld einen Hirsch, auf welchem ein Mann in Ketten verwahrt saß, ganz blutig, mit zerrissenen Kleidern und zerfleischtem Leib, der ohne Unterlaß rief: „Ach, nehmt mir doch mein Leben, daß ich der unerträglichen Straf’, die ich nun in den dritten Tag ausgestanden, abkommen möge.“

Ebenso unmenschlich gingen die englischen Könige Heinrich II. und Richard I. mit Denjenigen um, die unberechtigter Weise gejagt hatten: es wurden ihnen nicht nur die Augen ausgestochen, sondern sie wurden auch noch auf andere bestialische Weise verstümmelt. Recht liebenswürdig war ein Herr am Rhein, der einen seiner Unterthanen, welcher ein Wildschwein erlegt hatte, zur Winterszeit in den Rhein jagte, wo er so lange stehen mußte, bis er eingefroren war. Trotzdem kam derselbe mit dem Leben davon, wenn er auch schwer an den Folgen dieser unmenschlichen Behandlung zu tragen hatte. Ein anderer Herr ließ einen Bauern aus demselben Grunde nackt ausziehen, an einen Baum binden und dort erfrieren. Die Gesetze kannten solche scheußliche Strafen nicht; es waren eben nur Willkürakte einzelner Herren, gegen welche die armen Bauern machtlos waren.

„Solche Wütheriche,“ sprach ein Eiferer gegen diese Grausamkeiten, „werden gemeiniglich dem Strick des höllischen Jägers zu Theil und ein fettes Wildbrät des Satans werden, wornach die bösen Geister ihre schwarzen Finger und Klauen lecken.“