Gespräch zweier Liebenden

Textdaten
<<< >>>
Autor: R. H.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Gespräch zweier Liebenden
Untertitel:
aus: Der Nürnberger Trichter, Nr. 3, S. 12
Herausgeber: Hermann Wimmer
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1848
Verlag: Friedrich Campe
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Nürnberg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: MDZ München, Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: [1]
Bild
Fränkische Blätter nebst dem Beiblatt Der Nürnberger Trichter.djvu
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[12]
Gespräch zweier Liebenden.

Der deutsche Michel. Aber sag’ einmal, Schätzchen, warum bist Du mir so oft schon untreu geworden?

Jungfer Freiheit. Das ist Deine Schuld, lieber Michel.

Michel. Meine? Wie so?

Freiheit. Weil Du selber mir niemals treu geblieben bist.

Michel. Geh’, Du spaßest. Hab’ ich nicht oft schon in allen Ehren um Dich geworben? Habe ich mir nicht oft schon alle erdenkliche Mühe um Dich gegeben?

Freiheit. Ganz recht! Aber sobald ich Dir nur das geringste Lächeln, den geringsten freundlichen Blick zeigte, da dachtest Du auch gleich, Du hättest mich schon, und ich könnte Dir gar nicht wieder entgehen, und da zogst Du Deine Pudelmütze wieder über die Ohren und bekümmertest Dich nicht weiter um mich. Das ist nicht recht, Michel. Wir Mädchen wollen nun einmal, daß man uns auch keinen Augenblick vernachlässige, daß man gleichsam immer wieder von Neuem um uns werbe. Ich wenigstens bin so.

Michel. Na, sei nur ruhig, liebes Kind, diesmal will ich’s besser machen.

Freiheit. Gewiß? Nun ich hoffe. Ich würde Dir auch sonst auf lange, lange Zeit den Rücken kehren, vielleicht auf ewig; und das sollte mir doch leid thun, denn Du bist im Grunde ein guter Kerl, und ich mag Dich wohl leiden.

Michel. Ich schwöre Dir bei Allem, was heilig –

Freiheit. Halt, keine Schwüre! Ich kann die Schwüre nicht leiden. Sie sind am Ende doch nur zum Brechen da. Thaten, Michel, Thaten, aber keine Schwüre!

Michel. Was willst Du, Herz, das ich thun soll? Sprich! Befiehl!

Freiheit. Du sollst Alles thun und wagen um meinetwillen, Du sollst bereit sein, Gut und Blut für mich aufzuopfern.

Michel (begeistert). Alles, Alles, meine Freundin!

Freiheit (scherzhaft). Ja, Gut und Blut, und selbst – Deinen Zopf.

Michel (etwas ängstlich). Auch – meinen – Zopf?

Freiheit. Auch den!

Michel (mit einem Seufzer). Den alten, guten, lieben, deutschen Zopf! – (Nach einer Pause entschlossen) Nun, wenn’s einmal nicht anders sein kann – ja, Freiheitchen, selbst meinen Zopf will ich Dir opfern.

Freiheit (freundlich). Willst Du wirklich? Nun, das ist löblich, Michel. Denn so lange Du Deinen Zopf behältst, wird nichts Rechtschaffnes aus Dir.

R. H.