Hauptmenü öffnen

Geister zu Uhlstädt, Werfen und Obercrossen

Textdaten
<<< >>>
Autor: Johann Georg Theodor Grässe
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Geister zu Uhlstädt, Werfen und Obercrossen
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. Anhang: Die Sagen des Herzogthums Sachsen-Altenburg, S. 394–395
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Dresden
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[394]
89) Geister zu Uhlstädt, Werfen und Obercrossen.
S. Altenb. Kirchengalerie Abth. II. S. 115.

Im J. 1669 erschien einer Wittfrau zu Uhlstädt, einem Marktflecken bei Kahla, bei Nacht der Geist ihres Mannes und verkündigte ihr unter Anderem, daß sie bald sterben müsse, sie hat aber gleichwohl noch viele Jahre gelebt.

1662 erschien der Geist eines Ertrunkenen seinem Bruder G. Geilfuß von Mitternacht an bis gegen Morgen und sprach Vieles mit ihm.

1681 den 21. Novbr. ertrank Gell’s Weib in der Saale und erschien als Gespenst 8 Tage darauf ihrem Manne, als er sich eben Abends 8 Uhr niedergelegt hatte, sprach und stöhnte wie bei ihren Lebzeiten, wo sie an Engbrüstigkeit gelitten hatte. Auf Befragen, warum sie käme, antwortete sie, sie habe auf dem Grunde der Saale einen goldenen Ring gefunden, den sie ihm geben wolle. Er weigerte sich, ihn aus ihrer Hand zu empfangen, sie solle ihn aufs Deckbett werfen, was sie auch that. Er versicherte, dies gesehen, gehört und gefühlt, allein freilich am Morgen den Ring nicht gefunden zu haben. Seine Aeltern, welche neben ihm schliefen, wachten darüber auf, hörten ihn reden, standen auf ihn zu fragen, was ihm fehle oder mit wem er rede, aber das Gespenst hörten und sahen sie nicht. Um 5 Uhr Morgens verließ es ihn.

Von Werfen, einem Filialdorfe von Uhlstädt, wird berichtet, daß der Satan vom 23. Novbr. 1702 bis zum 2. Weihnachtsfeiertag nach Johann Anders und dessen Hause mit gebranntem Lehm und mit Steinen oft von 3–4 Pf. Schwere geworfen habe und zwar meistens von Morgens 6–8 und des Abends von 8–9 Uhr, auch nach andern Leuten warf er, aber beschädigte Niemanden, wiewohl er alle Fenster [395] und vieles Andere zertrümmerte. Am schlimmsten trieb er es den 26. Decbr.; nun hielt aber der Pfarrer kirchliche Fürbitten und da hörte es auf.

Zu Obercrossen, einem andern Filial von Uhlstädt, zeigte sich der Geist im Hause Georg Kennert’s 1695 von Januar bis zum Johannisfeste in Gestalt einer Taube, aber nicht körperlich, sondern wie ein halber Nebel, der vor den Augen vorüberzieht. Bald setzte er die leere Wiege in Bewegung, bald gab er seine Gegenwart durch Pochen an der Thüre und andern Orten zu erkennen. Er brachte nichts hervor, was gegen das Wort Gottes gewesen wäre, ermahnte vielmehr, die Predigt zu hören und Buße zu thun. Bei Erwähnung Gottes unterschied er genau die drei Personen, führte schöne Sprüche und Gebete an und schärfte moralische Vorschriften ein. Die Sache wurde offenkundig und gerichtlich untersucht, sowie in mehreren Schriften[1] verhandelt, nach dem Johannisfest ist nichts mehr erschienen, allein aufgeklärt ward es auch nicht.

Im J. 1684 curirte eine Hexe, Namens Katharine Deiner, kranke Menschen und Thiere durch den Spruch:

Verschwind Du böses Gesichte
Wie ich Dich fand,
Wie der Mann verschwand,
Der die Winde wand,
Da sie Gott den Herrn mit an’s Kreuz band!

Verschwinde Du böses Gesichte
Und Jahre hinweg in ein tiefes Meer
Und lege Dich unten bis auf den Grund
So werd ich wieder gesund!
Im Namen des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes. Amen!


  1. Angeführt in meiner Biblioth. Magica Lpzg. 1852. S. 95.