Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor: unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Friedrich Halm
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 19, S. 249–250
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[249]
Friedrich Halm
Die Gartenlaube (1856) b 249.jpg

Der Dichter des Fechters von Ravenna.

Während der Streit über das geistige Eigenthumsrecht des „Fechters von Ravenna“ durch das nach langem Hoffen und Spannen erfolgte Bekenntniß Halm’s für alle Nicht-Bacherl seinen endlichen Abschluß erhalten hat, ist derselbe jetzt durch das wuthentbrannte Streben der Bacherl-Ritter in eine neue Phase getreten. Halm’s, des Dichters der „Griseldis“, des „Sohnes der Wildniß“ Concurrent, der Dorfschulmeister Bacherl, hat den Rechtsweg betreten müssen, angestachelt durch die Lanzen seiner Ritter, die das verkannte Genie nun einmal um jeden Preis zum allgemeinen Verständnisse bringen wollen, und es ist bereits so weit gekommen, daß die von Vaterlands- und anderen Gefühlen seligen Münchener emsig den gefeierten Namen Halm von den Theaterzetteln kratzen und den ihres ländlichen Pädagogen an seine Stelle setzen.

Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen
Und das Erhabne in den Staub zu ziehn!

Wenden wir uns von diesem etwas lächerlichen Treiben zu freundlichern Gestalten, zu unserm Halm, den wir als eine der schönsten Blüthen im deutschen Dichterkranze verehren, und von dem wir, indem wir unsern Lesern sein ansprechendes Bildniß geben, sagen können, daß sich in ihm manch’ schöne und seltne Tugend eint, vor Allem aber jene, die Wissen und Bescheidenheit Hand in Hand gehen läßt.

Friedrich Halm – Eligius Franz Joseph Freiherr von Münch-Bellinghausen – wirkl. k. k. Hofrath und erster Custos der k. k. Hofbibliothek, Ritter des k. bayr. Verdienstordens vom heil. Michael, des k. dän. Danebrogordens und der ersten Klasse des großherzogl. sächs. Hausordens vom weißen Falken, wurde am 2. April 1806 zu Krakau geboren, wo sein Vater, Cajetan Freiherr von Münch-Bellinghausen, Appellationsrath war, bis er, vom Kaiser Franz I. des vollsten Vertrauens und besonderer Gunst gewürdigt, später zum Staats- und Conferenzrathe befördert wurde. Es lag nahe, daß der Sohn eines so ausgezeichneten Staatsmannes, der auf das Justizwesen der ganzen Monarchie einen ebenso entschiedenen als wohlthätigen Einfluß hatte, vorzugsweise zum Staatsdienste berufen schien, aber obwohl er für diesen mit Sorgfalt und, wie die spätere Zeit lehrte, mit Erfolg herangebildet wurde, pulsirte schon in dem Knaben jene dichterische Ader, die ihn in seinen Mußestunden Repertoire für sein kleines Theater entwerfen und Schiller’sche Stoffe dramatisiren ließ. Die Edler’sche Kunsthandlung am Graben in Wien lieferte ihm damals Dekorationen und Schauspieler. – Nach beendigten Gymnasialstudien trat Halm im Jahre 1819 als öffentlicher Zuhörer in die philosophischen Studien an der wiener Hochschule, ein schmächtiger, hoch aufgeschossener, schweigsamer Jüngling mit sprechendem, aber auffallend schwachem Auge, dichtem Haar, etwas gedämpfter Stimme, einfach, in sich verschlossen und wortkarg, aber einnehmend durch sein anspruchsloses Aeußere, das ein desto regsameres Leben im Innern zu bergen schien. Schon in dem dreizehnjährigen Dichter machte sich die Neigung zur Pseudonymität bemerklich, in der er seine damaligen dichterischen Ergüsse, die indeß nicht zum Druck gelangten, bald mit El. Mayer, bald mit E. Belling unterschrieb. So wuchs er, in seinen Büchern und Träumen lebend, in stiller Einsamkeit auf, und es wurde ihm die seltene Selbstständigkeit zu Theil, schon mit dem 20. Lebensjahre seine Studien beendet, sein erstes Trauerspiel geschrieben und den Hafen einer glücklichen Ehe erreicht zu haben.

Diese gänzliche Umgestaltung aller seiner Verhältnisse, weit entfernt, seiner Neigung zum dichterischen Schaffen Eintrag zu thun, belebte sie vielmehr zu höherem Schwünge, aber in der edelsten [250] Bescheidenheit zog er sich und die Früchte seines Fleißes vom Markte des Lebens zurück, und kaum seine vertrautesten Freunde erhielten von ihnen Mittheilung. Doch „wirkliches Talent ist mit dem Drange nach Mittheilung verbunden,“ und aufgemuntert durch seinen vormaligen Lehrer, Professor Michael Enk von der Burg, Kapitular des Benedictinerstiftes zu Melk, trat er im Jahre 1835, mithin erst im 29. Lebensjahre, mit seinem dramatischen Gedichte „Griseldis“ in die Oeffentlichkeit. In Wien mochte man über den Pseudonymen Verfasser Halm wohl im Klaren sein, allein außerhalb Wien hatte der Name, der am literarischen Himmel plötzlich als neuer Stern aufleuchtete, einen ebenso fremden und beziehungslosen Klang, wie einige Jahre vorher die Namen Grün und Lenau. Die Wirkung, welche „Griseldis“ auf dem k. k. Hofburgtheater machte, ist bekannt, in kurzer Frist begann es seine Runde über große und kleine Bühnen, und um so freudiger und allgemeiner wurde Friedrich Halm als echter Dichter begrüßt, als das verwaiste deutsche Drama der aufhelfenden Hand eines Retters bedurfte. Weitere Leistungen: „Der Adept“ (1836), „Camoens“ (1837), „Imelda Lambertazzi“ (1838), „Ein mildes Urtheil“ (1840) folgten und mit ehrendem Beifalle aufgenommen rechtfertigten sie die an den Namen Halm geknüpften Hoffnungen. In diese Zeit fällt auch die Bearbeitung eines dem Lope de Bega nachgebildeten dramatischen Gedichtes: „König Wamba,“ von dem jedoch nur ein Fragment in die Oeffentlichkeit gelangte. Eine bedeutende Augenkrankheit brachte den Dichter im Jahre 1840 in die Gefahr zu erblinden, aber Dank der Pflege, mit der Gattin und Schwägerin ihn umgaben, genaß er wieder und konnte seine Dankbarkeit in der seinen Pflegerinnen gewidmeten dramatischen Scene, „Die Pflegetochter,“ die zum Besten der barmherzigen Schwestern am k. k. Hofburgtheater dargestellt wurde, an den Tag legen.

Weit über die Grenzen Deutschlands trug den gefeierten Namen Halm’s das im Jahre 1842 erschienene romantische Drama: „Der Sohn der Wildniß,“ das in mehrere Sprachen übersetzt wurde, während das nächstfolgende Produkt „Sampiero“ (1844) mehr durch das Gepräge edler Gesinnung, als durch den Gang der Handlung wirkte. Aber auch Bearbeitungen ausländischer Meisterwerke, „König und Bauer“ (1841) nach Lope de Vega, und „Die Kinder Cymbolins“ (1842) nach Shakespeare, entstanden unter seiner Feder, und widmete er die erstere seinem Lehrer Enk, den Halm selbst als einen der besten Dramaturgen Deutschlands schätzte. Von einem dramatischen Märchen: „Schwert, Hammer, Buch,“ brachte das Taschenbuch: Gedenke Mein für 1838 ein Bruchstück, und den Bearbeitungen fremder Werke folgte bald die selbstständige des vom Spanier Tellez behandelten Stoffes: „Donna Maria de Molina.“ Im März 1848 gelangte ein fünfactiges dramatisches Gedicht: „Verbot und Befehl“ auf der wiener Hofbühne zur Darstellung, ein ebenso meisterhaft angelegtes wie vollendet durchgeführtes Intriguenspiel, das indeß im Drange und Sturme der Zeit, in der das politische Interesse das für Poesie überwog, nicht allein durchzudringen vermochte. Später erschien auch ein Bändchen „Gedichte“ bei Cotta, eine um so überraschendere Gabe, als der Dichter mit ähnlichen kleinerm Dichtungen zurückhaltend zu sein pflegte. Sie sind nicht minder reich an Wärme der Empfindung und Kraft wie seine größeren Arbeiten, die bei durchsichtiger Klarheit von ungewöhnlicher Tiefe zeugen. Den glänzendsten Beweis hiervon gab die am 18. Oktober 1854 zur Darstellung gelangte Tragödie: „Der Fechter von Ravenna,“ der im eigentlichsten Sinne des Wortes einen Triumphzug durch das deutsche Vaterland hielt und noch jetzt für seinen Schöpfer fechtend neue Lorbeeren erntet.