Frau Berta oder die weiße Frau

Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Frau Berta oder die weiße Frau
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aus: Deutsche Sagen, Band 1, S. 357 - 358
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1816
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[357]
267.
Frau Berta oder die weiße Frau.

Joh. Jac. Rohde de celebri spectro, quod vulgo die weiße Frau nominant. Königsberg 1723. 4.
Stilling’s Theorie der Geisterstunde. S. 351–359.
Erasm. Francisci höll. Proteus. S. 59–92.
vgl. Volksmärchen der Frau Naubert. Bd. III.

Die weiße Frau erscheint in den Schlössern mehrerer fürstlichen Häuser, namentlich zu Neuhaus in Böhmen, zu Berlin, Baireuth, Darmstadt, und Carlsruhe und in allen, deren Geschlechter nach und nach durch Verheirathung mit dem ihren verwandt geworden sind. Sie thut niemanden zu Leide, neigt ihr Haupt vor wem sie begegnet, spricht nichts und ihr Besuch bedeutet einen nahen Todesfall, manchmal auch etwas fröhliches, wenn sie nämlich keinen schwarzen Handschuh an hat. Sie trägt ein Schlüsselbund und eine weiße Schleierhaube. Nach einigen soll sie im Leben Perchta von Rosenberg geheißen, zu Neuhaus in Böhmen gewohnt haben und mit Johann von Lichtenstein, einem bösen, störrischen Mann, vermählt gewesen seyn. Nach ihres Gemahls Tode lebte sie in Witwenschaft zu Neuhaus und fing an zu großer Beschwerde ihrer Unterthanen, die ihr fröhnen mußten, ein Schloß zu bauen. Unter der Arbeit rief sie ihnen zu, fleißig zu seyn: „wann das Schloß zu stand seyn wird, will [358] ich euch und euern Leuten einen süßen Brei vorsetzen,“ denn dieser Redensart bedienten sich die Alten, wenn sie jemand zu Gast luden. Den Herbst nach Vollendung des Baus hielt sie nicht nur ihr Wort, sondern stiftete auch, daß auf ewige Zeiten hin alle Rosenberge ihren Leuten ein solches Mahl geben sollten. Dieses ist bisher fortgeschehen[1] und unterbleibt es, so erscheint sie mit zürnenden Mienen. Zuweilen soll sie in fürstliche Kinderstuben Nachts, wenn die Ammen Schlaf befällt, kommen, die Kinder wiegen und vertraulich umtragen. Einmal als eine unwissende Kinderfrau erschrocken fragte: „was hast du mit dem Kinde zu schaffen?“ und sie mit Worten schalt, soll sie doch gesagt haben: „ich bin keine Fremde in diesem Haus wie du, sondern gehöre ihm zu; dieses Kind stammt von meinen Kindeskindern. Weil ihr mir aber keine Ehre erwiesen habt, will ich nicht mehr hier einkehren.“



  1. Der Brei wird aus Erbsen und Heidegrütz gekocht, auch jedesmal Fische dazu gegeben.