F. D. Ring, eine Sage aus der Rockenphilosophie bestätigt

Textdaten
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Autor: Fridrich Pfaff
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Titel: F. D. Ring, eine Sage aus der Rockenphilosophie bestätigt
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aus: Alemannia, XX. Band, S. 209–210
Herausgeber: Fridrich Pfaff
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: P. Hanstein
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Erscheinungsort: Bonn
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Quelle: Google-USA*, Commons
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F. D. RING, EINE SAGE AUS DER ROCKENPHILOSOPHIE BESTÄTIGT.

Dem Tischler sollen die Sägen und anderes Handwerkszeug klingen und rumoren, ehe er einen Sarg zu machen bekommt[1]. Wer hat denn hier – möchte man fragen – die Ahndung, der Tischler oder die Säge? heißts in der allg. Litter. Zeit. 1795. n. 34. Hier eine Bemerkung, die ich in den Jahren zwischen Kind und Jüngling selbst gemacht und mit erfahren habe. Wir sassen alle beym Mittagessen – aus [210] dem Eß- und Wohnzimmer des Tischlers, meines Vaters, gieng ein viereckigtes Loch in die Werkstätte hinunter, das mit einem passenden Deckel zugedeckt werden konnte, oft aber lag auch der Deckel neben dem Loche oder der Oefnung – und so auch diesmal. Mit einemmale hörte man ein Hobeln’s, Sägen’s und Rumoren’s in der Werkstätte, ich horchte nun am Loche – es dauerte fort; andre horchten u. hörten das nemliche. Mein Vater und ein Geselle giengen hinunter, die verschlossene Thüre ward von ihnen geöfnet – und alles war stille u. an seinem Orte. Eine Viertelstunde darauf kam jemand und begehrte mein Vater solle kommen und dem so eben Verstorbnen Licenciaten Schatz, für den er nie etwas gearbeitet hatte und dessen Verwandte bey einem gantz andern Tischler arbeiten ließen, den Sarg anmessen. Er kam und hörte, dass der Sterbende noch im Sterben befohlen habe, seinen Sarg ja bey meinem Vater machen zu lassen. Mein Vater, den immer Gelehrte von Profession, weil er ein Mann von vielem Witze u. Kenntnissen war, selbst mitten unter seiner Arbeit besuchten und oft gantze halbe Tage bey ihm und seinen Kunstarbeiten zubrachten, war auch von diesem jungen Manne oft in Gesellschaft andrer besucht worden; daher wol die Liebe und das Andenken selbst noch im Sterben. Daß der junge Mann auch nur krank vielweniger sterbend sey, wusste von uns niemand. Meinem Vater, einem hellen Kopfe, wie ihm die gantze Stadt das Zeugnis gab, fiel nun die alte Sage um so mehr auf und er sagte bey dieser Gelegenheit in seinem ihm noch von Schulen her so geläufigen und durch viele und mannigfaltige Lecture noch immer wieder vergegenwärtigten Latein sein Vexa me amplius mir und andern mit lachendem Munde vor. Nur hätte er gewünscht, dass es der wackre junge Mann nicht möchte gewesen seyn, der in seiner Werkstätte so gespukt und so mit die alte Sage so fühlbar bestätigt hätte.

Aus „Handschriftliche Aufsätze vom Geh. Hofr. Ring in Carlsruhe.“ II, Stück 123. Eigenhändige Aufzeichnung Rings, mit dessen aus vielen Bänden bestehendem handschriftlichen Nachlasse durch F. K. Grieshabers Vermächtnis an die Universitätsbibliothek zu Freiburg gekommen und nun deren Hs. 486a.

F. P.     

  1. Wie das Richtschwert, wenn wieder eine Hinrichtung statt finden soll.