Für den gastlichen Tisch

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Titel: Für den gastlichen Tisch
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aus: Die Gartenlaube, Heft 4, S. 20 a
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1896
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[20 a] Für den gastlichen Tisch werden einige kleine Winke jungen Hausfrauen stets willkommen sein. Zwei Punkte sind es für heute, auf welche wir die Aufmerksamkeit derselben lenken wollen: den Platz, den jeder Gast beansprucht, richtig zu schätzen, und die richtige Behandlung der Weine. Beides ist für das Wohlbehagen der Gäste von großer Bedeutung. Wird der Platz zu gering bemessen, so wird das Mittags- oder Abendesssen jedem bald zur Qual. Wer einmal von Tellermitte zu Tellermitte nur auf einen Raum von 45 oder auch 50 cm angewiesen gewesen ist, weiß, welch eine Qual ihm das Speisen war. 55 cm muß man zum mindesten rechnen, bequem aber ist es erst bei 60, weit sitzt man bei 65 und ungemütlich leer wird’s bei 70 cm. – Was nun die Weine anbetrifft, so ist eine richtige Temperatur von größter Wichtigkeit für die Entfaltung ihres Aromas und Wohlgeschmacks. Rotweine müssen wärmer gereicht werden als Weißweine, und unter diesen können wieder die Rheinweine költer als die Moselweine sein, doch sollen sie nie eine Temperatur unter 5° Wärme haben, beschlagen soll das Glas, aus dem man sie trinkt, nicht. Rotwein verlangt ZImmerwärme, er steht am besten einige Stunden vor dem Gebrauch unverkorkt im auf 14° erwärmten Raum. Soll er rasch erwärmt werden, ist das beliebte Durchziehen durch heißes Wasser wenig empfehlenswert; Kenner behaupten, daß der Wein dann „abgeschreckt“ würde und an Geschmack verlöre. Es ist am besten, ihn mit einem in heißes Wasser gesteckten dicken wollenen Tuch zu umhüllen und so die Wärme allmählich auf ihn einwirken zu lassen. Auch Dessertweine müssen erst einige Zeit in mäßig warmem Raum stehen, bevor sie gereicht werden. Schaumwein wird etwa vier Stunden in Eis gepackt, auch moussierende Wasser sollen mindestens eine Stunde in Eis stehen, während eine Bowle gerade wie die Rheinweine nicht kälter als 5° sein soll, da sonst ihr Aroma nicht zur Geltung kommt.
L. H.