Heinrich Hertz: Untersuchungen über die Ausbreitung der elektrischen Kraft
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13. Ueber die Grundgleichungen der Elektrodynamik.


wird ein Theil der in einen Nichtleiter eingeführten fremden oder „wahren“ Elektricitätsmengen durch elektrische Verschiebungen[1] in den Molecülen des umgebenden Mittels „gebunden“, während der Rest „frei“ bleibt, seine Fernwirkungen nach aussen zu entfalten. Doch weicht auch in manchen Aussagen unsere Bezeichnungsweise von der üblichen ab. Da aber die letztere schwankend und nicht immer consequent ist, so war es mir nicht möglich, eine Bezeichnungsweise zu finden, welche nicht in irgend einem Falle gegen den Sprachgebrauch verstiess. Auch insofern schwankt die übliche Ausdrucksweise, als sie unter Elektricität schlechthin ohne Unterschied bald die wahre, bald die freie Elektricität versteht, sogar in wichtigen Aussagen.

     Nach dem Vorangegangenen bezeichnen wir das durch dividirte und über eine beliebige geschlossene Fläche erstreckte Integral:

als die von dieser Fläche umschlossene wahre Elektricität. Das gleiche Integral erstreckt über eine nicht geschlossene Fläche wollen wir die Zahl der diese Fläche im Sinne der positiven Normalen durchschneidenden elektrischen Kraftlinien nennen. Durch diese Bezeichnung knüpfen wir an die Vorstellung Faraday’s an, derzufolge die Kraftlinien Linien sind, welche in isotropen homogenen Körpern überall in Richtung der herrschenden Kraft laufen, und zwar in einer Fülle, welche der Grösse der Kraft proportional ist. Wir haben allerdings durch unsere Bezeichnung diese Vorstellung dahin vervollständigt, bezw. präcisirt, dass die Kraftlinien in beliebigen Körpern überall in Richtung der Polarisation, nicht der Kraft laufen sollen und haben allgemein ihre Dichte der Grösse der Polarisation, nicht der Kraft proportional gesetzt. Unsere Definitionen bringen es mit sich, dass die mit ) multiplicirte Menge der in einem beliebigen Raume enthaltenen wahren Elektricität gleich ist dem Ueberschuss der in den Raum eintretenden Kraftlinien über die austretenden. Jede Kraftlinie, welche überhaupt ein Ende findet, mündet demnach an wahrer Elektricität und wir könnten die


  1. Welche nicht etwa mit unseren Polarisationen identisch sind. [Siehe den theoretischen Theil der Einleitung.]