Heinrich Hertz: Untersuchungen über die Ausbreitung der elektrischen Kraft
Seite 131
<< Zurück Vorwärts >>
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.


[131]

7. Ueber die Ausbreitung elektrodynamischer Wirkungen.


hier die elektrostatische und die elektrodynamische Componente, senkrecht aufeinander und nahezu gleich, mit merklicher Phasendifferenz eintreffen, sodass sie sich nicht zu einer geradlinig schwingenden Resultanten zusammensetzen, sondern zu einer Resultanten, welche während jeder Schwingung die Richtungen der Windrose durchläuft.

     Der Umstand, dass verschiedene Theile der Gesammtkraft eine verschiedene Geschwindigkeit besitzen, ist auch insofern von Wichtigkeit, als er einen von dem bisherigen unabhängigen Beweis dafür bildet, dass mindestens einer dieser Theile sich mit endlicher Geschwindigkeit ausbreiten müsse.

Folgerungen.

     An den quantitativen Ergebnissen dieser ersten Versuche mögen weitergehende Versuche mehr oder weniger bedeutende Verbesserungen anzubringen finden; der Weg aber, auf welchem solche Versuche vorzugehen haben, darf schon jetzt als geebnet bezeichnet werden, und die Thatsache, dass sich die Wirkung der Induction mit endlicher Geschwindigkeit ausbreitet, darf schon jetzt als erwiesen gelten. Diese Errungenschaften aber führen mannigfaltige Folgen mit sich, von welchen es mir gestattet sein möge, einige hervorzuheben.

     1. Die unmittelbarste Folgerung ist die Bestätigung der Faraday’schen Anschauung, nach welcher die elektrischen Kräfte selbständig im Raum bestehende Polarisationen sind. Denn in den von uns untersuchten Erscheinungen sind solche Kräfte noch im Raum vorhanden, nachdem die Ursachen, welche sie erzeugt haben, wieder verschwunden sind. Diese Kräfte sind also nicht lediglich Theile oder Attribute ihrer Ursachen, sondern sie entsprechen veränderten Zuständen des Raumes. Die mathematischen Bestimmungsstücke dieser Zustände rechtfertigen es dann, dass man sie als Polarisationen bezeichne, welches auch immer die Natur dieser Polarisationen sein mag.

     2. Es ist gewiss bemerkenswerth, dass der Nachweis einer endlichen Ausbreitungsgeschwindigkeit zunächst für eine Kraft erbracht werden konnte, welche umgekehrt proportional der Entfernung, nicht dem Quadrate derselben, abnimmt. Allein es verdient auch hervorgehoben zu werden, dass dieser Nachweis nicht ohne Rückwirkung bleiben kann auf solche Kräfte, welche