Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Eine seltene Geburtstagsfeier
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 219
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[219] Eine seltene Geburtstagsfeier. Deutschland ist in unsern Tagen das Land der wunderbaren Greise, auf welche das Bibelwort: „Des Menschen Leben währt siebzig Jahre“ keine Anwendung zu haben scheint. Bis weit über diese Grenze standen Kaiser Wilhelm und der Historiker Ranke in voller Thätigkeit, stehen heute noch Moltke und Bismarck, ihnen gesellt sich als Nestor der hochgefeierte Gelehrte Professor v. Döllinger, der vor kurzem in voller Rüstigkeit und Geistesfrische den neunzigsten Geburtstag feierte. Wer seine schlanke, kaum etwas gebückte Figur in schnellem Schritt über die Straße gehen sieht, wird ein so hohes Alter nicht für möglich halten. Döllinger macht seinen täglichen Spaziergang von zwei Stunden in jedem Wetter, arbeitet auf der Bibliothek und an seinem Schreibtisch, wie jeder jüngere Gelehrte, und hält jährlich zweimal seine großen Reden als Präsident der Akademie, wobei der Neunzigjährige, anderthalb Stunden vor dem Pulte stehend, mit klarer, durch den ganzen Saal vernehmbarer Stimme spricht, während sein Haupt, wenn auch nicht mehr ohne Silberfäden, wie noch vor wenig Jahren, doch noch entschieden braun über die weißen Häupter der viel Jüngeren im Kreise emporragt. Selbst diejenige Altersspur, die sonst die rüstigsten Greise ertragen müssen, ist ihm erspart: sein Gedächtniß blieb unverändert in jugendlicher Frische, und der Mann, welcher aus persönlicher Anschauung über Napoleon I. sprechen kann, er erinnert sich zugleich jedes Namens und jeder Jahreszahl der Weltgeschichte mit einer erstaunlichen Schärfe und Klarheit. Die in zahlloser Fülle von allen Seiten beiströmenden Huldigungen zu seinem neunzigsten Geburtstag haben gezeigt, daß Deutschland die hohe Bedeutung des Gefeierten voll erkennt, dessen erstaunliche Frische ihm alle Anwartschaft auf die Centenarfeier im Jahre 99 giebt.

Br.