Eine freiwillige deutsche Feuerwehr in Smyrna

Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Eine freiwillige deutsche Feuerwehr in Smyrna
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 24, S. 384
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1864
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[384] Eine freiwillige deutsche Feuerwehr in Smyrna. In Nr. 10 der Gartenl. von 1864 wird die „brennende Frage“ des Löschens in einer so verständigen und zugleich praktischen Weise besprochen, daß ich es mir nicht versagen kann, Ihnen zur Ergänzung jener Darstellungen einen kleinen Beitrag über Entstehung und Entwickelung deutscher Feuerwehrorganisationen in der Fremde mitzutheilen.

Was der selige Heinrich Heine einst dem Hamburger Senat gerathen, daß er sich gute Gesetze und gute Feuerspritzen anschaffe, ist natürlich in noch höherem Maße und bei weitem dringender den türkischen Behörden zu empfehlen. Noch hat sich der vermeintliche Verjüngungsproceß, in dem sich die Türkei nach der Ansicht beschränkter Türkenfreunde befinden soll, bis auf die Verbesserung des Löschwesens nicht verstiegen; indeß mit der Zeit pflückt man Rosen, und was nicht jetzt geschieht, kann ja nach einem Menschenalter der möglichen Verwirklichung näher geführt werden. Nur muß man den Fortschritt hierlands nicht beeilen wollen; denn die Türken können mit ihren schlotterigen Beinen einem europäischen, culturbeflügelten Menschenkinde nicht so rasch nachfolgen. Wozu wären aber auch dem Fatalismus gute Feuerspritzen nütze? Wenn es im Buche des Schicksals verzeichnet ist, daß einem das Haus über dem Kopfe zusammenbrennen muß, so ist es eben eine jener höheren Fügungen, deren sichtbares Hervortreten durch keine menschliche Einwirkung geschwächt werden darf. So eigenthümlich dies auch den Weisen im Abendlands erscheinen mag, so unleugbar ist’s jedoch, daß der mehr als patriarchalische Zustand des türkischen Löschwesens diesen Voraussetzungen vollkommen entspricht.

Nachdem die deutsche und deutsch-schweizerische Colonie in Smyrna etwa seit einem Lustrum namentlich an jüngeren Mitgliedern einen erheblichen Zuwachs gewonnen, kam der Gedanke allgemach zum entschiedenen Ausdruck, daß die Organisation einer deutschen Feuerwehr nach vaterländischem Vorbild nicht mehr länger hinausgeschoben werden dürfe. Da das preußische Consulat die ihm zugehörige Spritze der Gesellschaft bereitwilligst zur Verfügung stellte, war mit Rücksicht auf den Kostenpunkt die Hauptschwierigkeit überwunden. Was besagte Feuerspritze betrifft, so wird die Bemerkung genügen, daß sie aus der weitberühmten Metz’schen Fabrik in Heidelberg hervorgegangen ist und auf einer der Gewerbeausstellungen in Karlsruhe den ersten Preis davon getragen hat. Die Organisation ging rasch von statten, die Anwerbung und Disqiplinirung von Hülfsmannschaften ward auch nicht verzögert. Als das blondgelockte Deutschthum zum ersten Male in Helm und Blouse durch die belebtesten Straßen auf den Uebungsplatz zog, da schlugen die selbstgefälligen Levantiner ob dieser Neuerung die Hände über den Kopf zusammen; denn das hatte man hier noch nicht erlebt, daß Leute aus dem ehrenwerthen Kaufmannsstande sich mit Helm und Blouse schmückten, einzig und allein in der abenteuerlichen Absicht, erforderlichen Falls ihren Mitmenschen unentgeltlich zu dienen. Der Spott war jedoch zu wohlfeil, als daß er lange hätte andauern können; er machte nachgerade einem Gefühle Platz, das an rege Theilnahme, um nicht zu sagen Bewunderung, streift. In einem Lande, wo nur zu oft die Feuersbrünste einen verheerenden Charakter annehmen, fehlt es einer wohlorganisirten Feuerwehr nicht an Gelegenheit, ihre Tüchtigkeit zu erproben. Beim letzten großen Feuer im Januar d. J. hatte man es lediglich den Anstrengungen und der unverdrossenen Energie der deutschen Feuerwehr zu verdanken, daß das Frankenquartier von dem furchtbaren, züngelnden Element verschont geblieben. Es ist dies eine Thatsache, welche durch öffentliche und Privat-Anerkennungsschreiben außer allem Zweifel gestellt ist. So hat denn das junge Institut während der kurzen Zeit seines Bestehens trotz Naserümpfen, Unverstand und Scheelsucht sich die allgemeinste Achtung errungen, eine Achtung, die um so bedeutsamer in’s Gewicht fällt, als die eingeborene Bevölkerung mit der Würdigung fremden Verdienstes nicht allzu verschwenderisch zu sein pflegt.

Smyrna.
Wilhelm Fürst.