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Autor:
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Titel: Ein verkanntes Genie
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 33, S. 563–564
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[549]
Die Gartenlaube (1888) b 549.jpg

Ein verkanntes Genie.
Originalzeichnung von C. W. Allers.

[563] Ein verkanntes Genie. (Mit Illustration S. 549.) Jeder giebt den Werth sich selbst – sagt Butler im „Wallenstein“, und wir dürfen wohl nicht daran zweifeln, daß unser Schildermaler, der eben damit beschäftigt ist, ein wildes Schwein mit voller Naturwahrheit auf das Wirthshausschild zu pinseln und daneben ein Stillleben mit Würsten und Weingläsern, sich für einen Künstler hält, welcher den großen holländischen Meistern der Thier- und Stilllebenmalerei vollkommen ebenbürtig ist. Sein Künstlerkopf ist allerdings ausdrucksvoll genug, und die Art und

[564] Weise, wie er mit der Cigarre im Munde und der Brille auf den Augen den Pinsel führt, zeugt vom größten Behagen und Selbstgefühl. Doch wie selten findet das Genie den verdienten Lohn! Mittelmäßigkeiten schwelgen in den Herrlichkeiten des Ruhms, in allem Luxus des Lebens, und eine Kraft, die das Größte zu leisten vermöchte, wird zu schnödem Tagwerk verurtheilt. Das sind die Gedanken, die durch den Kopf des unbekannten Künstlers gehen, sobald er den Pinsel bei Seite gelegt hat; doch so lange er selbst bei der Arbeit ist, verliest er sich in dieselbe mit der vollen Hingebung, aus der allein die großen „Meisterwerke“ hervorgehen.