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Titel: Ein letzter „Luther“ in Noth
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aus: Die Gartenlaube, Heft 8, S. 142
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[142] Ein letzter „Luther“ in Noth. In weiteren Kreisen ist es schwerlich bekannt, daß von des großen Reformators Familie ein Seitenzweig sich in Böhmen erhalten hat und dort wieder zur katholischen Kirche bekehrt worden ist. Aus dieser verarmten Familie wurde im Jahre 1830 ein neunjähriger Knabe, Anton Luther, von seinem Geburtsort Stöckei in Böhmen in das Erfurter „Martinsstift“ übergeführt und in demselben erzogen. Bekanntlich besteht dieses Martinsstift seit 1817 und ist von der „Gesellschaft der Freunde in der Noth“ zu dem Zwecke gegründet worden, verlassene und verwahrloste Kinder aufzunehmen und ihnen die Segnungen des Vaterhauses zu gewähren. Als Heimstätte erhielt es einen Theil des Augustiner-Eremitenklosters, durch dessen Pforte einst Luther seinen Einzug gehalten hat, ebendeswegen führt der neue, durch die Munisicenz des Königs Friedrich Wilhelm des Vierten an die Stelle der baufälligen Klosterräume nunmehr getretene schöne Neubau den Namen „Zur Lutherpforte“.

Anton Luther fand noch im alten Kloster, und zwar unter dem Director Reinthaler, Aufnahme, der auch nach der Schulzeit für sein Fortkommen zu sorgen suchte, aber leider mit so wenig Glück, daß jetzt der sechsundfünfzigjährige Mann als Modellschreinergeselle in dem Städtchen Tennstädt sein Brod verdienen muß. Es fehlt gewiß nicht an Verehrern des großen Reformators, welche dem letzten Abkömmling seiner Familie gern den trüben Lebensabend durch werkthätige Theilnahme erhellen. Da die „Gartenlaube“ das Sammeln für Unglückliche ohne besondere Ministerialgenehmigung unterlassen muß, so erlauben wir uns, die Adressen des Herrn Senator H. Gerber und des Herrn Kreisgerichtsraths Bürger in Tennstädt zu nennen, welche Herren zum Empfange der betreffenden Gaben bereit sind.