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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Ein Schwefelbad in Algier
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Die Gartenlaube (1888) b 509.jpg
Die heißen Schwefelquellen von Hammam-Meskontine in Algier


[516] Ein Schwefelbad in Algier. (Mit Illustration S. 509.) Auf der Eisenbahnlinie Bona-Constantine, unweit von Guelma, liegt die kleine Station Hammam-Meskontine (Bad Meskontine), welcher im Vorjahre die Reisegesellschaft des Wiener wissenschaftlichen Klubs einen Besuch gemacht hat. Von der üppigen Vegetation der Landschaft an beiden Seiten des Bahnweges vermag man sich kaum einen richtigen Begriff zu machen, es ist ein wahres Paradies, das sich den Blicken der Reisenden zeigt. Knapp vor der Station Hammam-Meskontine, zur Linken der Bahnlinie und nur wenige tausend Schritte von derselben entfernt, erscheint plötzlich ein etwa 100 Klafter hoher, fast freistehender Hügel, von dem sich kaskadenartig die schneeweißen siedenden Wasser schäumend herabstürzen. Dichte Dampfwolken steigen von den kleinen Quellenteichen oben auf der Höhe des Hügels auf, in denen das kochende (96 Grad Celsius) sprudelnde Schwefelwasser brodelt und unaufhörlich in neuen reichen Mengen aus dem vulkanischen Innern der Erde aufquillt. Ein märchenhaft schöner Anblick bietet sich dem Beschauer schon im Eisenbahncoupé oder auch vom Fuße des rauchenden Hügels aus dar. Hundert und hundert Stufen, die sich aus dem sich ansetzenden schwefelsauren Kalk im Laufe der Jahrhunderte vielleicht der Jahrtausende, gebildet haben schaffen da eine Scenerie, die eine geradezu imposante Wirkung ausübt. Vom grellsten Weiß der Schaumkämme der Meereswogen und des Schnees unserer Alpen bis ins Orangegelb und Rothbraun und Blaugrau wechseln die Farbentöne der einzelnen Partien dieses kegelförmig aus dem Thale aufstrebenden Hügels … Und wirft die glühende Sonne Afrikas in diese herabstürzenden dampfenden Wasserbäche, in diesem tausendfache Wassergeriesel, das den kleinen Berg wahrhaft lebendig macht, ihre Strahlen, dann glitzert diese Zauberwelt in Milliarden Demanten auf.

Daß sich das phantasiereiche Arabervolk eine phantastische Legende zu diesem Märchenhügel und zu den unweit desselben frei aufragenden Felsenriffen gedichtet hat, eine Sage, die noch heute im Munde der dortigen Bevölkerung lebt, wird nicht Wunder nehmen … Die Mythe der Araber erzählt, daß das brausende Geräusch, das aus dem Innern des Hügels tönt, eine Musik sei, welche die Djenouns, die Dämonen, welche diese Tiefen bewohnen, anstimmen, und daß alle diese Felsenriffe und Steintrümmer ringsum einst weidende Schafe, Ziegen, Pferde, Männer, Frauen und Kinder gewesen sind, welche den Zorn dieser unterirdischen Mächtigen auf sich geladen haben. Jeder einzelne dieser Riesensteine, die zu Füßen des wasserspeienden Hügels wie eine Trümmerwelt liegen, ist den Arabern ein Schrein, in welchen die Römer kostbare Schätze eingeschlossen haben; doch wurden die Schlüssel zu diesen Behältern von ihnen hinweggenommen und nur die Christen allein vermögen diese geheimnisvollen Kassetten zu öffnen.