Ein Lieblingsberg der Deutschen

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Autor: Max Haushofer
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Titel: Ein Lieblingsberg der Deutschen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 91–92
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1887
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Gartenlaube (1887) b 089.jpg

Bilder vom Wendelstein. Originalzeichnung von R. Püttner.

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Ein Lieblingsberg der Deutschen.

Von Max Haushofer. Mit Illustrationen von R. Püttner.

Wer von München aus dem Brenner zufährt, zunächst jenem breiten Alpenthore entgegen, das der Innstrom auf seinem Wege aus Tirol nach Bayern gefunden hat, dem fällt in der langen blauduftigen Bergkette eine Berggestalt vor Allem ins Auge: die kühngezackte Felspyramide des Wendelstein. Er ist durchaus nicht etwa durch seine Höhe besonders hervorragend; denn er übersteigt nur um Weniges die Durchschnittshöhe jener Voralpengipfel, mit welchen er in einer Linie Front gegen das Flachland macht. Aber seine charakteristische Gestalt, seine kecke Stellung hart am Rande der Hochebene, zwischen tiefeingeschnittenen Thälern, über stundenbreiten rothbraunen Mooren, zu welchen sein lustiges Blau einen scharfen Gegensatz bildet, endlich die Nachbarschaft einer der ehrwürdigsten unter den europäischen Völkerstraßen: all das zusammen hat ihm zu einer Berühmtheit verholfen, welche weit über seine Meereshöhe hinausreicht. Der Wendelstein ist einer der volksthümlichsten Berge in der ganzen Alpenkette vom Montblanc bis zum slawischen Triglav geworden. Die stolzen Zinnen der Centralalpen, die mit steinernem Antlitz, von blitzendem Eisgewand umflossen, in unermeßliche Abgründe niederstarren, jene Zinnen, gegen welche der Wendelstein als ein bescheidener Hügel erscheint, müssen ihn doch um Eins beneiden, das er vor ihnen voraus hat: um sein Lied. Denn der Wendelstein ist einer von den wenigen Bergen, denen, wie dem steirischen Dachstein und dem Wazmann bei Berchtesgaden, ein eigenes Leib- und Preislied von Volkes Mund gedichtet ward und von Volkes Mund immer und immer wieder gesungen wird.

Der entscheidendste Grund für die Popularität des Berges liegt aber wohl im Herzen seiner Umwohner. Das Leitzachthal, das mit seinen grünen Triften und sonnigen Dörfern sich zu Füßen des Wendelsteins ausbreitet, wird von einem Völkchen bewohnt, das an Lebenslust und Sangesfreudigkeit seines Gleichen sucht. Erst weit im Osten, am Fuße des steirischen Dachstein, auf den sonnigen Almen um Aussee, findet man einen gleich fröhlichen und schönen, lebensfrohen und liederkundigen Schlag Menschen. Dazwischen liegen weitgestreckte Thäler, in welchen man tagelang hinwandern kann, ohne ein Lied zu vernehmen. Dieser Unterschied des Volksgemüths von Thal zu Thal hat seinen tiefen Grund in der Natur wie in den mit ihr zusammenhängenden Lebenssitten der Menschen. Wo die Almenwirthschaft blüht, da giebt’s auch Lieder und Jauchzer – vorausgesetzt, daß es Mädchen sind, die droben in den Sennhütten hausen, nicht bloß verwetterte alte Schafhirten oder industrielle Käsehändler. Darum singt’s von den Almen zwischen dem Wendelstein und dem Tegernsee; denn dort haust die muntere Jugend wohlhabender Dörfer, unverkürzter Freiheit froh, den Sommer über zwischen ihren grünen Matten, rauschenden Wäldern und weißgrauen Felsen.

Und von den meisten dieser Almen aus sieht man wie einen Bergkönig das schöngeformte Felsgebilde des Wendelstein aufragen. Dann kam noch Eines dazu, um diesem Berg so besondere Poesie zu verleihen: der hervorragende Ausblick ins Flachland. Wo man ringsumher von Bergen umgeben ist, da ist der Ausblick in die Welt wohl großartiger und wilder; aber nicht so lustig wie hier. Gerade daß man so hoch über dem unermeßlichen Flachland steht, so viele bewohnte Stätten, winzige Häuschen und Kirchthürme, Wälder und Felder und Wasserspiegel unter sich sieht, muß doppelt übermüthig und freiheitsselig stimmen.

Darum ist der Wendelstein auch als Zielpunkt fröhlicher Bergfahrt so vielbegangen wie kein anderer Berg der bayerischen Alpen. Von Ostern bis Allerheiligen, wenn am Samstag die langen Wagenzüge im Münchener Bahnhof bereit stehen, kommen die Freunde des Wendelsteins, einzeln oder in kleinen Gruppen: Gymnasiasten mit ihren langen Bergstöcken; schlichte Bürger mit ihren Töchtern; dazwischen auch manche ältere Würdenträger, die auf zwei Tage den Aktenstaub los sein wollen; übermüthige norddeutsche Studenten, die ein Semester in München zubringen und ahnungslos ihre feinen Röcke der unbarmherzigen Bergnatur entgegentragen; da und dort auch ein heimlich flüsterndes Pärchen, das aus der Prosa seiner Ladenbude heraus der Almenpoesie zustrebt – und noch viel anderes Volk.

Die Lokomotive donnert mit ihren dreißig Waggons über die Hochebene dahin, durch langgedehnte Wälder, aber immer dem blauen Felsenkopf des Wendelstein entgegen, der scharf über die dunklen Waldlinien emporlugt. Wenn wir die Station Holzkirchen erreichen, wo der Bahnzug sich zertheilt, um nach drei Richtungen hin dem Gebirge entgegenzueilen, steht unser Berg schon groß und imponirend da; schon unterscheidet man deutlich an ihm, was Fels, Wald und Matte ist.

Dann aber fängt er an, sich zu verstecken, je näher wir ihm kommen; und schließlich verschwindet er ganz hinter bewaldetem Vorgebirg. Dann weht uns aber auch schon Alpenluft entgegen; der Horizont verengert sich; näher tritt Wald und Gehäng, und das Wasser, das neben dem Bahndamm rauscht, tanzt so übermüthig in seinem felsigen Bache, wie es kein Wasser des Flachlandes kann.

Bald ist das Ende des Schienenwegs erreicht. Groß und dunkel erschließt sich ein Kessel von Wald und Fels; in ihm eingebettet liegt der liebliche Schliersee. Seine Wirthshäuser mit ihren holzgeschnitzten Balkons reizen uns aber heute nicht. Rasch ist ein Fährmann gefunden, der uns in einem zierlichen weißen Boot über die Seefläche fährt, mit der ein sanfter Nordost ein heiteres Spiel treibt. Während wir über den See hinfahren, schließen uns die Berge mehr und mehr ein wie ein zauberischer Ring, und wenn wir am südlichen Ufer des Sees dem Nachen entsteigen, sind wir mitten in einem Alpenthal. Nur unser Wendelstein hält sich noch versteckt. Aber kaum zehn Minuten wandern wir auf der glatten weißen Straße, da gabelt sich das Thal, und er steht wieder vor unseren Augen, jetzt nur noch in stundenweiter Ferne: eine schöne schroffe Pyramide mit grünen Matten am Fuße und schimmernden Felswänden in der Höhe.

Von nun an lassen wir unsern Berg nicht mehr aus dem Auge. Abendliche Schatten breiten sich schon durchs Thal. Zur Linken hoch über uns trauern einsam die Trümmer der uralten Veste Hohenwaldeck; zur Rechten gleißen in den Strahlen der sinkenden Sonne die Felswände des Jägerkamm, der Rothwand und des Miesing. Der Weg vor uns ist einsam und still. Von den Berghängen herab tönt alpenhaft das Geläute der Kuhglocken; in einiger Entfernung gaukelt, von Staubwölkchen umwirbelt, ein gelber Omnibus hin wie ein etwas schwerfälliger Schmetterling. Bald verlassen wir auch die Straße und steigen auf schmalem Fußpfad durch Wald und Hag, am westlichen Fußgestell des Wendelsteins empor, zu dem Wallfahrtsorte Birkenstein.

Das ist ein vielumsungener Ort, eine der volksthümlichsten Stätten des bayerischen Berglandes. Unmittelbar am Gehänge des Wendelstein liegen Dorf und Wallfahrtskirche, überragt von finsterem Bergwald und grauen Felszacken. Weit schweift der Blick durch die Spalte des Leitzachthals ins Flachland hinaus.

Es sind zwei Wirthshäuser in Birkenstein, eines auf lustiger Höhe, das andere, ältere unten im Thal. Wir haben uns oben in der Höhe ein Unterkommen gesucht und schauen nun hinaus in die abendliche Landschaft.

Im Bergwald rauscht der Nachtwind, Herdengeläut ertönt ringsum; aus der Tiefe herauf sehen wir die Fenster des unteren Wirthshauses flammen; dort geht’s lebhaft zu; man vernimmt Peitschenknall und Gesang und den Lärm fallender Kegel. Bei uns ist’s einsam und still; einige Bergwanderer, die vor uns heraufkamen, sitzen in der Stube vor ihren Landkarten, die ländlichen Gäste haben den Heimweg gesucht. Geisterhaft weht es aus den finsteren Schluchten und Höhlen des Berges herab und hinter schwarzen Fichten steigt groß und geheimnißvoll der Mond empor.

Vor Tagesgrauen sind wir wieder auf dem Wege. Der ist leicht zu finden, seit der Alpenverein ihn verbessert und mit Wegweisern versehen hat. Wo irgend ein Zweifel über die Richtigkeit des Wegs entstehen mag, sieht der Wanderer auf Steinwurfweite an einem Felsen oder Fichtenbaum einen dicken Strich rother Oelfarbe, der die Richtung weist. Bei einem solchen Steine treffen wir einen alten Holzknecht an, der gegenüber dem Steine auf dem Rasen sitzt und sein Pfeifchen stopft und dann äußerst nachdenklich den rothen Strich auf dem Steine betrachtet. Der Stein selber sieht schier aus wie ein finster grollendes Riesengesicht.

„Na, Alter,“ so fragen wir, „was ist’s jetzt mit dem Stein? Meinst, er ärgert sich recht, weil er so roth angestrichen ist?“

Der Alte bläst eine dicke Rauchwolke unter dem weißen Schnurrbart hervor und sagt: „Ja, grantig ist er schon, der Stoan, moan i! Aber bis in hundert Jahren wascht ’n der Regen scho fein sauber! Dös kann er derwarten, der Stoan!“

Uns scheint’s auch, als ob der Stein das ruhig abwarten könne. Und wie wir weiter wandern und um die nächste Waldecke biegen, sitzt der Alte wieder schweigsam dort und raucht, und denkt über den Stein nach, fast selbst wie versteinert.

Nach einer Stunde raschen Steigens ist die Waldregion hinter uns. Lustig schlängelt sich der Weg einen steilen Abhang entlang; weit öffnet sich der Ausblick in die Nachbarberge, deren Felshäupter eben von der aufgehenden Sonne mit purpurner Gluth übergossen werden. Zur Rechten in einer kleinen Mulde liegt eine Sennhütte; die Inwohnerin jauchzt uns ein Willkomm herüber; aber zur Einkehr haben wir keine Zeit. Steiler und höher geht’s hinan, zuerst noch über Matten und Geröll, dann durch Krummholz und grobe Felsklötze. Aber lang schon winkt das gastliche Wendelsteinhaus unter dem massigen Gipfel; tiefer und tiefer sinkt das grüne Leitzachthal, das den Wendelstein im Süden und Westen umzieht, hinunter, und wie Kinderspielzeug schauen die Häuschen von Bayrisch-Zell herauf. Kaum dritthalb Stunden sind vergangen seit unserem Aufbruch von Birkenstein, da treten wir über die Schwelle des „Wendelsteinhauses“. Erst vor wenigen Jahren hat man dasselbe aufgeführt, aber es genügte bald nicht mehr den Anforderungen der zahllosen Touristen. Der gastliche Bau ist vergrößert und sogar mit einem botanischen Garten versehen worden.

Bis hierher ist der Wendelstein eigentlich ein Spaziergang. Aber zuletzt war’s doch warm geworden in der Morgensonne und zwischen dem borstigen Krummholz, so daß es immerhin gut thut, ein paar Minuten

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Blick auf das Wendelsteinhaus.

auf der einladenden Holzbank vor dem Hause zu rasten und einen frischen Trunk sich zu vergönnen. Die Rundschau, die sich hier schon eröffnet, messen wir nur mit flüchtigem Blick; ist doch oben auf dem Gipfel Alles noch weit schöner! Und den steilen Weg von Bayrisch-Zell herauf kriecht eine lange Karawane von Menschen, ameisengleich. Es wäre doch hübscher, allein oben zu sein! Also machen wir uns rasch wieder auf den Weg. Ein paar große Felsstufen geht es noch hinan; dann scheint’s, als sei der Weiterweg vermauert. Massig und drohend hängt eine finstere Felsenwand über uns. Aber noch ein paar Schritte weiter, und wir sehen, daß diese Wand gespalten ist. Eine feuchte dunkle Kluft gähnt uns entgegen, der Zugang zum „Stangensteig“. Dieser Stangensteig ist ein schmaler, oft nur handbreiter Weg, an dessen Seite in die graue Kalkwand daumendicke Eisenstifte eingelassen sind, um ein Geländer aus Eisenstangen und Drahtseil zu tragen. Das Geländer ist aber nur an der einen Seite des Steigs, da, wo die Wand aufwärts steigt. An der anderen Seite stürzt die Wand in eine gräuliche Tiefe fast lothrecht ab. Mancher Wendelsteinwanderer kehrt hier, von panischem Grausen erfaßt, dem lustigen Steige den Rücken und verzichtet auf den Rest. Uebrigens ist der Steig dei der Anwendung des geringsten Maßes menschlicher Vorsicht ganz gefahrlos, und nur wer stark am Schwindel leidet, wird ihn ungemüthlich finden. Selbst wenn sich etwa zwei Reisegesellschaften hier begegnen, kann man sich in heiterer Laune an einander vorbeidrücken. Für ein paar Todfeinde, die sich hier träfen, wäre der Moment allerdings kritisch.

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Auf dem Gipfel des Wendelstein.

Um den Fels und steil aufwärts windet sich der Stangensteig zum luftigen Grat und auf diesem zum Gipfel, kaum eine Viertelstunde über dem Wendelsteinhause. Der Gipfel selber ist ein gewölbter, von Westen nach Osten entlang ziehender Felsrücken. An seiner höchsten Stelle trägt er ein Kreuz und eine kleine Kapelle, Beides mit starken Drähten und Eisenklammern am Felsgrund befestigt. Hier stehen wir, 1849 Meter oder 6335 bayerische Fuß über der Meeresfläche. Wer hier sich niederläßt in das niedrige, braune, harzduftende Gesträuch, das den Felsgrat stellenweise deckt; wer im Sonnenschein hier Rundschau hält, der begreift es leicht, warum der Berg im Volksmund lebt, wie wenig andere. Schroff und nach unten zu immer schroffer senkt sich die Nordwand vom Gipfel hinunter in die Tiefe, über und über von schwarzem Krummholz bewachsen. Weit unten erst kommt wieder Boden zum Vorschein: finstere, dickbewaldete Thalkessel, durch welche der Jenbach ins Flachland hinausdrängt. Blitzend und breit zeigt sich im Nordosten zwischen Wäldern und Feldern und unzähligen Ortschaften der Innstrom; jenseit desselben funkelt der mächtige Spiegel des Chiemsees. Aber noch weit, weit nördlich fährt der Blick über die Ebene hin, die fast endlos sich dahinstreckt, eine von grünem fröhlichen Leben erfüllte Landkarte. Immer feiner und duftiger wird’s nach dem Horizonte zu; nur ein scharfes Auge erkennt fern im Nordosten die blauen Gipfel des Böhmerwaldes und im Nordwesten, schimmernd wie ein Märchen, die Thürme und Häusermassen von München.

So reich und großartig das Bild nach dem Flachlande zu ist: unendlich größer ist es nach dem Süden. Da fesselt den Blick zunächst das wilde Gesicht unseres Berges selbst. Mit zerrissenen Felsköpfen stürzt er in die ungeheure Tiefe von Bayrisch-Zell ab. Und gegenüber, jenseit des grünen Leitzachthales baut sich’s empor, gigantisch und unabsehbar, Berg über Berg. Hinter den grünen Waldgehängen und Gipfeln der Voralpen steigen höher und höher schartige, weißgraue Kalkschroffen empor, alle überragt von der weißen blinkenden Kette der Centralalpen. Deutlich sieht man aus den Firnfeldern der Tauern und des Zillerthaler Kammes die breiten Gletscher niedersteigen mit ihren blauen Schründen; deutlich erkennt man die tiefe Einsenkung des Brenners und weiter nach Westen hin die stolzen Gipfel der Stubayer und Oetzthaler Eiswelt. Ob aber die fernsten, hinter den westlichen Hochkalkalpen auftauchenden Spitzen schon den Graubündener Alpen angehören, kann der spähende Blick nicht mehr unterscheiden.

Von der Schweizer Grenze bis zum Böhmerwald, und von dem stolzen Markstein Kärnthens, dem Großglockner, bis nach Schwaben hinein mit einem Blick zu schauen – es ist wohl des Steigens werth! Und ringsum strahlende Schönheit und unverwüstliche Felsengestalten! Wie winzig ist der Bahnzug in der Tiefe, und wie langsam kriecht er auf seinem eisernen Wege dahin! Jetzt fährt er über die Innbrücke und in den Bahnhof zu Rosenheim; aber sein gellendes Pfeifen dringt nicht bis herauf. Dafür schallt von dem Nachbargipfel der Soienspitze ein Jauchzer herüber, frisch und schneidig wie der Bergwind. Das ist die Sennin von der Soienalp, die drüben auf den im schrägen Sonnenlichte funkelnden Felsen steht und ihren Morgengruß herüberschickt nach dem geliebten Wendelstein.