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Textdaten
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Autor: Adolf Ebeling
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Titel: Ein Diamantendiebstahl in Kairo
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 11, S. 179–181
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Ein Diamantendiebstahl in Kairo.*[1]


Von Adolf Ebeling.


Wenn man von dem Esbekih-Platze in die sogenannte Muskih, die Hauptstraße von Kairo, eintritt, so bemerkt man gleich links unter den ersten Häusern mehrere elegante Juwelierläden, die in ihrer Ausstattung und Einrichtung ganz an einen europäischen in Paris, Wien oder Berlin erinnern. Der zweite von ihnen gehört den Gebrüdern Rochmann, die seit langen Jahren in Kairo ansässig sind und weit verbreitete Geschäftsverbindungen vorzüglich nach Kleinasien und Constantinopel haben. Hinter den blanken Schaufenstern des geräumigen Ladens liegen goldene Uhren und Ketten, Ringe, Schmuck und Geschmeide aller Art, und die Vorübergehenden drängen sich hinzu und betrachten neugierig und sehnsüchtig alle die Herrlichkeiten, ganz wie bei uns zu Hause.

Das eigentliche Geschäft der Gebrüder Rochmann besteht übrigens im Handel mit Edelsteinen, namentlich mit Brillanten, wie denn bekanntlich dieser Handel in Kairo außerordentlich großartig betrieben wird. Edelsteinhändler aus allen Hauptstädten Europas kommen hierher oder senden ihre Agenten, die sich mit den aus Ostindien und Brasilien angekommenen in directe Verbindung setzen und oft Einkäufe zu fabelhaften Preisen machen. Auch werden in Kairo selbst viele Edelsteine verbraucht, schon der Harems wegen, deren Bewohnerinnen bei festlichen Gelegenheiten oft dergestalt mit Schmuck überladen sind, daß Kopf, Hals, Busen und Arme in allen Regenbogenfarben glänzen.

Gegen Ende des Decembers vorigen Jahres hatte sich I.-Pascha, einer der reichsten hohen Herren am Hofe des Vicekönigs, bei den Gebrüdern Rochmann anmelden lassen, um für die Braut seines Sohnes einen Brillantschmuck zu bestellen und zu diesem Zwecke die Steine selbst auszusuchen. Dergleichen ist in Kairo nichts Ungewöhnliches, und es handelt sich dann in der Regel um einige hunderttausend Franken; deshalb beeilten sich auch die genannten Juweliere, wenigstens für eine Million Brillanten zur Auswahl vorräthig zu haben. Später mußte der Pascha nach Suez reisen und ließ den Herren Rochmann sagen, er könne erst in einigen Wochen zurückkommen; sie sollten bis dahin nur Alles in Bereitschaft halten. Diese thaten, wie ihnen geheißen, ließen auch die Steine unbesorgt in dem wohlverschlossenen Schrank ihres Ladens, wie sie seit Jahren und oft bei doppelt und dreifach größeren Quantitäten gethan hatten. An die Möglichkeit eines Diebstahls oder gar eines Einbruches, ohnehin etwas Unerhörtes in Kairo, dachten sie natürlich nicht; denn schon die Localität selbst bot die vollkommenste Sicherheit.

Der Rochmann’sche Laden besteht nämlich, wie die meisten größeren Läden auf der Muskih, aus einem einzigen Raum, der hier allerdings durch eine Zwischenwand in zwei Hälften abgetheilt ist, aber dieser Raum ist von festen, massiven Mauern umgeben und hat nur eine Thür nach der Straße als alleinigen Ein- und Ausgang. Diese Thür und die Fenster zu beiden Seiten sind durch einen auf- und niedergehenden Verschluß aus Eisenplatten, zu welchem noch starke querliegende Eisenstangen kommen, gut verwahrt, und außerdem liegt Nachts auch vor diesem Laden, nach hiesiger Sitte, ein Wächter im Freien vor der Thür, was Letzteres, nebenbei bemerkt, von den neuangekommenen Fremden stets als etwas sehr Curioses betrachtet wird. Mittags schließen die Gebrüder Rochmann ebenfalls ihren Laden auf eine Stunde, wie die meisten ihrer Collegen auf der Muskih, um zum Frühstück zu gehen, aber der Wächter, ein schwarzer Nubier in weißem Turban und weißem Gewande, sitzt dann getreulich auf einer kleinen Matte vor dem Hause.

So waren die Herren Rochmann auch an jenem verhängnißvollen Decembertage fortgegangen; der Aeltere kam indeß aus irgend einem unwesentlichen Grunde etwas früher zurück, schloß die Ladenthür auf und trat ein, während der Nubier den eisernen Verschluß in die Höhe zog. Herr Rochmann bemerkte anfangs nichts Ungewöhnliches, als er sich aber an sein Bureau setzt, sieht er plötzlich die Schrankthür geöffnet, und zwar gewaltsam erbrochen; er stürzt hin und der erste Blick überzeugt ihn, daß ein verhältnißmäßig nur kleiner Kasten, der aber die bewußten Brillanten enthielt, verschwunden ist. Auch sonst fehlen einige Päckchen mit Edelsteinen, und schließlich hat man aus den Ladenfenstern noch einige werthvolle Schmucksachen mitgenommen.

Mittlerweile ist der Bruder gekommen, und Beide sind in den ersten Minuten fast sprachlos vor Schreck und Entsetzen. Sie fassen sich jedoch bald und untersuchen zunächst die Mauern des Ladens, finden aber keine Spur von einem Einbruch. Der [180] Nubier, ein alter zuverlässiger Diener des Hauses, hat nichts gehört und nichts gesehen und weiß von nichts. Sie forschen weiter umher und fühlen auf einmal, daß eine der Steinplatten unter ihren Füßen wackelt und darauf noch eine. Sie heben beide Platten ohne Mühe in die Höhe. … sie meinen zu träumen, denn sie finden ein großes dunkles Loch im Boden, das ihnen als Lösung des Räthsels entgegenstarrt. Durch dieses Loch, das auf einen unterirdischen Gang schließen läßt, mußten die Diebe in den Laden eingedrungen sein. Aber wohin führte dieser Gang? Kellergewölbe giebt es nicht auf der Muskih, wie es überhaupt keine Keller in den alten Häusern Kairos giebt, die sämmtlich auf höchstens zwei bis drei Fuß tiefen Fundamenten ruhen, und die Fußböden der Erdgeschosse bestehen durchweg aus viereckigen, etwa anderthalb Fuß im Quadrat haltenden Steinfliesen.

Schon war in der Nachbarschaft der Einbruch bekannt geworden. Polizeimannschaft kam und umstellte das Haus, um die Neugierigen abzuhalten, und man schritt zur näheren Untersuchung. Man leuchtete in den unterirdischen Gang hinab, aber Keiner wollte sich hinein wagen, denn es konnte ja möglicher Weise noch Jemand darin versteckt sein. Die Herren Rochmann boten Geld, um das Wagestück zu unternehmen, hundert Franken und mehr; endlich fand sich ein beherzter Araber, der es für sechs Pfund Sterling zu thun versprach. Dies wurde angenommen. Der Araber versah sich mit Waffen, Feuerzeug und einer Kerze und stieg oder kroch vielmehr in den dunkeln Schlund hinab. Man wartete und wartete, fast eine Viertelstunde, der Araber kam nicht wieder. Schon erschöpfte man sich in allerlei Muthmaßungen, als er plötzlich von der Straße aus zur Thür wieder hereintrat, und nun war auch der Schlüssel des Mysteriums gefunden. Der Araber war behutsam fortgekrochen, weiter und weiter, durch verschiedene Windungen des langen Ganges und endlich in einem nach hinten und ziemlich entfernt liegenden Hofe wieder an’s Tageslicht gekommen. Der Gang mündete in einem halbverfallenen Bretterverschlage, der natürlich leer war, aber die Aufklärung des Ganzen kam jetzt von allen Seiten.

Man erinnerte sich, wie ungefähr drei Monate früher einige Griechen und Italiener jene Bretterbude gemiethet und dort ein arabisches Kaffeehaus etablirt hatten. Zu einem solchen Etablissement gehört in Kairo nicht viel, und man muß dabei nur ja nicht an ein europäisches Kaffeehaus, oder gar an ein Café auf einem Pariser Boulevard denken. O nein, einige alte Matten und Teppiche, auf denen sich die Gäste mit gekreuzten Beinen niederlassen und ihren Tschibuk rauchen, ein Dutzend Tassen, ein Kessel für das kochende Wasser, ein steinerner Mörser, um darin die gerösteten Bohnen zu Mehl zu zerstampfen, und endlich die Kanne, um durch einfachen Aufguß den Trank zu bereiten – diese Gegenstände genügen zur Ausrüstung eines solchen Kaffeehauses. Daß trotzdem dieser Trank, ohne alle weitere Zuthat, köstlich ist, bezweifelt gewiß mehr als eine meiner Leserinnen; dem ist aber doch so, man muß nur dazu eben in Kairo sein.

Die neuen Wirthe hatten übrigens nur geringen Zuspruch, denn sie vernachlässigten ihre Kunden, die nach und nach wegblieben, zumal in den kleinen Nebengassen der Muskih derartige Kaffeehäuser in großer Menge zu finden sind. Man bemerkte auch, daß sie viele Tonnen kommen ließen, man wußte nicht, ob mit Wein oder Bier, die sie aber nicht ausschenkten, sondern, wie es schien, wieder an andere Debitanten verschickten. So trieben sie es mehrere Monate lang und Niemand bekümmerte sich weiter um sie.

Aber diese sauberen Patrone waren nur Kaffeewirthe zum Schein; Nachts gingen sie an ihr eigentliches Geschäft, und wir wissen schon, an welches. Sie hatten das Terrain mit großem Geschick ausgekundschaftet und danach ihren Plan gemacht. Die Bretterbude lag von dem Hause der Juwelenhändler kaum sechszig Fuß entfernt, es war also möglich, durch einen unterirdischen Gang dahin zu gelangen. Die Arbeit war allerdings eine gewaltige und mit unendlichen Hindernissen verbunden, aber als Lohn winkte dafür die reiche Beute im Rochmann’schen Laden. Fast drei volle Monate gruben und wühlten sie unverdrossen, wie einer von den Verbrechern sofort bei seiner späteren Verhaftung gestanden, Nacht für Nacht, und dabei hing stets das Damoklesschwert der Entdeckung über ihrem Haupte. Zuerst arbeiteten sie sich unter der Gasse durch, natürlich in der nöthigen Tiefe, um jedem Einsturze vorzubeugen, dann stießen sie auf eine alte Mauer, die sie nicht durchbrechen konnten, sondern in einem Winkel umgehen mußten, um dann wieder die alte Richtung einzuschlagen; darauf stellte sich ihnen eine zweite, aber dünnere Mauer entgegen, die sie mit Brechstangen bewältigten, und so näherten sie sich mehr und mehr ihrem Ziele.

Die lose Erde, die so leicht zur Verrätherin hätte werden können, wurde sorgfältig in die erwähnten leeren Fässer geschüttet und dann am hellen Tage durch Fuhrleute an verschiedene Adressen fortgesandt; viele dieser Fässer gingen sogar als Frachtgut per Eisenbahn nach Alexandrien und Suez.

Ingenieure, die später als Sachverständige zur Besichtigung des Baues gerufen wurden, haben ein Gutachten dahin abgegeben, daß sie denselben nicht besser und zweckmäßiger hätten anlegen können, wenn sie damit beauftragt worden wären. Es war ein wirkliches Tonnengewölbe im Kleinen, neunundzwanzig Meter lang bei einem Durchmesser von zwei und einem halben Fuße; Querpfeiler, Stützen und Ständer, nichts fehlte, um den Gang so solid und sicher wie möglich zu machen. Auch die Richtung war auf das Genaueste berechnet, und doch grenzt es fast an’s Wunderbare, daß die Diebe gerade unter jenen zwei Steinplatten in den Boden eingedrungen sind, da sie nur wenige Fuß weiter, rechts oder links, unter verschiedenen schweren Möbeln, einen sehr starken Widerstand gefunden haben würden.

Freilich erinnerte sich jetzt auf einmal der ältere der beiden Brüder, daß wenige Tage vor dem Einbruche ein Herr in den Laden gekommen war, um eine Uhr zu kaufen. Dieser Herr, der gut französisch sprach und auch sonst den Eindruck eines Mannes von Stande machte, ließ während des Gesprächs seinen schweren Spazierstock wie zufällig oder wie spielend mehrere Male auf die Steinplatten fallen und wiederholte dies scheinbar unschuldige Manöver auch, als er die Uhr bezahlte und fortging. War dies ein Zeichen für die unten lauernden Diebe, um ihnen diejenigen Steinplatten anzuzeigen, die sich am besten für den Durchbruch eigneten? Damals beachtete Herr Rochmann diesen Umstand kaum; jetzt kam er ihm auf einmal mit doppeltem Gewichte in Erinnerung.

Der Verlust, den die Juweliere durch den Einbruch erlitten, war leicht festgestellt und durch ihre Geschäftsbücher nachgewiesen, er betrug in runder Summe siebenundzwanzigtausendfünfhundert Pfund Sterling, also gegen siebenhunderttausend Franken. Sie erbaten sich eine Audienz beim Vicekönige, die sie auch sofort erhielten, und sie hatten wenigstens den Trost, daß ihnen das Versprechen gegeben wurde, alle Mittel aufzubieten, um die Diebe zu entdecken.

Die Polizei von Kairo ist, wie man dies auch bei dieser Gelegenheit wieder gesehen hat, keineswegs so mangelhaft, wie man es vielleicht in einem Lande, das in so mancher andern Hinsicht noch weit hinter Europa zurücksteht, glauben möchte. In vorliegendem Falle ging sie wenigstens sehr behutsam und geschickt zu Werke, wie man sagt, auf directe Instruction des Vicekönigs. Daß ein Einzelner die complicirte und freche That nicht vollbracht haben konnte, lag auf der Hand; vermuthlich war es eine ganze Bande (die vier Griechen und Italiener, die das Kaffeehaus gemiethet hatten, waren ja den Bewohnern der Gasse bereits bekannt), und nach vollbrachter That hatten sich dann die Diebe den gestohlenen Schatz getheilt und sich sehr wahrscheinlich getrennt. Hierauf basirte die Polizei ihre Operationen.

Gleich nach Entdeckung des Einbruchs ging kein Dampfer mehr von Alexandrien, von Port-Said oder Suez – die beiden letzteren Städte sind die Endpunkte des neuen Suez-Canals – in See, der nicht einige Agenten zur Ueberwachung der Passagiere an Bord gehabt hätte. In Kairo selbst hatte man nach einigen stillen Nachforschungen, die ohne Resultat geblieben waren, die Sache scheinbar fallen lassen, so daß sie im Volke bald in Vergessenheit gerieth und daß auch Andere, die wohl noch daran dachten, aber nach Verlauf von zwei Monaten gar nichts mehr davon hörten, der Ansicht wurden, den Dieben sei ihre Flucht geglückt und die Bestohlenen hätten sich in ihr Schicksal zu ergeben.

Aus Neapel, Marseille, Paris, London, Triest, Wien und [181] anderen großen europäischen Städten liefen dann und wann telegraphische Nachrichten an die Polizeidirection in Kairo ein, die aber sämmtlich nur die Vergeblichkeit aller Nachforschungen meldeten; auch die Depeschen aus Constantinopel, Smyrna, Damascus etc. besagten nichts Anderes, so daß man auch in den Hof- und Regierungskreisen bereits der Befürchtung Raum gab, daß alle aufgewendeten Mühen und Kosten umsonst gewesen seien.

Da plötzlich kam Licht in die dunkle Sache und zugleich volles Licht; man hatte einen der Diebe gefaßt und noch einen und später fünf, also vermuthlich die ganze Bande oder doch jedenfalls die Haupträdelsführer. Zuerst meldete dies eine kurze Depesche aus Triest vom 7. Februar, also fast zwei Monate nach dem Einbruche, und schon am 13. Februar traf ein Agent mit zwei der Schuldigen in Alexandrien ein. Dieser brachte die folgenden näheren Details.

Ende Januar waren in Triest drei Griechen mit dem Lloyddampfer von Brindisi angekommen und hatten sich bei einem italienischen Schneider in der Nähe des Fischmarktes einlogirt. Der Eine von ihnen war bald darauf weiter gereist und zwar, wie er sagte, nach Paris. Die Männer hatten nichts Verdächtiges, schienen Geld zu haben, obwohl sie nicht verschwendeten, und brachten den Tag außer dem Hause zu. In Triest kommen ohnehin täglich Angehörige aus aller Herren Ländern, namentlich aus Aegypten, Kleinasien und der Türkei, an. Die Geschichte des Diamantendiebstahls war übrigens auch in Triest bekannt geworden; sie hatte in mehreren dortigen Zeitungen gestanden, und auch der Schneider hatte sie gelesen. Zufällig begegnet er eines Morgens einem der Griechen, geht ihm unbemerkt nach und sieht ihn in einen Juwelierladen am Corso eintreten. Neugierig wartet er, bis Dieser wieder herauskommt, und folgt ihm dann bis zu einer Osterie am Fischmarkte, wo der Grieche seinen Gefährten trifft, ein heimliches Gespräch mit ihm anknüpft, Goldstücke aus der Tasche zieht, dieselbe zählt und mit dem Andern theilt.

Hatte dies den Verdacht des Schneiders erregt, oder hatte er schon vorher allerlei Muthmaßungen gehabt? – genug, er spricht noch an demselben Tage mit einem Freunde davon; dieser geht zu dem Juwelier am Corso und erfährt, daß am Morgen ein Grieche, der sich für den Dragoman eines Engländers ausgegeben und auch dessen Adresse im Hôtel de la Ville zurückgelassen, einen kleinen Brillanten für sechszig Pfund Sterling verkauft habe. Mit dieser Nachricht geht der Schneider, von seinem Freunde begleitet, auf die Polizei; sie finden dort einen der geheimen Agenten aus Kairo, und noch an demselben Abende wurden die beiden Griechen im Hause des Schneiders verhaftet. In einem Ledergürtel, den der Eine von ihnen auf dem bloßen Körper trug, fand man eine Menge großer und kleiner Brillanten, beinahe den vierten Theil des gestohlenen Schatzes. Alles Leugnen war vergebens, und sie wurden in sicheren Gewahrsam gebracht. Ein anderer Agent reiste sofort nach Paris, um auch den Dritten aufzufangen; wie Einige behaupten, hätten die beiden Griechen, als sie sich verloren sahen, sogar die Adresse ihres Complicen angegeben. Auch dieser wird glücklich in Paris zur Haft gebracht, und als die zwei Agenten mit ihren drei Gefangenen in Alexandrien ankommen, führt man ihnen einen verdächtigen Italiener vor, der bei der Zusammenführung mit den Dreien sofort seine Schuld gesteht. Den Fünften, gleichfalls einen Italiener, arretirte man zwei Tage darauf in Suez, wo er sich schon auf dem Dampfer befand, um sich nach Bombay einzuschiffen. Nur der ungünstige und heftige Wind, der einen Sturm im Rothen Meere fürchten ließ, hatte die Abfahrt des Dampfers um einige Tage verzögert, sonst wäre dieser Dieb wahrscheinlich entkommen. Auch er trug Diamanten bei sich im Werthe von einigen hunderttausend Franken. Die Gebrüder Rochmann, die sofort ihre Steine wieder erkannten, kamen auf diese Weise bald wieder in den Besitz von drei Viertheilen des gestohlenen Gutes, und auch das letzte Viertel (natürlich nach Abzug kleinerer von den Dieben bereits verausgabter Summen) hofft man noch aufzufinden, da man nach einer neueren Depesche aus Constantinopel auch dort einen verdächtigen Menschen arretirt hat, der sich über den Besitz mehrerer großer Brillanten nicht ausweisen konnte.

Als die Nachricht von dem glücklichen Fange der Diebe in Kairo bekannt wurde, herrschte große Freude unter der arabischen Bevölkerung, namentlich unter den Bewohnern der Muskih, für die es eine Ehrensache geworden war, jeden Verdacht einer möglichen Theilnahme, der sich anfangs ziemlich laut geltend machte, von sich abzuwälzen. Die Polizeidirection von Kairo verdient aber gerechte Anerkennung für die geschickte Vertheilung ihrer Agenten in drei Welttheilen, denen es, allerdings von günstigen Umständen unterstützt, gelungen war, in so weiter Entfernung der Diebe habhaft zu werden. Diese sollen nun nach einem Verhöre in Alexandrien, über das noch nichts bekannt geworden ist, das aber gewiß noch viele interessante Details enthalten wird, an ihre betreffenden Regierungen ausgeliefert werden, um die verdiente Strafe zu erleiden.



  1. * Verschiedene europäische Zeitungen, unter ihnen auch einige deutsche, brachten bereits im Januar einzelne Notizen über diesen Diebstahl, aber ohne nähere und vorzüglich amtlich beglaubigte Details. Der vorliegende Bericht ist nach den Erzählungen zuverlässiger Augenzeugen und Bewohner der Muskih, hauptsächlich aber nach den Mittheilungen Elias Effendi’s, des ersten Beigeordneten des Polizeidirectors von Kairo, niedergeschrieben, der sehr gut französisch spricht und sich zu diesem Zwecke dem Verfasser mit der liebenswürdigsten Bereitwilligkeit zur Disposition gestellt hat.
    E.