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Edmund Hoefer (Die Gartenlaube 1857/51)

Textdaten
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Autor:
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Titel: Edmund Hoefer
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 51, S. 700-701
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Edmund Hoefer.

Edmund Hoefer, einer der beliebtesten Novellisten der Neuzeit, wurde im Jahre 1819 zu Greifswald als Sohn des dortigen Senators und Stadtgerichts-irectors Justizrath Dr. Hoefer geboren. Die Liebe zur Natur erbte er von beiden Eltern, und da er dieselben schon in frühester Jugend auf größeren Reisen in das mittlere Deutschland und auf sich täglich wiederholenden Spaziergängen in der freundlichen Umgegend der Vaterstadt begleiten durfte, da überdies auf dem Lande lebende Verwandte und Bekannte bald tage-, bald wochenlang besucht wurden, so wuchs die Liebe immer mehr und schon der Knabe fand Gelegenheit, Feld, Wald und Meer mit ihren Producten, die Bewohner des Landes in ihren Sitten und Gebräuchen kennen zu lernen. Neben dieser Naturliebe beherrschte den Knaben eine unstillbare Lust an Lectüre und bald ein Drang zu eigenen poetischen Productionen, welche vom zwölften Lebensjahre an in ununterbrochener Reihe über ein Decennium lang entstanden. – Nach der üblichen Gymnasialbildung ging er 1839 zur Universität und studirte in der Vaterstadt, in Heidelberg und Berlin Philosophie und Geschichte. In diese Zeit fallen seine ersten Versuche, nebst den Versen auch prosaische Stücke zu schreiben, die jedoch ihm selbst am wenigsten genügten und daher stets auf die Seite gelegt wurden. An eine Veröffentlichung dachte er nicht. Und so viel und so vieles er las, stets kehrte er mit dem gleichen Drange und dem gleichen frischen Interesse zu Thukydides, Goethe und Lessing zurück und holte sich aus ihnen Kraft und Genügen. Dagegen trat Schiller, für den der Knabe geschwärmt und dessen Dramen und Gedichte er zum Theil auswendig gewußt hatte, nach und nach ganz in den Hintergrund, wie Edm. Hoefer auf dem dramatischen Felde denn auch niemals einen Versuch gemacht.

Im Jahre 1842 kehrte er nach Greifswald zurück, um bei dem dort stehenden Jägerbataillon sein freiwillig Jahr zu dienen und sich zu seiner weiteren Carrière vorzubereiten. Der letztern traten jedoch Krankheiten und häusliche Verhältnisse von Jahr zu Jahr hindernd in den Weg, und so geschah’s, daß er sich nach und nach ganz dem literarischen Fache zuwandte, welches er noch Jahre lang nach seinem ersten öffentlichen Auftreten nur als Nebensache betrachtete. Im Herbst 1844 schrieb er in zwei Vormittagen die erste Tambourgeschichtc: „Anno zweiundneunzig,“ und

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Die Gartenlaube (1857) b 701.jpg

Edmund Hoefer.

schickte sie an das Stuttgarter Morgenblatt, wo sie bereitwillig angenommen und abgedruckt wurde. Zwei andere Stücke dagegen, die er im natürlichen Gefühl jugendlicher Eitelkeit gar zu selbstvertrauend dem ersten alsbald folgen ließ, erhielt er mit Protest zurück, und diese Lection blieb ihm unvergeßlich und war von den besten Folgen, indem sie ihn zu größerer Aufmerksamkeit und Sorgfalt trieb. Erst über ein Jahr später schickte er die zweite Tambourgeschichte ab und verkehrte dann manche Jahre mit dem gedachten Blatte, bis der Buchhändler Adolph Krabbe in Stuttgart eine Sammlung der Geschichten wünschte und dieselben 1852 unter dem Titel: „Aus dem Volk“ erscheinen ließ. – Diesem Buche folgten ein Band „Gedichte“ 1853 bei Simion in Berlin, und seitdem bei Krabbe: „Aus alter und neuer Zeit“ 1854, – eine vermehrte Sammlung der „Tambourgeschichten“ 1855, – „Schwanwink, ein Skizzenbuch aus Norddeutschland,“ 1856, – und „Bewegtes Leben“, 1856; nebenher ging noch eine Sammlung sprüchwörtlicher Redensarten: „Wie das Volk spricht“, 2. Auflage 1856. – Nach dem Tode seines Vaters siedelte Edm. Hoefer, der sich inzwischen auch den Doctor-Titel erworben, 1854 nach Stuttgart über und gründete dort im Verein mit Hackländer die bei Krabbe erscheinenden „Hausblätter“, deren Redaction er auch jetzt noch führt.

Hoefer hat sich durch seine Leistungen rasch die Gunst des Publicums erobert, und er verdient diese mehr als viele Andere. Tiefes, sinniges Gemüth, schöpferische Phantasie, eine glückliche Erfindungsgabe und seltene Herrschaft über Form und Sprache zeichnen alle seine Erzählungen aus, die zu dem Besten gerechnet werden müssen, was wir in dieser Gattung aufzuweisen haben. Einige davon sind wahre Kunstwerke. Namentlich sticht sein markiger gedrängter Styl sehr vortheilhaft gegen die breitgetretene langathmige Schreibweise der meisten jetzigen Novellisten ab. Was aber Hoefer besonders auszeichnet, und ihn bei allen gebildeten Lesern so sehr beliebt macht, das ist seine große Kunst der Naturschilderung, seine haarscharfe Charakterzeichnung und die einfache schmucklose Weise, wie er das Gemüth des Lesers anzuregen und zu rühren versteht. Viele neben ihm bezwecken dasselbe, aber sie verfallen in Weichheit und Sentimentalitäten, während Hoefer stets gesund und kernig bleibt.