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Textdaten
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Autor: J. G. Fischer
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Titel: Drei Goethe-Lieder
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 447
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[447]
Drei Goethe-Lieder.[1]
1. Märzmorgen.

Wolkenloser,
Erwachst du schon?
Alles ist Farbe,
Duft und Ton,
Seit die Erde
Dem Morgenroth
Stirn und Wange
Zum Kusse bot.

Harrest du meiner,
Junge Gluth,
Wo im Schimmer
Die Höhe ruht?
Ja, mein Hügel,
Ich folge dir;
Keine Blume noch
Schenkst du mir;

Aber Eine,
Die nenn’ ich mein:
Himmlisches Mädchen,
Ich denke dein.
Muse, Geliebte,
Wie nenn’ ich dich?
Seele, Leben,
Erfülle mich!

Segne nur sie,
Du erstes Grün!
Das ist Fülle
Für alles Blüh’n;
Tränke sie ganz
Mit Einem Zug,
Und die Erde Hat
Lenz genug.

2. Bei seinem ersten Lied.

Wie duften am Raine
Keim und Sproß,
Draus ihm Fülle
Des Wesens floß,
Das er im ersten
Lied ergoß!

Von Werderufen
Aus jeder Kluft
Wie Festgewoge
Erfüllt’s die Luft,
Wie Geisterstimmen
Den Sonnenduft.

Selber zwischen
Der Dorne Hast
Hat sich treibender
Bildung Kraft
Aus dem Gestrüpp
Emporgerafft.

Unter den Tritten
Wie quillst du froh,
Schwellendes Grün!
Wo strömst du, wo,
Athem der Erde,
Und duftest so?

Bist du der Segen
In Keim und Sproß,
Draus ihm Fülle
Des Wesens floß,
Das er im ersten
Lied ergoß?

3. Sesenheim.


Was in Liedern die Welt bewegt,
Ländliche Lüfte, ihr habt’s erregt,

Sah des liebenden Jünglings Glüh’n
Die Geliebte wie Frühroth blüh’n,

Wenn, in ihre Gestalt versunken,
Wärmstes Leben der Gast getrunken,

Und die Pulse des Busens trafen
Ihm die Stirn, wo die Genien schlafen,

Daß ihm’s rauschte von ihrem Rocken,
Wie Gesänge und Ruhmesglocken.

Rosige Finger, was mögt ihr spinnen,
Heldinnen oder Königinnen,

Wenn dem ahnenden jungen Blut
Solch ein Starker im Arme ruht?

Denkt ja Kronen und Kränze nur
Ewig ein schönes Kind der Flur,

Und in Paläste zum Fürstenweib
Träumt sich in Hütten der süße Leib!

Spinne, sinne Gespinnst und Traum –
Süß ist selber der Täuschung Schaum.

Wär’s auch sterbend, Du hast gesiegt,
Diesen König im Arm gewiegt.

Und ihr Lüfte, verkündet nur,
Daß ein seliges Kind der Flur

Unvergeßliches Schicksal spann,
Als er in ihren Armen sann.

J. G. Fischer.
  1. Der Dichter nennt diese Strophen „Goethe-Lieder“, weil sie (an Goethe’s fünfzigjähriger Todtenfeier zu Stuttgart gesprochen) sich in Ton und Stil der Dichtweise des Altmeisters von Weimar anschließen und zum Theil (2 und 3) auch an ihn richten.
    D. Red.