Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Disciplin
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 23, S. 324
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[324] Disciplin. Ein komisches Beispiel glücklich angewandter Throne ereignete sich kürzlich auf einer der königlichen Kriegswerften an der Themse. Der Superintendent oder Director jener großen Anstalt – ein vortrefflicher Mann, der nur die Schwäche hat, das ganze Heil von der buchstäblichsten Befolgung aller Dienstvorschriften abhängig zu wähnen – kam eines Morgens, als er sich eiligen Schrittes nach seinem Bureau begab, an einer der Schildwachen vorbei. Plötzlich blieb er, wandte sich nach dem tapfern Beschützer des königlichen Bauhofes und frug ihn, warum er ihn nicht angerufen oder, in militairischer Sprache, „gestellt“ habe. Vergebens erklärte der Soldat, daß er den Herrn Superintendenten wohl kenne; dieser ergriff begierig die Gelegenheit, sich auf sein Steckenpferd zu schwingen, schärfte ihm nachdrücklichst seine Pflicht ein, Jedermann, der sich ihm nahe, ohne Ansehen der Person sofort zu stellen, und gerieth endlich über sein Lieblingsthema so in Hitze, daß er rief: „Stellen Sie Alle! Stellen sie mich, Herr!“ „Nach Befehl,“ erwiderte der gelehrige Schüler, fällte sein Gewehr und sagte: „Ich stelle Sie – die Parole, Herr!“ Zum Unglück war dem wackern Superintendenten während seines eifrigen Vortrags über die Pflichten eines Postens die Parole selbst gänzlich entfallen; er konnte sich schlechterdings nicht darauf besinnen, und wurde daher, seiner eigenen Theorie gemäß, in’s Schilderhäuschen gesteckt, wogegen er auch nicht zu protestiren wagte. Hier bekam er bald eine zweite Gelegenheit, sich an dem Erfolg seines Unterrichtes zu erbauen. Ein vorbeigehender Polizeidiener erkannte ihn und frug ganz entrüstet den Soldaten, wie er denn so dumm sein könnte, den Herrn Superintendenten zu arretiren; allein die einzige Antwort der Schildwache war der barsche Ruf: „Halt! die Parole!“ Der Polizeidiener, dem bisher seine Uniform Ausweis genug gewesen war, um ungehindert an allen Posten vorbeizugehen, hatte nicht daran gedacht, sich nach der Parole zu erkundigen, und erfreute sich im nächsten Augenblick der Ehre, dem etwas nachdenklich gewordenen Disciplineiferer im Schilderhäuschen Gesellschaft zu leisten, aus welcher lächerlichen Situation beide erst beim Ablösen des Postens befreit wurden.