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Titel: Die gepreßten Gemüse
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aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 68
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1855
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[68] Die gepreßten Gemüse. Seit mehrern Jahren schon spielen die in Deutschland noch kaum dem Namen nach bekannten gepreßten Gemüse in England und Frankreich eine wichtige Rolle, und wohl kann man sagen, daß vielleicht ohne diese eigenthümliche Procedur die Verproviantirung ei­ner Armee, wie die der verbündeten Westmächte in der Krim kaum mög­lich wäre.

Im März des Jahres 1851 stellte Herr Masson, Obergärtner der allgemeinen Gartenbau-Gesellschaft für Frankreich, dem Institute ein kur­zes Expose zu, in welchem er sagte, daß nach langen Nachforschungen, die bis auf zehn Jahre zurückreichten, es ihm endlich gelungen sei, ein einfa­ches Verfahren gefunden zu haben, vegetabilische Substanzen, besonders Gemüse zu trocknen, ohne deren Beschaffenheit zu verändern und sie auf einen äußerst kleinen Umfang zurückzuführen, ohne Benachtheiligung ihres Wohlgeschmacks und ihrer nährenden Eigenschaften.

Dieses Verfahren besteht in einer Austrocknung bei niedriger Tempe­ratur in Trockenöfen, die bis ungefähr 35 Grad erwärmt werden, und in einer sehr starken mit Hülfe der hydraulischen Presse bewerkstelligten Zu­sammenpressung.

Die erste Operation nimmt den Gemüsen das überflüssige Wasser, welches bei gewissen Vegetabilien, wie Kohl und Rüben, 80 bis 85 Procent ihres Gewichtes im frischen Zustande beträgt. Die zweite Operation ver­mindert ihren Umfang und giebt ihnen eine dem Tannenholz gleiche Dich­tigkeit, wodurch die leichte Aufbewahrung, Lagerung und der Transport erzielt wird, denn in einem Kubikmeter können im äußersten Falle nicht weniger als 25,000 Rationen Gemüse zusammengepreßt werden.

Das erste große Etablissement zum Trocknen der Gemüse erhob sich in Paris, Rue Marbeuf, und beschäftigte in kurzer Zeit mehr als hundert Arbeiter; England säumte nicht, das sinnreiche Verfahren auf seinen Boden zu verpflanzen, und die französische und englische Marine bezogen unausgesetzt bedeutende Verproviantirungen. Anstatt des üblichen Sauerkrauts erhielt nun die Seemannschaft eine gesündere Nahrung, was nicht wenig mit in Anschlag zu bringen war. Zugleich ist durch die Erfindung des Herrn Masson die Verproviantirung von Festungen und Armeen ungemein erleichtert worden, und da sein Verfahren auch auf medizinische Pflanzen an­wendbar ist, so entspringt daraus besonders ein neuer großer Vortheil für militärische Ambulancen. Die Erfindung ist leider bis zu diesem Umfange auch in England und Frankreich noch nicht ausgebeutet worden. Die zu­sammengepreßten Gemüse werden in Tafeln von mäßigem Umfang in ge­schlagenem Zinn verpackt.

Die gepreßten Gemüse haben eine Zukunft. Wenn erst die Industrie in größerm Maßstabe sich der Sache bemächtigen wird (am Rhein bestehen bereits zwei Fabriken), werden sie auf die Nahrungsverhältnisse des Volks einen wichtigen Einfluß haben. Sie werden auch manche unserer Gewohn­heiten ändern, und der Leser lächelt vielleicht, wenn wir ihm prophezeihen, daß eines Tages die Kaufleute, wie jetzt Chocolade, auch Spargel, Spinat, Welschkohl u. s. w. in Tafeln verkaufen werden. Eine Tafel, wie unsere gewöhnlichen Chocoladentafeln sind, gepreßtes Gemüse giebt ein ausreichen­des Gericht für fünf Personen.