Die ehemaligen Klosterkirchen Adelhausen und St. Ursula

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Autor: Leonard Korth
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Titel: Die ehemaligen Klosterkirchen Adelhausen und St. Ursula
Untertitel:
aus: Freiburg im Breisgau. Die Stadt und ihre Bauten, Seite 377–381
Herausgeber: Badischer Architekten- und Ingenieur-Verband
Auflage:
Entstehungsdatum: 1898
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Verlag: H. M. Poppes & Sohn
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Erscheinungsort: Freiburg
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DIE EHEMALIGEN KLOSTERKIRCHEN ADELHAUSEN UND ST. URSULA.
Von L. Korth.


Wer in den deutschen Städten Umschau hält, erkennt sehr bald, dass das Jahrhundert nach dem grossen Kriege doch nicht völlig unfruchtbar für die Bauthätigkeit gewesen ist. Von dem wirthschaftlichen Niedergang war eben vor Allem das platte Land betroffen worden, während hinter die schirmenden Mauern sich vielfach gerade die Besitzenden geflüchtet hatten. So entstammt denn jener Zeit auch hier in Freiburg eine grössere Zahl von Privatbauten; bemerkenswerther aber als diese sind zwei klösterliche Niederlassungen mit ihren Kirchen.

Als im Jahre 1677 das alte Kloster der Dominikanerinnen in Adelhausen jenseits der Dreisam niedergelegt wurde, fanden die Schwestern eine Zufluchtsstätte in der Altstadt selber und zwar auf der Gerberau. Dort erbauten sie ein neues Kloster und eine Kirche, beide schlicht, aber doch würdig.

Das Aeussere der Kirche zeigt kaum einen anderen Schmuck als einen Dachreiter in der üblichen Zwiebelform und als die beiden wenig gelungenen Heiligenstatuen zu beiden Seiten des Einganges.

Man betritt das Innere durch eine Vorhalle, in der ein hübsches schmiedeeisernes Oberlicht Beachtung verdient. Weit über diese Halle vorgeschoben ist eine auf dreitheiliger Arkade ruhende Empore. Das Schiff besteht aus vier Jochen. Sein Licht empfängt es durch vier weite Fensteröffnungen auf der Südseite. Der Chor besitzt ein Tonnengewölbe, in das von jeder Seite her zwei Fensterschnitte tief eingreifen.

[378] Die alte Ausstattung scheint ziemlich unversehrt erhalten zu sein. Der recht ansehnliche Hochaltar zeigt als Mittelbild eine Verkündigung, oben die hl. Maria Magdalena, darunter eine plastische Darstellung der Vermählung Mariä, rechts und links die Standbilder der Heiligen Agnes und Katharina. Die Seitenaltäre sind den Heiligen Katharina und Dominikus geweiht. Der südliche enthält eine Pietà, welche noch dem 16. Jahrhundert angehören mag. Auch ein alterthümliches Crucifix ist vorhanden. Am werthvollsten jedoch ist die schon an anderer Stelle erwähnte gothische Statue der hl. Katharina (vgl. oben S. 204).


Ehemalige Klosterkirche Adelhausen.

Ungleich zierlicher und reicher ausgestattet ist die Kirche der Ursulinerinnen an der Eisenbahnstrasse, nach der Tracht ihrer ehemaligen Bewohnerinnen auch das »Schwarze Kloster« genannt.

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Ehemaliges Kloster Adelhausen, jetzt städt. Mädchen-Bürgerschule.


Schon im Jahre 1653 versuchten die Ursulinerinnen eine Niederlassung in Freiburg zu gründen, allein der Rath schlug ihr Begehren im Jahre 1667 noch mit dem Bemerken ab, dass »durch das leidige kriegswesen die stadt sowol in der vor- als innerstadt über die massen ruinirt sei und an hab und gut stark abgenomen habe«. Endlich aber fassten doch Schwestern des Ordens aus Luzern hier festen Fuss und unter der im September 1699 gewählten Superiorin Placida Somervöglin wurde der Bau einer eigenen Kirche nebst Kloster beschlossen und begonnen. Man wählte dazu einen Platz in der Egelgasse (jetzt Eisenbahnstrasse), »denn dieser ort liegt sozusagen mitten in der stadt [380] und hat doch den schönsten prospect in’s offene feld gegen Lehen, Haslach, St. Georgen, vor allem aber ist die verbindung mit den Jesuiten leicht«. Als Leiter des Werkes, das im Jahre 1710 – sicherlich nach mancherlei Stockungen – beendet war, wird ein Baudirector Johann Haintz genannt. Dieser sonst nicht bekannte Meister hat seine Aufgabe mit dem feinsten Geschmack gelöst.


St. Ursula


Die Kirche wird einseitig, von der Eisenbahnstrasse her, durch sechs Fenster beleuchtet. Ueber diesen befinden sich Rundfenster mit tiefen aber kurzen Einschnitten in den Spiegel der Decke. Der Spiegel selbst ist gefüllt mit dem zierlichsten, in Weiss und Gold gehaltenen Rococoornament, [381] während die Zwickel mit den Bildern der zwölf Apostel gefüllt sind. Die Westseite gegenüber dem schön gearbeiteten Hochaltar besitzt zwei übereinander liegende Emporen, deren obere die kleine Orgel trägt, während die untere, mit schön geschweifter Brüstung, ehedem für die Klausurschwestern bestimmt war. Auch die Kanzel mit ihrer phantastischen Gestaltung ist bemerkenswerth, noch mehr aber sind es die prächtigen eingelegten Schränke in der Sakristei, von denen einer in höchst eigenartiger Weise den Treppenaufgang zur Kanzel verkleidet.

Das hübsche Gotteshaus, welches jetzt der altkatholischen Gemeinde überwiesen ist, wurde im Jahre 1888 auf Anregung des Stadtpfarrers Dr. Heinrich Hansjakob wieder hergestellt.