Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Gottfried August Bürger
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Weiber von Weinsberg
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 159–163
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: 1774
Erscheinungsdatum: 1778
Verlag: Johann Christian Dieterich
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Göttingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck im Vossischen Musenalmanach 1777, S. 73–76 mit Medodie von D. Weiss;
Siehe auch die Themenseite Weiber von Weinsberg bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

Gottfried August Bürger Gedichte 1778 221 b.png

Die
Weiber von Weinsberg.
1774.


     Wer sagt mir an, wo Weinsberg liegt?
Sol seyn ein wakres Städtchen,
Sol haben, from und klug gewiegt,
Viel Weiberchen und Mädchen.

5
Kömt mir einmal das Freien ein,

So werd’ ich eins aus Weinsberg frei’n.

     Einsmals der Kaiser Konrad war
Dem guten Städtlein böse,
Und rükt’ heran mit Kriegesschaar

10
Und Reisigengetöse,

Umlagert’ es, mit Ros und Man,
Und schos und rante drauf und dran.

     Und als das Städtlein widerstand,
Troz allen seinen Nöten,

15
Da lies er, hoch von Grim entbrant,

Den Herold ’nein trompeten:
Ihr Schurken, komm’ ich ’nein, so wist,
Sol hängen, was die Wand bepist.

     Drob, als er den Avis also

20
Hinein trompeten lassen,

Gab’s lautes Zetermordio,
Zu Haus und auf den Gassen.
Das Brod war theuer in der Stadt;
Doch theurer noch war guter Rath.

25
     „O weh, mir armen Korydon!

O weh mir! die Pastores
Schrie’n: Kyrie Eleyson!
Wir gehn, wir gehn kapores!
O weh, mir armen Korydon!

30
Es jukt mir an der Kehle schon.“

     Doch wann’s Matthä’ am lezten ist,
Troz Rathen, Thun und Beten,
So rettet oft noch Weiberlist
Aus Aengsten und aus Nöten.

35
Denn Pfaffentrug und Weiberlist

Gehn über alles, wie ihr wist.

     Ein junges Weibchen Lobesan,
Seit gestern erst getrauet,
Giebt einen klugen Einfal an,

40
Der alles Volk erbauet;

Den ihr, sofern ihr anders wolt,
Belachen und beklatschen solt.

     Zur Zeit der stillen Mitternacht
Die schönste Ambassade

45
Von Weibern sich ins Lager macht,

Und bettelt dort um Gnade.
Sie bettelt sanft, sie bettelt süs,
Erhält doch aber nichts, als dies:

     „Die Weiber solten Abzug han,

50
Mit ihren besten Schäzen,

Was übrig bliebe, wolte man
Zerhauen und zerfezen.“
Mit der Kapitulation
Schleicht die Gesandschaft trüb davon.

55
     Drauf, als der Morgen bricht hervor,

Gebt Achtung! Was geschiehet?
Es öfnet sich das nächste Thor,
Und jedes Weibchen ziehet,
Mit ihrem Mänchen schwer im Sak,

60
So wahr ich lebe! Huckepak. –


     Manch Hofschranz suchte zwar sofort
Das Knifchen zu vereiteln;
Doch Konrad sprach: „Ein Kaiserwort
Sol man nicht drehn noch deuteln.

65
Ha bravo! rief er, bravo so!

Meint’ unsre Frau es auch nur so!“

     Er gab Pardon und ein Banket,
Den Schönen zu gefallen.
Da ward gegeigt, da ward trompet’t,

70
Und durchgetanzt mit allen,

Wie mit der Burgemeisterin,
So mit der Besenbinderin. –

     Ei! sagt mir doch, wo Weinsberg liegt?
Ist gar ein wakres Städtchen.

75
Hat, treu und from und klug gewiegt,

Viel Weiberchen und Mädchen.
Ich mus, kömt mir das Freien ein,
Fürwahr! mus Eins aus Weinsberg frei’n.