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Die Wallfahrt zur schönen Marie in Freiberg

Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Die Wallfahrt zur schönen Marie in Freiberg
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 250-251
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort:
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Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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[250]
272) Die Wallfahrt zur schönen Marie in Freiberg.
Moller a. a. O. Bd. II. S. 20 sq. Peccenstein Th. III. S. 15.

Im Jahre 1261 sind die Geißler in großer Zahl in das Land Meißen gekommen und auch in die Stadt Freiberg gezogen, wo damals stark zur sogenannten schönen Marie[1] gewallfahret ward. Sie sind halb nackend zwei und zwei [251] baarfuß in rothen offenen Mänteln, so spanisch Armilausen[2] heißen, einhergeschritten, allein ob sie wohl sich gegeisselt und große Buße und Heiligkeit vorgegeben, hat sie Bischoff Albrecht zu Meißen doch nicht leiden wollen, weil sie eine neue Secte seien, und haben sie bald wieder aus der Stadt weichen müssen. Von jener Wallfahrt meldet aber ein Cellischer Mönch, so sich Conrad von Freiberg nennt, es sei diese zu einem Marienbilde, das von Wachs in menschlicher Größe schön und zierlich geformt gewesen und in einer besondern Kapelle (wahrscheinlich im Johannishospitale oder der Frauenkirche) gestanden habe, gegangen, dorthin wären Leute von allen Orten, gerade wie wenn sie bezaubert gewesen, in Haufen zusammengeströmt, und was ein Jeder, Mann oder Frau, von seiner Arbeit gerade in der Hand gehabt, wie ihn diese Tollheit ergriffen, das habe er mit sich genommen und allda gelassen, wie auch viele krumme, lahme und andere preßhafte Menschen, die sich zu diesem Bilde gewendet und Gelübde verrichtet, gesund worden und ohne Mangel wieder davon gegangen sein sollen. Diese Wallfahrt hat lange Zeit gewährt, bis man erfahren, daß unter dem Scheine der Heiligkeit ein böses sodomitisches Leben und viel Schande und Laster getrieben werde, worauf durch ein Fürstlich Edict dem Pilgern dahin und den unordentlichen Zusammenkünften gesteuert und solche mit Ernst abgeschafft worden sind.


  1. Eine ähnliche Wallfahrt war früher zu Regensburg unter diesem Namen sehr berühmt. Ueber die Entstehung derselben existirt ein seltnes Reimgedicht: Wie die new Capell zu der schonen Maria in Regenspurg erstlich aufkummen ist, nach Christi geburt. M. CCCCC. vnd XIX. jaar. o. O. u. J. 2 Bogen. 4. S. dar. Hormayr, Tasch. 1843. S. 176. sq.
  2. Isidorus (Orig. XIX. 22) erklärt das Wort so: armilausa vulgo vocatur, quod ante et retro divisa atque aperta est, in armos tantum clausa, quasi armi clausa. s. Brinckmeier, Gloss. dipl. I. S. 169.