Die Siegel der deutschen Kaiser und Könige Band 5/Landfrieden

Falsche Siegel Die Siegel der deutschen Kaiser und Könige Band 5 (1913) von Otto Posse
Landfrieden
Reichshofrat
[124]
3. Landfrieden


1. Or. Generallandesarchiv Karlsruhe.     1260 Febr. 25.     Abb. v. Weech, Codex Salernit. 1 Taf., No. 47.

Schwäbischer Landfrieden. Ein Kreuz auf einen achtstrahligen Stern aufgelegt. Aussteller der Urkunde ist: Bertholdus de Vronhouen iudex et consules pacis. Über das hier urkundlich nachgewiesene judicium pacis ist nichts Näheres bekannt. Die Führung eines eigenen Siegels deutet darauf hin, daß es sich hier um eine Institution handelt die, mehr als bloß vorübergehende Bedeutung und Wirksamkeit hatte, wohl ein Landfriedensbündnis schwäbischer Adeliger während des Interregnums (II, Taf. 58, 1).


2. Stempel (Messing) im Reichsarchiv München.     Abb. Würdtwein, Nov. Subs. 5, Taf. XXI.

Thüringer Landfrieden. Der König sitzt auf einem gepolsterten Stuhle, hält in der Rechten das Schwert, in der Linken das Zepter. Zu beiden Seiten des Oberkörpers: rechts ein Schild mit dem mainzer Rad, links ein Schild mit dem thüringer Löwen. Zu beiden Seiten des Stuhles je ein sechseckiger Stern (II, Taf. 58, 2).


3. Or. Staatsarchiv Helmstedt.     1291 Aug. 7.     (Gedr. Riedel, Cod. dipl. Brand. B. 1, 198).

Sigillum pacis generalis des sächsischen Landfriedensbundes, bestehend aus Mitgliedern, an deren Spitze der Erzbischof Erich von Magdeburg stand. Christus auf einem Throne, oben quer gelegt in der Richtung gegen die Ohren jederseits ein Schwert. Darüber rechts ein Doppelkreuz in dem Buchstaben W (statt ) endend, links A, oben mit einem Kreuz besetzt (II, Taf. 58, 3).


4. Or. Stadtarchiv Dortmund.     1307 Mai 14.

Westfälischer Landfrieden. Der sitzende Erzbischof in der Rechten das Schwert, in der Linken die in ein Kreuz auslaufende Fahne haltend (II, Taf. 58, 4).


5. Or. Stadtarchiv Mühlhausen i. Thür.     1316 Aug. 16.     Abb. Posse, Siegel des Adels der Wettiner Lande 1, Taf. 7, No. 3.

Thüringer Landfrieden. Aussteller der Urkunde: Graf Günther XV. von Schwarzburg. In dreieckigem Schilde der nach rechts steigende thüringer Löwe (II, Taf. 58, 5).


6. Or. Stadtarchiv Mühlhausen i. Thür.     1317 Sept. 11.     Abb. Herquet, Urk. der Reichsst. Mühlhausen 1, Taf. VIII, 41 und Posse a. O. Taf. 37, No. 1.

Thüringer Landfrieden. Aussteller: der Graf von Altenberge. In dreieckigem Schilde der nach rechts steigende gekrönte thüringer Löwe (II, Taf. 58, 6).


7. Or. Stadtarchiv Mühlhausen i. Thür.     1322 Juli 19.     Abb. Herquet a. O. Taf. IX, 42 und Posse a. O. Taf. 7, No. 4.

Thüringer Landfrieden. Aussteller: wie No. 6. Der thüringer mit Lindenzweigen geschmückte Helm (II, Taf. 59, 1).


8. Or. Stadtarchiv Mühlhausen i. Thür.     1325 April und Juli 15.     Abb. Posse a. O. Taf. 8, No. 1 und 2.

Thüringer Landfrieden. Aussteller: Graf Günther XV. von Schwarzburg. In schrägrechts liegendem dreieckigem Schilde der nach rechts steigende gekrönte thüringer Löwe; auf dem Schilde der thüringer Helm; Siegelfeld damasziert (II, Taf. 59, 2. 3).


9. Or. Hauptstaatsarchiv Dresden 2391.     1327 April 20.     Abb. Posse a. O. Taf. 8, No. 3.

Thüringer Landfrieden. Aussteller: Graf Günther XV. von Schwarzburg. In dreieckigem Schilde der nach rechts steigende gestreifte und gekrönte thüringer Löwe. Siegelfeld damasziert (II, Taf. 59, 4).


10. Or. Staatsarchiv Marburg.     1329 Okt. 12.     Abb. Reimer, Hess. Urkundenb. 2, Taf. 10.

Landfrieden am Rhein. Aussteller der Urkunde: Berthold Vogt von Ursele obirmann des lantfridin und die geswarn derubir. In der Siegelformel: unsiz lant fridiz ingesigil. Als Siegelbild drei Schilde 1. 2 zu 3 gestellt: 1. Reichsadler, 2. Erzbistum Mainz, 3. Zickzackbalken (Wappen des Ausstellers) (II, Taf. 59, 5).


11. Or. Hauptstaatsarchiv Dresden 2666.     1334 Sept. 20.     Abb. Posse a. O. Taf. 9, No. 4.

Thüringer Landfrieden. Aussteller: Graf Heinrich IX. von Schwarzburg. In dreieckigem Schilde der nach rechts steigende, gestreifte und gekrönte thüringer Löwe; Siegelfeld damasziert (II, Taf. 59, 6).


12. Or. Reichsarchiv München.      1334 Okt. 19.     Reg. boica 7, 90.

Rheinischer Landfrieden. Drei Schilde: 2·1 gekrönter Löwe, Rad, 3. gabelfüßiger Schrägen (Wappen? des von Buchez obirmanns des Landfriedens) (II, Taf. 60, 1).


13. Gipsabdruck Geh. Archiv Rudolstadt mit Jahr 1339.     Abb. Posse a. O. Taf. 8, No. 4.

Thüringer Landfrieden. Aussteller: Graf Günther XV. von Schwarzburg. Thüringer Helm (II, Taf. 60, 2).


14. Abgefallenes Originalsiegel der Sammlung Lepsius, Groß-herzogl. Bibliothek Weimar.     Abb. Tentzel, Cur. Bibliothec 1704, R. 1075.     Von Urk. 1341 April 16.     Abb. Posse a. O. Taf. 8, No. 5.

Thüringer Landfrieden. Aussteller: Graf Günther XV. von Schwarzburg, „iudex generalis ac 12 paces conservatores per Thuringiam“. Im Siegelfelde der thüringer Helm. Zwischen der Helmzier eine Rose (II, Taf. 60, 3).


15. Or. Hauptstaatsarchiv Dresden 2890.     1341 Juli 16.     Abb. Posse a. O. 4 Taf. 54, 6.

Meißener Landfrieden. Aussteller: Burggraf Meinher IV. von Meißen. Ein an ein hohes Schwert gelehnter Ritter, der mit der Linken den Schild hält, dessen Zeichen nicht zu erkennen ist (II, Taf. 60, 4).


[125] 16. Or. Staatsarchiv Coblenz.     1344 Okt. 23.

Lothringer Landfrieden. Neben einem mit schmuckvollem Ärmel und Eisenhandschuh bekleideten Arme, der ein Schwert aufrecht hält, das Wappen der Grafen von Saarwerden, ein nach rechts geneigter Schild mit doppelköpfigem Adler, darüber ein Stechhelm, eine Bischofsmütze als Helmzier und ein Kissen mit Federwedel (II, Taf. 60, 5).


17. Or. nicht vorhanden.

Rheinischer Landfrieden. Größeres Siegel (sigillum pacis argenteum), mit dem nur eine Urkunde (1341 Sept. 15, Gedr. Schaab, Gesch. des großen rhein. Städtebundes 2, 157 mit falschem Datum) besiegelt war.


18. Or. Reichsarchiv München.     1347 Febr. 26.     Abb. Bodmann, der zweiköpfige Adler (Titelblatt).

Rheinischer Landfrieden, kleineres Siegel. Vorsitzender desselben: Konrad von Erbach. Vgl. Schaab, a. O. 133. Zweiköpfiger Adler, die Brust belegt mit dem Schilde von Erbach (drei Sterne) (II, Taf. 61, 1).


19. Or. Reichsarchiv München.     1350 Juni 28.     (Reg. boica 8, 194.)

Stehende Figur des Königs bis zum Knie, in der Rechten das Schwert, in der Linken den Reichsapfel haltend. Rechts ein geteilter Schild, Wappen? des Ausstellers, des Hauptmanns Heinrich von Heinberg (II, Taf. 61, 2).


20. Or. Staatsarchiv Coblenz.     1352.     Abb. Hohenlohe, Sphragist. Aphorismen 86.

Landfrieden zwischen Rhein und Maas. Adler mit dem Schwerte (II, Taf. 61, 3).


21. Or. Reichsarchiv München.     1356 Okt. 3.     (Reg. boica 8, 359.)

Stehende Figur des Königs wie No. 19, rechts der Schild mit dem Reichsadler, links mit dem böhmischen Löwen (II, Taf. 61, 4. 5).


22. Or. Staatsarchiv Marburg.     1360 Jan. 30.     Abb. Reimer, Hess. Urkundenb. 2, Taf. No. 11.

Landfrieden in der Wetterau (II, Taf. 61, 6). Phalweise: Adler, Rad und zwei Sparren, zu Seiten zwei Kreuze.


23. Or. Reichsarchiv München.     1560 Aug. 10.     (Reg. boica 9, 21.)

Landfrieden für Franken und Schwaben. Schild mit Querbalken des Landgrafen Johann von Leuchtenberg (II, Taf. 61, 7).


24. Originalstempel Kgl. Münzkabinett Berlin.

Stehende Figur des Kaisers bis zum Knie, in der Rechten das Schwert, in der Linken den Reichsapfel haltend. Rechts der Schild mit dem Reichsadler, links mit dem böhmischen Löwen. Wohl moderne Fälschung (II, Taf. 61, 8).


25. Or. Reichsarchiv München.     1369 Mai 30.     (Reg. boica 9, 217.)

Aussteller: Ritter Friedrich von Seldneck. Stehende Kaiserfigur wie No. 24. Rücksiegel: ein Ziegenbock.


26. Or. Reichsarchiv München.     1371 März 3 und 1372 Mai 26.     (Reg. boica 9, 256 und 279.)

Stehende Figur des Königs wie No. 24 (II, Taf. 62, 3. 4).


27. Or. Reichsarchiv München.     1378 Dez. 21.     (Reg. boica 10, 21).     Abb. Heffner XII, 92.

Landfrieden unter Wenzel. Der König bis zum Knie, das bärtige Haupt mit der Laubkrone bedeckt, in der Rechten ein Schwert an die Schulter gelegt, in der Linken einen kleinen Reichsapfel. Zu beiden Seiten, zwischen Hals und Kopf, auf dreieckigen Schilden: rechts der einfache Adler, links der böhmische Löwe (II, Taf. 62, 5. 6).

Das von Schulte (Zeitschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins N. F. 5, 129) beschriebene, im Generallandesarchiv zu Karlsruhe befindliche Typar stellt sich als eine moderne galvanoplastische Fälschung nach einem Abdruck heraus.


28. Stempel.     German. Nationalmuseum Nürnberg.

Neben dem Adler rechts und links zwei Arme, von denen jeder einen Bischofsstab hält (II, Taf. 62, 7).


29. Or. Hauptstaatsarchiv Dresden 4765.     1391 Juli 31.     Abb. Posse, Siegel des Adels der Wettiner Lande 1, Taf. 14, 8.

Landfrieden in Thüringen und Meißen. Der König im Ornat auf dem Throne sitzend, in der Rechten das Zepter, in der Linken den Reichsapfel haltend. Links neben ihm ein Wappenschild mit dem nach links steigenden Löwen (II, Taf. 63, 1).


30. Or. Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien.     1395 März 9.

Landfrieden unter Wenzel. Figürliche Darstellung wie No. 27 (II, Taf. 63, 2).

Mit kleinem Rücksiegel. Auf dreieckigem Schilde ein linker Schrägbalken, auf welchem drei übereinander stehende Spitzen. Außen am Schilde auf drei Seiten die Buchstaben V · L · C (II, Taf. 63, 3).


31. Or. Staatsarchiv Frankfurt a. M.     1399 Juli 24 u. Dez. 30.

Einfacher Adler, Brust mit Schild belegt, dessen Wappen nicht mehr zu erkennen ist (II, Taf. 63, 4).


32. Stempel. Kgl. Bibliothek Hannover.     Abb. Hannov. gel. Anz. 1753.     St. 53.     S. 806.

Landfrieden unter Wenzel. Der Messingstempel wurde bei Giengen (Schwaben) auf dem Ackerfelde gefunden. Er hat auf der Rückseite eine Handhabe. Figürliche Darstellung wie vorher. Unterhalb des Schwertes ein Fisch, der aus der Gewandfalte von II, Taf. 63, 3 geworden ist. Moderne Fälschung (II, Taf. 63, 5).


33. Or. Staatsarchiv Marburg (Fulda).     1405 Dez. 17 und Gem. Henneb. Archiv Meiningen.     1407 März 11.

Landfrieden in Franken und Bayern. Figürliche Darstellung wie No. 27. Unten der bayerische Weckenschild (II, Taf. 63, 6).


[126] 34. Stempel.     German. Museum Nürnberg.     Abb. Heffner XIV, 104.

Landfrieden unter Sigismund. Der König bis zum Knie mit Königskrone, in der Rechten das Schwert aufrecht an die Schulter haltend, in der Linken den Reichsapfel mit Kreuz. Auf beiden Seiten des Kopfes auf halbovalen Schilden: rechts der einfache Adler, links das Patriarchenkreuz von Ungarn, unten am Rande der viermal geteilte Schild von Ungarn. Das Siegelfeld ist von einem scharf erhobenen Rande umgeben, gegittert und zeigt in den Gittern den einfachen Adler. Den inneren Rand schmückt eine mit Blättern verzierte Bogenlinie (II, Taf. 63, 7).

Der Stempel wurde 1862 in einer Eisenhandlung zu Frankfurt a. M. in einem Haufen alten Eisens gefunden. Da auf demselben das Königreich Böhmen weder im Titel erwähnt, noch durch ein Wappen vertreten ist, so kann es, da Sigismund 1420 in den Besitz von Böhmen kam, nicht das Siegel des 1431 errichteten allgemeinen Landfriedens sein, sondern müßte sich auf einen vor 1420 errichteten beziehen. Offenbar liegt auch hier eine moderne Fälschung vor.

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