Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Schlachtmaske
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 45, S. 734
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Blätter und Blüthen
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[734] Die Schlachtmaske. Bekanntlich bestehen, besonders von Seite der Gegner aller Thierquälerei, gegen die jetzt noch allgemein übliche Art, das Rindvieh zu schlachten, mancherlei Bedenken. Selten gelingt es selbst dem geübtesten Metzger, einen Ochsen auf einen Beilhieb zu tödten, ja oft kommt es vor, wenn nicht gerade die richtige Stelle auf den ersten Hieb getroffen worden ist, daß eine Anzahl von Hieben gegen den armen Vierfüßler gerichtet werden müssen, da einerseits die Aufregung des Metzgers die Sicherheit in Führung des Schlachtbeiles beeinträchtigt, andererseits die Unruhe des Thieres ein genaues Treffen erschwert. Wie oft haben schon in dieser Weise gemarterte Thiere sich losgerissen und Unheil angerichtet! Es muß daher als ein wahrhafter Fortschritt auf dem Wege der Humanität entschieden diejenige Schlachtmethode bezeichnet werden, welche neuerlich in verschiedenen Städten durch den sogenannten Bruneau’schen Apparat in Anwendung kommt und welche volle Berechtigung hat, von den Behörden den Metzgern als ausschließlich erlaubte Schlachtart durch das Gesetz vorgeschrieben zu werden. Die Tödtung mit Hülfe dieses ebenso einfachen wie sicheren Apparates besteht in Folgenden: Dem Thiere wird eine Lederkappe über den Kopf gezogen, an welcher der Tödtungsapparat, ein sehr scharfer und starker Stift von Stahl, angebracht ist. Dieser Stift wird nun durch einen Schlag mit einem hölzernen Schlägel derart durch die Stirnwand in’s Gehirn eingetrieben, daß der Tod des Thieres augenblicklich erfolgt. So außerordentlich rasch und ohne jede unnütze Qual wird auf diese Weise das Schlachten der Thiere ermöglicht, daß kaum eine einfachere und mildere Art gedacht werden kann. Die Mittheilungen, welche verschiedene Blätter – namentlich Frankfurter, woselbst der Thierschutzverein bereits bei der Behörde gebeten hat, daß diese Schlachtart für die Metzger obligatorisch gemacht werde – gebracht haben, veranlaßten den Nürnberger Industriellen Georg Leykauf (Besitzer der Dampfschleiferei und Messerwaarenfabrik), einen solchen Schlachtapparat anzufertigen und mit demselben Versuche im Schlachthaus zu Nürnberg anstellen zu lassen. In dreißig bis vierzig Secunden war die Maske umgeschnallt und mit einem einzigen Schlage das Thier gefällt, ohne daß es sich weiter regte. Die Besichtigung des Gehirns ergab, daß dasselbe, das bei der bisher gebräuchlichen Methode ganz mit Blut unterlaufen, zerschlagen und mit Knochensplittern vermengt war, hier vollständig rein und weiß erhalten blieb und selbst keine Spuren des Eindringens des Hohlstiftes in die weiche Masse zurückließ. Fassen wir die Vortheile der Schlachtmaske (von dem französischen Erfinder „Bouterole“ genannt) zusammen, so ergiebt sich, daß ihre Anwendung neben der Erfüllung des ersten Zweckes, die Dauer der Leiden des Schlachtviehes möglichst zu verringern, auch noch den Vortheil gewährt, daß das Fleisch und die inneren Theile des Thieres in besserem Zustande überliefert werden, als früher und das Gehirn vollständig weiß erhalten bleibt. Auch erfordert sie bei vollständigster Sicherheit geringere Kraftanstrengung als das Schlachten mit dem Beil. Wir können darum ebenfalls die Alleinherrschaft derselben allenthalben nur wünschen und deren Einführung vor Allem nicht dringend genug dem Gewerke selbst empfehlen, ehe Publicum und Obrigkeit dasselbe dazu zwingt.