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Titel: Die Leopardenjagd
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aus: Die Gartenlaube, Heft 26, S. 364
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[364] Die Leopardenjagd. Es gibt zwei verschiedene Arten von Leoparden auf Ceylon, den „Chetah“ und den „Leoparden“ oder „Panther.“ Der erstere ist kleiner und hat runde schwarze Flecke. Er wird selten länger als sieben Fuß von der Schnauze bis zum Ende des Schweifes, und wiegt selten mehr als 90 Pfund. Der Leopard wird dagegen 9–10 Fuß lang und hat schwarze Ringe; Schnauze und Läufe sind mit schwarzen Flecken gesprenkelt und sein Gewicht beträgt 120–170 Pfund.

Die Kraft des Leoparden ist außerordentlich. Ich sah während meines Aufenthaltes in Ceylon einen solchen den Nacken eines ausgewachsenen Stiers auf einen Schlag brechen. Das Volk glaubt gewöhnlich, er bewerkstellige dies durch seinen Tatzenschlag, es geschieht jedoch durch sein Gewicht und die Raschheit des Sprunges. Wenige Leoparden greifen kühn an, wie Hunde, die meisten schleichen sich sacht und unbemerkt an ihre Beute heran und entfalten ihre Muskelkraft in der concentrirten Kraft des Sprunges. Wie ein Pfeil schießen sie durch die Luft und brechen das Rückgrat ihres Opfers, indem sie sich auf dasselbe werfen und sich mit den Zähnen und Klauen an dessen Nacken klammern. Allerdings ist auch der Schlag ihrer Tatze von großer Kraft, und ein solcher genügt, den Bauch eines Stiers wie mit einem Messer aufzuschlitzen; noch gefahrvoller ist aber die Folge einer solchen Wunde, weil die Klaue ein besonderes Gift enthält, das sich aus dem steten Wühlen in faulem Fleisch erzeugt. Es ist nämlich eine bloße Fabel, daß der Leopard kein verwestes, sondern nur frisches Fleisch frißt. Das letztere ist ihm natürlich lieber, fehlt es ihm aber, so nimmt er mit Allem vorlieb, was er findet, und ich habe selbst erlebt, daß die Leiche eines Knaben von Leoparden aufgewühlt und verschlungen wurde. Sehr gern stehlen diese Raubthiere Hunde und springen auf diese selbst bei Tage, wenn sie ihre Herrn begleiten. Am häufigsten fängt man die Leoparden in Fallen, welche die Eingebornen jede Nacht aufstellen, um sich vor den Ueberfällen derselben zu schützen.

Vor einigen Jahren gelang es einmal einem Leoparden, in den Stall eines Hufschmieds zu dringen, in dem sich eine Kuh mit ihrem Kalbe befand. Die Thüren waren fest verschlossen; das hungrige Raubthier bahnte sich jedoch einen Weg durch das Dach und sprang hinab. Die Kuh war aber auf ihrer Hut und sobald sie ihren Feind unten sah, spießte sie ihn mit den Hörnern an die Wand. Es entstand ein furchtbarer Kampf, der den in einem Winkel des Stalles schlafenden Knecht aufweckte. Sobald er inne wurde, was vorging, rannte er hinaus zu dem Grobschmied. Dieser lud die einzige Pistole, welche er besaß, und begab sich nach dem Stall, wo die Kuh und der Leopard um die Wette brüllten und stampften. Der Grobschmied war kein Jäger und harrte ängstlich an der Thür, in der einen Hand eine Laterne, in der andern die Pistole. Die Kuh warf ab und zu eine dunkle Masse über ihren Kopf, stampfte darauf, wenn sie niederfiel, und bohrte sie an die Wand, wenn sie hülflos nach einem Winkel des Stalles schlich. Als der Grobschmied sah, wie sehr der Leopard durch die tapfere kleine Kuh zugerichtet war, wagte er sich vor und schoß nach ihm mit der Pistole, ergriff aber gleich darauf spornstreichs die Flucht, denn die Kuh war so verwildert, daß sie auch ihn anzugreifen drohte und ihm nachrannte. Endlich ließ sie sich indessen beruhigen, und den Qualen des Leoparden wurde ein Ende gemacht.

Als ich eines Tages mit meinen Hunden ein Elenn verfolgte, fand ich zu meiner Verwunderung an einer offenen Stelle meinen alten „Blaubart“ ganz allein, schwach und mit Blut überströmt sitzen. Er hatte fünf Wunden an seiner Kehle, die von der Tatze eines Leoparden herrührten. Aus der mühevollen Weise, mit welcher der Hund athmete, sah ich alsbald, daß seine Luftröhre verletzt war. Ich wusch seine Wunden, wußte aber wohl, daß sein Ende nahe sei. Ich durchsuchte darauf das Gebüsch einige Minuten lang, sammelte die zerstreute Meute und führte den verwundeten Hund, der immer schwerer athmete, nach meinem Zelt. Dort that ich alles Mögliche, was zur Linderung der Schmerzen des armen Thieres möglich war, aber es war wenig Hoffnung für ihn vorhanden.

Nachmittags kamen zwei Treiber, welche etwas auf zwei Stangen trugen. Ich dachte zuerst, es sei der Kopf des Elenns, das die Hunde verfolgt hatten, erfuhr aber alsbald, daß es Leopold, einer meiner besten Hunde war, den sie trugen. Auch er war von einem Leoparden angegriffen worden, und zwar in Gegenwart eines meiner Jagdgefährten. Der brave Hund hatte sich trotz seiner Wunden auf den Leoparden gestürzt und ihn in die Flucht gejagt. Am nächsten Tage verendete mein armer Leopold und nicht lange darauf auch Blaubart. Wenige Wochen darauf nahm ich jedoch Rache für sie.

Beim Verfolgen eines Elephanten erblickte ich plötzlich neunzig Schritt von mir einen prachtvollen Leoparden, der, auf Beute lauernd, mir gerade die Stirn zuwandte. Ich schlich ihm bis auf sechzig Schritt nahe. Rasch blickte er um sich, aber in demselben Augenblick, als er seine großen Augen auf uns richtete, krachte auch meine und meines Gefährten Büchse und er lag hingestreckt auf dem Rücken. Die Schüsse hatten Kopf und Blatt getroffen, er war aber noch nicht völlig todt, und ich erwürgte ihn darauf mit meinem Halstuch, um sein schönes Fell nicht weiter zu verletzen. Das war ein herrliches Racheopfer für meine Hunde.

Als mein Freund einmal einen Leoparden mit seinen Hunden verfolgte, flüchtete dieser auf einen Baumast. Zufällig lagen aber eine Menge Steine in der Nähe, und sämmtliche Jäger begannen darauf den Leoparden zu bombardiren. Nachdem ihn ein scharfer Wurf an den Kopf getroffen, sprang er hinab mitten in die Meute, die unten auf ihn lauerte und ihn alsbald so fest packte, daß dem Leoparden mit dem Hirschfänger der Genickfang gegeben werden konnte. Das war das einzige Beispiel dieser Art, welches sich während meiner achtjährigen Anwesenheit auf Ceylon ereignete.

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