Die Kalmücken (Das Ausland, 1828)

Textdaten
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Autor: H. A. Zwick, Herrnhuter Gemeine in Sarepta
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Titel: Die Kalmücken
Untertitel:
aus: Das Ausland, Nr. 111–120 S. 445–446; 450–451; 455–456; 458–459; 462–464; 466–468; 470–471; 475–476; 478–480
Herausgeber: Eberhard L. Schuhkrafft
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1828
Verlag: Cotta
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Erscheinungsort: München
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Kalmücken.[1]


Die Steppen des astrachan’schen Gouvernements, nördlich vom caspischen Meere auf beiden Seiten der Wolga, gehören zu den ödesten Gegenden des russischen Reichs. Der Boden, ein gelblicher Lehm ohne Stein, ist mit verschiedenen Salzen geschwängert, die sich theils kristallisirt in der bloßen Erde, theils aufgelöst in größern oder kleinern Tümpeln und Seen finden. Die bekannte Meinung, wornach diese Steppen ursprünglich der Grund eines ungeheuren Binnenmeers gewesen wären, welches bei irgend einer Naturumwälzung einen Abfluß durch den Bosporos sich eröffnet und das schwarze, asow’sche und caspische Meere als seine tiefsten Stellen zurückgelassen hätte, gewinnt einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit, wenn man noch das Vorhandenseyn einer Menge unversteinerter Seemuscheln in Betrachtung zieht.

Außer dem Bogdo in der jaikschen Steppe gibt es hier keine Berge; doch ist das Land meistentheils hügelig, sanfte Höhen und Flächen wechseln dergestalt, daß der Durchmesser des Gesichtskreises selten etliche (deutsche) Meilen beträgt.

Der Pflanzenwuchs ist äußerst sparsam, und besteht vornehmlich aus einigen niedrigen Wermuth- und Grasarten, die, büschelweise wachsend, keinen eigentlichen Rasen bilden, sondern den fahlen Boden überall hervorstechen lassen. In den Vertiefungen gibt es zwar hie und da grasreichere Plätze, in der Regel aber eben auch nur Salzkräuter, die den Kameelen zur Nahrung dienen. Manche Steppengegend prangt jedoch im Frühlinge mit herrlichem Blumenschmuck von Iris, Tulpen und andern Zwiebelgewächsen, bis die Sonnenhitze (das Thermometer steht oft wochenlang auf 30° Reaumur, und während der 81 Tage der vorliegenden Reise stand es nur 36 Tage unter, und 45 Tage über 28°), welche durch keinen Baum, durch kein Wölkchen gemildert wird, bei der großen Seltenheit des Regens, alles Pflanzenleben zerstört. So erschlaffend aber der Sommer, so erstarrend ist der Winter, wenn der kalte Luftzug, den kein Gebirg unterbricht, von der hohen beeisten Mongolei herab, einem unaufhaltbaren Strome gleich, nach diesen Niederungen sich ergießt.

Eine den Steppen eigenthümliche Naturmerkwürdigkeit sind die Lufterscheinungen in der warmen Jahreszeit. Die von der durchglühten Erdoberfläche zurückgeworfenen Sonnenstrahlen, indem sie in den wenigen der Erde noch abgepreßten Dünsten sich brechen, erzeugen jenes optische Trugbild, wodurch Gegenstände, die noch außerhalb des Gesichtskreises liegen, am Rand desselben, gleichsam auf Wasserstreifen gemalt, in der Luft schwebend erscheinen. Diese Bilder sinken nach und nach, je mehr man sich ihnen nähert, tiefer herab; endlich verschwindet der scheinbare Wasserstreifen ganz, und nun erst zeigt sich der wirkliche Gegenstand, entfernter aber und kleiner, als im vorigen Dunstgebilde. Hatte der ermattete Reisende etwa gehofft, einen erwünschten Ruhepunkt in Kurzem zu erreichen, so muß er denselben desto mehr sich entfernen sehen, je eifriger er darauf zueilt.

Für die Sammlungen der Naturforscher bieten die Steppen manche schöne und eigenthümliche Gegenstände dar. So hat z. B. die ganze Länder verheerende Zugheuschrecke mit vielen minder zu fürchtenden Arten dieser Gattung hier ihr Vaterland und verdunkelt öfters mit ihren rauschenden Flügeln die Luft. Nützliche Insecten, wie Bienen, gibt es nicht. Scorpionen sind, wie es scheint, auf den Bogdoberg beschränkt; überall aber verbreitet sich die dicke, anderthalb Finger lange Tausendbeine (scolopendra millepes), die Tarantel, die noch giftigere Skorpionspinne (phalangium araneoïdes), und eine noch wenig bekannte äußerst giftige Spinnenart, welche von den Kalmücken die schwarze Wittwe (belbessün charra) genannt wird. Eben so häufig findet man Schlangen und Eidechsen. Von Säugthieren sind hauptsächlich wilde Pferde (zwischen der Wolga und dem Jaik), Antilopen, Füchse, Wölfe, große und kleine Springhasen; von Vögeln Trappen, rothe Enten, Uferschwalben, Kraniche und Adler (gewöhnlich falco leucocephalus zu bemerken.

Die Kalmücken, zu denen die Reise ging, sind in fünf Horden eingetheilt: Die Dörböden, Sarepta’s nächste Nachbarn, Torguden, Erkeden, Vaganzohcher und Choschuden. Die beiden ersten Horden haben ihren eigentlichen Wohnsitz östlich vom Don an der Sarpa, die dritte und vierte zwischen der Sarpa und der Wolga, die fünfte jenseits der Wolga an der Aktuba. Um zu überwintern, [446] begeben sie sich zum Theil nach den wasserreichern Gegenden an der Kuma und in den Schilfwäldern der Küsten des kaspischen Meers oberhalb Kislar. Man schätzt ihre Gesammtanzahl auf 20,000 Zelte oder Familien.

Obgleich seit Iwan Wasiljewitsch II. (1549-84) russische Unterthanen, sind die Kalmücken den Sitten und der Religion ihrer Väter treu geblieben. Sie leben unter ihren Stammfürsten, mit Ausnahme der Baganzohcher und der Erkeden, bei denen drei bis vier Saißangs (Edelleute), von ihnen selbst gewählt, die sie nach Befinden absetzen können, das Regiment führen. Bei jeder Horde befindet sich ein Beamter der Krone, Pristaw genannt; eine Central-Behörde, das Organ der Regierung zum und vom Volke, bildet die Naima-Sarga, d. i. das Gericht der acht Richter, welche als Deputirte der Horden, unter dem Vorsitz des Oberpristaws, in öffentlichen Versammlungen, denen die Saißangs und die Aeltesten des Volks beiwohnen, Recht sprechen. In ihren innern Verhältnissen genießen die Kalmücken große Freiheiten, welche die Regierung nicht so leicht antastet, wahrscheinlich weil sie fürchtet, diese unbotmäßigen Nomaden möchten dem Beispiel der großen Horde folgen, die im Jahr 1771 nach China’s Grenzen entwich. [2] „Indessen glaubte man, als wir unter ihnen reisten, ihre etwas gar zu selbstständige Verfassung dürfte wie die der Kosaken [3] nach und nach Modifikationen erleiden.“ Es war nehmlich seit einigen Jahren unter der Mehrzahl der Stämme eine Fehde ausgebrochen, wobei es zu großen Ausschweifungen und zu blutigen Scenen kam. Der Fall war einfach dieser. Ein Stammfürst hatte seine Gemahlin, die Schwester eines andern Stammfürsten, wegen begangener Untreue verstoßen und ihrem väterlichen Stamme zurückgeschickt, ihre Mitgift aber zurückbehalten. Die darüber entstandene Feindschaft theilte sich, indem das Volk die Sache seiner Fürsten zu der seinigen machte, den beiden Horden, und – bei der in einander greifenden Verwandtschaft der fürstlichen Familien – mehreren andern Horden mit, so daß zuletzt fast alle gegen einander standen. Nachdem die Regierung, um die streitenden Parteien zu versöhnen, den Weg der Güte vergebens eingeschlagen hatte, berief sie ihre Pristaws aus allen Horden und schien entschlossen, ernsthaftere Maßregeln zu ergreifen.

Die Hoffnung, das Christenthum unter den Kalmücken eingeführt zu sehen, ist äußerst gering. Zwar hatte die heilige Synode zu Petersburg schon im Jahre 1724 den Beschluß gefaßt, daß zu ihrer Bekehrung und Aufnahme in den Schoos der Landeskirche Anstalten getroffen werden sollten; es blieb aber bei dem bloßen Beschluß. Ja es lag im Interesse der griechisch-russischen Geistlichkeit, Bekehrungs-Versuche von Seiten anderer Confessionen zu verbieten. Ungeachtet wir beiden Herrnhuter in Angelegenheiten der Bibelgesellschaft des Reichs reisten und mit Beglaubigungsschreiben von dem Grafen Nesselrode versehen waren, hatten wir den ausdrücklichen Befehl, bloß Bibeln zu vertheilen, und nicht zu lehren.

Zwei Hindernisse sind es hauptsächlich, die der Verbreitung eines neuen Glaubens daselbst im Wege stehen, einmal die Furcht der Kalmücken, man möchte sie bloß zu Christen machen, um sie nachher desto eher zu Sklaven machen zu können, und dann der Einfluß einer zahlreichen regelmäßig organisirten Geistlichkeit. [450] Die Religion der Kalmücken und fast aller mongolischen Völker Hochasiens ist die buddistischen, oder nach dem Namen ihrer Priester, der Lamas, die lamaische.

In dem unermeßlichen Raume (mongolisch Chagossun Agur) – so wird gelehrt – aus dem unendlichen Leben der Welt entstand durch kreisende Bewegung das Seyende und das Werdende, das Belebte und das Unbelebte, Körper und Geister. Zu oberst in der Reihe der Wesen steht das göttliche Wesen, Budda, (kalmückisch Burchan) welches sich aber in vielen mehr oder weniger vollkommenen [451] Erscheinungen offenbart. Darauf folgen die Geister, erstlich die reinen (Tängri), zweitens die unreinen und feindseligen (Assuri): jene den Gipfel, diese den Fuß des im Mittelpunkt der Welt gelegenen Bergs Sümmer bewohnend, mit einer in alle menschlichen Angelegenheiten freundlich oder feindlich eingreifenden Thätigkeit, die sich in Häusern, an Flüssen, an Quellen, auf Bergen zu erkennen gibt. Sodann die Menschen und die Thiere auf der Erde, die Ungeheuer der Vorhölle (des Birids) nebst der Behausung des Assuri Erlik-Chans in einem Palast mit sechszehn eisernen Mauern, den die Fegfeuer des Birids umgeben, und endlich die Höllengeschöpfe im Abgrund. Diese in sechs Classen eingetheilte Wesen stehen unter einer unabänderlich bestimmten Weltordnung, d. h. in bestimmter Abstufung von gut und böse und in einem steten Geburtswechsel, vermöge dessen sie von einer Klasse in die andere durch Seelenwanderung übergehen. Der Kreis dieser Veränderungen heißt Ortschilang, d. i. das unermeßlich stürmische Weltmeer. Am Ufer desselben, keiner weitern Seelenwanderung unterworfen, sind die vollendeten Buddas. Allein alle Wesen vom obersten Tängri bis zum untersten Höllengeschöpf haben die Bestimmung, aus dem Ortschilang ans Ufer zu gelangen, d. i. durch Seelenwanderung zur Buddawürde aufzusteigen. Haben alle Wesen dies Ziel in der vollendeten Weltperiode von Millionen Jahren (Galap oder Kalpa erreicht, und sind in Budda zusammengeflossen, dann zerfließt Budda selbst wieder in das uranfängliche All-Eins. Bis dahin aber vergehen tausend Zeiten, jede unter der Regierung eines Budda. Jetzt ist die vierte Zeit unter dem Budda-Schagdschamuni. Dieser verließ zu Anfang derselben den Göttersitz, ward im Reiche Magade im Mittelindien geboren, um Lehrer und Wiederhersteller der Wesen zu werden, durch Erlösung derselben aus dem Ortschilang; achtzig Jahre lang verweilte er in dieser Hülle und verließ sie, nachdem er als Budda vollendet hatte, um die Weltregierung für die Dauer seiner Periode anzutreten. Einst sandte er zur Ergänzung seiner Lehre den göttlichen Chomschin-Boddißadoa in das Schneereich Tangub (Tibet), dem er die berühmte Gebetformel [4] om-mai-mi-pad-mä-chum mitgab.

Sie ist die Wurzel aller Wahrheit, der Weg zur Errettung aller Wesen, und das bloße, ja ein einmaliges Aussprechen derselben giebt unendliches Verdienst bei Budda-Schagdschamuni. Um die Segnungen dieses Gebets zu vervielfältigen, sagen es die Kalmücken nicht nur, den Rosenkranz in der Hand, unzählige mal her, sondern fast in jeder Hütte findet man das Kürdu [5] oder Gebetsrad.

Chomschin, nächst dem, der ihn gesandt, der gefeyertste aller Buddas in Tibet, erscheint beständig verkörpert in der Person des Dalai-Lama, welcher, wie einst Chomschin selbst – auf dem Berge Putala in einem großen Kloster seinen Sitz hat und vom Volke göttlich verehrt wird. Der Bogdo- (Groß) Lama in Teschilunbo ist gleichfalls ein verkörperter Budda; überhaupt wird in allen Lamas eine buddaische Seele verkörpert gedacht. Westlich von Tibet liegt das Reich Sukawadi, der Belohnungsort ausgezeichneter Frommen, die sich zum Rang unvollendeter Buddas erhoben haben und nun in der Person von Lamas zur irdischen Wiedergeburt herabsteigen. Eben so wohnen bessere Seelen auch in der niedern Geistlichkeit und in den Fürsten. Alle Seelen aber steigen in ihrer Verkörperung durch gute Werke in eine höhere Classe, oder sinken durch böse in eine niedere herab. Als verdienstlich gelten übrigens den Buddisten nicht jene Selbstpeinigungen und Büßungen, welche die hindustanischen Fakirs üben, sondern die guten Werke der Barmherzigkeit gegen alle lebenden Wesen ohne Maß und Ziel, die genaueste Beobachtung der vorgeschriebenen Gebräuche und die Verehrung der Geistlichkeit. Denn die erhabensten drei Kleinodien (Aerdäni), woran also an dem Inbegriffe alles Verehrungswürdigen das Volk festzuhalten angewiesen, sind vereinigt im Lama.[6] [455] Auf der Reise durch die Steppe kamen wir an vielen Grabhügeln (Kurganen) vorbei. Wahrscheinlich rühren sie aus verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Völkerschaften, die meisten ohne Zweifel von den Tataren des ehemaligen Kaptschak’schen Reiches her. Wenigstens findet man sie in der Nähe der Ruinen ihrer Hauptstädte, Serag und Tschigit, äußerst zahlreich. Von höherem Alter scheinen diejenigen zu seyn, auf welchen steinerne Bildsäulen von mongolischer Gestaltung stehn (der Minorite Ruisbroek ums Jahr 1260 gedenkt ihrer bereits) und man ist geneigt, sie jenem Mongolenstamme zuzuschreiben, der im fünften Jahrhundert unter dem gefürchteten Namen der Hunnen in diesen Gegenden hauste. Die ganze Ebene, schon in einer sechs Stunden weiten Entfernung von den Hoflagern der beiden turgudschen Fürsten Aerdäni und Zerren-Uhaschi, welchen unser Erster Besuch galt, war mit einzelnen Zelt-Gruppen und dazwischen weidenden Heerden von Kameelen, Pferden, Rindern, Ziegen und Schafen bedeckt. Nach unaufhörlichen Erkundigungen wegen des Weges, wobei wir doch zuweilen bedeutend irre fuhren, da die Kalmücken die Entfernungen [7] niemals richtig und immer zu klein angeben, erreichten wir am 2 Juni Nachmittags Bathur-Maleh (die Heldenpeitsche), das Ziel unserer Reise. Die beiden Hoflager lagen ungefähr eine halbe Werst von einander entfernt. Zwischen denselben standen eine Menge Zelte und Karren der sich hier aufhaltenden russischen, armenischen und tatarischen Handelsleute, welche den Bazar der vereinigten Horden bildeten. Etwa zwei hundert Schritte hinter dem ärdänischen Hoflager machten wir Halt, und bereiteten uns vor, dem Fürsten unsere Aufwartung zu machen.

Die kalmückischen Zelte, in ihrer Sprache Gerr, von den Russen Kibitken genannt, bestehen aus mehreren leicht zusammen zu fügenden und fortzuschaffenden Theilen. Ihre Form ist rund, mit einem trichterartigen Dache, welches eine stumpfe Spitze hat. Das Gerippe des Zelts – zolldicke, geschnitzte, roth angestrichene Weidenstäbe – bildet unten eine etwas weniger als Mannshöhe aufrecht stehende ringförmige Wand von schrägem, netzförmigen Gitterwerk. Dieser Theil des Gitterwerks besteht aus sechs bis acht Theilen, deren jeder für sich dergestalt zusammengeschoben werden kann, daß ein Stab dicht an den andern zu liegen kommt, wodurch das Ganze zum Fortschaffen bequem wird. Da wo sich die Stäbe kreuzen, sind sie durchbohrt und mit ledernen Riemchen verbunden. Beim Aufstellen der Hütte werden gedachte sechs bis acht Gittertheile mit wollenen Bändern an den Enden befestigt, die für sich bestehende Thüre oder eigentlich zwei kleine Flügelthürchen in einem hölzernen Ramen, werden eingesetzt, und der ganze Gitterkreis wird mit breiten, wollenen Gurten umwunden. Von dieser untern Gitterwand gehen ringsum einzelne Stangen in die Höhe nach einem gemeinschaftlichen Vereinigungspunkt; doch ehe sie diesen erreichen, endigen sie in einem hölzernen Reifen oder Kranz, der sie zusammenhält und über welchem sich ein doppelter Kreuzreifen wölbt und die stumpfe Spitze des Daches vollendet. Diese Stangen werden am untern Ende mit einer Schleife an die hervorstehenden Spitzen des untern Gitterwerks gebunden und mit ihrem obern Ende in die dazu vorhandenen Löcher des Kranzes gesteckt. Auch über dieses Stangenwerk werden einige wollene Gurten kreuzweise geschlungen und an dem untern Gitterwerk befestigt. Die Bekleidung des Gerippes sind grobe, locker gewalkte, ungeleimte Filze. Von diesen bekleiden vier das Gitterwerk und ungefähr die Hälfte des Daches, über welche sodann zwei andere gelegt werden, welche das Dach vom Kranze bis zum Gitterwerk herab bedecken. Ein dritter schmaler Filz hängt vom Dach über die Thüre und kann in die Höhe geschlagen werden. Alle diese Filze werden ebenfalls mit wollenen Gurten fest gemacht und zuletzt wird noch eine Kappe von Filz über das Reifkreuz des Dachs geschlagen, deren lange Zipfel ebenfalls bis auf das Gitterwerk herabreichen. Einer dieser Zipfel wird jedoch bei Tage stets zurückgeschlagen, wobei man die dem Wind entgegengesetzte Seite wählt, so daß durch diese Oeffnung nicht nur das nöthige Licht in die Hütte fällt, sondern auch der Rauch seinen Ausweg findet.

Aus solchen Zelten bestand das Ardänische Hoflager (Oergó). Die Gegend war eine unbeträchtliche Niederung, in deren Mitte sich einige Brunnen befanden. Nördlich von den Brunnen standen die fürstlichen Zelte: Das Wohnzelt des Fürsten, das Zelt, worin er zu Gericht saß, und das, welches seiner Tochter, der Prinzessin Mingmer, gehörte; südlich standen die Churulle, d. h. die Kirchenzelte nebst dem Zelt, worin der Lama wohnte. Diese waren in einem weiten Halbkreis von den Hütten der Gellongs, jene von denen der fürstlichen Diener umgeben. Die fürstlichen und kirchlichen Zelte zeichnen sich nicht nur durch ihren freiern Standort im Innern des Kreises, sondern auch durch ihre beträchtlichere Größe und weißere Filzbedeckung aus. Die fürstliche Residenz ist an einem links vom Eingang aufgestecken langen Spieß mit roth, blau und grün bestreiftem Schafte zu erkennen. Von der Spitze desselben hängt eine Schnur mit zwei stumpfen Bündeln Roßhaar herab, wodurch man an die Roßschweife [456] der Türken erinnert wird. Ein kleinerer diesem ähnlicher Spieß steckt auch an der Gerichtshütte.

Da wir von den Kalmücken vernommen hatten, daß der Tag uns’rer Ankunft in der Horde nach ihrem astrologischen Kalender ein glücklicher sey, so beeilten wir uns, dem Fürsten noch am nehmlichen Tag uns’re Aufwartung zu machen. Bei der Annäherung an dessen Zelt kam uns ein Diener entgegen, der sich nach unserem Begehren erkundigte, worauf wir uns bei dem Fürsten als Reisende anmelden ließen, die ihm einen Brief aus der Hauptstadt abzugeben hätten. Nun wurden wir bald vorgelassen. Nach kalmückischer Sitte näherten wir uns dem Eingange des Zeltes von der rechten Seite, da es für unhöflich gehalten wird, gerade auf die Thüre loszugehen oder von der linken Seite zu kommen. So hüteten wir uns auch beim Eintreten mit den Füßen an die Thürschwelle zu stoßen, eine Regel, die schon Ruisbroek in Mönketümmers Lager zu beobachten hatte. Nach dem gebräuchlichen Gruß: Mende ssün tabä tiniger buista, d. h. Seyd ihr recht gesund und wohl, worauf derselbe mende, d. h. gesund, antwortete, überreichten wir ihm das Schreiben des Grafen Nesselrode und wurden sodann genöthigt, uns auf einen Teppich niederzulassen, welches wir nach asiatischer Sitte mit unterschlagenen Beinen thaten. Der Fürst saß auf gleiche Weise auf seinem Polsterlager im Hintergrunde des Zeltes neben seiner Gemahlin Delek; ihnen zur linken Hand ward der kleine Prinz Raschi Sangdschai Dordsche von seiner Amme gewartet.

Aerdäni war ein Mann von ein und vierzig Jahren, mittlerer untersetzter Statur und von gutem Aussehen. Als wir zu ihm kamen, spielte er die Dumber oder die kalmückische Guitarre. Seine Gemahling Delek war ungefähr sechs und zwanzig Jahre alt, von starkem Körperbau und echt kalmückischer Gesichtsbildung mit hervorstehenden Backenknochen. Die Kleidung des Fürsten bestand in einem kurzen kalmückischen Rocke von blauem Tuche, in sehr weiten Beinkleidern von demselben Stoff, einer buntseidenen Weste und einer spitzen tscherkeßischen Mütze von schwarzem Sammet mit Zobel verbrämt und mit einer großen rothen Quaste und goldenen Tressenschnüren geziert. Die Fürstin trug eine blaubuntes weites Gewand über einem rothseidenen mit großen goldenen Blumen gezierten Unterkleide und als Kopfputz eine hohe viereckige gleichfalls mit Zobel verbrämte und mit einer großen seidenen Quaste behängte kalmückische Mütze von persischem Goldstoffe. Das Zelt hatte ungefähr zwanzig Schuh im Durchmesser und eben so viel in der Höhe und war rings am Boden mit Filzen und Teppichen belegt. Der Thür gegenüber war das etwa eine Elle vom Fußboden erhöhte fürstliche Polsterlager mit grünen baumwollenen Ueberzügen und über demselben eine Art Baldachin von demselben Zeuge. Zu beiden Seiten hingen große aufgerollte Bilder von der Decke herab: das zur linken stellte den schrecklichen Geisterfürsten Bansarakza vor, das zur rechten enthielt eine Menge astrologischer Kreise mit vielen bunten Figuren. Beide sollten zum Wohl des kleinen Prinzen dienen und ihn gegen alle Unfälle beschirmen. Links an das fürstliche Lager stieß das Opfertischchen mit seinem Bänkchen. Auf dem Opfertischchen standen sieben mit Reis und andern Opfergaben gefüllte Schalen; hinter demselben lagen eine Menge Kasten auf einander, mit einem persischen Teppich bedeckt. [458] Ueber den Kasten stand ein hölzernes Gehäus mit einer schön geformten stark vergoldeten Figur des Schagdschamuni. Rechts vom fürstlichen Lager befand sich ein ähnlicher ebenfalls mit einem persischen Teppich bedeckter Stoß von Kasten, auf denen noch einige Schmuckkästchen der Fürstin standen. Diese Kasten mochten die Effekten der fürstlichen Familie enthalten, so wie die links geistliche Schriften, Heiligenbilder und und andere Gegenstände des Altars. In der Mitte des Zelts befand sich ein Feuerheerd mit einem Dreifuß und einem gemeinen Theekessel; links von der Thüre eine Anzahl hölzerner Kübel und Kannen, mit messingnen Reifen zierlich beschlagen: diese enthielten das Hauptnahrungsmittel der Kalmücken in dieser Jahrszeit, nemlich den Tschigan, d. i. gesäuerte Pferdemilch.

Aerdäni las das Schreiben wiederholt bedächtig durch, fragte uns sodann nach unsern Namen und über nähern Zweck unsrer Reise, über welchen wir ihm die möglich beste Auskunft zu geben suchten. Nachdem er uns mit kalmück’schem Thee [8] und Tschigan bewirthet hatte, empfahlen wir uns für dießmal und kehrten nach unsern Wagen zurück. [459] Am Abend dieses Tags, so wie in der Folge noch oft, wurden wir durch die gewaltige Musik [9] der Gellongs, womit sie ihre tongud’schen Litaneyen begleiten, bis in die Nacht unterhalten, da wir diese Musik aus beiden Hoflagern deutlich hören konnten, wobei besonders die Trommeln, eine Art Schalmeyen und ihre großen, kupfernen Hörner lärmten.

Am folgenden Tag besuchten wir eben den Bazar, als in einiger Entfernung in der Richtung nach den Bergen ein dick aufsteigender Rauch bemerkt wurde. Man besorgte sogleich einen Steppenbrand und vermuthete, daß die Dörböden denselben angelegt haben möchten, um den Turguden Schaden zu thun. Dergleichen Steppenbrände wüthen öfters mit unwiderstehlicher Gewalt, und verheeren große Landstrecken mit einer Schnelligkeit, der kaum ein gut Berittener zu entfliehen im Stande ist. Bei der Besorgniß vor der Annäherung des Feuers hörte sogleich aller Handel auf, und jeder spähte von seiner Hütte oder einem andern erhöhten Gegenstande nach der Gegend des Brandes und beobachtete die Richtung des Windes. Mittlerweile war ein Aufgebot des Fürsten zur Dämpfung des Feuers ergangen, worauf Schaaren von Gellongs und von Schwarzen d. h. Nichtgeistlichen mit Hüttenstäben in den Händen zum Löschen hinauseilten. Nach einiger Zeit aber kehrten diese unverrichteter Sache mit der Nachricht zurück, daß der Brand in dem benachbarten Schilf eines ausgetrockneten Sees, der zur Sarpa gehört, wüthe, wo an kein Löschen zu denken sey. Sie erzählten nun den Daheimgebliebenen von der unglaublichen Menge von Wesen, von zahllosen Vögeln, die in dem Schilf nisteten, Schlangen, Fröschen, Eidechsen und Insekten, welche durch das Feuer getödtet würden, und malten die Qualen derselben mit den lebhaftesten Farben der Einbildungskraft aus. Dabei war die innigste Theilnahme an dem Schicksale dieser Creaturen um so unverkennbarer wahrzunehmen, je näher die Kalmücken zu Folge ihres Glaubens an die Seelenwanderung mit denselben verwandt zu seyn meinten. Ihr eigener Verlust wurde bei dieser Gelegenheit von ihnen ganz unbeachtet gelassen, obgleich der Brand dem Vieh eines Theils der Horde, welche seit den dörbödischen Unruhen hier zu überwintern pflegte, seine Nahrung raubte. Glücklicher Weise verbreitete sich das Feuer nicht über die See hinaus, wüthete aber in demselben mit größter Heftigkeit. Als wir an einem der folgenden Tage die Gegend in Augenschein nahmen, waren weite Strecken, so weit das Auge reichte, in öde Aschenfelder mit einzelnen grünen Inselchen verwandelt und als wir sechs Tage später die Gegend verließen, hatte sich der Brand immer noch nicht vermindert.

Nach unsrer Zurückkunft vom Bazar schickten wir uns zu einem zweiten Besuch bei dem Fürsten an, um die für ihn und seine Gemahlin bestimmten Geschenke, bestehend in einigen sareptischen Tüchern, Rauchtaback und Pfefferkuchen, zu überreichen. Der Fürst und seine Gemahlin waren darüber sehr erfreut, und beide rauchten sogleich eine Pfeife von dem erhaltenen Taback. Dem Lama schickte der Fürst die Hälfte der Pfefferkuchen und allen Anwesenden theilte er davon mit; denn nach ihren Begriffen von Gastfreundschaft darf der Empfänger solche Geschenke nicht allein behalten.

Der Fürst war nun zwar unserem Auftrag so wenig geneigt, als überhaupt alle kalmück’schen Fürsten, wie wir auf mehr oder weniger auffallende Art uns nachmals oft überzeugen konnten, aber er beehrte uns wenigstens äußerlich mit seinem persönlichen Wohlwollen [10] Da dieß die Kalmücken, die sich bisher fast gar nicht um uns bekümmert hatten, bemerkten, drängten sie sich zu uns und suchten unsere Freundschaft. Der Charakter dieser Nomaden ist so, daß sie ihr Betragen gegen Fremde, gegen die sie sehr mißtrauisch sind, völlig von der Miene ihres Fürsten abhängig machen. Ihre Ergebenheit gegen ihre Obern ist unbedingt: nicht leicht werden sie etwas zum Nachtheil derselben äußern oder etwas schlechtes von ihnen verrathen. Eben so treu sind sie im gemeinen Leben gegen einander, besonders wenn es gilt, den Diebstahl eines Landsmanns vor Fremden zu verheimlichen; ja, wenn sie allzusehr in die Enge getrieben werden, ersetzen sie lieber den Schaden, als daß sie den Thäter angeben, und finden sich nachmals, so gut sie können, mit diesem ab. Unter andern kamen jetzt auch die Inhaber der uns zunächst stehenden Zelte, lauter fürstliche Beamte, der Tschigaitschi (Stutenmelker), der Temähtschi (Kameelaufseher) und andere, wobei sie erklärten, daß wir mit ihnen ein Chottun (eine Gemeinde) ausmachen sollten.

Uns’re häufigen Besuche bei Aerdäni gaben uns Gelegenheit, seine beiden Damen genauer kennen zu lernen. Als der Fürst der Prinzessin Mingmer unsere Namen nannte und sie den meinigen hörte (welchen die Kalmücken, denen es schwerhält, zwei Consonanten in einer Silbe folgen zu lassen, statt Zweick, Zebik oder Zebek auszusprechen pflegten), so rief sie aus: „das ist ja der Name meiner Mutter.“ Damit belustigte man sich eine Weile; dann mußten unsere Kleider, Mützen, Halsbinden etc. die Musterung passiren. Von einigen dieser Stücke nahmen sie sich Papiermodelle, wobei jede sich beeiferte, ihre Sache am geschicktesten zu machen, während der Fürst das Amt des Kunstrichters versah. Ein ander Mal trafen wir nur die Fürstin mit ihrer Dienerschaft zu Hause, da der Fürst selbst sich mit einer zahlreichen Gesellschaft von Gellongs und Saißangs in der Gerichtshütte mit Kartenspielen unterhielt, wobei reichlich Tschigan getrunken wurde, der, im Uebermaße genossen, einen leichten Rausch verursacht. [462] Die Fürstin machte sich und uns das Vergnügen, uns ihre Putzsachen zu zeigen. Unter denselben zeichnete sich ein goldenes Ohrgehänge mit einer birnförmigen echten Perle von der völligen Größe einer Haselnuß aus, welches sie für ein uraltes Familienstück erklärte. Auch war ein sehr schön gearbeiteter Rosenkranz merkwürdig. Derselbe bestand aus glatten schwarzen Kernen einer uns unbekannten Frucht, zwischen welchen rothe Korallen und ein geriefter kugelförmiger Chalcedon aufgereiht waren. Bei Vorzeigung eines zierlich gestickten Beutels fragte sie uns, ob wohl die deutschen Frauen auch so schöne Sachen besäßen? Eine Frage, die wir freilich nur bedingt beantworten konnten. Als hierauf die Reihe auch an ihre [463] religiösen Bilder kam, wollte sie wissen, ob die Bildnisse unserer Götter eben so schön wären, als die ihrigen. Wir erklärten ihr, daß wir zwar auch Bilder besäßen, die wir aber nicht verehrten, weil wir Gott, das höchste Westen, im Geist und in der Wahrheit anbeteten. Darauf erwiederte sie: „Dieß sey auch bei ihnen so; weil aber der innere Sinn nicht vermöge, sich zur unsichtbaren Gottheit zu erheben, so hätten sie bei dem Gebet gerne eine sinnliche Darstellung derselben vor Augen. Doch seye dieß nicht unumgänglich nothwendig, denn in Fällen, wo sie dergleichen Abbildungen nicht haben könnten, wie z. B. auf der Reise in der Steppe, beteten sie zur Gottheit auch ohne sinnliche Darstellung. Denn, „sagte sie,“ der Allwissende kennt und bemerkt Alles, auch das Innerste des Herzens und sieht es, wenn man zu ihm betet, man seye daheim oder auf der Reise, man habe sein Bildniß vor sich oder bete zu ihm, als dem Unsichtbaren.“ In der That, diese buddistische Kalmückin erscheint in diesen Worten so wenig als Heidin, daß man versucht ist zu glauben, es seye überhaupt nicht der Name der Religion, welche die unwesentliche Aueßerlichkeit als Hauptsache nimmt, eine Ansicht, die sich nicht selten auch bei Christen findet.

Als das Gespräch sich zur Beschaffenheit des Weltgebäudes wendete, wünschte die Fürstin eine Landkarte zu sehen, welche wir ihr nächstens zu zeigen versprachen. Wir brachten deswegen am folgenden Tag einige gute Spezialkarten der Steppengegenden mit, womit wir dem Fürsten, seiner Gemahlin und Tochter eine angenehme Unterhaltung gewährten. Delek sucht die Gegend ihrer Heimat jenseits der Wolga in der Nähe des Bogdo-bergs auf, wo ihr Vater, ein kleiner Fürst, nomadisirt; Mingmer (sie war an den Choschuder Fürsten Bathur-Ubaschi vermält gewesen, der sie später aus unbekannter Ursache mit Zurückbehaltung ihres Söhnleins zu ihrem Vater Aerdäni zurückschickte) den Ort des Choschuder Hoflagers, wo ihr vormaliger Gatte wohnte und Aerdäni den Standpunkt seiner Horde und den Weg, den wir gekommen waren. Auf seine Bitte verfertigte ich dem Fürsten eine Kopie dieser Karten.

Ein anwesender Diener, welcher 1813 im französischen Kriege bis Paris gekommen war, erzählte viel von dem, was er in fremden Ländern gesehen. Der Umstand, daß in Deutschland die Pferde mit den Hufeisen öfters Feuer schlügen, setzte alle Anwesenden in Verwunderung, und wir mußten solches bestätigen. Diese Erscheinung kann freilich bei den Kalmücken nicht vorkommen, da sie ihre Pferde nicht beschlagen, weil der meist lehmige, selten sandige Steppenboden dieß nicht nothwendig macht. Zu den Unrichtigkeiten des Erzählers gehörte unter andern, daß die Engländer Flügel hätten, die er auf einer Abbildung derselben in Frankreich gesehen habe. Ohne Zweifel hatte er auf einem Gemälde Engel für Engländer gehalten. Ferner behauptete er im nördlichen Frankreich den Mond so nieder gesehen zu haben, daß man hätte glauben sollen, man könne mit einer Zalma (Pferdefangschlinge) hineinwerfen. Dieß veranlaßte den Fürsten, sich nach den astronomischen Kenntnissen der Deutschen (Nemesch) zu erkundigen, wobei er mehrere Fragen an uns that über den Berg Sümmer, der nach lamaischer Lehre das Weltgebäude trägt; er sagte, auch die lamaischen Gelehrten hätten vor Zeiten, als sie noch im Lande Enetka (Indien) lebten, gute astronomische Kenntnisse beseßen; es sey ihm wohl bekannt, daß sie jetzt darin von den Deutschen übertroffen würden, weil diese von den Braminen jene Wissenschaft empfangen hätten. Merkwürdig ist die unter den Kalmücken allgemein verbreitete Sage, daß die Deutschen von den Braminen abstammen, so wie die tatarische Meinung, die Deutschen wären vor unendlichen Zeiten aus der persischen Provinz Kerman nordwärts nach den Ländern, die sie jetzt inne hätten, gezogen.

Da Zerren-Ubashi, in dessen Horde sich eine Masern- und Blattern-Epidemie zeigte, schon am 7 Juni sich von der ärdänischen trennte und gegen die Berge wandte, um daselbst ein Sühnopfer [11] zu bringen, so konnten wir wenig mit ihm zusammen kommen.

Am 9 Juni brach auch Aerdänis Lager auf, und da es nicht Sitte ist, daß man in einem solchen Zeitpunkt Gäste entläßt, so mußten wir mitziehen.

Den Zug eröffnete die Geistlichkeit, den Lama an der Spitze. Der Lama trug ein weites hellblaues Gewand, die Orkimtschi, das ist die rothe Schärpe der Gellongs über die linke Schulter und eine mit Pelzwerk verbrämte Müze als Kopfbedeckung. Die übrigen folgten ohne bestimmte Ordnung. Der Fürst mit seiner Familie blieb, bis das ganze Lager aufgebrochen war, bei seinen auf Kameelen gepackten Zelten und Geräthen, worauf er schnell nachfolgte und dem Zug wieder vorauseilte. Wir mischten uns in die ziehenden Haufen und ließen unser Zelt, welches auf fürstlichen Befehl auf ein Kameel gepackt worden war, worauf der Führer gleichfalls seinen Platz eingenommen hatte, voraustransportiren, da wir der Unebenheit der Steppe wegen mit unsern Wagen nur Schritt fahren konnten, und dem Schritt der langbeinigen Kameele zu folgen nicht im Stande waren. Die Masse des Zugs dehnt sich in einer Breite von mehr als einer Werst aus, und bestand aus einzelnen Colonnen zelttragender Kameele, welchen das ganze Hausgeräthe nebest den Kindern, die in Kasten an den Seiten der Kameele saßen, aufgeladen war. Dann folgten Heerden von Pferden, Rindern und Schafen, unter der Leitung berittener Treiber. Niemand geht da zu Fuß, was überhaupt nicht leicht bei Kalmücken auf weiten Strecken zu geschehen pflegt – sondern Männer, Weiber und die größern Kindern sind beritten. Ja öfter sahen wir Mütter, welche Kinder, die kaum die Wiege verlassen hatten, mit sich [464] auf den Pferden führten, oder mit dem Säugling an der Brust dahin ritten. Größere Knaben und Mädchen reiten zuweilen auf Füllen und üben sich dabei im Wettrennen, im Hunde-Jagen und im Fechten mit ihren Pletten (Peitschen). Einige Mädchen blieben mehrmals hinter dem Zuge absichtlich einige Werste zurück, um demselben dann wieder um die Wette vorsprengen zu können. Eine solche Wanderung ist bei den Kalmücken ein allgemeines Fest, wobei jeder seinen Reichthum sehen läßt. Die Männer reiten in ihrem besten Staate in einzelnen Gruppen mit der Kugelbüchse voraus, und haben sie sich zuweit vom Zuge entfernt, so lagern sie sich solange, bis sich der Zug wieder genähert hat. Die Hausfrauen reiten geputzt auf den besten Pferden vor ihren Heerden her, und führen das Leitseil des ersten Kameels, an welchem die folgenden hinter einander angebunden sind. Ueber das Gepäck auf den Kameelen werden große persische und russische Teppiche gelegt, welche zu beiden Seiten fast bis zur Erde frei herab hängen; bisweilen werden diese Thiere noch mit rothen Bändern geschmückt. Aermere Familien, welche keine Kameele besitzen, beladen ihre Rinder mit ihrem Gepäck und reiten sogar auf denselben. Einige wenige bedienen sich der Arbas (tatarischer Karren). Da derjenige Theil von Aerdänis Horde, welcher westlich und nördlich gestanden war, der Karavane sich angeschlossen hatte, so war dieselbe sehr zahlreich geworden; indessen war es uns unmöglich, sie gehörig zu schätzen, weil wir sie nie ganz übersehen konnten. Doch mag die Anzahl der Kameele, welche Gepäck trugen, sich auf mehr als fünfhundert Stück belaufen haben. Nachdem wir von Nachmittags zwei Uhr bis Abends halb neun Uhr 20 bis 25 Werste zurückgelegt hatten, wurde an dem Sarpa-Arm, an welchem wir in südlicher Richtung hinauf gereist waren, Halt gemacht. Da gleich am Morgen wieder aufgebrochen werden sollte, so wurde blos das Dachstück vom Zelt aufgeschlagen.

Indessen hatten unsere Bemühungen, die wir auch auf der Reise wiederholten, den Fürsten und seine Geistliche für unsere Bibelangelegenheit zu gewinnen, keinen Erfolg. Die Kalmücken fragten uns spöttisch: ob wir Russen oder Deutsche aus ihnen machen wollten? Sie meinten, sie hätten Nomm (Religion) genug. „Der neue Nomm, sagten sie, geht von Petersburg aus, und die Deutschen sind die Werkzeuge desselben; nehmen wir diesen neuen Nomm an, so geräth unser bisheriger schöner alter Nomm sammt den damit verbundenen herrlichen gottesdienstlichen Gebräuchen in Verfall; unsre gesammte Priesterschaft, unsre Stützen bei den Göttern, und wir verlieren Freiheit und Unabhängigkeit. Denn wenn wir diese Bücher annehmen, so senden sie uns Popen, und nöthigen uns, gleich den Russen, Ackerbau zu treiben und Abgaben zu zahlen.“

Da wir nun unsere Zeit in Bezug auf unsern Zweck unnütz verstreichen sahen, machten wir Anstalten zu unsrer Abreise. Erst mußten wir aber den Fürsten um einen Geleitsbrief ersuchen. Dieser Geleitsbrief wurde ohne Zweifel mit den Fürsten und Lamas mehrerer Horden reiflich berathen, so daß wir von einem Tag auf den andern hinausgeschoben wurden, und uns nichts Besseres zu thun übrig blieb, als wenigstens unsre Kenntnisse vom Charakter und den Gebräuchen des Volks zu vermehren.

Die Krankheiten, die in Zerren-Ubaschis Horde grassirten, zeigten sich hie und da auch in Aerdäni’s Horde. In einiger Entfernung von unsrer Hütte fanden wir die ausgesetzte Leiche einer Kalmückin, welche mit einigen schlechten Filzen bedeckt, und mit einem Pelze bekleidet war. Neben ihr lagen hölzerne Trinkschalen nebst einigen andern unbedeutenden Geräthschaften. Dieß ist die ganze Bestattung gemeiner Kalmücken: man setzt die Todten aus, die dann von Geyern und Hunden verzehrt werden. Anders ist die Sitte bei Fürsten und Lamas. Ihre Leichen werden feierlich verbrannt und die Asche mit Kalk vermengt zum Bau einer Begräbnißkapelle (Gaza) verwendet.

Wir sahen die dem Fürsten Sandschi-Ubaschi, dem Vater des Fürsten Zerren-Ubaschi, geweihte Zaza. Das Gebäude hatte ein steinernes Fundament, auf demselben erhob sich mit einigen Stufen die hölzerne Kapelle, sie hatte ungefähr vier Schritt in der Länge und Breite, ein flaches Dach auf ihren vier Seiten und war von einer Art Thurm überragt. Ein kleines Fensterchen auf der Südseite war die einzige Oeffnung. Inwendig befand sich ein Brett mit Opferschalen und verschiedenen Opfergaben, als ein Altarstischchen, eine alte hölzerne Schreibtafel, Büschel von Pferdehaaren, einige Kupfermünzen und eine Menge der schon erwähnten Thonkegel, gleichfalls Zaza genannt. An den Wänden waren grauenvolle Abbildungen der vier Mancharansa-Chane, welche am Fuße des Sümmerberges wohnen. Von diesen war der an der südlichen Wand, auf welcher Seite das Thürmchen stand, blau, der an der Wand zur Rechten weiß, der zur Linken gelb und der an der hintern Wand roth gemahlt. Alle vier hatten gewaltig große kugelrunde Augen und borstig in die Höhe stehende Haare. In den Händen hielten sie Waffen oder musikalische Instrumente. Diese Zazas dienen zugleich als Andachts- und Opferstätten. [466] Am 25 Juni wollten wir unsre Angelegenheit bei dem Fürsten wieder in Anregung bringen. Wir begaben uns deßwegen bei Zeiten an den Hof, trafen aber den Fürsten nicht zu Hause. Da er bald zurückkommen sollte, so unterhielten wir uns bis dahin mit der Fürstin und mit ihrer Schwägerin, welche Rath und Anweisung bei weiblichen Arbeiten von uns begehrten. Auf ihre Bitte hatte ich der Fürstin einige Stickmuster gezeichnet, wobei ich mich so gut als möglich nach dem kalmück’schen Geschmack gerichtet hatte, weswegen diese ihren Beifall erhielten. Nun sollte ich auch Vorzeichnungen zum Sticken auf Sammet liefern, womit ich mich aber nicht befaßte, um nicht zu sehr in Geschäfte verwickelt zu weerden, die mit unsrem Auftrag nichts gemein hatten. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich vielfältig die gegenseitige Mißgunst der Frauen, die so sehr in’s Kleinliche ging, daß jede ihre Arbeiten und die erhaltenen Zeichnungen vor der andern verbarg, damit ihr nichts abgesehen werden konnte.

Nach einiger Zeit kam der Fürst, von zwei Dienern [467] begleitet, aus der Gegend der Hütte des Lama nach Hause. Gleich bei seinem Eintritt und Gruß bemerkten wir an ihm eine früher noch nie wahrgenommene üble Laune. Nachdem er einen wartenden Handelstataren abgefertigt hatte, saß er stumm und verdrießlich auf seinem Lager, und kritzelte Figuren auf ein Stück Papier. Alles saß in tiefstem Schweigen, und nichts unterbrach diese Todesstille, als ein taktmäßiges Pochen, welches von zwei Weibern, von denen die eine die fürstliche Amme war, herrührte. Diese saßen links von dem fürstlichen Polster-Lager und tödteten einander die Eier ihrer Kopfinsekten, welches ohne besondere Auswahl der Stellen mit solchem Nachdruck geschah, daß die leidende Person, bei jedem Angriff auf die feindliche Brut tief niedergestoßen wurde.

Während unserer ganzen Reise hatten auch wir, aller angewandten Vorsichtsmaßregeln ungeachtet, von allen Gattungen dieses Insekts beständige Ueberlast zu erdulden, da dasselbe bei den Kalmücken so heimathlich ist, als ob bei ihnen sein eigentliches Vaterland wäre. Da es eine Sünde ist, lebendige Wesen zu tödten, so werden diese beschwerlichen Gäste möglichst geschont, und bei allzugroßer Zudringlichkeit gewöhnlich bloß abgelesen. Hiedurch nehmen sie in den Zelten so überhand, daß wir, wenn wir einem Kalmücken einen Besuch abstatteten, dieselben nicht selten an uns emporklimmen sahen, und bei jedem Besuch, den wir von einem Kalmücken erhielten, auf wenigstens dreißig Stück neue Einquartirung rechnen konnten. So vertraut man mit diesem kriechenden Insekt umgeht, so sehr entsetzt man sich vor der Gegenwart jenes hüpfenden Thierchens, welches, wie auch die Bettwanze, hier fremd ist.

Als wir so eine Zeitlang in gegenseitigem Schweigen zugebracht hatten, erinnerten wir den Fürsten an unsre Angelegenheit, worauf er aber keine Antwort gab, sondern statt dessen fortfuhr, Figuren zu zeichnen. Bald darauf meldete ein Diener, daß einige fremden Reiter angekommen wären. Es waren dörböd’sche Saißangs mit einem kleinen Gefolge. Nach kalmück’scher Sitte hielten sie etwa hundert Schritte hinter dem fürstlichen Zelte, näherten sich langsam demselben von hinten, und kamen darauf nach erhaltener Erlaubniß von der rechten Seite des Eingangs in das Zelt. Der vornehmste unter ihnen, der Saißang Burre-Mangne, näherte sich dem Fürsten bis auf einige Schritt, nahm dann seine Mütze ab, ließ sich vor ihm auf das rechte Knie nieder, und berührte mit der rechten Hand das linke Knie des mit unterschlagenen Beinen sitzenden Fürsten, welcher ihm mit seiner rechten Hand den rechten Oberarm berührte. Auf ähnliche Weise verbeugte er sich auch vor der Fürstin und begab sich dann zurück nach der rechten Seite des Eingangs, wo er sich auf ein Knie niederließ, und auf die Ferse des unterschlagenen Beins setzte. Seinem Beispiel folgte auch der andere Saißang, ohne daß dabei etwas gesprochen wurde. Nachdem beide auf gedachte Weise ihren Sitz bei der Thüre eingenommen hatten, und die Fragen nach dem Befinden gewechselt waren, gaben sie sich in ihrer Eigenschaft als Gesandte des dörböd’schen Fürsten Dschambe zu erkennen, und überbrachten die Nachricht, daß ihrem Fürsten ein Sohn geboren sey, weshalb er nicht abgeneigt wäre, Friedensanträge zu machen. Da sie aber mit keinen schriftlichen Vollmachten versehen waren, so machten ihre Reden keinen sonderlichen Eindruck auf Aerdäni, welcher sich über die Räubereien der Dörböden weitläuftig ausließ, ohne daß die Gesandtschaft gewagt hätte, der torgud’schen Räubereien zu erwähnen.

Wir entfernten uns, wobei der Fürst sich entschuldigte, daß er heute keine Zeit gehabt habe, sich mit unsern Angelegenheiten zu beschäftigen. Trotz seines Versprechens aber, uns das Schreiben bald auszufertigen, gingen wieder einige Tage hin und wir mußten zuletzt noch einmal mit dem Lager ziehen. Denn Tags zuvor hatte er uns das Schreiben auszufertigen versprochen, als wir es aber Nachmittags abholen wollten, zeigte er uns blos ein versiegelt gewesenes Papier, welches das Schreiben enthalten sollte; doch müsse ers noch ins Reine schreiben, was heute nicht mehr angehe. Zum Schluß begehrte er noch von mir ein Mittel wider das Ausfallen der Haare, da es ihm sehr leid war, daß sein Zopf alle Tage dünner würde, und die Fürstin verlangte ein Mittel wider die Sommerflecken, wie auch etwas magenstärkende Medizin. Für den Lama mußten wir ebenfalls einige Arzneien gegen Unterleibsbeschwerden zurechte machen, da sich der Ruf unsrer Heilkunde, der uns schon als Deutschen vorangieng, durch die Wiederherstellung einer Frau, die an Magenübeln litt, und einiger augenkranken Kalmücken, bei denen vorsichtige Gaben des so genannten St. Yves Balsams herrliche Wirkung hervorbrachten, im ganzen Lager verbreitet hatte.

Der Zug hatte sich bisher, wie natürlich, immer nach den Orten gerichtet, wo sich Brunnen befanden: so war man am Nasirsbrunnen, am Ulahstin, d. h. Weidenbrunnen, am Chaltarihn-Burrä-Chuduk, d. h. am gelblich grauen Brunnen gelagert, heute – es war der 30 Juni – gelangte man nach einer Wanderung von etwa zwölf Wersten an den Nojoni-Gellongihn-Chuduk, d. h. an den Fürsten und Priesterbrunnen.

Unterwegs paßirten wir ein Heuschreckenheer von der Breite einiger Werste.

Die Zugheuschrecke (gryllus migratorius) hat eine Länge von drei bis vier Zoll, und ist in ihrem vollkommenen Zustande länger und schmäler, als andere Heuschreckenarten, z. B. die in Deutschland bekannten Heupferde, welche eine stärkere Brust und kürzere Flügel haben. Der Kopf ist stumpf mit kurzen Fühlhörnern und wie die Brust von graugrüner Farbe, die Kinnladen sind dunkelbraun, die großen Augen schwarz, die Oberflügel schmutzig, grüngelb mit vielen erloschenen dunkeln Flecken, welche die Flügel in einiger Entfernung schwärzlich erscheinen lassen, der Leib endlich und die Füße blaßgelb mit schwarzen Flecken am innern Schenkel. In der ersten Verwandlungszeit haben sie noch sehr unvollkommene Flügel, welche den Leib nicht ganz bedecken, während diese im vollkommenen Zustand über denselben hinaus reichen. Die Heuschrecken sind für die Länder, die sie überziehen, eine wahre Geißel, und werden mit Recht vom Propheten Joël in dessen hochpoetischer Schilderung unter die göttlichen [468] Strafmittel gerechnet. Wo sie sich niederlassen, fressen sie nicht nur alles Grüne, sondern die Stängel von den Staudengewächsen und den Schilf der Seen ab, ja, wie wie Kalmücken behaupteten, sie zerfreßen den Filz an den Zelten. Da ihre Lagerplätze halb abgeleert sind, so sind sie dann genöthigt ihre Nahrung immer weiter zu suchen, welches um die Dämnmerungszeit zu geschehen pflegt.

Diese Gattung von Heuschrecken dient, wie die Kammheuschrecke (gryllus cristatus), welche die Speise des Täufers Johannes gewesen seyn soll und noch heute in Arabien gegessen wird, auf verschiedene Art zubereitet, mehreren orientalischen und afrikanischen Völkern zur Nahrung. In Marokko sind sie so beliebt, daß man sagt, die Preise der Lebensmittel fallen, wenn sie sich einfinden. Die Kalmücken bedienen sich nun derselben zwar nicht zu diesem Zweck, aber man erzählte uns, daß sie von Wölfen, Hunden, Antilopen, Schafen, sehr gesucht werden. Sie sind ein treffliches Mastungsmittel für diese Thiere: eine Erfahrung, die man in Sarepta vor einigen Jahren auch an den Schweinen machte, als sie sich daselbst eine Zeitlang von Heuschrecken nährten, welche in der Wolga ersoffen waren und in großer Menge ans Land gespühlt wurden.

Obiger Schwarm war in solchen Massen vorhanden, daß der davon völlig bedeckte Erdboden das Ansehn hatte, als wäre er mit langen Erbsenschooten überschüttet. Merkwürdig war es dabei wahrzunehmen, daß sie sämmtlich die Köpfe nach Westen gekehrt hatten und in dieser Richtung mit ungeheuerer Geschäftigkeit alle Grasstängel abwaideten. Im Sonnenschein schienen ihre Flügel von Silber oder Glas zu seyn und gaben einen flimmernden Glanz von sich. Wo wir durchpassirten, erhoben sie sich mit rauschendem Flügelschlag, gleich dem dumpfen Rauschen eines fernen Wasserfalls, in dichten Wolken in die Höhe und durchschwirrten dann in dunkeln Massen die uns umgebenden Räume gleich einem in großen Flocken herabfallenden Schneegestöber. Die Bahn, welche sie uns auf solche Weise durch ihr Lager eröffneten, war ungefähr zwanzig Schritte breiter als unser Zug, und wurde, wie von niedersinkenden Wolken, in der nehmlichen Entfernung hinter uns sogleich wieder geschlossen. Dabei waren sie im Auffliegen so behende, daß es schwer hielt, einige von ihnen zu erhaschen, zumal da wir während der Hitze des Tages reiseten, um welche Zeit sie besonders lebhaft sind. Den Hunden machte es Freude, unter denselben umher zu jagen und so viele, als sie konnten, aus der Luft wegzuschnappen, welches ihnen in der Abendkühle mit weniger Mühe gelang, weil sie da kaum zwei Ellen hoch über der Erde flogen.

Ein Theil der Heuschrecken befand sich noch im ersten Verwandlungszustande, in welchem sie von dunkler Orangefarbe sind, ein anderer Theil im Uebergang zum vollkommenen Zustande. Nach einigen Tagen hatten fast alle ihr Verwandlungsgeschäft beendigt und konnten sich gleich ihren Kameraden in die Luft erheben, um ihre Heerzüge nach neuen Ländern anzutreten.

Als ich einmal ausgegangen war, um Insekten zu sammeln, welches ich immer heimlich thun mußte, um den Kalmücken kein Aergerniß zu geben, wurde ich von einigen bemerkt, deren Neugierde ich durch mein öfteres Bücken rege machte, weshalb sie mir langsam entgegen kamen, um zu sehen, was ich wohl suche. Ich benutzte die Gelegenheit, sie auf das Verwandlungsgeschäft der Heuschrecken aufmerksam zu machen, welches ihnen unbekannt geblieben war, obgleich sie es hätten fast täglich beobachten können. Man sah nehmlich sehr häufig solche Heuschrecken, welche ihrer letzten Verwandlung entgegen gingen, Pflanzenhalme ersteigen und sich in verkehrter Stellung an denselben mit den Springfüßen fest halten. Nach einiger Zeit fing das Thierchen an, sich hin und her zu bewegen, dann wieder zu ruhen, als müsse es sich von einer großen Anstrengung erholen; hierauf bewegte es sich abermals heftiger, bis das Bruststück und der Kopf aufplatzten und das erneute Insekt, nachdem es die alte Hülle abgestreift hatte, in seiner höchsten Vollendung hervortrat. Nun wuchsen auch vor den Augen der Zuschauer die Flügel zu ihrer vollkommenen Länge, erstarkten und erhielten den ihnen eigenthümlichen lebhaften Glanz. Während jetzt die Knaben geschäftig waren, neue Grasstängel mit Heuschrecken herbei zu holen, wiederholten die Kalmücken unablässig ihre Verwunderungsausrufungen: Dalai-Lama! Dalai-Lama! Chair-chan! Chair-chan! Kührkü-Kührkü! [470] Am 4 Juli konnten wir endlich das ärdänische Hoflager verlassen, nachdem wir das langerwartete Schreiben [12] und nach vielfachen Unterhandlungen auch noch einen Boten zu der in der Nähe stehenden torgud’schen Horde der Brüder Setter, Dschirgal und Otschir erhalten hatten. Das Schreiben empfahl den Kalmücken, uns überall freundschaftlich zu behandeln, stellte es aber dem Gutdünken eines Jeden anheim, Bücher von uns anzunehmen oder nicht. Aerdäni nahm zwei Exemplare, eins für sich und eins für die Geistlichkeit, aus Neugierde, wie er sagte, und um unsere Sendung zu ehren, aber keiner von seinen Unterthanen, so oft wir auch hin und wieder einen derselben trafen, war zu bewegen, eines von uns anzunehmen.

Es war kühle stürmische Witterung mit abwechselnden Regenschauern, als wir abreisten. Fürst Otschir, sagte man uns, baue eine neue Zaza, und, um den dabei beschäftigten Gellongs [13] eine Erleichterung bei ihrer Arbeit zu verschaffen, habe er von einem geschickten Surchaidschi (Astrologen) aus der Erkedenhorde, mittelst einer Opfergabe von zwölf Pferden, kühle Witterung machen lassen.

Die Horde, zu der wir jetzt reisten, besteht aus ungefähr vierhundert Zelten, und die drei Brüder hatten sie von ihrem Vater gemeinschaftlich geerbt. Da aber der jüngste von ihnen, Setter, blödsinnig ist, so zog Otschir, der zweite Bruder, den jenem zugefallenen Antheil an sich. Die Zurückhaltung, welche die Kalmücken in Bezug auf die Persönlichkeit ihrer Fürsten beobachten, ließ uns diesen Umstand erst erfahren, als wir unsern zwecklosen Besuch bei Setter machten. Denn da die Horde selbst in einer andern Gegend stand, so hatten wir dann nichts Besseres zu thun, als weiter zu ziehen.

Unterwegs gelangten wir zu einem Sandhügel von einigen Wersten im Umfang, in welchem sich ein tiefer, etwa eine Werst im Durchmesser haltender Kessel befand, worin eine Menge zwei Klafter tiefe Brunnen gegraben waren, die den gemeinschaftlichen Namen Nirma-Arschin-Chuduk, d. h. die Brunnen des Vorstehers und Lehrers führten. Sonderbar, daß alle Brunnenplätze der innern Steppe aus solchen Sandkesseln bestehen, die mitten in der lettigen Steppe liegen und sich durch ihren erhöhten Rand von Weitem bemerklich machen. Sie sind ziemlich häufig und haben die Gestalt eines veralteten Kraters.

Am 6 Abends gelangten wir zu der Niederung am Itelgin-Chuduk (Falkenbrunnen), wo Fürst Dschirgal seinen Aufenthalt hatte.

Dschirgal, ein lediger Mann von dreißig Jahren, einäugig, lag, als wir bei ihm eintraten, in schmutziger Kleidung auf seinem nicht minder unreinlichen Lager in einem Zelt, das gar nichts Fürstliches andeutete. Das ihm überreichte Schreiben des Ministers behandelte er gleichgültig und verächtlich und nach einigen barschen Fragen an uns beendigte er den unangenehmen Besuch. Ganz unerwartet kam es uns nun, als er sich Abends durch einen Diener bei uns als Gast anmelden ließ. Bald erschien er selbst, begleitet von zwei Edelknaben. Sogleich verlangte er Thee, und zuerst in Güte, dann mit drohenden Worten, Branntwein. Wie viel wir dessen besäßen, hatte [471] er von unsrem Boten zuvor genau erfragt. Wirklich trank er fünfzehn Gläser, unsern ganzen noch übrigen Vorrath, glasweise und im Thee aus, bis auf einen kleinen Rest, den er mit nach Hause nahm. Darauf verlangte er unsre Handscharen zu sehen, und mit den Worten „wir tauschen“ nahm er den meinigen, einen sehr schönen persischen, und warf mir seinen schlechten dafür hin. Schon war eine unserer Tabackspfeifen eingebüßt, und Dschirgal probierte eben einen sareptischen Rock an, als der Rausch, der sich allmälig bei ihm einstellte, dem weitern Tauschhandel ein Ziel setzte. Jetzt sollten unsre Knechte singen und tanzen; indeß, als sie sich mit ihrem Unvermögen entschuldigten, erging dieser Befehl an seine Edelknaben, die vor ihm knieten und mit der größten Aufmerksamkeit auf seine Winke lauschten, während sie von ihm zuweilen Stücke Pfefferkuchen zugeworfen bekamen. Sie stimmten ein kalmückisches Räuberlied von einem gewissen Schushing-Saloh an, der zuletzt von den Russen gefangen und nach Sibirien geschickt worden war.

Wir erfuhren nachmals, daß Dschirgal wegen seiner Lüderlichkeit, Raub- und Mordsucht, nachdem er anfangs als der Aelteste die ganze Horde beherrscht hatte, seines Regiments entsetzt worden war und nur noch zusammengelaufenes Gesindel um sich her versammelt hielt.

Ehe wir zu Otschirs Hoflager gelangten, berührten wir einen Theil der Horde des Fürsten Zerren-Ubaschi, mit deren oberstem Geistlichen, Bakschi-Sama, wir Bekanntschaft machten. Der Bakschi (Lehrer) schien ein freidenkender Mann zu seyn, und auch unter dem zahlreichen Haufen seiner Geistlichkeit bemerkten wir eine Offenheit und Geradheit, die wir zuvor nicht getroffen hatten. Da der Bakschi bei all seiner Gelehrsamkeit die mongolische Schrift [14] nicht gut lesen konnte, so ließ er einen Gellong, Namens Zürüm kommen, der einige Stellen aus unsern Büchern mit ihm las. Zürüm, der sich eine Zeitlang in Astrachan aufgehalten, kannte die Evangelien genau, und wußte sogar die Kapitel auswendig. Der Bakschi-Sama gab uns einen jungen Gezüll als Boten mit, der eine ausgezeichnet große Falbe, ob sie gleich den Göttern geheiligt war, ritt, weil dieselbe das einzige Pferd war, welches der Churull noch besaß, nachdem Räuber ihm mehr als hundert Stück weggetrieben hatten. Wir waren noch nicht weit gekommen, als Zürüm uns in vollem Galopp auf dem Pferde des abgelösten Boten nachsprengte, um sich einige Bücher von uns zu erbitten: die erste erfreuliche Erscheinung, die uns für den Erfolg unserer Reise etwas hoffen ließ. Bei einem reichen Kalmücken, Namens Oelsöhtä (der Glückliche) machten wir Mittag. Abends brachen wir wieder auf; Oelsöhtä begleitete uns selbst. Da er Nachricht hatte, daß einige Kosacken, welche in Geschäften des Oberpristaws reisten, vorbei kommen würden, wobei sich dieselben jeder Zeit die Freiheit nehmen, frische Pferde, und zwar die besten, einzufangen, so sahen wir ihn die in dergleichen Fällen üblichen Maßregeln nehmen. Er ritt schnell auf verschiedene Anhöhen und gab ein Zeichen nach den Schluchten hin, worauf in wenig Minuten der ganze Bergrücken mit Pferdeheerden von mehr als tausend Stück bedeckt war, die gleich dem Brausen des Sturms über denselben hinflogen und bald nach abgelegenen Schluchten entschwanden. [475] An dem Hoflager des Fürsten Otschir war unsre Aufnahme nicht besser, als sie an dem seines Bruders Dschirgal gewesen war. Wie uns der Fürst mit großer Rücksichtslosigkeit behandelte, erklärte uns auch der Vice-Lama (der Lama war wegen Altersschwäche quiescirt) sogleich, nicht in der langsamen Weise der feinen ärdänischen Politik, sondern gerade und unumwunden, daß sie keines neuen Nomms bedürften: die ganze Geistlichkeit sey zufrieden mit dem bisherigen und habe noch fortwährend übrig genug an demselben zu lernen; um so weniger könnten [476] sie noch eine neue Lehre einstudiren. Warum, wenn die neue Lehre Gottes Wort sey, wir sie ihnen jetzt erst gebracht hätten? Etwas so großes und wichtiges müsse man nicht so lange für sich behalten. Uebrigens wären sie in ihren Gebeten jeder Zeit des Kaisers eingedenk, wie sie denn überhaupt für das Wohl des ganzen Landes beteten.

Die Kürä [15] war hier beträchtlich stärker als bei Aerdäni und Zerren-Ubaschi. Vor der Thüre des Vice-Lama’s wie auch vor dem Churull waren große Fahnen mit der mysterösen Inschrift Om-ma-ni-pad-mä-chum aufgepflanzt, und vor der Thüre des erstern stand überdieß eine große Kürdu, welche mittelst vier großer löffelförmiger Flügel vom Winde in Bewegung gesetzt wurde. Die Kalmücken feierten gerade ein hohes Fest und die Churulle waren aufs beste herausgeputzt. Im Hauptchurull hingen drei und dreißig aufgerollte große Bilder [16], und auf dem Altar standen zwei hölzerne Gehäuse, in welchen sich zwei gegossene metallene stark vergoldete Figuren von sehr schöner Arbeit befanden. Dieselben waren nach asiatischer Weise sitzend dargestellt, und nach ihren Attributen erkannte man in der einen den Schagdschamuni, in der andern den Maidari. Neben dem Altar saß ein Gellong und las in einem ungeheuren Buche, während sich die übrigen in ihren, zum Theil feinen scharlachrothen Feierkleidern, fröhlich um den Mittelpunkt des Tempels – eine mächtige Butte voll Tschigan – bewegten.

Indessen kamen zwar Neugierige, die sich von uns Bücher erbaten; da sie aber anfingen, durch Auflegung der Bücher auf das Haupt, sich spottweise den Segen zu ertheilen, – wie dieß die Gelongs mit ihren Büchern zu thun pflegen, – so wiesen wir diese Leute ab. Nach manchen vergeblichen Unterhandlungen mit dem Fürsten hatten wir endlich so viel von ihm erhalten, daß er uns an die Grenze der Erkeden einen Wegweiser mitzugeben versprach. Vielleicht aber, daß Otschir zuletzt doch noch Erlaubniß gegeben hatte, Bücher von uns anzunehmen; denn im Augenblick unsrer Abreise stellten sich viele Geistliche ein, die uns um welche baten.

In der Erkedenhorde, die wir nach einer beschwerlichen Reise von vierzig bis fünfzig Wersten gegen Süden, unter immerwährenden Besorgnissen, von Räubern angefallen zu werden, nachdem wir unsern Boten, einen tückischen, unzuverlässigen Menschen zurückgeschickt hatten, nach mehrfachem Verirren, glücklich erreichten, überzeugten wir uns vollend von der Nutzlosigkeit unsrer Bibelverbreitungsversuche, und ließen deswegen den größten Theil unsrer Bücher durch einen Zariziner Kaufmann nach Sarepta zurücktransportiren. Da hier kein Hoflager ist, so bildet die Kürä den Mittelpunkt der Horde, wo sich auch einer der befehlshabenden Saißangs aufzuhalten pflegt. Der hier befindliche Saißang Meme, ein artiger junger Mann, behandelte uns aufs Ehrenvollste, räumte uns ein schönes Zelt ein, ließ sogleich Meldung von unserem Hierseyn und dessen Zweck an das Volk ergehen, ja er ermunterte seine Leute nicht nur, Bibeln von uns zu nehmen, sodern theilte selbst aus. Aber bald brachte man uns die Bücher zurück; der Lama war ganz ängstlich und durchaus nicht zu bewegen, eins von uns anzunehmen.

Von Meme erfuhren wir, daß ihnen im vorigen Jahr eine Ukase zugesandt worden war, des Inhalts: „wie die Kalmücken eine so große und mächtige Nation gewesen, nun aber so gering und unbedeutend geworden seyen; dieß rühre von ihrer Religion her, die sie früher auch nicht gehabt hätten; dieselbe habe keine Kraft und könne sie nicht beglücken; dagegen möchten sie erwägen, was für ein großes und mächtiges Wolk die Russen wären; dieß hätten diese nur der Reinheit ihres Glaubens zu verdanken; darum sollten auch sie die christliche Religion annehmen, um wieder ein großes Volk zu werden.“ Wir setzten hier ein einziges Exemplar, bei einer andern Horde, die wir auch besuchten, gar keins ab.

Nach kurzem Aufenthalt in der jandyk’schen Horde, welche die Fürstin Nadmid, die Wittwe des Fürstin Sandschi-Ubaschi, Vaters des Fürsten Zerren-Ubaschi, eine dörböd’sche Prinzessin regierte, ferner in der Baganzohcher-Horde, wo man zwar Bücher von uns annahm, wo aber die Kalmücken meinten, ihre Religion sey eben so gut als die christliche eine Religion für die ganze Welt, beschleunigten wir unsre Reise nach der Wolga, weil die von den Heuschrecken abgezehrte Gegend unsern Pferden keine Nahrung mehr darbot. In der letzten Horde trafen wir den kürzlich angekommenen Oberpristaw, Oberst Kachanow. Er erkundigte sich nach dem Absatz der Bücher: „er wollte, wenn er nur Muße hätte, die Sache ganz anders angreifen; in Zeit von einigen Monaten müßten mehr als fünfhundert Kalmücken getauft seyn; die Hauptsache beruhe seines Dafürhaltens darauf, den Leuten nicht erst viel vorzupredigen, sondern ihnen einige Traktätchen in die Hände zu geben, und wenn sie dieselben gelesen hätten, sie sogleich zu taufen.“ Er schien jedoch letztern Satz zu verbessern, indem er hinzufügte: „Das Volk sey unwissend. Zu dem Ende müssen erst Unterrichtsanstalten gegründet werden. Deshalb sey auch bereits in Astrachan auf den Druck eines kalmück’schen ABC-Buchs mit angehängten Glauensartikeln und den zehn Geboten Bedacht genommen.“

Dem Oberpristaw, als dem Repräsentanten der hohen Regierung, standen freilich allerhand Mittel zu Gebot, die Kalmücken der neuen Lehre geneigt zu machen. Denn ungeachtet viele Saißangs über das von ihm an sie gemachte Ansinnen, für die Bibelgesellschaft Beiträge zu geben, ihr Befremden ausdrückten, so ist doch aus dem Bericht der russischen Bibelgesellschaft zu ersehen, „daß die von den Kalmücken im astrachanschen Gouvernement gesammelten Beiträge die Summe von 1310 Rubeln betragen haben.“ [478] Am 6 August verließen wir die Horde und erreichten nach einer Fahrt von wenigen Stunden die Wolga. Welch freudiges Gefühl war es für uns, als wir den vor mehr als zwei Monaten verlassenen Strom wieder erblickten! Außer einigen alten Weiden beim Hoflager der Fürstin Nadmid hatten wir auf der ganzen Reise keinen Baum oder Strauch gesehen. In dem russischen Dorf Kopanowskaja erquickten wir uns mit allem, was dasselbe darbot, Milch, Eyer, Brod und Arbuse. Dafür hatten wir aber in der Nacht viel auszustehen von blutgierigen Mücken und Flöhen, von welchen wir in der freien Steppe verschon geblieben waren, da erstere Kinder des Flusses, letztere Geburten der häuslichen Unreinlichkeit sind. Sie waren so häufig in den Russendörfern an der Wolga und Aktuba, daß sie allein schon im Stande waren, uns schlaflose Nächte zu bereiten, wiewohl wir stets auf den Höfen und auf den flachen Dächern, wo wir die beschwerlichen Gäste noch am wenigsten zu fürchten hatten, nie aber in den Häusern selbst übernachteten. Die Mücken waren am Tage gar nicht zu spüren, allein bald nach Sonnenuntergang erfüllten Myriaden derselben die Luft und unablässig umsurrten sie uns mit ihrem blutdürstigen Schlachtgesang. Gegen diesen Feind schützten wir uns nur dadurch, daß wir uns russische Mückenzelte anschafften, unter welchen wir schliefen. Diese sind auf einem leichten Luftfensterzeug, Polog genannt, verfertigt, in der Gestalt eines viereckigen Sacks, der etwas länger und weiter als ein Mensch ist. An den Kanten und Ecken des Sacks finden sich Band-Oesen, durch welche Schnüre gezogen sind. Diese werden an die Stäbe, die man an den vier Ecken in die Erde steckt, befestigt, und somit ist das Zelt aufgespannt. Der Eingang befindet sich auf der untern langen Seite, welche der Länge nach aufgeschnitten ist. Beim Hineinkriechen muß man daher die Oeffnung nach einer Seite vorziehen und schlägt sodann die untern Theile unter das Lager, so daß man auf die einzige Oeffnung zu liegen kommt, und sich in einer Festung befindet, die manchen Raupengespinnsten nicht ganz unähnlich ist.

Am 9 August setzten wir über die Wolga und betraten das Gebiet der Choschuden.

Fürst Sered-Dschab, russischer Oberster und Inhaber mehrerer Orden, zeichnet sich durch Bildung und wissenschaftliche Kenntnisse sehr merklich vor andern kalmück’schen Fürsten aus und hat bereits viel zur Kultivirung seines Volks gethan, welches ihn freilich mehr fürchtet als liebt, da es seine Bemühungen als schädliche Neuerungen betrachtet. Er bewohnt am linken Wolgaufer ein großes, etwa dreißig Schritt langes hölzernes Gebäude, welches er nach seiner Rückkehr aus dem französischen Krieg, in welchem er seine und die torguder Kalmücken befehligte, durch russische Werkmeister hatte aufführen lassen. Das Innere ist schön, es enthält mehrere Säle mit gläsernen Kronleuchtern und großen Spiegeln, ein Biliard, ein Fortepiano [479] und mehrere Spieluhren, und ist mit schönen Mahagonimöbeln eingerichtet. Doch schlägt der Fürst während eines Theils der warmen Jahreszeit sein Hoflager in der Steppe auf.

Wir wurden von dem Fürsten, dem wir das Empfehlungsschreiben des Ministers überreichten, freundlich aufgenommen. Oberst Kachanow war hier gleichfalls anwesend und wir speisten mit ihm und seinem nächsten Gefolge an der Tafel des Fürsten, an welcher sich außer diesem und seiner Tochter noch zwei seiner Brüder, Batur-Ubaschi und Tscheringka, ein junger verarmter tatarischer Prinz, Namens Ered-Dschab, und ein russischer Sekretär des Fürsten befanden. Die Fürstin war kränklich, weshalb wir sie nicht zu sehen bekamen. Die Tafel war in einem Gartenhause des kleinen aber schönen Gartens gedeckt, welcher an die Hinterseite des Hauses stößt.

Zur Vorkost wurde eine kleine nett gedrechselte kalmück’sche Schale mit dreifach abgezogenem Milchbranntwein (Arsa), nebst geräuchertem Lachs, braunschweiger Wurst und Semmel herumgereicht.

Bei der eigentlichen Mahlzeit vertrat Prinz Ered-Dschab das Amt der Frau vom Hause, indem er seinen Platz am untern Ende der Tafel einnahm und die Speisen vorlegte. Diese waren vortrefflich zubereitet, da der Fürst einen sehr geschickten russischen Koch besitzt.

Zuerst wurde in einer silbernen Terrine Hühnersuppe aufgetragen; auf diese folgte Rindfleisch, Kälber-, Schöpsen- und Antilopenbraten, gefüllt und ungefüllt, mit Gurken, Krautsalat, Pfefferkuchen und andern Zugemüßen. Auch der Wein war nicht vergessen: verschiedene Sorten griechischer Weine, Champagner und andere Franzweine wechselten ab. Der Nachtisch bestand aus Melonen, Arbusen und Pflaumen aus dem fürstlichen Garten. Unmittelbar nach aufgehobener Tafel wurde mit Kaffee aufgewartet, worauf sich die Gesellschaft im Garten zerstreute.

Während und nach der Tafel führte ein Korps von zehn bis zwölf Kalmücken unter Anführung eines russischen Kapellmeisters deutsche Symphonien und Märsche mit vieler Fertigkeit auf, wozu der Fürst die Musikalien aus Petersburg verschrieben hatte. Die Unterhaltung bei Tafel war frei und ungezwungen, wobei meist russisch, bisweilen auch kalmückisch und tatarisch, seltener deutsch gesprochen wurde. Ehe wir uns empfahlen, erklärte der Fürst, daß er Bücher von uns übernehmen werde. Als er unsern Büchervorrath in Empfang nahm, tadelte er viel an manchen Ausdrücken der Uebersetzung: so wünschte er die aus den Grundsprachen herübergenommenen Namen, z. B. Apostel, Prophet, Engel, sollten kalmückisch übersetzt, die Sprache in den Traktätchen sollte da, wo sie gegen das Religionssystem der Kalmücken eifert, schonender seyn.

Ehe wir abreisten, zeigte uns Batur-Ubaschi seine Merkwürdigkeiten. In einer Sammlung asiatischer, namentlich türkischer, Waffen zeichnete sich eine schöne türkische Kugelbüchse dadurch aus, daß sie auf dem Lauf mit einer türkischen Inschrift versehen war, welche nach der Dolmetschung Ered-Dschab’s also lautete: „Der Besitzer dieses Gewehrs möge es ohne Sünde tragen, und wer damit getödtet wird, dem mögen sich unverzüglich die Thore des Paradieses öffnen.“ Batur-Ubaschi schien ein großer Jagdliebhaber zu seyn; wir begegneten ihm nachher auf einer Falkenjagd an der Aktuba. Er war aber auch ein Gelehrter und Geschichtsforscher. Unter seinen Büchern befand sich neben andern guten historischen Werken eine russische Uebersetzung des Abul-Ghasi-Bakadur-Chan’schen Werks. Batur-Ubaschi hatte viele mongolischen handschriftlichen Geschichtsurkunden verglichen, und war Willens, die zahlreichen von ihm niedergeschriebenen Bemerkungen durch den Druck bekannt zu machen.

Es war Mittag, als wir unsre Reise nach der Aktuba antraten. Der Prinz Ered-Dschab begleitete uns. Seine Familie stammt, wie er erzählte, aus Bochara und hatte gegenwärtig ihren Aufenthalt in Astrachan. Er selbst war im französischen Krieg Adjutant bei General Jermolow gewesen, Kaufmann geworden, hatte Bankerott gemacht und ist nun der Theelieferant der choschuder Horde, wo ihm der Fürst das Monopol ertheilt hat.

Das Wiesenland, welches wir durchzogen – die Russen nennen es Saimisch-Land – war mit dem üppigsten Graswuchs bedeckt, wozu die ungemeine Wärme, die nach dem Ablauf der um die Zeit der Hochgewässer mehr als vierzig Werste breiten Wolga eintritt, das Ihrige beiträgt. Diese Fruchtbarkeit ist die Hauptquelle des Wohlstandes der Choschuden, welche hier die Stelle der goldenen Horde eingenommen haben, so wie die Kosacken und Kirgisen die Stelle der blauen Horde (Kükü-Orda) am Jaik, wo wahrscheinlich Batu-Chan seine Tage beschloß, von dem die Sage sagt: „er starb in der nun unbekannt gewordenen Stadt Kokorda!“ Die Gegend an der Aktuba ist reich an Denkmalen der Vorzeit: Selitrenoi-Gorodok, von den Tataren Tschigit genannt, ist eine Stadt, deren Trümmer sich weit längs den Ufern des hier breiten und tiefen Flusses erstrecken. Die aus lasurblau glasirten Backsteinen gebauten und mit Mosaik bunt verzierten Reste von alten Mauern erinnern an den sarcenischen Baugeschmack, der im Orient, in Egypten und in Spanien derselbe war. Ein großes mehr als Klafter breites und über einen Schuh hohes Mauerstück, welches ein Bauer seinem Hause einverleibt hatte, enthielt auf blauem Grund eine große weiße tatarische Schrift mit allerhand Arabesken: hier sahen wir, daß die Figuren nicht in die Glasur gemalt, sondern von der Mörtelmasse des Grundes ausgeschnitten und mit ihren verschiedenen Farben eingesetzt waren. Ich verschaffte mir in Selitrenoi-Gorodok eine Menge Alterthümer [17], ein kupfernes Amulet mit magischen Charakteren, mehrere Ringsteine und geschliffene Steine (worunter ein Mokha-Stein oder Akik-Jemani mit dem mahommedanischen Spruch: es ist kein Gott, als der einige Gott), silberne und kupferne Münzen der alten Chane von Tochtocho-Chan (710 Heg.) bis Asis-Chan (766).

Die Reliquien der alten tatarisch-kaptschak’schen Hauptstadt Serag weiter oben an der Aktuba sahen wir nicht: [480] denn in dem russischen Dorfe Nikolajewsk, von wo wir rechts am Bogdoberg über die molokaner Dörfer an jenen Trümmern vorbey nach Sarepta zurückzukehren gedachten, erfuhren wir, daß unser Sarepta selbst in Trümmer verwandelt worden sey, und so hatte das Alterthümersuchen ein Ende, und wir eilten auf dem nächsten Weg nach unserer unglücklichen Heimat. Mit gepreßtem Herzen näherten wir uns der theuern Stadt; vor zwölf Tagen noch hatte sie geblüht, nun waren zwei Drittheile von ihr rauchende Schutthaufen, und die langen Schornsteine, die noch immer emporragten, stumme Zeugen der Größe der Gebäude, denen sie einst als Feuermauern gedient hatten, bezeichneten die Stätte der Verwüstung.


  1. Reise von Sarepta in verschiedene Kalmücken-Horden des astrachan’schen Gouvernements im Jahr 1823, vom 26 Mai bis 21 August neuen Stils, in Angelegenheiten der russischen Bibelgesellschaft unternommen von H. A. Zwick und J. G. Schill, und von ersterem beschrieben. Mit einer Karte. Leipzig 1827.
  2. So war es die Besorgniß, in russische Bauern verwandelt zu werden, welche bei der Eroberung der Halbinsel Krym 300,000 Tartaren zur Auswanderung veranlaßte. In der That traf die Zurückgebliebenen jenes Schicksal, d. h. sie wurden von Catharina II als glebae adscripti an russische Herren verschenkt, und damit war der Wohlstand des neuen Landes vernichtet. Man vergl. Relation d’un voyage sur le bord septentrional de la mer d’Azof et en Crimée, par le comte des Castres, Paris 1826. Die russische Regierung scheint übrigens neuerdings die Grundsätze einer weisern Politik zur Richtschnur zu nehmem.
  3. Die Verfassung der Kosaken (richtiger Kasaken) war lange Zeit beinahe ganz republikanisch. Die Kasaken vom Jaik (gegenwärtig, seit 1775, vom Ural), hatten schon lange (seit 1655) in den russischen Heeren gedient, als sie noch ihre Anführer selbst wählten und absetzten, als sie noch die peinliche Rechtspflege besaßen und ihre Angelegenheiten in allgemeinen Volksversammlungen beriethen. Der Attaman wagte nichts Bedeutendes für sich zu thun. Empfing man eine Ukase vom Czar, oder handelte es sich um eine kriegerische Unternehmung, so gab man mit der großen Glocke der Gemeinde das Zeichen zur Versammlung. Der Attaman, den großen Commandostab mit goldenem Knopf in der Hand, trat auf; sodann erschienen die Yassauls, d. h. Herolde, legten ihre Stäbe und Mützen mitten in der Versammlung nieder, sprachen ein Gebet und begrüßten den Attaman und das Volk umher. Nach dieser Ceremonie, die immer gewissenhaft beobachtet wurde, traten sie vor den Chef, empfingen seine Befehle und legten sie der Versammlung mit den Worten vor: „Hört still zu, ihr tapfern Attamannen, und du große Armee vom Jaik.“ Hatte man nun die Sache dem Volk auseinander gesetzt, so fragten sie: „Seyd ihr damit einverstanden, brave Krieger?“ Die Antwort war ja oder nein; im letztern Fall versuchte der Attaman das Volk von der Annehmbarkeit des Vorschlages zu überzeugen. Waren die Kasaken mit seinem sonstigen Benehmen zufrieden, so fanden seine Vorstellungen leicht Eingang, wo nicht, so achtete Niemand darauf und der Wille des Volks siegte. Peter I begann, Katharina II vollendete die Reform der Kasaken, welche darin bestand, daß man ihnen ihre Freiheit entzog. Coup d’oeil sur l’histoire des Casaques de l’Oural par M. de Lewchine, Conseiller de Cour de S. M. l’Empereur de Russie, im Journal Asiatique 1827.
  4. Alle Reisenden von Pallas an sprechen von dieser Gebetsformel, deren wörtliche Bedeutung niemand kennt. Turner (Ambassade au Thibet Tom. I. pag 152 fand sie auf seiner Reise durch Butan und Tibet überall in Stein und hohen Felsen mit großen Lettern eingehauen oder zusammengesetzt aus Steinen, welche so große Züge bildeten, daß die Worte nur aus der Ferne gelesen werden konnten.
  5. Dieses besteht aus hohlen hölzernen Cylindern von verschiedener Größe, mit tangud’schen Schriften angefüllt. Ein solcher Cylinder ist roth angestrichen, mit erhaben gearbeiteten vergoldeten Sanskrit-Charakteren verziert, welche gemeiniglich die obige Formel enthalten, und steckt an einer eisernen Spindel, welche durch einen vierseitigen Rahmen geht, der sich zusammen legen läßt, und im Kleinen ganz wie ein Scheerramen der Weber gestaltet ist. Auf den untern Kreuzhölzern des Rahmens befindet sich ein Grübchen, in welchem die Spindel mit den Cylindern läuft, diese wird mittelst eines an einer kurbelartigen Biegung der Spindel befestigten Riemchens in Schwung gesetzt, so daß sich der Cylinder innerhalb des Rahmens gleich einem Schleifstein, jedoch aufrecht stehend, mit der Spindel um seine Axe dreht. Der Verfasser selbst besaß zwei große Kürdus, in welchen allerhand tangud’sche Schriftblätter an einander geklebt und um die Spindel innerhalb des Cylinders aufgerollt waren, deren Länge mehrere hundert Arschinen, (die Arschine = 5/4 Ellen leipziger Maß) betrug. Ueberzeugt, daß das Geräusch der unzähligen Gebetsformeln, die man so bewegt oder vom Winde bewegen läßt, zu den Göttern gelange und Segen zurückbringe, besitzen die Mongolen durch die freilich sonderbare Erfindung des Gebetsrads eine Maschine, die, da sie das om-ma-mi-pad-mä-chum vielleicht zehntausendmal enthält, die Betkraft von eben so viel Maschinen in sich vereinigt, wodurch also das Gebet fabrikmäßig ins Große betrieben werden kann.
  6. Außer den Lamas, den Oberpriestern gibt es Priester (Gellongs), Diakone (Gezülls), Schüler (Manschi); ihre Anzahl ist bei allen Horden sehr groß. Sie leben sämmtlich im Coelibat. Das gemeine Volk hält sie für Wesen höherer Art. Ihre Bildung beschränkt sich bei den Kalmücken auf das Lesen ihrer heiligen Formeln und Schriften in tibetanischer Sprache, welche von wenigen verstanden wird.
  7. Die Kalmücken rechnen nach Buhren, d. h. Stationen eines Zugs = 20 bis 25 Wersten, oder nach Reiterstationen = 150 bis 170 Wersten oder endlich nach der Weite einer Stimme etwa = 1 Werst.
  8. Der kalmück’sche Thee wird von einer in Europa unbekannten groben Sorte chinesischen Thees bereitet, welche aus den größten Blättern und Zweigen des Theestrauchs besteht und in der Form gepreßter, sechszehn Zoll langer, acht Zoll breiter und über ein Zoll dicker Tafeln über Sibirien eingeführt wird. Von diesen Tafeln wird ein wenig mit dem Messer abgeschnitzt und in Wasser abgekocht, wozu noch Butter oder Fett von den Fettschwänzen der Schafe, etwas Salz und zuweilen auch Milch gethan wird. Ehe letztere Zuthaten in den Kessel kommen, wird mit einem an eisernem Stil befestigten Beutel in Gestalt eines Hanens der Satz des Thees herausgenommen, welcher das nächste Mal wiederum dem frischen Thee beigefügt wird. Der zubereitete Thee wird alsdann mit einem hölzernen Schöpfer aus dem Kessel geschöpft, in die hier gebräuchlichen hölzernen Schalen oder Näpfe gefüllt und so getrunken. Statt des Tschigans bedienen sich die ärmern Kalmücken des Aivacks, von Kuhmilch. Fleisch kommt fast nur in die Kessel der Reichen. Im Winter, wo die Milch mangelt, wissen sich die Kalmücken von den Wolga-Russen Mehl zu verschaffen, von welchem sie einen dünnen Brei, Bundän, kochen.
  9. Am 8, 15 und 30 des Monats haben sie Fasttage, an welchen man am meisten Musik hört.
  10. Die Gegengeschenke des Fürsten bestanden in einem Zelt, in Tschigan (bei dessen Empfang drei Schalen zu Ehren des Gebers geleert werden mußten, wollte man nicht grob seyn) und in einem Schaf. Die beiden letztern Geschenke wiederholten sich beinahe täglich.
  11. Es bestand in Zazas, das sind zierliche Thonkegel, welche die Gellongs in kupfernen Formen verfertigen.
  12. Wir sahen den Fürsten einmal schreiben. Er saß auf einem Polster an dem offenen Gitter seines Zeltes neben der Thür, das Schreiben lag auf seinem rechten Bein, und von Zeit zu Zeit tränkte er die Feder an einem in der linken Hand gehaltenen mit Tusch gefüllten Pinsel.
  13. Alle heiligen Gebäude müssen von Gellongs einzig und allein aufgeführt werden.
  14. Sie lernen gewöhnlich blos ihre Kirchensprache, und auch in Aerdänis Horde fanden wir nur Einen, der mongolisch schrieb.
  15. Das Wort Kürä bedeutet einen Bezirk, mamentlich einen Bezirk von Zelten der Geistlichkeit, welche im Kreis um die Kirchenzelte herumliegen. Die Residenz des großen Dschings-chan, unter dem Namen Karakorum bekannt, hieß ursprünglich Chara-Kürä, d. h. der Bezirk des Volks.
  16. Wahrscheinlich Bilder ihrer Bobbi-sado, d. h. Erlöser oder Heiligen, welche die schwersten Prüfungen bestanden, und sich selbst aufopferten, um den sechs Classen der Creaturen Heil zu erwerben.
  17. Ein Alabasterstein mit griechischer Inschrift, an der Aktuba gefunden, copirt und beschrieben in J. von Hammers Fundgruben ging in Sareptas Brand zu Grunde.