Die Jahreszeiten (Lavant)

Textdaten
Autor: Rudolf Lavant
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Titel: Die Jahreszeiten
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Herausgeber: Illustrierter Neue Welt-Kalender
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1895
Verlag: Auer/Hamburg und J.H.W. Dietz/Stuttgart (in Kommission)
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Erscheinungsort: Leipzig
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Die Jahreszeiten.

An dem Bach, der plätschernd fließt,
Seidenweiche Weidenkätzchen!
Gelb die erste Priemel sprießt
An geschützten, warmen Plätzchen.

5
Um den rothen Seidelbast

Schwirren kaum erwachte Hummeln,
Die sich nach der Winterrast
Doppelt ungeduldig tummeln.
Eine Amsel probt ihr Lied,

10
Schüchtern klingt es noch und leise,

Und durch’s welke, dürre Ried
Weht wie Hoffungshauch die Weise:
          Frühling! Frühling!

Kukuksruf und Wachtelschlag

15
Aus dem Korn und von der Halde

Klingt den lieben, langen Tag,
Und der Tauber girrt im Walde.
Von gesenkten Zweigen streift
Kirschen man in wenig Wochen –

20
Durch der Forste Tiefen schweift

Taktgemäß der Spechte Pochen.
Durch ein schwarzes Wolkenthor
Zuckt ein Blitz, als ob er drohe,
Und am Himmel schlägt empor

25
Eine rosenrothe Lohe:

          Sommer! Sommer!

Müde in der Straße Staub,
Braun und kraus, wie rostbefallen,
Niederrauscht das welke Laub,

30
Und die Nebel brau’n und wallen.

Wenn du Nachts im Freien lauschst,
Wirst du leisen Ohrs gewahren,
Wie es in den Lüften rauscht
Von der Wandervögel Schaaren.

35
Früchte hängen rothgewangt

In dem lichtgeword’nen Laube,
Und in duft’ger Bläue prangt
Am Spalier die Edeltraube!
          Herbstestage!

40
Ueber weiße Breiten fegt

Ungestüm des Ostwinds Schnauben,
Auf die Lattenköpfe legt
Sich’s wie zierlich-runde Hauben;
Leise murrend rinnt der Bach

45
Unter’m Joch auf seinem Nacken,

Und der Hütte nied‘res Dach
Schmückt sich mit krystall’nen Zacken.
Weg und Stege sind verweht
Von dem flockigen Gewimmel,

50
Und in blut’ger Röthe steht

Fremd und groß der Mond am Himmel!
          Winter! Winter!

Wenn du nach den Reizen gehst,
Die sich lächelnd dir entschleiern,

55
Wenn du jeden Laut verstehst,

Wirst du täglich Feste feiern.
Sei dir noch so trüb‘ zu Muth –
Tröste dich vor diesem Bilde!
Die Natur ist still und gut

60
Und von mütterlicher Milde.

So – jedoch auch so nur! - hast
Du dein Leben voll genossen,
Wenn sich einst zu ew’ger Rast
Deine Lider müd‘ geschlossen.

65
          Das bedenke!

                                                       R.L.