Textdaten
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Autor: Friedrich Gottschalck
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Titel: Die Glocke im Opferteiche
Untertitel:
aus: Die Sagen und Volksmährchen der Deutschen, S. 48-50
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1814
Verlag: Hemmerde und Schwetschke
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Erscheinungsort: Halle
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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Die Glocke im Opferteiche.

Dicht an Moringen, einem Städtchen bei Göttingen, liegt das Oberdorf Moringen. Da findet man in einem Garten einen Teich, der Opferteich genannt. In frühen Zeiten wurde in seiner Nähe, auf dem Mallo oder Gerichtsplatze, unter großen Eichen Gericht gehalten, und die Tradition sagt, daß er von den Opfern, die nach geschlossenem Gericht gebracht wären, wobei man sich seines Wassers bediente, den Namen erhalten habe. Neben ihm stand sonst ein Tempelherrenkloster, wovon noch Ueberbleibsel da sind, und etwas weiterhin steht eine Kirche, die schon unter Ludwig dem Frommen erbaut seyn soll, zum Kloster gehörte, und jetzt die Filialkirche des Orts ist. Der Teich ist sehr tief, hat gar keinen sichtbaren Zufluß, aber so reichliche unterirdische Quellen, daß sein sehr klares und eben so kaltes Wasser gleich beim Ausflusse zwei Mühlen treibt.

Von ihm erzählt man, daß es jährlich, in der Weihnachtsnacht von zwölf bis ein Uhr, in seiner Tiefe läute.

Die Mönche des erwähnten Klosters hatten nämlich einmal eine neue Glocke gießen und in dem noch stehenden Kirchthurme aufhängen lassen. Sie vergaßen aber, der Gewohnheit gemäß, sie vor dem Gebrauche zum Gottesdienste einzusegnen und zu taufen. Nun wollten sie sie zum ersten Male in der heiligen Weihnachtsnacht zur Christmesse gebrauchen. Aber kaum war sie in Schwung gesetzt und hatte einige Male getönt, als sie durch eine wunderbare Kraft losgerissen wurde, zum Schallloche des Thurmes hinaus, über das Kloster hin flog, und in den Opferteich fiel.

Da liegt sie nun tief unten. In jeder Weihnachtsnacht aber hebt sie sich in die Höhe, läutet, und sinkt dann wieder unter.

Seit der Zeit ist auch der Gottesdienst in der Kirche in Verfall gerathen und das Tempelherrenkoster aufgehoben worden. Auch kann ihrentwegen kein Fisch in dem Teiche leben.

Bei hellem Wetter haben Einige die Glocke in der Tiefe des Wassers liegen sehen; auch kann man noch an der Seite des Schallloches die Spuren ihres heftigen Durchflugs bemerken.

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Aus handschriftlichen Mittheilungen aus der Gegend von Moringen.