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Autor: Verschiedene
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Titel: Die Gartenlaube
Untertitel: Illustrirtes Familienblatt
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Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Entstehungsdatum: 1857
Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Die Gartenlaube (1857) 325.jpg
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[325]

No. 24. 1857.
Die Gartenlaube.
Illustrirtes Familienblatt. – Verantwortl. Redacteure F. Stolle u. A. Diezmann.

Wöchentlich 11/2 bis 2 Bogen.   Durch alle Buchhandlungen und Postämter vierteljährlich für 15 Ngr. zu beziehen.


Eine Lebens-Versicherung.
Aus den Papieren eines Berliner Advocaten.
(Fortsetzung.)

Es war ein heißer Augusttag, und die Sonne brannte trotz der frühen Morgenstunde und ungeachtet des gestrigen Gewitters mit jener Intensität, die den schnell vorüber fliehenden Sommern der nördlichen Breitengrade eigen ist. Die Wohnung des Kriegsraths lag ziemlich entfernt von der meinigen. Es war etwa zehn Uhr, als wir ankamen. Im Hausflur trafen wir bereits die amtlichen Personen, welche eben angekommen waren. Es hatten sich außer dem Polizei-Commissarius der Untersuchungsrichter mit einem Protokollführer, der Staatsanwalt und das gerichtsärztliche Personal (der Physicus mit seinem Assistenten) eingefunden. Wir schlossen uns ihnen an, und betraten gemeinschaftlich den Flur der zweiten Etage, in welchem die Wohnung des Kriegsraths lag. Die vor die Eingangsthür postirte Wache hatte ihren Posten nicht einen Augenblick verlassen, die angelegten Siegel waren unverletzt.

Wir traten in einen kleinen schmalen Corridor, in welchem nach vorn heraus eine zweifenstrige Wohnstube und ein einfenstriges Schlafzimmer lagen; nach dem Hofe gelegen befand sich ein von dem Kriegsrath zum Studiren und zur Aufstellung seiner ansehnlichen Büchersammlung benutztes Arbeitszimmer; dahinter eine kleine Küche nebst einem kleinen Verschlage. Eine zweite Treppe führte nicht zur Wohnung. Vom Corridor aus führten zwei Eingänge zu den geschilderten Wohnungsräumen; eine Thür ging nach dem zweifenstrigen Vorderzimmer, die zweite nach der Hinterstube. Die einzelnen Wohnungsräume communicirten unter sich durchgängig durch Thüren. – Im Erdgeschoß des Hauses befand sich ein Laden und die Werkstatt eines Korbmachers; den ersten Stock bewohnte eine ältliche unverheirathete kranke Dame mit ihrem Dienstmädchen; eine kleine Dachwohnung über dem Kriegsrath hatte eine Arbeitsfrau mit ihrem halberwachsenen Knaben inne, der jedoch vor Kurzem gestorben war. Das Haus wurde regelmäßig vom Wächter um zehn Uhr Abends, und nur in den beiden Sommermonaten Juni und Juli um elf Uhr verschlossen, und der Verschluß allstündlich revidirt.

Ich schicke diese Details voran, um den weiteren Gang der Erzählung nicht später wieder zu unterbrechen, denn über die mitgetheilten Einzelnheiten informirten wir uns später, nach Besichtigung der Leiche.

Wir traten durch das Wohnzimmer in das Schlafgemach des Kriegsraths, ein. Wie der Agent erzählt hatte, fanden wir ihn in der Lage und mit dem Ausdruck eines ruhig Schlafenden in seinem Feldbette liegend.

Die erste Frage des Physicus war:

„Wer hat das Fenster geöffnet?“

„Es war geöffnet, als wir die Wohnung betraten,“ antwortete der Commissarius.

Das Fenster wurde genau besichtigt, ebenso das Fensterbret, die äußere und innere Mauerbekleidung, welche jedoch nirgends etwas Auffälliges erkennen ließen. Der Physicus hatte sich inzwischen mit der Leiche beschäftigt; der äußere Befund entsprach vollkommen der Schilderung, welche der Agent gemacht hatte. Nicht das Mindeste deutete darauf hin, daß die Einwirkung einer äußern Gewalt den Tod herbeigeführt haben könne. Der Hals war frei und zeigte keine Spuren irgend einer Sagillation oder Hautverletzung. Ebenso verhielt es sich mit dem ganzen übrigen Körper. Der Mund war geschlossen, die Zungenspitze lag hinter den Zähnen, die Augäpfel waren nicht aus ihrer Höhle hervorgetreten. Die bläuliche Färbung des Gesichts war deutlich wahrzunehmen.

„Der Tod ist unzweifelhaft erfolgt,“ erklärte der Physicus, nachdem er die genaueste Untersuchung des Leichnams vorgenommen hatte, „und zwar mindestens bereits vor mehreren Stunden. Es fragt sich, ob wir sofort zur Section des Leichnams schreiten?“

Der Untersuchungsrichter sann einen Augenblick nach.

„Haben Sie die Aufwärterin bestellt?“ fragte er den Commissarius.

„Sie ist unten,“ antwortete der Polizeibeamte.

„Ist zur Frau des Verstorbenen geschickt?“

„Unmittelbar, nachdem ich die Anweisung erhalten hatte. Ich habe den Secretair angewiesen, sich eines Wagens zu bedienen, er muß mit der Frau bald erscheinen.“

In dem nämlichen Augenblick hörten wir einen Wagen vorfahren.

„Das ist sie!“ rief der Commissar, der an’s Fenster gegangen war.

Der Untersuchungsrichter trat aus dem Schlafzimmer, in welchem die Leiche lag, in das anstoßende, nach vorn gelegene Gemach und trat von hier aus der Frau des Verstorbenen entgegen. Ich hatte sie bereits vom Fenster aus betrachtet. Eine zarte schmächtige Frauengestalt mit feinen leidenden Gesichtszügen, trotz des vorgerückten Alters und des mit Grau untermischten Haupthaares Spuren früherer Schönheit verrathend. Sie stieg schwankend aus dem Wagen und mußte sich einen Augenblick am Wagenschlage festhalten; dann schritt sie hastig in das Haus.

Der Untersuchungsrichter hatte die Thür zu dem Zimmer, in welchem wir uns befanden, nur angelehnt; ich stand so, daß ich Frau von P. sehen und das ganze Gespräch mit anhören konnte.

[326] „Wir haben Sie um eines traurigen Anlasses willen hierher bemühen müssen, gnädige Frau,“ redete der Richter sie an, „ich bitte, fassen Sie sich und suchen Sie das Unabänderliche mit Geduld zu tragen.“

Sie hatte die Hände in einander gefaltet und stand im starren Ausdruck schmerzlicher Betäubung vor ihm, ohne zu sprechen. Er schob ihr einen Armsessel hin und nöthigte sie, sich niederzulassen.

„Sie leben schon seit längerer Zeit von Ihrem verstorbenen Gemahl getrennt?“ fragte er.

Sie antwortete mit einem leisen Stöhnen.

„Wie lange ist es her, daß Sie einander zuletzt sahen?“

Ein Thränenstrom brach unaufhaltsam hervor, ihre Antwort wurde durch heftiges Schluchzen erstickt.

Der Richter trat, selbst ergriffen von dem Ausdruck des unbezwingbaren Schmerzes, zurück, um ihr Zeit zur Sammlung zu gönnen. Sie suchte sich zu bezwingen, das Schluchzen hörte auf, aber ihre Thränen flossen leise die blassen Wangen hinunter, auf die schmalen feinen Hände, welche gefaltet in ihrem Schoße lagen.

Aber die Zeit drängte und der Richter trat wieder zu ihr.

„Vermögen Sie uns, gnädige Frau, irgend welche Auskunft über die letzten Lebenstage des Verstorbenen zu geben?“

„Ich habe ihn seit sechs Jahren nicht gesprochen,“ antwortete sie mit gebrochener Stimme.

Der Richter stand von weiteren Fragen ab.

„Wünschen Sie Ihren Gatten zu sehen, so bitte ich Sie, einzutreten.“

Sie erhob sich, blieb aber unschlüssig stehen.

„Wir werden genöthigt sein, zur Section zu schreiten, und der Anblick möchte später allzu schmerzlich für Ihr Gefühl werden.“

Ihren Körper durchzuckte ein leises Frösteln, sie zitterte – trat mit einer raschen Bewegung in das Schlafzimmer und direct auf die Leiche zu. Zu Häupten des Bettes sank sie auf die Kniee, ohne die Leiche zu berühren, und weinte still, während der innere Schmerz sichtlich ihren Körper durchzuckte. Wir waren an das Fenster getreten, um den letzten Abschied der Ehegatten nicht zu stören. Der Physicus näherte sich dem Richter.

„Ich muß ihr einige Fragen vorlegen,“ sagte er leise.

Der Richter nickte zustimmend. Der Arzt trat zur Wittwe.

„Hat Ihr verstorbener Gemahl früher jemals einen Schlaganfall gehabt?“

„Niemals.“

„Hat er an Schwindel, heftigem Blutandrang nach dem Kopf gelitten?“

„Ich habe es niemals wahrgenommen; er war nie krank.“

„So hat er wohl auch keinen Arzt gehabt?“

„Nein.“

„Hatte der Verstorbene Neigung zu geistigen Getränken, zu starkem Kaffee?“

„Er trank fast ausschließlich Wasser; nur einmal des Tages, am Nachmittag, trank er eine Tasse schwarzen Kaffee.“

Der Arzt trat wieder zum Richter; beide sprachen leise mit einander.

„Ich werde Sie bitten müssen, gnädige Frau,“ wandte der Richter sich wieder zur Wittwe, „im Nebenzimmer zu verweilen und, so schmerzlich es auch für Sie sein mag, uns vorläufig nicht zu verlassen, damit ich, im Falle es erforderlich werden sollte, mir noch einige anderweite Auskunft von Ihnen erbitten kann.“

Sie hatte sich schon während des Gesprächs mit dem Arzte erhoben. Sie warf einen Blick trostlosen Schmerzes auf die Leiche, machte eine Bewegung, als wollte sie die an der Seite herabhängende Hand fassen – trat aber sogleich wieder zurück, und verließ mit verhülltem Antlitz das Zimmer.

Der Untersuchungsrichter vernahm die Aufwärterin; sie wußte nichts Mehreres zu bekunden, als was sie bereits vor dem Commissarius ausgesagt hatte. Seit fünf Jahren besorgte sie die Aufwartung des Verstorbenen, niemals war er krank gewesen. Er hatte bald nach seinem Einzuge in die Wohnung einen Klingelzug von seinem Schlafzimmer nach der Wohnstube der Aufwärterin anbringen lassen. Dieser Drahtzug ging längs der Hinterwand des Hauses über den Hof zu dem Nachbargrundstücke, in welchem die Frau wohnte. Der Verstorbene hatte diesen Klingelzug niemals anders als am Tage benutzt, um seine Bedienung zu irgend einer Dienstleistung herbeizurufen, welche gewöhnlich nur in dem Besorgen frischen Wassers bestand. Die Zuverlässigkeit der Frau unterlag nicht dem mindesten Bedenken; sie machte den Eindruck einer durchaus rechtschaffenen Person, welcher der plötzliche Tod ihres Herrn, wie sie ihn nannte, zu aufrichtiger Betrübniß gereichte.

Ihr Mann war der Nachtwächter des Reviers; auch dieser wurde vernommen, und vermochte nichts Verdächtiges zu bekunden. Er hatte das Haus wie gewöhnlich um zehn Uhr geschlossen, und den Verschluß während der ganzen Nacht in Ordnung gefunden. Um zehn Ubr, erinnerte er sich, in dem Schlafzimmer des Kriegsraths noch Licht gesehen zu haben; später jedoch nicht mehr. Die Hausbewohner vermochten nichts zu bekunden, was einen Anhalt zu Verdachtsgründen gab. Das Dienstmädchen der kranken Dame im ersten Stock hatte den Kriegsrath Abends nach neun Uhr die Treppe heraufkommen sehen; es war ihr keine Veränderung an ihm aufgefallen, nur habe es ihr geschienen, als ginge er langsamer wie sost. Die Dame, eine Person von großer nervöser Reizbarkeit, welche in dem unter dem Hinterzimmer des Kriegsraths liegenden Zimmer schlief, wollte in der Frühe des Morgens, etwa zwischen drei und vier Uhr, ein Geräusch in der Wohnung über ihr gehört haben, etwa wie das geräuschvolle Oeffnen oder Zuschlagen einer Thür oder eines Fensters.

Das war Alles.

Der Untersuchungsrichter befragte die Aufwärterin, ob sie irgend etwas von den Sachen des Verstorbenen vermisse. Sie verneinte die Frage. Ob sie aus irgend einer Spur zu erkennen vermöge, daß während der Nacht eine fremde Person im Zimmer gewesen sei? – Sie ließ ihre Augen mit dem Blicke einer auf ihre Sauberkeit stolzen Dienerin überall im Zimmer umhergleiten, – es war Alles blank und rein; die Scheiben blitzten spiegelhell, die Messinggriffe an Fenster und Thür funkelten in tadelloser Reinheit – aber, wie kommt dieser unsaubere Fleck auf die eine der sonst so weißen Ofenkacheln? Sie betrachtete ihn stutzend, – das sei sie vom Herrn sonst nicht gewöhnt, bemerkte sie, der Fleck sehe aus, als rühre er von einer rußigen Hand her, und niemals habe sie auch nur den kleinsten Schmutzfleck an den Händen ihres Herrn bemerkt.

Auch wir betrachteten den Fleck aufmerksamer. Es war aber für uns nichts besonders Auffallendes darin zu finden. Die Messingthür des Ofens stand auf, eben so war die Klappe geöffnet, im Ofen selbst waren weder Kohlen noch Asche. Die Frau wurde befragt, ob die Ofenthür gewöhnlich offen stehe. Sie antwortete, daß sie dies mitunter bemerkt habe, wenn der Kriegsrath zur Abkühlung der heißen Temperatur Luftzug habe machen wollen. Aber, fügte sie hinzu, niemals ist es mir vorgekommen, daß er die Ofenkacheln schmutzig gemacht hätte, das lag gar nicht in ihm. Ebenso bejahte sie die Frage, ob der Verstorbene mitunter bei offenen Fenstern geschlafen habe, doch bemerkte sie auch jetzt Spuren von Unsauberkeit an dem Messingknopf des einen Fensterwirbels und auf der einen Scheibe daneben.

„Werden wir die Obduction auf die bloße äußere Besichtigung beschränken, oder wird die Section erforderlich sein?“ fragte der Physicus den Untersuchungsrichter.

Dieser schien unschlüssig.

„Ich muß bekennen,“ erwiderte er, „daß ich von meinem Standpunkte die Section nicht für nothwendig erachten kann, da kein noch so entfernter Grad von Wahrscheinlichkeit dafür spricht, daß dieser Fall ein weiteres strafrechtliches Verfahren zur Folge haben wird. Sind Sie anderer Meinung?“

„Es ist schwierig für mich, darauf zu antworten. Um mich des banalen technischen Ausdrucks zu bedienen, „fehlen Spuren äußerer Gewalt“, indessen ist damit noch kein Beweis dafür gewonnen, daß der Tod nicht dennoch ein unnatürlicher, beispielsweise durch Vergiftung herbeigeführter gewesen ist.“

Der Staatsanwalt, der sich bisher schweigend verhalten hatte, wandte sich seinerseits zum Physicus.

„Was würden Sie unter gewöhnlichen Verhältnissen, d. h. ohne daß der Fall gerade zu Ihrer gerichtsärztlichen Cognition gekommen wäre, für die wahrscheinliche Todesursache halten?“

„Wenn ich davon ausgehe,“ antwortete der Arzt, „daß kein Anlaß vorliegt, eine gewaltsame Todesart zu vermuthen, so würde ich annehmen, daß der Tod in dem vorliegenden Falle ein neuroparalytischer oder hyperämischer war; oder um mich verständlicher auszudrücken, daß die Todesursache entweder ein Nervenschlag oder ein Schlagfluß gewesen ist.“

Der Staatsanwalt wandte sich jetzt an den Agenten.

[327] „Sie sind erheblich bei der Constatirung der Todesursache interessirt?“

„In hohem Grade,“ erwiderte dieser. „Ich maße mir nicht an, Ihrem Urtheil vorgreifen zu wollen, aber ich kann nicht umhin, darauf aufmerksam zu machen, daß der Todesfall doch manches Verdächtige hat, Was meine Gesellschaftsverwaltung in jedem Falle bestimmen muß, die Sache bis zur vollkommensten Evidenz zu verfolgen. Ich spreche nicht von den sonderbaren Flecken am Ofen und dem Fenster, auf welche die Aufwärterin aufmerksam machte, obgleich sie doch immer beachtenswerthe Anzeichen bleiben, eben so wie das Geräusch, welches die Bewohnerin des ersten Stockwerks gehört hat. Aber daß ein bis zum letzten Tage kerngesunder, mäßig und eingezogen lebender Mann, vier Monate nachdem er sein Leben zu einem Betrage von mehr als 20,000 Thaler versichert hat, plötzlich am Schlagfluß stirbt, ohne auch nur den geringsten apoplektischen Habitus verrathen zu haben, das ist jedenfalls so befremdlich, daß ich mich, nach den mancherlei seltsamen Erfahrungen, die wir gemacht haben, der Ueberzeugung nicht erwehren kann, es liege hier ein Fall der Selbstentleibung vor.“

Der Staatsanwalt conferirte leise mit dem Untersuchungsrichter. Beide traten in das Wohnzimmer zur Wittwe. Das Gespräch betraf die Vermögens- und Erbschaftsverhältnisse. Frau von P. erklärte, daß sie sich mit ihrem verstorbenen Gatten in Betreff aller vermögensrechtlichen Beziehungen auseinander gesetzt habe, daß sie keinen Erbanspruch geltend machen werde, eben so wenig wie einen Anspruch auf den Betrag der Lebensversicherung, von der ihr die Herren Mittheilung gemacht hätten. Ob der Verstorbene ein Testament errichtet habe, wisse sie nicht. Keinesfalls sei dies zu ihren Gunsten geschehen, und in jedem Falle würde sie eine solche Zuwendung von Todeswegen ausschlagen.

Sie sprach das Alles im Tone einer eben so bestimmten als schmerzlichen Resignation.

Die beiden Herren waren wieder eingetreten.

„Wir werden uns jedenfalls für heute auf die bloße äußere Besichtigung beschränken müssen,“ sprach der Untersuchungsrichter zum Physicus, „da die gesetzliche Frist von 24 Stunden, nach welchen erst zur Section geschritten werden darf, jedenfalls noch nicht abgelaufen ist. Inzwischen wird Zeit genug zur Erwägung bleiben, ob die Section morgen vorzunehmen ist oder nicht. Wir werden, glaube ich, Frau von P. entlassen können, da es auf ihre fernere Vernehmung wohl nicht mehr ankommen wird,“ bemerkte der Untersuchungsrichter zum Staatsanwalt gewendet.

Der Staatsanwalt hatte nichts dagegen einzuwenden. Der Actuar hatte über den bisherigen Gang der Verhandlung inzwischen das Protokoll aufgenommen; er las die betreffende Stelle, welche sich auf die Vernehmung der Wittwe bezog, derselben vor, und sie unterzeichnete, ohne daß sie die Kraft zu haben schien, dem ihr Vorgelesenen aufmerksam zu folgen. Wieder ging das leise Zittern durch ihren Körper, als die eintönige und klanglose Stimme des Actuars ihr die schmerzliche Geschichte ihrer Entfremdung zum Ehegatten vorlas, es lag eine ganze Welt voll Schmerzen hinter diesem unausgesprochenen Weh.

Der Untersuchungsrichter und der Staatsanwalt geleiteten sie mit achtungsvoller Rücksicht – sie lehnte es ab, bei der Inventur und Siegelung des Nachlasses zugegen zu sein, sie bemerkte nur, daß ein vertrauter Freund des Verstorbenen, den sie benachrichtigen wolle, für das Leichenbegängniß Sorge tragen werde. Man hatte einen Miethswagen für sie holen lassen, sie dankte mit kaum merkbarem Neigen des Hauptes und verließ mit schwankenden Schritten die Behausung des Todes.

Ich war lange mit mir uneins gewesen, ob ich mein gestriges Begegniß mit dem Verstorbenen dem Richter mittheilen sollte oder nicht. Von Erheblichkeit konnte meine Aussage in keinem Falle sein, und rücksichtlich des Zusammentreffens während des Gewitters vermochte ich übrigens nur eine Vermuthung, keine Gewißheit zu bekunden. Dennoch hielt ich es für das Richtigere, dem Untersuchungsrichter alles, was ich wußte, mitzutheilen. Er hörte mir aufmerksam zu, noch aufmerksamer der Agent. Aber ich konnte weder mit Bestimmtheit behaupten, den Kriegsrath wirklich erkannt zu haben, noch wußte ich irgend etwas Näheres über die Person zu bekunden, mit welcher der Kriegsrath, wenn er es wirklich gewesen, das Gespräch geführt hatte.

Damit schloß die Verhandlung. Das Resultat der stattgehabten Erörterungen hatte Niemanden befriedigt. Die zur Sprache gekommenen Einzelheiten waren alle nicht gewichtig genug, einen bestimmten Verdacht zu begründen, andererseits ließen sie Zweifel über die Unverfänglichkeit des ganzen Vorfalls zurück, welche beim Mangel jedes positiven Anhalts vielleicht niemals aufgeklärt werden konnten. Für den Criminalrichter hatte die Frage, ob der Fall einer Selbstentleibung vorliege, ein nur untergeordnetes Interesse, für den Agenten concentrirte sich grade in dieser Frage sein ganzer Antheil an der Untersuchung. Wie aber die Sache lag, kam es zunächst auf die Feststellung der Todesursache des Verstorbenen an, sodann, falls eine unnatürliche Todesart vorlag, mußten die weiteren Nachforschungen von dem Gesichtspunkte aus geleitet werden, wem aus der Tödtung oder Selbstentleibung ein Vortheil erwuchs.

Zu diesem Behufe wurde die legale Section für den folgenden Tag angeordnet und die Thätigkeit des Gerichtspersonals beschränkte sich für heute nur noch darauf, eine allgemeine Uebersicht über die Gegenstände des Nachlasses zu gewinnen, und den Bestand desselben vorläufig festzustellen. Die auf dem Nachttischchen befindliche Börse enthielt nur einige Goldstücke, darunter einen Napoleond’or; außerdem wurde kein Geld gefunden, eben so wenig geldwerthe Papiere. Ein kleiner Kasten von Rosenholz enthielt die Aufschrift: „Documente“. Es fanden sich darunter die auf die persönlichen und Amtsverhältnisse des Verstorbenen bezüglichen Papiere, jedoch keine Notiz über ein etwa errichtetes Testament noch weniger ein Recognitionsschein über die Niederlegung desselben. Alle Papiere waren in der größten Ordnung, sorgfältig gesichtet und in besondern Fächern mit Etiquetten aufbewahrt. Meist waren es Manuscripte mathematischen Inhalts; ein größerer Band enthielt Materialien zu einer „allgemeinen Kriegsgeschichte“, ein anderes Manuscript bezog sich auf die Kunst des Schachspiels. Von Correspondenzen wurde nichts vorgefunden. Die Bibliothek bestand größtentheils aus kriegswissenschaftlichen, mathemathischen und einer kleinen Sammlung schönwissenschaftlicher Werke. Eine große Mappe enthielt Schlachtenpläne. Das Wirthschaftsgeräth war sehr einfach, von Silbergeschirr nur sehr wenig vorhanden. Eben so bescheiden war die Garderobe des Verstorbenen.

Die Aufwärterin war bei dem Gange durch die Wohnungsräume mit zugegen gewesen. Als wir wieder in das Schlafzimmer kamen, trat sie nochmals zum Bette des Verstorbenen und stutzte plötzlich.

„Haben Sie etwas Auffallendes bemerkt?“ fragte sie der Staatsanwalt.

„Ich weiß nicht,“ erwiderte sie, „was die Herren davon denken werden, allein wenn Sie, wie ich, den seligen Herrn Kriegsrath gekannt hätten, so würden Sie sich am Ende auch wundern wie ich. Er war in allen Dingen so pünktlich und regelmäßig…“

„Sprechen Sie,“ drängte der Staatsanwalt, „es ist mitunter auch das Kleinste von Wichtigkeit.“

„Ja, sehen Sie, meine Herren,“ sagte die gute Frau zögernd, „ich habe seit fünf Jahren immer die Wäsche des seligen Herrn besorgt und ihm immer Alles herausgelegt, was er brauchte. Alle Sonnabend Abend legte ich ihm frische Nachtwäsche auf sein Bett; das war so regelmäßig, wie Amen in der Kirche, und nie hat er mitten in der Woche welche verlangt, oder selbst genommen, Und jetzt sehe ich, daß er gestern, als wie Dienstag, ein frisches Nachthemd angezogen hat, obgleich ich ihm, wie immer, am vergangener Sonntag ein reines Herausgelegt hatte.“

Es war richtig, wie die Aufwärterin sagte, denn ein wenig benutztes Nachthemde fand sich am Kopfende des Bettes vor. Aber auch dieser Umstand warf kein weiteres Licht auf die Sache und schien nur geeignet, die Spannung der Betheiligten in Athem zu erhalten.

Wir verließen die Wohnung, nachdem auf Anordnung des Physicus Vorsorge getroffen war, durch geeignete Mittel der weiteren Zerstörung der Leiche vorzubeugen. Die Wohnungsräume wurden wieder versiegelt und unter Bewachung gestellt.

Am folgenden Tage fand die Section des Leichnams statt. Keines der inneren Organe zeigte die mindeste Verletzung. Das rechte Herz war ziemlich stark mit dunkelfarbigem Blute gefüllt das linke dagegen fast leer; die Luftröhre hatte bereits die braun-rothe Farbe des Verwesungsstadiums angenommen, welches den angewendeten Maßregeln ungeachtet nicht aufzuhalten gewesen war. Der übrige Befund war vollkommen normal, der Magen fast ganz leer, die Magenfläche selbst zeigte ebenfalls nichts Abnormes. Es [328] fand sich somit kein Anhalt für eine andere Vermuthung, als die, daß der Tod des Kriegsraths die Folge einer Lungenlähmung gewesen sei, und der Physicus faßte sein in negativer Form abgegebenes vorläufiges Gutachten dahin ab, daß kein Grund vorhanden sei, eine ausgeübte Gewalt als Todesursache anzunehmen, daß auch nichts für die Annahme einer Selbstentleibung spräche. Nichts desto weniger wurden der Magen, die Speiseröhre u. s. w. den Gerichtsärzten unter Beobachtung der gesetzlichen Förmlichkeiten zur chemischen Untersuchung eingehändigt, ob vielleicht eine Vergiftung stattgefunden habe.

Von der Gerichtsbehörde war gleichzeitig die amtliche Auskunft ertheilt worden, daß der Verstorbene kein Testament bei dem Gerichte niedergelegt habe.

Zu wessen Gunsten war demnach sein Leben versichert worden, da seine Ehefrau einen Anspruch auf diese Summe weder haben sollte noch wollte, und ein Testament, wie der Verstorbene gegen den Agenten bemerkt hatte, nicht errichtet war? Die Police lautete ausdrücklich „zahlbar an die in meinem nach Landesgesetzen rechtsgültig errichteten Testamente benannte Person oder deren gesetzliche Erben.“

Als die Deputation des Gerichts mit dem ärztlichen Personal die Sterbewohnung eben verlassen wollte, trat ein Herr ein, den ich sofort als den früheren Begleiter des Verstorbenen bei dessen Spaziergängen und Schachpartien erkannte. Er stellte sich dem Beamten in sichtlicher Bewegung als einen Freund und ehemaligen Kameraden des Verstorbenen vor und bezog sich auf einen Brief der Wittwe, Inhalts dessen er um den Liebesdienst ersucht wurde, sich den Anordnungen für ein angemessenes Leichenbegängniß zu unterziehen. Der Staatsanwalt, welcher gleichfalls zugegen war, begrüßte den Eingetretenen als einen Bekannten und stellte ihn als den Major von Sebald vor.

Man trat wieder in das Schlafzimmer. Der alte Soldat ging auf die Leiche seines verstorbenen Kameraden zu, an welchen, die Spuren der vorgenommenen Section kunstgerecht beseitigt waren. Er faßte seine rechte Hand, legte die eigene Linke auf das Haupt des Entschlafenen, und zwei große Thränen rannen die gebräunte Wange hinab in den grauen Schnurrbart.

„Er war mein einziger wahrer Freund,“ sprach er, zu uns gewendet, „ich war ihm um ein Dutzend Jahre in der Anciennetät überlegen, und nun ist er heimlich vor mir zur großen Armee ausgerückt!“

Wir waren alle von dem treuherzigen Ausdruck soldatischen Schmerzes ergriffen. Der Staatsanwalt entfernte den Major von der Leiche, und setzte ihm die Lage der Sache auseinander, die einzelnen Verdachtsmomente, die Höhe der genommenen Lebensversicherung, den Mangel einer letztwilligen Verordnung. Er schloß mit der Frage, ob der Major irgend eine Vermuthung über den Zusammenhang dieser Dinge habe.

Der Major war betroffen, konnte aber keine Auskunft geben. In ihrem langjährigen persönlichen Verkehr sei niemals die Rede auf die häuslichen und noch weniger die Vermögensverhältnisse gekommen. Er habe gewußt, daß die Erörterung derartiger Angelegenheiten seinem Freunde peinlich sei, und es sich deshalb zum unverbrüchlichen Grundsatz gemacht, in diesen Punkten die äußerste Discretion zu beobachten. Er wisse heute noch nicht, ob sein verstorbener Kamerad arm oder reich gewesen sei, ihr beiderseitiger Verkehr habe auf einer andern Grundlage beruht, als auf äußerlichen Beziehungen.

Also auch von dieser Seite her war keine Aufklärung zu hoffen. Man schickte sich an, das Haus zusammen zu verlassen.

„Darf ich mir eine Bitte gestatten?“ fragte der Major, bereits an der Thür.

Der Untersuchungsrichter erklärte seine Bereitwilligkeit.

„Ich wünsche das silberne Schachspiel des Verewigten aus der Nachlaßmasse zu erwerben,“ bemerkte der Major, „es knüpfen sich daran Erinnerungen an viele gemeinsam verlebte Stunden, und ich möchte nicht, daß es in fremde, gleichgültige Hände kommt.“

„Hat der Verstorbene ein silbernes Schachspiel besessen?“ fragte der Richter, aufmerksam geworden.

„Allerdings,“ lautete die Antwort, „ich habe es noch am Tage vor seinem Tode bei ihm gesehen.“

„Wo pflegte er es aufzubewahren?“

„Es stand regelmäßig auf diesem kleinen Tischchen hier, dessen untere Klappe, wie Sie bemerken werden, aufzuschlagen geht, und so ein Schachbret bildet.“

Die Beamten sahen sich stutzig an.

„Können Sie uns die Stunde mit Gewißheit angeben, zu welcher Sie das Schachspiel zuletzt gesehen haben?“

„Ganz genau. Wir haben am Dienstag Mittag, also an seinem Todestage, bis ein Uhr noch damit Schach gezogen.“

„Halten Sie es für unwahrscheinlich, daß der Verstorbene das Schachspiel – vielleicht in einer momentanen Verlegenheit – veräußert oder verpfändet habe?“

„Meine Herren, ich halte es geradezu für undenkbar; außerdem besaß der Kriegsrath an seinem Todestage noch eine ansehnliche Geldsumme, die ich selbst in seiner Börse gesehen habe.“

„Können Sie uns den ungefähren Betrag angeben?“

„Es mögen zehn bis zwölf Louisd’or, und eben so viel Ein- und Zweithalerstücke nebst mancherlei Kleingeld gewesen sein.“

„Es ist durchaus keine Silbermünze im Nachlaß des Verstorbenen vorgefunden worden, am allerwenigsten in seiner Geldbörse.“

„Auch nicht der durchlöcherte brabanter Kronthaler und der Sterbethaler mit dem Datum des Todestages Friedrichs des Großen?“

„Auch dieser nicht.“

Der Major stand von höchstem Erstaunen ergriffen da. Auch der Gerichtspersonen hatte sich eine lebhafte Spannung bemächtigt.

„Wollen die Herren mir gestatten, eine Meinung zu äußern?“ nahm nach einer Pause der Major wieder das Wort.

„Bitte, sagen Sie uns unumwunden Alles, was Sie vermuthen.“

„Nun denn, was ich vermuthe,“ sprach der Major mit Nachdruck, „ist, daß mein verstorbener Kamerad sich freiwillig weder des silbernen Schachspiels, noch der beiden Silbermünzen entäußert hat, sondern –“

„Nun?“

„– daß er beraubt worden ist.“

Hatten schon die bisher zur Sprache gekommenen mancherlei Anzeichen die Beamten bedenklich gemacht, so war die bestimmte und mit überzeugender Klarheit abgegebene Erklärung des Majors vollends geeignet, dem einmal angeregten Verdacht neue Nahrung zu geben. Hier lag endlich ein positiver Anhaltspunkt vor, an den weitere Nachforschungen geknüpft werden konnten. Diese mußten sodann zu weiteren Entdeckungen führen, durch welche allein es möglich wurde, alles Geheimnißvolle in dem ganzen Vorgänge aufzuklären.

Der Major gab seine Aussage zu Protokoll, wiederholte alle einzelnen Umstände seiner Wahrnehmungen mit der größten Genauigkeit und beschwor seine Aussage. Jetzt ging man auch darauf zurück, in welchem Zustande man die Börse des Kriegsraths vorgefunden hatte. Von dem Polizeibeamten war sie nicht angerührt worden, derselbe hatte sich nur durch den äußern Anschein überzeugt, daß sie Geld enthielt. Die erste Person, welche sie in die Hand genommen, war der Untersuchungsrichter gewesen. Die Börse war von grüner Seide gehäkelt und mit zwei stählernen Ringen versehen. Das eine Ende der Börse war leer, der Ring weit zurückgeschoben; auf der andern Seite befanden sich sechs Goldstücke; auch hier war der Ring, wenn auch nicht so weit als der andere, zurückgeschoben. Auch diese an sich geringfügigen Umstände trugen, in Verbindung mit der überall hervorleuchtenden peinlichen Ordnungsliebe des Verstorbenen, zur Verstärkung der Annahme bei, daß eine fremde Hand die Börse zuletzt geöffnet habe. Das Gesammtergebniß aller dieser Wahrnehmungen war schließlich, daß als objectiver Thatbestand ein begangener Diebstahl an Gegenständen vorlag, welche unzweifelhaft dem Verstorbenen gehört und sich mit höchster Wahrscheinlichkeit bis zum Moment seines Todes in seinem Besitz befunden hatten.

Ein detaillirtes Verzeichniß der vermißten Gegenstände wurde zum Behufe der anzustellenden Recherchen an die verschiedenen Polizeireviere gesandt; eine Anzahl bestrafter, unter polizeilicher Aufsicht stehender Subjecte wurde unter besonders genaue Controlle gestellt, Haussuchungen wurden bei verschiedenen Personen vorgenommen, welche der Diebshehlerei verdächtig waren. Alle diese Schritte führten zu keinem Resultate.

(Fortsetzung folgt.)



 

[329]
Das Flußpferd (Hippopotamos)
und die Arten, wie es erlegt wird.

Kein Mensch ist miserabler dran, als der einmal populär war, auf den Schultern des souverainen Volks getragen, mit Ehrenpforten, weißgekleideten Jungfrauen, Gedichten, Kränzen, Fackelzügen empfangen, befestgegessen und als goldenes Kalb des Tages von Fete zu Fete triumphirt ward. Wenn’s vorbei ist, ist’s schrecklich und auch während der Glorie selbst sehr angreifend und außer dem Kopfe auch den Verdauungs-Organen sehr schädlich. Diese Popularität dauert nie lange, und es folgt nicht selten eine Art von spöttischer Verachtung. Man citirt solche Helden, um in denselben Kreisen, wo sie einst abgöttisch verehrt wurden, Lachen zu erregen. Die verbrauchten Helden selbst nehmen gewöhnlich gewisse Ansprüche auf Geltung mit in ihr lebendiges Grab, und peinigen sich und Andere mit denselben und abgethanen Hoffnungen. Dadurch werden sie nicht selten ihren besten Freunden lästig und aller Welt ein Stein des Anstoßes und zum Wetzen ihres abgestumpften Witzes. Ich habe viele solche Helden mit ihrem lebendigen Grabe gesehen und sie herzlich bedauert, mir aber Glück gewünscht, daß ich niemals ein Held des Tages war.

Die Gartenlaube (1857) b 329.jpg

Jagd auf Flußpferde.

Niemand aber hat mir traurigere Geschichten von der schnellen Vergänglichkeit der Volksgunst erzählt, als das riesige Nilpferd im zoologischen Garten des Regents-Parkes zu London. Der Held des heutigen Tages ist ein Paria, ein Flüchtling, ein gehetztes Wild, ein gemiedener Aussätziger morgen. Dieses riesige, oxhoftleibige Phänomen war einst der Enthusiasmus von ganz London, und die Correspondenten verbreiteten seinen Ruhm in alle Welt. Talentvolle Künstler portraitirten unsern Hippopotamos, renommirte Schriftsteller schrieben dessen Biographie und Charakteristik. Die Volksmassen zerbrachen sich die Rippen um dessen massives eisernes Geländer herum und die amphitheatralisch um seinen Teich und seinen Spaziergang herumgebauten Bänkereihen waren stets zum Erdrücken gefüllt. Die Königin und der Hof und die höchste Aristokratie des Landes machten ihm Extravisiten. Jede seiner ungeschlachten und zum Theil schauderhaft abstoßenden Bewegungen – zumal wenn er in seiner ihm ganz eigenen Manier mit seinen eigenthümlich geübten Steißmuskeln den Unrath mächtig nach allen Seiten schleuderte – ward eifrig studirt und bewundert. Er und sein kohlschwarzer nubischer Wärter Hamet waren die Begeisterungswuth des Tages. Jetzt ist das Theater um ihn stets ziemlich leer, und Tausende eilen an dem ungeheuern Helden früherer Tage vorbei, ohne ihn nur anzusehen. Erst war’s ein aristokratisches Schwein (Choiropotamos) und dann der Ameisenfresser mit seiner abenteuerlich zugespitzten Schnauze und seinem merkwürdigen Schwanze, welche ihm seine Popularität wegstahlen, dann kamen fliegende Füchse, fremde Potentaten u. s. w., welche wieder den Ameisenfresser u. s. w. stürzten. Riesenschmeerbauch „Hippo“ kann sich jetzt in sein Bad stürzen, daß die Wellen hoch herausspritzen, und herauftauchen wie eine fette Schlamminsel aus dem Meere, und sich hervorschroten und sein ungeheures Maul am Eisengitter aufreißen, daß ein halb Dutzend Kinder darin auf seinen breiten Zähnen aufrecht stehen könnten – Alles umsonst. Er macht keinen Effect mehr.

Wir kehren uns nicht daran, und finden den Helden Hippo immer noch interessant. Er ist der in unsere geologische Schicht heraufgeschmuggelte Repräsentant einer vorsündfluthlichen Schöpfung mit ihren ungeschlachten, nicht für das menschliche Auge berechneten Gestaltungstypen (auch den Elephanten und das Nashorn rechnet ein Zoologe dazu). Dabei ist er in seiner Heimath eben so nützlich wie malerisch als Staffage üppiger, gewaltiger, uralt culturhistorischer Nilufer. In ganz Afrika hält sein alter Ruhm noch frisch und fest aus, wie das Leder, das man von seiner Haut macht, und die Elfenbeingeräthe und Schmucksachen, die man aus seinen glorreichen Zähnen zu schnitzen weiß. Und sein Fleisch – jedes Flußpferd gibt so viel Fleisch, wie 40 bis 50 Schweine – vereinigt alle Gaumenreize des Kalbs-, Schweine- und Rinderbratens in sich. Man kann sich daher auch leicht denken, welch’ ein populärer Gegenstand der Jagd unser Freund Hippo für die schwarzen und braunen Bewohner Afrika’s sein muß.

Die Hippopotamos-Jagd ist jedoch keine Hasenjagd. Der dicke und tückische Kerl mit den großen, stieren, stets wüthenden Augen fürchtet sich vor Niemand, und stürzt sich zermalmend auf jeden Feind, der ihm als solcher erscheint. Es gehört daher mehr Courage dazu, und ist etwas großartiger und aufregender, auf die Nilpferdjagd zu gehen, als zum Rebhühnerschießen. Die Afrikaner wissen es aus Erfahrung, daß man sein Leben einsetzen muß, um dem Hippopotamos das seinige abzugewinnen. Sie sind daher auf diplomatische Wege gekommen, ihm die Haut abzuziehen, die Zähne auszureißen und die Fleischtöpfe Egyptens mit seinen Muskeln zu füllen. Sie fangen ihn durch Fallen, die ebenso einfach eingerichtet sind, als unsere Mausefallen. An vielen afrikanischen Flußufern wächst ein tödtliches Pflanzengift, womit man in Kriegszeiten die Pfeile zu bestreichen pflegt. Mit solchem Gifte bestreichen sie ein schweres, zugespitztes Stück Eisen. Dies hängen sie von dem überhängenden Aste eines Baumes über die Flußstellen auf, welche als Tummelplätze der Flußpferde bekannt sind. Unter dem aufgehangenen vergifteten Riesenpfeile wird ein einfacher Schlagbaum quer über den Fluß angebracht und der Querbalken mit dem Spieße oben verbunden. Die Diplomaten warten nun an einer sichern Stelle im hohen Schilfe, bis Meister Hippo heimkommt. Unser fetter Freund sieht den Schlagbaum, den er noch weniger liebt, als [330] ein Freihändler und Kosmopolit in unsern Himmelsgegenden, und mit dem dunkeln Gefühl des Ingrimms: „der Freiheit eine Gasse!“ stürzt er sich darauf, um dem Flusse sein Joch abzunehmen. In demselben Augenblicke stürzt sich der vergiftete Donnerkeil herab in sein fettes Fleisch, und er wüthet schmerzvoll den Fluß entlang. Aber das Gift wirkt schnell, und er ist bald erschöpft, so daß ihm die Leute ohne Gegenwehr die Zähne aus- und das Fell abziehen können. –

Das ist die Jagd der List. Die der Kunst und Gewalt wird in Egypten und Centralafrika auch noch häufig geübt. Man schießt das Flußpferd von kleinen, flachen Booten aus mit Harpunen oder Kugeln. Trifft man aber nicht tödtlich und ist nicht sehr geschickt und flink im Ausweichen und Fliehen, so erhebt sich das gereizte Ungeheuer, das in der Regel kaum sichtbar im Wasser schwimmt, da es blos mit einem Theil der Stirn und den stieren Augen daraus hervorragt, wie ein Berg im Wasser, schlägt das Boot mit einem Ruck des Kopfes nieder, und tritt hernach so lange mit den plumpen Füßen darauf, bis es zertrümmert ist oder die Jäger ertrunken oder durch Stöße theils zerquetscht, theils ertränkt sind. Eine andere Art von Jagdlist auf trocknem Wege oder vielmehr feuchtem Schilfboden am Ufer besteht darin, daß man die Flußpferde, wenn sie mit Familie in dem dicken, oft baumhohen Schilfe schlafen, beschleicht und sie schießt. Dazu gehört aber außer geräuschloser Schleichkunst im Schilfe die feinste „Witterung“, die verwegenste Courage und die fabelhafteste Schnelligkeit im Fliehen. Das Flußpferd, das den rauschendsten Sturm im Schilfe als natürlich unbeachtet läßt, wacht beim leisesten künstlichen Gesäusel auf und stürzt sich sofort durch das stärkste, dickste Schilf auf den Feind, um ihn, wenn er in Schlagweite kommt, mit einem einzigen Ruck oder Stoß der Schnauze mit zerbrochenen Knochen niederzuwerfen, worauf das wüthende Thier ihn noch mit Schilf und Schlamm in einen einzigen Brei zusammenstampft. Aber diese Art professioneller Jäger sind auch so geschmeidig und flink, daß sie fliehend sich auf das Blitzartigste durch das Schilf im Zickzack davon winden, so daß die grimmige Thierlast diesen verschiedenen Winkeln und Kreuzungen nicht schnell genug folgen kann.




Die Bewegungen der Pflanzen.
Von G. Weidinger.
Nr. 1.

Es möchte Manchem der Leser wohl unbekannt sein, daß auch Pflanzen die Fähigkeit besitzen, gewisse Bewegungen vorzunehmen, und doch ist dies fast bei Allen der Fall. Freilich gehen diese Erscheinungen bei der Mehrzahl der Gewächse so allmählich und unmerklich vor sich, daß sie nur bei sorgfältiger Beobachtung wahrzunehmen sind, doch ist die Zahl von Pflanzen nicht gering, welche entweder regelmäßig, oder durch außergewöhnliche Umstände veranlaßt sehr deutliche, oft plötzliche Bewegungen zeigen. Gewiß wird es jedem Freund der Natur und ihres Lebens interessant sein, etwas Näheres über diese Vorgänge zu erfahren; gar manche Pflanze, welche er früher unbeachtet gelassen, wird seine Aufmerksamkeit fesseln, wenn er durch kleine, stets gelingende Versuche mit derselben sich und Andere von der Wahrheit der Thatsachen überzeugen kann, welche wir ihm mitzutheilen gedenken. Um den Gegenstand unserer Besprechung nicht ganz oberflächlich zu behandeln, sind wir genöthigt, einige Worte über gewöhnliche alltäglich vor dem Auge des Lesers sich ereignende Vorgänge den außergewöhnlichen voranzuschicken, und von einer Bewegungserscheinung zu sprechen, welche allen Pflanzen eigenthümlich ist, die

Bewegung des Wachsthums.

Wir wissen, daß die Wurzeln nach abwärts steigen, der Stengel sich perpendiculär nach oben erhebt, und die Blätter eine horizontale Richtung annehmen. Nehmen wir eine Pflanze, deren Wurzeln bereits entwickelt sind, und pflanzen wir sie mit den Aesten in den Boden, so erleiden die Wurzeln bald eine Krümmung, biegen nach unten und dringen wieder in den Boden. Die Ursachen, warum dies so und nicht anders vor sich gehen kann, zu ermitteln, war jedoch keine so leichte Aufgabe, als es auf den ersten Anblick erscheint. Früher glaubte man, daß dieses Verhalten durch das Licht bedingt sei, bis ein entscheidender Versuch es widerlegte; lassen wir nämlich Pflanzen auf einem leinenen Tuche keimen, welches über ein Glas ausgespannt ist, so entwickeln sich die Wurzeln, trotzdem sie dem Lichte ausgesetzt sind, ganz vollkommen und wachsen nach unten. Man nahm nun die Schwerkraft zu Hülfe; doch kann auch diese allein nicht in Betracht gezogen werden, da Pflanzen, welche in einer Schale zum Keimen gebracht wurden, deren Boden mit Quecksilber bedeckt war, ihre Wurzeln ziemlich tief in dasselbe senkten. Wäre die Schwerkraft allein maßgebend, so würden die Wurzeln den Widerstand des Quecksilbers nicht zu überwinden vermögen. Knight erwarb sich das Verdienst, eine genügendere Erklärung zu liefern. Er ließ Bohnen in feuchtem Moose keimen, welches aus einem in raschem Umschwunge begriffenen Rade befestigt war, und ermittelte durch diesen Versuch, daß die Richtung der Wurzel durch die Veränderungen bedingt würde, welche das rasche Wachsthum der Wurzelspitze in Bezug auf die Schwerkraft hervorbringe. Im jugendlichen Zustande besitzt die Wurzel ein weit schnelleres Wachsthum, als der Stengel, der Schwerpunkt der ganzen Pflanze fällt daher in die Richtung der Wurzelspitze; in späterer Zeit ist ganz das Umgekehrte der Fall, die Wurzel bleibt gegen den Stengel im Wachsthum zurück. Dutrochet entdeckte noch einen weiteren Grund in der verschiedenen Spannung und Ausdehnungsfähigkeit des Zellgewebes von Wurzel und Stengel; bringt man eine Lamelle von beiden in Wasser, so erfolgt sehr bald eine Krümmung; die Wurzellamelle verfolgt jedoch die entgegengesetzte Richtung von der des Stengels.

Bei der Eichenmistel und einigen andern Schmarotzerpflanzen wachsen die Wurzeln allerdings auch nach oben; diese Ausnahme findet jedoch in dem Umstande ihre Erklärung, daß die Funktionen dieser Wurzeln an das Licht gebunden sind.

Auf die Richtung, welche Stengel und Blätter einschlagen, übt das Licht einen überwiegenden Einfluß; der Stengel steigt nur dann vollkommen perpendiculär in die Höhe, wenn er von allen Seiten gleichmäßig beleuchtet wird; ist dies nicht der Fall, so wächst die Pflanze stets der Seite zu, von welcher sie das meiste Licht erhält. Bringt man eine Pflanze in ein unvollkommen beleuchtetes Zimmer, so sehen wir den Stengel verschiedene Drehungen und Biegungen beschreiben, um die beleuchteten Stellen zu erreichen. Sehr leicht kann man sich von dieser Angabe bei der Begonie, einer bekannten Topfpflanze mit krautigem Stengel, überzeugen; ihr Stengel ist stets nach der Seite des Fensters zu gebogen; dreht man den Topf auf die andere Seite, so findet man am folgenden Tag den Stengel ganz aufrecht, nach einigen Tagen neigt er schon auffällig der seiner früheren entgegengesetzten Richtung zu.

Die obere und die untere Seite der Blätter besitzen einen ganz verschiedenen anatomischen Bau, und spielen demgemäß verschiedene Rollen bei der Ernährung und Respiration der Pflanzen. Biegen wir ein Blatt um und befestigen es in dieser verkehrten Lage, so werden wir während der Tageshelle ein deutliches Bestreben desselben wahrnehmen, in die normale Richtung zurückzukehren. Erhalten wir das Blatt in der verkehrten Lage, so stirbt es nach ein bis zwei Tagen ab; es ist nicht im Stande, den Schein der Sonne auf die untere Seite zu ertragen. Die Oberseite hingegen leidet selbst unter der stärksten Sonnenhitze nicht; höchstens tritt eine rinnenförmige Faltung des Blattes ein. Ziehen wir den Zweig einer Pflanze in der Weise nach unten, daß die Unterseite der Blätter dem Sonnenlichte ausgesetzt ist, und befestigen ihn in dieser Stellung, so tritt eine Drehung des Blattstieles ein, welche die obere Seite wieder dem Lichte zuwendet. Bringen wir eine Pflanze in vollkommene Dunkelheit, so behalten die Blätter jede willkürliche Lage, welche wir ihnen geben, bei; aber schon der geringste Lichtreiz, wie der einiger Kerzen, ruft die Bewegung der Blätter hervor, sie kehren in ihre normale Richtung zurück. Tauchen wir einen Zweig unter Wasser, und drehen alsdann die Blätter um, so genügt ebenfalls eine schwache Beleuchtung, um die Rückkehr derselben in die ursprüngliche Lage zu bewirken. Die Bewegungsfähigkeit der [331] Blätter scheint also einzig und allein von dem Lichtreize abzuhängen.

Bevor wir diesen Abschnitt verlassen, soll noch mit einigen Worten der Bewegungen gedacht werden, welche die Ranken und die Pflanzen mit windendem Stengel zeigen. Nicht willkürlich umschlingen dieselben eine sich ihnen darbietende Stütze, sondern auch hier walten feste Regeln, welche ihr Verhalten bestimmen. Die Ranken, wie sie der Weinstock, die Waldrebe und andere Pflanzen besitzen, sind nicht normale Bildungen, sondern durch Veränderung eines Nebenblattes, Blattes oder Zweiges entstanden. Während bei der Dornenbildung eine Verkürzung der Organe, eine Verdickung und Verholzung der Zellen zu Stande kommt, erfolgt bei der Rankenbildung das Gegentheil, die Rinde ist mächtig entwickelt und besteht aus zartem, lockerem Zellgewebe, die Gefäßbündel sind unansehnlich. Nachdem die Ranke ihre völlige Größe erreicht hat, biegt sich ihr äußerstes Ende hakenförmig nach innen um. Bei einem Theile der Rankengewächse schreitet die Krümmung in dieser Weise von oben nach unten fort, die Ranke rollt sich wie eine Uhrfeder ein z. B. bei der Passionsblume; bei der großen Mehrzahl findet jedoch gleichzeitig eine seitliche Bewegung statt. Die Ranke beschreibt eine Biegung nach innen, und eine zweite nach der Seite, so daß sie pfropfenzieherartig gewunden erscheint; ihre obere Seite ist nach außen gerichtet, die untere nach innen. Entfernt man die Rindenschicht der oberen Seite, so tritt an der verletzten Stelle nie eine Windung ein; die Annahme liegt daher sehr nahe, daß eine Ausdehnung der oberen Rindenzellen nach vollendetem Wachsthum die Ursache der Bewegung ist, die untere Seite verhält sich nur passiv. Berührt die Ranke mit der innern Seite eine Stütze, so legt sie sich derselben von unten nach oben dicht an, und der obere Theil der Ranke läuft spiralförmig um die Stütze herum.

Bei den Schling- und Kletterpflanzen ist der jugendliche Stengel stets vollkommen gerade; nachdem er aber ein gewisses Alter erreicht, erfolgt eine Achsendrehung seiner Theile, die Rinde, der Bast und der Holzkörper nehmen eine spiralige Richtung an. Diese Achsendrehung tritt nicht allein bei den Schlingpflanzen, sondern auch bei vielen Laub- und Nadelbäumen auf, doch in weit geringerem Grade; man pflegt solches Holz windschief zu nennen. Nachdem diese Drehung erfolgt, beginnt ein sehr rasches Wachsthum; das Ende des Stengels hängt herab, und beschreibt eine kreisförmige Bewegung, durch welche es mit einer Stütze in Berührung kommt; findet der Stengel keine Stütze, so sehen wir ihn niemals sich winden. So wie die Pflanze die Stütze berührt, hört die Achsendrehung auf, die Fasern bleiben gerade; der Stengel wird in seiner ganzen Länge der Stütze angedrückt, und beginnt sich um dieselbe zu winden. Hat die Pflanze das Ende der Stütze erreicht, so erfolgt in der freien Spitze die Achsendrehung von Neuem; trifft sie nicht unmittelbar eine andere Stütze, so sinkt sie herab, und umschlingt wiederum die alte. Das Winden tritt nicht ein, wenn die Stütze völlig horizontal liegt, sie muß immer etwas geneigt sein. Ist die Stütze von größerem Umfange und kantig, so biegt sich der Stengel an der Kante nie um, um sich dicht der flachen Seite der Stütze anzulegen, sondern es tritt eine Achsendrehung ein, und in Folge deren die Berührung mit der nächsten Kante; diese Erscheinung wiederholt sich, so weit die kantige Stütze der Pflanze dargeboten wird. Hat der Stengel einige Windungen beschrieben, so lassen sich diese zwar aufrollen, doch nicht wieder beseitigen.

Jede windende Pflanze verfolgt eine ganz bestimmte Richtung, sie windet nach rechts oder nach links; willkürlich läßt sich diese Richtung nicht verändern. Befestigen wir eine nach rechts windende Pflanze in der Weise, daß wir ihr die Richtung nach links geben, und umgekehrt, so stirbt stets der Stengel ab. Die Ursache des Windens beruht wahrscheinlich ebenfalls auf einer Ausdehnung der Rindenzellen an der nach außen gerichteten Seite; ein Grund für die verschiedene Richtung, nach welcher die Stengel winden, ist bis jetzt noch nicht ermittelt worden.

Bewegung der Fortpflanzungsorgane.

Das Reich der Gewächse zerfällt in zwei Hauptabtheilungen, welche die Namen Phanerogamen und Kryptogamen tragen. Unter die Phanerogamen gehören alle Pflanzen, welche sich durch Samenkörner vermehren, somit alle, weiche eine Blüthe erzeugen; zu den Kryptogamen rechnen wir die Gewächse, welche sich durch Sporen fortpflanzen, deren reproductive Theile dem Auge verborgen sind. Bei einem Theile der Kryptogamen, nämlich den Farren, Bärlapp-Arten, Moosen und höher organisirten Algen hat man, analog den Phanerogamen, männliche und weibliche Geschlechtsorgane aufgefunden ; die männlichen, bestehend in einem gallertartigen Faden, welcher von einem Säckchen umschlossen wird, heißen Antheridien; die weiblichen, bestehend aus einfachen Zellen, welche zu mehreren in Umhüllungen verschiedener Art angetroffen werden, Sporen. Die übrigen Kryptogamen, die Pilze, Flechten und die Mehrzahl der Algen, besitzen, so weit unsere Kenntnisse jetzt reichen, nicht reproductive Organe zweierlei Geschlechts; sie vermehren sich durch Zellen, welche, nachdem sie entweder durch freie Zellbildung im Innern einer Mutterzelle oder durch Abschnürung entstanden, sich von der Mutterpflanze trennen und zu selbständigen Individuen auswachsen; diese Zellen werden ebenfalls Sporen genannt.

Unter beiden Hauptabtheilungen finden wir Pflanzen, deren Fortpflanzungsorgane die Fähigkeit besitzen, sich zu bewegen; es wird aber aus dem eben Besprochenen hinlänglich hervorgehen, daß Phanerogamen und Kryptogamen auch in dieser Hinsicht gesondert betrachtet werden müssen. Bei den Phanerogamen hat man folgende drei Fälle der Bewegung wahrgenommen: 1° Die Staubgefäße nähern sich zur Zeit der Befruchtung dem weiblichen Geschlechtstheil, dem Griffel, und kehren nach Vollziehung derselben in ihre ursprüngliche Lage zurück. Auch wenn die Staubbeutel entfernt werden, beschreiben die Staubfäden diese Bewegung. Wir treffen unter einheimischen Pflanzen diesen Fall bei der Gartenraute und dem Studentenröschen, einer auf feuchten Wiesen häufig vorkommenden Blume, in der Gegend von Leipzig zwischen Leutzsch und Ehrenberg, welche ihren Namen dem Umstände verdankt, daß sie zur Zeit der Herbstferien blüht. 2° Der Griffel bewegt sich zu den Staubgefäßen, und kehrt nach der Befruchtung in seine frühere Stellung zurück; so bei der Passionsblume. Auf die Blumenblätter folgend finden wir bei dieser einen Kreis von Staubgefäßen, welcher den Fruchtknoten umschließt; die Spitze desselben krönen drei an ihrem Ende mit braunen Narben versehene Griffel, welche zur Zeit des Aufblühens dicht an einander liegend in die Höhe stehen. Allmählich biegen sich dieselben jedoch auseinander, neigen sich herab zu den Staubgefäßen und kehren im Verlauf einer Stunde in die alte Richtung zurück. Ein zweites Beispiel für diesen Fall liefert der gemeine Schwarzkümmel. 3° Staubgefäße und Griffel bewegen sich gegeneinander, und nehmen nach einiger Zeit die frühere Lage wieder an. Unter einheimischen Pflanzen hat man bis jetzt noch kein Beispiel für dieses Verhalten gefunden, sondern nur bei einigen Gliedern einer den warmen Klimaten angehörigen Familie, den Nyktagineen.

Bei den Kryptogamen finden wir eine Bewegung des Fortpflanzungsorgane weit häufiger, als bei den Phanerogamen. Die Antheridien der höheren Kryptogamen, so wie die Sporen vieler Algen und Pilze sind mit sehr feinen Fäden, Cilien genannt, versehen; die Cilien gehen von dem Zellinhalte aus und durchbrechen die Zellmembrane, mit welcher sie in keinem Zusammenhange stehen. Wenn der Antheridiumfaden seine Hülle durchbricht, oder die mit Cilien versehene Spore ihre Mutterzelle verläßt, und diese Körper mit Wasser in Berührung kommen, so erfolgt alsbald eine lebhafte Vibration der Cilien. Durch diese Vibration wird der mit Cilien versehene Körper in Bewegung gesetzt; nach einiger Zeit hört die Vibration auf und mit ihr die Bewegung der ganzen Masse. Die sich nicht bewegenden Sporen nennt man ruhende, die mit Cilien ausgestatteten Schwärmsporen; viele Algen besitzen beide Arten, jedoch stets an verschiedenen Stellen. Man hat die Bewegung der Schwärmsporen in anderen Ursachen suchen wollen, den besten Beweis für die Richtigkeit unserer Erklärung liefert indeß der Umstand, daß eine Bewegung nur bei Sporen vorkommt, welche Cilien besitzen.


 

[332]
Aus dem Storchleben.

Wenn der Landmann mit seiner Familie bei Frühlingsanfang die Schlafstätte verlassen hat, da stecken sie alle die Köpfe zur Thür hinaus und sehen nach dem Dach der Scheune, ob denn die Storchwohnung da oben, die von des Winters Stürmen manchen Schaden gelitten hat, wieder bezogen sei von den alten Freunden. Und die Städter eilen hinaus vor die Thore und besuchen die Plätze, wo hoch auf dem Wipfel der Bäume das Schloß eines ernsten Storchenpaares thront. Manchen Tag sehen die Einen, gehen die Andern vergebens; zerrissen und durchlöchert stehen die Nester noch immer verwaist. Wenn aber eines Morgens der Sonnengott seine tägliche Rundreise antritt unter den vielverheißendsten Zeichen, wenn er kein Wölkchen duldet am weiten, hellblau bekleideten Himmelszelt, keinen Nebel den Poren des Erdkörpers entsteigen läßt, wenn er mit Silberperlen Auen und Wiesen geschmückt hat, und mit unwiderstehlicher Macht aus den Herzen der Menschen die Grillen und Sorgen verscheucht – da kannst Du sehen, daß er auch die längst ersehnten Gäste mitgebracht hat, die Störche. Sie sind da.

Wenigen nur ist es vergönnt, die Störche auf der Reise selbst zu beobachten, zumal bei ihrer Ankunft, welche sich von dem Wegzuge dadurch unterscheidet, daß dieser eine gewisse Gestalt hat, die von dem Maler wieder gegeben werden kann, während jene, gestaltlos möchte man sie nennen, bildlich nicht darzustellen ist. Von der Ankunft kann man eben nichts weiter sagen, als daß sie vollendet ist. Eines Morgens sind die Störche da. Um welche Zeit sie aber angekommen sind, und ob in großer oder kleiner Gesellschaft, oder ob ganz allein, das haben nur sehr wenige, in der Regel niemand gesehen. Selbst in den Gegenden, wo sie sich in großer, oft zahlloser Menge aufhalten, wie auf der Insel Rügen, in Pommern, in der Mark Brandenburg und andern Orten, wird selten jemand diese Vögel in ihre Quartiere einrücken sehen. Unbemerkt kommen sie in der Nacht an und jedes Paar sucht in aller Stille sein altes Haus auf und nimmt ohne Weiteres davon Besitz. Anders verhalten sie sich zur Zeit der Abreise. Rückt diese heran, so kann man sie allabendlich wohl fünf, sechs, auch acht Tage lang auf passend gelegenen Stoppelfeldern sich versammeln sehen. In der Mark standen auf einer Fläche von etwa hundert Morgen bei Sonnenuntergang einige Tausend solcher Rothschnäbel. In dieser Zeit bewohnten sie ihre Nester nicht mehr, den Tag über flogen sie einzeln nach Nahrung aus und bekümmerten sich gar nicht um einander, mit dem Scheiden des Tages kamen sie meist paarweise aus allen Himmelsgegenden auf jenen Feldern zusammen, blieben des Nachts daselbst und zerstreuten sich bei Sonnenaufgang wieder. Man konnte sie dann den Tag über an den Plätzen gehen und Nahrung suchen sehen, wo sie den Sommer über dieses Geschäft zu besorgen pflegten. Fand man sie an einem der folgenden Tage nicht mehr hier, oder wer vor Sonnenaufgang schon hinausgegangen war, früh nicht mehr auf ihrem Sammelplatze, so wußte man, daß sie in der vergangenen Nacht ihre Reise nach dem Süden angetreten hatten.

Der Unterschied zwischen ihrer Ankunft und ihrem Wegzuge ist der, daß sie im Frühjahr, wenn sie in die Nähe ihrer alten Wohnungen kommen, von dem Gros der Reisearmee sich trennen und paarweise ihre Nester beziehen, ohne sich zuvor auf einem gemeinschaftlichen Platze niedergelassen zu haben. Im Herbste aber ziehen sie nicht einzeln ab, sondern in Gemeinschaft und das bewerkstelligen sie während einer fünf- bis achttägigen Sammelzeit auf einem bestimmten Platze. Ob das in jedem Jahre derselbe ist, wollen wir nicht behaupten, doch haben wir in derselben Gegend der Mark in zwei auf einander folgenden Jahren den Abzug der Störche beobachtet und gefunden, daß sie im zweiten Jahre auf denselben Aeckern sich versammelten, wo es im vorigen der Fall gewesen war. Aehnliches haben wir bei den Schwalben in zwei verschiedenen Gegenden bemerkt. In Leipzig z. B. haben sich diese den schönen Marktplatz zum Sammeln auserkoren, denn während sie von den andern Punkten der Stadt, wo den Sommer über kleinere Schaaren zu schwärmen pflegten, sich weggewendet haben, wird die Menge derer, die über dem Markte sich ausbreitet, eben durch den Zuflug jener von Tage zu Tage größer. Ein anderer Sammelplatz für die Schwalben, weit entfernt von diesem, sind im Thüringer Lande die Burgruinen der Rudelsburg und Saaleck. Auch da schwärmen sie zur Zeit der Abreise vier bis sechs Tage lang in fast unglaublicher Menge.

Doch wir wollen heute bei den Störchen weilen und einige Züge aus ihrem Leben, die wir selbst beobachtet haben, mittheilen. Es ist bekannt, daß diese Vögel ein wahres Muster von ehelichem Leben sind und daß Tausende von Menschen sich müssen beschämen lassen von einem Storchenpärchen. Mann und Frau leben nur mit und für einander. Sie ziehen in dieselbe Wohnung ein, verlassen dieselbe nur, wenn sie auf Nahrung ausfliegen, und trennen sie sich dann auch, so ist es selten weit, meist ist das eine in der Nähe des andern. Häufig kehren sie fast gleichzeitig in das Nest zurück, und läßt ja das eine einmal auf seine Rückkunft etwas länger warten, so steht das andere gewiß in seiner luftigen Wohnung als Einbein, fleißig nach dem ausbleibenden Gatten ausspähend und ihn mit auf dem Rücken zurückgelegten Schnabel durch langanhaltendes Klappern ängstlich zur Heimkehr auffordernd. Hat das Weibchen Eier gelegt, so wechseln sie im Brüten, sobald die Störchin ihren Hunger stillen will, und sind endlich die Jungen da, so sorgen beide Alten auf eine rührende Weise für die kleine hungrige Gesellschaft, indem sie unablässig ab- und wieder mit vollem Schnabel zufliegen. Keines der drei bis fünf Kinderchen bleibt ungesättigt. und erst nach der Fütterung der Jungen geht eins von den Alten aus zur eigenen Mahlzeit, während das andere die kleine Brut im Neste bewacht. Ist dann die ganze Familie satt, so laufen die Eltern nicht davon und lassen die Kleinen ohne Aufsicht, wenigstens nie auf lange Zeit, sondern Vater und Mutter bleiben hübsch fein zu Hause und lehren die Kinder. Da kann man das spaßhafte Geklapper mit den Schnäbeln oft Stunden lang beobachten; auch wie ein Söhnchen trotz vielen Probirens und Exercirens nichts Gescheidtes herausbringt, bis endlich der Vater ärgerlich ihn niedersetzen heißt, und nun ein Töchterchen seine größere Fähigkeit und Geschicklichkeit produciren darf.

Sind sie endlich so weit, daß sie ihre Flügel gebrauchen können, so ist der unermüdliche Eifer der Mutter sehenswerth, mit dem sie die Jungen auffordert, den stolzen Flug des Vaters nachzuahmen, der nicht allzu hoch über dem Neste in schön gezogenen Kreisen dahinschwebt, fast regungslos, nur dann und wann einigen Schwung mit den Flügeln sich gebend. Und prächtig ist es, wenn endlich nach langem Zureden die Kleinen es wagen. Tage lang haben sie sich schon im Neste stehend geübt im Flügelschlage, noch aber hatten sie ihre Geburtsstätte nicht verlassen. Jetzt geht die Mutter voran, nicht gleich hoch in die Luft, nur erst heraus auf den First des Daches. Da kommt ein Sohn; ängstlich und wackelig steht er anfangs da, dann aber, sobald er etwas sicherer fußt, freudig die Flügel schlagend und seinen Geschwistern stolz zuklappernd, froh das Gefürchtete unternommen und ausgeführt zu haben, während jene noch zaudern. Das flößt diesen Muth ein, und bald bestehen auch sie mit Hülfe der ausgebreiteten Flügel den kühnen Sprung aus dem Neste auf’s Dach. Nun lassen ihnen die Alten keine Ruhe mehr, sie müssen mit ihnen sich in die Luft erheben. Freilich nimmt sich dieser erste Ausflug etwas lächerlich aus. Die kleine Schaar flattert noch ängstlich hierhin und dahin, mit dem Fliegen will es sich nicht gleich machen. Sie weiß nicht, soll sie das Kühne unternehmen, den Flug nach oben zu heben, oder soll sie nicht lieber in die Tiefe sich wenden, wo der feste Erdboden eine sicherere Stütze bietet, als die balkenlosen Räume der Luft. Wie mag ihnen in dieser Unbeholfenheit das kleine laufen lernende Kind, von sorgsamer Mutterhand geleitet, beneidenswerth erscheinen! Doch es hilft nichts, sie müssen vorwärts nach oben, so wollen es die Eltern. Und versucht nun Eins oder das Andere den Kreis des Vaters nachzufliegen, so ist es doch gerade, als ob überall Ecken dem kleinen Ungeschick im Wege wären, an denen er ohne Anstoß nicht vorüber gelangen könnte. Es mag wohl dieser prächtige, majestätische Flug bald in weit, bald eng gezogenen Cirkeln, wie wir ihn an den Störchen und einigen andern Vögeln so gern betrachten, nicht ganz leicht sein, wenigstens müssen ihn die Jungen Wochen lang studiren, ehe sie so weit Fortschritte machen, daß die Alten die häufigen und strengen Uebungen einstellen, und die Jugend sich mehr selbst überlassen. Streng aber sind in ihrem Unterricht Vater und Mutter. So ein kleiner Bursche mag nur mehrere Male den begonnenen Kreisbogen durch eckige Bewegungen nach rechts oder links ungehörig vergrößern oder verkleinern, schnell ist Mama oder Papa bei der Hand, den kleinen [333] Tölpel mit Hülfe einer Flügelspitze in die richtige Bahn zu schieben. Versieht er sich nach wiederholter Zurechtweisung dennoch, so geht es nicht mehr so glimpflich ab, es setzt dann wohl zur Strafe einen Klapps mit dem Flügel, und wie stark ein solcher ausfallen kann, werden wir später sehen. In dieser Weise führen sie ihr Familienleben fort, fast bis zur Abreise. Während der Sammelzeit lockern sich die verwandtschaftlichen Bande und lösen sich mit dem Aufbruch ganz, indem nun das ehelose Völkchen nach einem Gatten sich umschaut, mit dem es im neuen Vaterlande eine eigene Familie begründe.

Auf diesen Wanderzügen, die gleichzeitig für die Jungen Reisen auf Freiersflügeln sind, mag es nicht selten treffen, daß ein junges, von der Natur besonders ausgestattetes Storchenfräulein, etwa durch seine strahlenden Augen, mit denen es der jungen Männerwelt herausfordernde Blicke zuwirft, durch seinen schneeigen Busen und seine zart gefesselten, hochroth gezeichneten Beine das Herz von mehr als einem wackern Jüngling sich erobert. Wenigstens haben wir einen solchen Fall und sein tragisches Ende zu beobachten Gelegenheit gehabt.

Wir hatten auf zwei Scheunen drei fest gebaute und wohl angelegte Storchnester, die alljährlich von ihren alten oder neuen Insassen ohne Streit mit fremden Eindringlingen bezogen wurden. Wie in dem vorhergehenden Jahre, so wiederholte sich in jedem neuen dieselbe Scene: an einem heiteren Aprilmorgen richteten sich unsere Blicke, wie schon Tage lang vorher, nach den Scheunendächern und freudig rief eins dem andern zu: die Störche sind da.

Im Frühling vor mehreren Jahren trat aber die längst erwartete Ankunft unserer lieben Sommergäste unter einem ganz ungewöhnlichen, neuen Bilde auf. Zum ersten Male trafen am Morgen nach ihrer nächtlichen Ankunft unsere Augen sie nicht in dem Neste, sondern erblickten sie hoch oben über unseren Häuptern kreisend. Ungewöhnlicher Weise waren es statt der gewöhnlichen sechs an Zahl sieben. Ließen sie sich nieder, so geschah es, um an den ihnen bekannten Sumpfstellen die nöthige Nahrung zu suchen. Vergebens erwarteten wir ihren Einzug in die Nester, sie kamen dem Hofe nicht nahe. Da wir am ersten Tage außer der ungleichen Anzahl und der scheuen Entfernung von ihren alten Nestern nichts Auffallendes an ihnen gewahr wurden, so suchten wir den Grund des gestörten Einzuges der Störche nicht bei ihnen, sondern bei uns. Doch war weder an den Gebäuden noch auf dem Hofe irgend eine Veränderung eingetreten, die ihnen unbekannt gewesen wäre, die sie ängstigend von uns hätte verscheuchen können.

Dasselbe Federvieh lief gackernd und schnatternd auf dem Hofe umher, dieselben Pferde und Kühe, Schafe und Schweine gingen aus den Ställen heraus und wieder hinein, weideten auf denselben Weideplätzen und wälzten sich in demselben Kothe. Selbst der Kettenhund war noch derselbe, und lag noch auf dem gleichen Flecke, wo er im vergangenen Jahre gelegen hatte. Es blieb nichts Anderes übrig, als die Nester in Augenschein zu nehmen, ob da eine die Störche störende Aenderung vor sich gegangen sei. Ein wagehalsiger Hirtenjunge ward hinaufbeordert, jedes Nest genau zu untersuchen und jede etwa eingetretene Unordnung zu entfernen. Er kletterte von einem Nest zum andern und kam mit der Meldung zurück, er habe alles in Ordnung gefunden. Die in jedem Jahre wiederkehrenden Winterschäden werden, wenn sie nicht gänzliche Zerstörung im Gefolge haben, von den Vögeln selbst ausgebessert; so hatten wir also das Unsrige gethan und mußten den Langbeinen selbst es überlassen, das Räthsel zu lösen.

Der Abend war angebrochen, die Störche hatten schon längst das Schwimmen im Aethermeere aufgegeben, sie waren zur Erde zurückgekehrt und ruheten – wo? das wußten wir freilich nicht, ihre Wohnungen auf unsern Dächern waren leer.

Dasselbe Schauspiel vom vorigen Tage wiederholte sich am folgenden. Ehe sie sich jedoch heute zu ihrem Mittagsschmauße begaben, senkten sie sich nach unten und diesmal, zwar nicht in die Nester, doch neben dieselben auf die Dächer. Sie waren im höchsten Grade unruhig, sie flogen herüber und hinüber, bald standen diese, bald jene neben einander. Da marschirten plötzlich zwei im Schnellschritt auf einander los, spreizten die Flügel aus und fingen an sich gegenseitig mit Schlägen zu tractiren, daß es eine Art hatte. Nach manchem herzhaften auf beiden Seiten gefallenen Schlage flog plötzlich die ganze Gesellschaft wieder auf und davon und kreiste so ruhig, als ob der Friede weder vorher noch jetzt auch nur im mindesten eine Störung erlitten hätte. Abermals ließen ste sich auf die Dächer herab, und wiederum klatschte sich ein Paar, wahrscheinlich dasselbe von vorhin. Bisweilen versuchte ein Dritter sich hinein zu mengen, doch da er von den Kämpfern nicht weiter beachtet wurde, zog er sich alsbald wieder zurück. Eine öftere Wiederholung dieser Scenen, die Übrigens zu keinem Resultat geführt zu haben schienen, wurde durch das materielle Bedürfniß des Hungers unterbrochen. Um dasselbe zu befriedigen, zerstreuten sie sich nach verschiedenen Seiten hin.

In den Nachmittagsstunden, nachdem sie sich wieder zusammengefunden hatten, begann von neuem das Kampfspiel vom Vormittag, das uns, die wir seine ernste Bedeutung nicht kannten und ahnten, nicht wenig ergötzt hatte. Es war aber inzwischen ein gemeinsamer Rath abgehalten und ein entscheidender Beschluß gefaßt worden (so mußte es uns wenigstens vorkommen): kaum war der ganze Kreis einige Minuten von den Dächern entfernt gewesen, so kehrte er wieder zurück und während zwei von ihnen auf der einen Scheune Fuß faßten, nahmen die andern fünf auf der gegenüberstehenden Platz. Ohne Zaudern gingen jene mit einer solchen Heftigkeit auf einander los, daß man wohl sah, wie hier ein Kampf, auf Tod und Leben ausgefochten werden sollte. Gewiß eine Viertelstunde lang fiel Schlag auf Schlag, ohne daß einer auch nur einen einzigen Schritt zurückgewichen wäre. Zwar erhoben sie sich mehrmals ein klein wenig und flogen in ganz kurzem Bogen etwas zurück, doch geschah dies nicht aus Kampfesfurcht, oder um zu capituliren und den Streit in friedlicher Weise zu lösen, sondern aus steigendem Kampfesmuth –

Es galt ja das Liebste,
Die Braut, zu erwerben
Im blutigen Strauß.

Mit unbeschreiblichem Ingrimme und wachsender Wuth stürmten sie von neuem gegen einander, da klatscht es noch einmal schallend nieder und schwer getroffen rollte der eine das Dach herab in den Hof.

Schnell nahm das zuschauende Storchpublicum – oder war es vielleicht das schiedsrichterliche Tribunal? – den siegreichen Helden in seine Mitte und führte ihn mit sich fort hoch in die Lüfte, wo sie als kleine, unscheinbare Punkte das Siegesfest feiern mochten. Von diesem Augenblick an kehrte Ruhe und Frieden in unsere Storchcolonie zurück, denn nicht lange nachher senkten sie sich langsam und weite Kreise beschreibend nieder und bezogen je ein Paar die bis dahin unbenutzten Nester. Den gefallenen Kämpfer aber nahmen wir, das dem Trauerspiel beiwohnende Parterre-Publicum, in Empfang, leider ohne alle Aussicht, ihn, selbst durch ärztliche Hülfe, ins Leben zurückzurufen. Wahrscheinlich hatte der entscheidende Schlag sein Herz getroffen.

Keine Wunde, kein Tröpfchen Blut war zu sehen, aber regungslos war er vom Dache auf den Boden niedergefallen und leblos scharrten wir am Abend, durch ein Grab im Garten den tapfern Kämpen ehrend, ihn in die Erde ein. Sein Gegner, befreit von dem verhaßten Nebenbuhler, führte das schwer errungene Liebchen heim, und dieses, stolz auf den Heldengatten, nährte und erzog mit ihm die junge Brüt nach Storchenart.

Einen ähnlichen Ausgang nahm ein Liebeshandel anderer Art, der uns gleichzeitig den Beweis liefert, wie theuer dem Storch die Gattenehre gilt, deren Verletzung er nicht ungerächt läßt. Ganz in unserer Nähe nistete ein Paar auf dem abgestutzten Gipfel eines Pappelbaumes. Es war ein wunderschöner Vormittag, als die Störchin allein im Neste stand und durch unaufhörliches Klappern unsere Aufmerksamkeit auf sich zog. Dabei war das Tempo ihrer Rufe nicht gleichmäßig: bald schien sie durch schnelles Zusammenschlagen des Schnabels über das lange Außenbleiben des Gatten zu zanken, bald wieder, als ob sie mit Liebesworten ihn lockte.

Das hatte auch ein Storch gehört, der – wir wollen es zu seiner Ehre annehmen – entweder als Wittwer vereinsamt war oder durch die Verhältnisse gezwungen im Cölibat leben mußte. Der mochte meinen, ob mit Recht oder Unrecht können wir freilich nicht entscheiden, jene Liebesrufe gälten ihm. So hatte er sich denn aufgemacht und nahm, wie in seinem eigenen Hause, neben der Hausfrau Platz.

Diese empfing ihn allerdings nicht in der Weise, wie die Störche bei ihrer Heimkehr sich zu empfangen pflegen. Sie klapperte ihm nicht freudig entgegen, schmiegte sich nicht ihre Liebe bezeigend an seine Brust an, noch weniger liebkoste sie ihn mit ihrem Schnabel am Halse, wie es so die Art eines Storchenpaares ist. [334] Vielmehr wich sie scheu vor ihm aus, sobald er ihr nahen wollte. Das fiel uns auf, und schon vermutheten wir, daß hier ein Fremdling eingedrungen sein müsse, als unsere Vermuthung zur Gewißheit wurde.

Schnell, wie ein Pfeil, sahen wir einen andern Storch auf das Nest zueilen, und als bei dessen Ankunft jener dasselbe verließ, folgte er ihm auf dem Fuße nach. Zornig bliesen sich seine Halsfedern auf, als er neben seinem Gegner auf der Wiese stand, und mit schnellen Schritten zog er gegen ihn los, mit den Flügeln ihn peitschend. War dieser von Natur dem beleidigten Feind an Kraft nicht gewachsen, oder raubte ihm das Schuldbewußtsein dieselbe, genug er setzte sich nicht zur Gegenwehr, sondern beschränkte sich darauf, die hageldicht fallenden Hiebe seines Gegners mit dem Flügel zu pariren.

Plötzlich ließ er denselben sinken und rückwärts hüpfend suchte er den weiteren Angriffen durch die Flucht zu entgehen. Noch ein paar derbe Schläge ertheilte ihm der andere, dann erhob er sich stolz als Sieger in die Luft und eilte in mächtigen Bogen an die Seite der geängstigten Gattin.

Wir aber liefen dem armen Schächer, der mit zerschlagenem Flügel für seine Liebeslust büßen mußte und vielleicht aus Schwäche und Schmerz den Kampfplatz nicht verließ, zu Hülfe und trieben ihn langsam vor uns her nach dem Hofe. Es verging einige Zeit, ehe er sich wieder erholte, sein Flügel ward aber nicht wieder gesund, traurig mußte er ihn neben sich her schleppen. Den Sommer über lebte er, wie es schien, bis auf den lahmen Fittig wohl und munter unter dem übrigen Federvieh, als aber der Herbst kam und die Nester auf den Scheunen wieder leer wurden, da mochte doch die Sehnsucht nach dem Süden und die gänzliche Verlassenheit mit Gewalt über ihn kommen. Eines Morgens fanden wir ihn im Stalle als Leiche. Die Frauen beweinten seinen Tod als einen an gebrochenem Herzen, die Männer nannten es Heimweh.




Streifereien in Nord- und Südamerika.
Aus den Tagebüchern eines früheren schleswig-holsteinischen Hauptmanns.
Mitgetheilt von Julius v. Wickede.
III.

Das Treiben in Francisco zu schildern, wäre eine sehr schwere Arbeit und doch wieder in mancher Hinsicht eine sehr leichte. Geld zu verdienen, nur recht viel Geld zu verdienen in möglichst kurzer Zeit, ist das einzige Streben der 40–50,000 Einwohner aus allen möglichen Ländern des Erdballes, die in dieser wunderlichen Stadt versammelt sind. Dabei herrscht eine Regsamkeit und ein Unternehmungsgeist im Vorwärtsstreben, leider aber auch im Schwindeln und in der Gewissenlosigkeit, in der Anwendung aller nur möglilichen Mittel, daß selbst New-York, welches doch sonst in dieser Hinsicht viel leistet, hierin zurückbleiben muß.

Was hier übrigens Alles in der größten Schnelligkeit entsteht, ist wunderbar, und Sachen, zu denen man in Deutschland lange Monate gebraucht, wurden in Wochen, ja selbst Tagen ausgeführt. So waren noch nicht zwei Monate nach der großen Feuersbrunst vergangen, als die abgebrannten Quartiere glänzender und solider wie vorher, wieder aufgebaut dastanden und man kaum noch Spuren des Brandes bemerkte. Jetzt ward auch der Verdienst mit dem Ziegelsteinfahren etwas geringer, und zuletzt wollte man mir nur noch sechs Dollars für die Fuhre geben. Das behagte mir nicht, und da auch San Francisco nicht das geringste Anziehende für mich hatte, so beschloß ich, mich mehr in das Innere des Landes, in die eigentlichen Golddistricte, die Californien auf so schnelle Weise berühmt gemacht haben, zu begeben. Eigentlicher Goldgräber wollte ich nicht werden, sondern auch dort als Fuhrmann oder Handlanger mir Geld zu verdienen suchen. Mein Gespann in Francisco verkaufte ich für den gleichen Einkaufspreis, den es mir gekostet hatte, und verließ die Stadt nach fast dreimonatlicher Anwesenheit in derselben, fast mit 400 Dollars mehr im Vermögen, als ich dahin gebracht. Dabei hatte ich, wie auch mein Hansen, materiell recht gut gelebt, und täglich zwei sehr reichliche warme Mahlzeiten, außerdem zum Frühstück noch Thee mit Zucker zu mir genommen. Eine feste Wohnung hatten wir Beide in dieser ganzen Zeit niemals gehabt, sondern stets unter dem Plandache meines Wagens, den wir als Zelt brauchten, gelebt. Einige dicke wollene Decken bildeten für uns abgehärtete Naturen ein treffliches Bett, während der Tränkeimer der Pferde uns zugleich als Waschbecken dienen mußte. Die Nahrung nahmen wir in einem Gasthofe ein, kochten oder brieten uns aber auch oft einige Gerichte an einem Feuer neben unserem Wagen, den wir alsdann auf freiem Felde unweit der Stadt hinfuhren. So sparten wir die Kosten für die ebenso schlechten wie theuren Quartiere; denn unter sechs Dollars wöchentlicher Miethe konnte man auch die elendeste Kammer, die oft schlechter war, wie bei uns in Deutschland ein Hundestall, nicht zur Schlafstelle bekommen, und war dann noch allen möglichen Betrügereien und Unannehmlichkeiten ausgesetzt.

Um mir das Leben in den Goldminen etwas näher anzusehen, besuchte ich zuerst den Sacramento-Fluß und die umliegenden Gegenden. Ein merkwürdiges Treiben herrscht in diesen Golddistricten, und obgleich ich für alles Gold, welches schon in ihnen entdeckt worden ist, nicht mein ganzes Leben daselbst zubringen möchte, so ist ein Besuch derselben doch ungemein interessant. Aus der ganzen Welt sind die Goldsucher hier vereinigt, jedes Land, jeder Stand hat sein Contingent dazu gestellt. Jeder frühere Rang, jede Nationalität hört hier völlig auf; die Erde zu durchwühlen, das Gold in möglichster Eile aus derselben loszukratzen und dann den Ort wieder zu verlassen, ist das Bestreben Aller. Was man hier für Originale sieht, welche Masse der verschiedensten Charaktere man auf engem Raum zusammengedrängt findet, ist wirklich oft wunderbar. Dabei ist das Goldgraben, so schwer die Arbeit auch ist, wirklich eine Art Hasardspiel, denn es ist fast unmöglich, mit nur einiger Gewißheit vorher zu bestimmen, welchen Ertrag die Grabungen geben werden.

Ich habe mit meinem Hansen vier Wochen lang täglich an zwölf Stunden ununterbrochen in einer Grube gearbeitet, und wir gewannen in dieser ganzen Zeit kaum für achtzig Dollars Gold, so daß wir unsern Lebensunterhalt nicht damit bestreiten konnten. Unmittelbar neben uns arbeitete eine Gesellschaft, die aus einem Deutschen, ehemaligem Schauspieler, einem stets halb betrunkenen holländischen Dragoner-Corporal und einem preußischen Candidaten der Theologie bestand, und diese waren so glücklich, in einer einzigen Woche über 2000 Dollars zu gewinnen. Der Holländer vertrank seinen Antheil in wenigen Wochen, der Schauspieler verbrachte denselben mit einer sehr hübschen, aber eben so liederlichen Französin, die sich in den Minen umhertrieb; der Theologe hielt ihn aber fest und ging nach San Francisco, wo er einen Wurstladen etablirte. Als ich Californien verließ, ging sein Geschäft sehr gut und er hatte die Aussicht, in drei bis vier Jahren ein wohlhabender Mann zu sein. So wie er das geworden, wollte er dies Land verlassen und sich im Thüringischen ein kleines Landgut kaufen. Dies war seine einzige Hoffnung. So geht es hier aber stets bei diesen Goldgräbern. Manche gewinnen viel und vergeuden das Gewonnene nur zu bald wieder im Spiele und Trunk und nur Einzelne sind so vernünftig, das Gold, welches sie verdient haben, auch sicher zu behalten. Lange hier den Goldgräber bei schwerer Arbeit und geringem oder doch wenigstens sehr unsicherem Verdienst zu machen, fühlte ich aber nicht die geringste Neigung. Nachdem ich einige Wochen in den Minen gearbeitet, und mir überhaupt alle Verhältnisse in denselben recht genau angesehen hatte, ging ich wieder zurück und kaufte mir vier starke Maulesel, nahm einen Mexicaner als Treiber an, und transportirte Mehl, Fleisch und andere Gegenstände von Sacramento-City in die Golddistricte. Das Geschäft, mit mancherlei Mühseligkeiten, ja selbst Gefahren verbunden, war in pecuniärer Hinsicht ganz einträglich. Drei oder vier Touren hatte ich wohl erst gemacht, so konnte ich die Zahl meiner Thiere schon verdoppeln, ja allmählich selbst verdreifachen, so daß ich zuletzt zwölf Maulesel und zwei recht gute Reitpferde besaß, und drei mexicanische Knechte und zwei Deutsche, von denen der eine ein früherer schleswig-holsteinischer, der andere aber [335] ein preußischer Soldat war, in meinen Diensten hatte. Mein Freund Hansen, dem ich einen gewissen Antheil am Geschäft gab, war gewöhnlich bei den Goldgräbern selbst und besorgte den Verkauf der von mir transportirten Lebensmittel, während ich selbst stets auf den Wegen mich umhertrieb. Viel Geld verdiente ich auch damit, daß ich den Transport von Goldstaub aus den Golddistricten nach Sacramento, ja zuletzt selbst bis nach Francisco besorgte. Freilich hatte ich großes Risiko dabei, denn auf meinen Thieren lag oft für 5–6000 Dollars Goldstaub, den ich gekauft und der nun auf meine eigene Rechnung und Gefahr ging. Tag und Nacht mußte ich wachsam sein, damit mir mein Schatz nicht auf heimliche oder gewaltthätige Weise geraubt wurde. Die Unsicherheit auf den Wegen war nur zu groß, und Raubanfälle gehörten nicht zu den Seltenheiten, wie ich denn innerhalb des Jahres, das ich dies Transportwesen betrieb, dreimal habe zu den Waffen greifen müssen, um mein Eigenthum gegen freche Räuber zu vertheidigen. Sowohl ich wie Hansen und meine beiden deutschen Gehülfen waren zu diesem Zwecke auch stets schwer bewaffnet, und glichen viel mehr Räubern, wie friedlichen Reisenden. Lange Stiefeln mit den großen mexikanischen Sporen, eine blaue Blouse, die durch einen breiten Ledergurt, in dem ein Paar sechslaufige scharfgeladene Revolvers steckten, zusammengehalten wurden, außerdem noch einen guten deutschen Hirschfänger an der Seite, dazu einen Matrosenhut auf dem Kopfe und eine treffliche Büchsflinte, den einen Lauf mit einer Spitzkugel, den andern mit Rehposten geladen, so saß ich im Sattel meines zwar kleinen, aber starken, feurigen und ausdauernden mexicanischen Hengstes. War schlechtes Wetter in der Regenzeit, so wurde ein dicker chilenischer Poncho, in der Art wie die baierischen Postillone den Kopf durch eine Oeffnung ihrer wollenen Decken stecken, über das Ganze gezogen. Eben so gekleidet und schwer bewaffnet waren auch meine übrigen deutschen Gehülfen, und so konnten wir einen Kampf mit den Straßenräubern schon aufnehmen.

Das erste Mal, daß ich zu den Waffen greifen mußte, um mich und mein Eigenthum gegen freche Räuber zu vertheidigen, war dies noch dazu gegen zwei mexicanische Maulthiertreiber, die in meinen eigenen Diensten standen. Ich war mit den Schuften, die vier nur halbbeladene Thiere trieben, ganz allein, während ich vorne in den Satteltaschen auf meinem Pferde für 2000 Dollars Goldkörner hatte. Diese Gelegenheit schien den Kerlen günstig, um mich zu ermorden und auszuplündern. Auf einer einsamen Stelle des Weges, wo auf Meilen weit kein menschliches Wesen zu erwarten war, und ich ruhig einige Schritte voraus ritt, um die beste Stelle in dem sehr tiefen Schmutz auszukundschaften, wirft Einer dieser Mexicaner mir plötzlich hinterrücks die Schlinge seines Lasso um den Hals, um mich so aus dem Sattel zu ziehen und zu erwürgen. Es wäre ihm dies auch entschieden gelungen, wenn mir die Natur nicht glücklicher Weise eine große Körperkraft und eine ziemliche Kaltblütigkeit verliehen hätte. Zufällig trug ich an dem Tage ein dickes rothes Tuch um den Hals gewunden, so daß die Schlinge des Lasso mir denselben nicht sogleich zuwürgen konnte, wie sonst bei bloßem Halse geschehen wäre. Dies rettete mich, denn trotz des heftigen Ruckes, den ich durch den stark angezogenen Lasso fühlte, konnte ich mich doch noch so lange im Sattel erhalten, um meinen sehr scharfen Hirschfänger zu ziehen. Mit aller Kraft führte ich nun rückwärts einen Hieb gegen den Lasso-Riemen, und obgleich ich mich selbst dabei an der Schulter etwas verletzte, so glückte es mir doch, denselben zu durchhauen. So wie dies nun geschehen war, konnte ich mich als gerettet betrachten und warf meinen Hengst auf der Stelle herum, um meine heimtückischen Angreifer zu verfolgen. Der eine Mexicaner feuerte noch seine Pistole auf mich ab, verfehlte mich aber, dann liefen die beiden Kerle so schnell wie sie ihre Füße nur tragen konnten, davon. Ich jagte ihnen zu Pferde nach und es glückte mir, den einen Kerl einzuholen und unter der Androhung, ihm augenblicklich eine Kugel durch den Kopf zu jagen, was ich auch entschieden gethan haben würde, zum Stehen zu bringen. Er warf sich auf die Knie nieder, flehte mich im Namen aller möglichen Heiligen um Gnade an und wollte alle Schuld auf seinen Gefährten, der davon gelaufen war, schieben. Dem Schuft nun immer die Mündung meines Revolvers dicht vor den Kopf haltend, stieg ich ab und legte meinem Gefangenen die Schlinge seines eigenen Lasso um den Hals, so daß er mir wie ein störrischer Hund folgen mußte. So brachte ich ihn nach einigen in der Nähe stehenden Eichen, band zuerst mein Pferd an einen und dann meinen bittenden und winselnden Gefangenen mit den Händen an einen andern jungen Baum, so daß er sich gar nicht wehren konnte. Nachdem dies geschehen war, wusch ich mir erst selbst meine Wunde an der Schulter mit etwas Branntwein aus der Flasche des Mexicaners aus, zündete mir dann ruhig meine Pfeife an und schnitt einen recht schlanken geschmeidigen Eichenstock von der Dicke eines Fingers ab. Mit diesem bearbeitete ich nun den Rücken meines Gefangenen, der bloß mit einem Hemde bekleidet war, denn seinen Poncho hatte er schon bei seiner Flucht verloren, so lange ich meinen Arm nur rühren konnte, ohne mich um sein klägliches Geschrei nur im Geringsten zu bekümmern.

Nachdem dies geschehen war, frühstückte ich ruhig und holte nur die vier Maulesel, die sich einige tausend Schritte verlaufen hatten, wieder zusammen, worauf mein Gefangener dann eine zweite Auflage von Hieben, die aber diesmal nicht so stark wie die erste war, erhielt. Ich zerbrach ihm nun seine Waffen, band ihn los und gab ihm einen tüchtigen Fußtritt auf den H … zum Abschied, worauf er dann laufen konnte, um sich seinen Galgen selbst zu suchen. Sehr viel Mühe machte es mir nun, die vier störrischen Maulesel allein vorwärts zu treiben, und da mich auch meine Schulter schmerzte, so war ich froh, endlich in Stockton, denn einige englische Meilen hiervon geschah dieser Angriff, anzukommen. Den andern Mexicaner traf ich einige Monate später zufällig in einem Spielhause in San Francisco. Er drückte sich aber gewaltig schnell, als er mich erblickte, und ich fand weiter kein Behagen daran, ihm nachzusetzen oder gar ihn der Obrigkeit anzuzeigen. Das Gerichtswesen war im Jahre 1848 mit sehr geringer Ausnahme in einer so scheußlichen Verfassung in ganz Californien, daß eigentlich Niemand seine Zuflucht zu demselben nahm. Ich wenigstens hätte nie eine Klage bei einem Gerichte in San Francisco angebracht, und der Grundsatz: „Hilf Dir selber“ ist hier stets von mir befolgt worden.

Diese Mexicaner, die sich zu vielen Tausenden in Kalifornien umhertreiben, sind größtentheils mit das schuftigste Gesindel, was nur auf Gottes weiter Erde herumkriecht, und das will wahrlich viel sagen. Ein großer Theil der Mordthaten und Raubanfälle, die in Californien geschehen, fällt auf Rechnung dieser Mexicaner, und wenn diese Kerle nicht so sehr feig wären, würden sie noch mehr Unfug anstiften. So kann man sie durch Energie ziemlich leicht im Zaume halten, und wenn sie nicht in weit überlegener Anzahl sich befinden, so wagen sie selten einen offenen Angriff. Ich hätte niemals solche Kerle in meinen Dienst genommen, allein sie verstehen es vortrefflich, mit den oft sehr störrischen Mauleseln umzugehen, und haben namentlich auch eine ganz besondere Geschicklichkeit darin, die Ladung auf die Packsättel der Thiere richtig zu vertheilen, so daß diese nie gedrückt oder beschädigt werden. So sind sie als Knechte und Treiber bei einem Geschäft, wie ich es hatte, unentbehrlich und so gern ich auch gewollt, wäre ich mit vier deutschen Arbeitern dabei nicht ausgekommen. Auch sind diese Mexicaner sehr mäßig und ausdauernd und wenn sie auch sonst nur so geringe Körperkräfte besitzen, daß mein Hansen einst mit leichter Mühe ein Faß, was drei Mexicaner nicht von der Stelle fortbewegen konnten, ganz allein fortschob, so haben sie doch eine große Zähigkeit und Gewandtheit und sind auf der Landstraße die besten Knechte, die man nur wünschen kann. Dies sind aber auch ihre einzigen guten Eigenschaften und ich habe gewiß an zwanzig verschiedene mexicanische Knechte gehabt, von denen der eine noch immer ein größerer Schuft als der andere war und die nur durch die wachsamste Aufsicht in Ordnung gebracht werden konnten. Ich machte stets sehr kurzen Proceß mit diesen Leuten, bezahlte sie sehr gut, strafte aber jede Schurkerei von ihrer Seite auf der Stelle und zwar mit dem Stocke, indem ich sie gehörig durchhieb und dann fortjagte. Wenn sie auch noch so viel fluchten und sich wie toll gebährdeten und mit ihrer Rache drohten, sobald ich mein Prügeln begann, ich kehrte mich nicht im Mindesten daran und hieb desto kräftiger darauf los. Dies brachte mich bei den Kerlen in Ansehen und ich hatte zuletzt eine sämmtliche Autorität bei diesen mexicanischen Maulthiertreibern, die freilich nur so lange währte, als ich, mit den Revolvern im Gürtel und dem Stocke in der Hand, mich mitten unter ihnen befand.

Auch der zweite Anfall, dem ich ausgesetzt war, geschah von Mexicanern, und zwar mit offener Gewalt in der Nacht. Es war eine förmliche Räuberbande, gut beritten und bewaffnet, wohl 12–14 Köpfe stark, die uns in der Nacht angriff. Ich hatte [336] über 16,000 Dollars Gold bei mir, und das war den Kerlen wahrscheinlich von meinen eigenen Treibern, von denen zwei mit ihnen verbunden zu sein schienen, denn nach dem mißglückten Angriff liefen sie uns noch in derselben Nacht fort, verrathen worden. Glücklicher Weise waren aber mein Hansen, die beiden deutschen Gehülfen und noch drei heimkehrende Goldgräber, ein Deutscher, ein Franzose und ein Irländer, sämmtlich gut bewaffnet, bei mir, so daß wir unser sieben Mann stark waren und so es schon vollkommen mit 14 Mexicanern aufnehmen konnten. Die Räuber hatten uns heimlich in der Nacht, als wir um unser Bivouakfeuer lagen, überfallen wollen, allein die Wachsamkeit eines kleinen Dachshundes, den ich besaß, vereitelte ihre Absicht. Mit wildem Geschrei kamen sie nun auf uns losgaloppirt und schossen ihre Flinten in der Entfernung von einigen zwanzig Schritten ab, wobei der eine Deutsche am Fuße verwundet und mir ein sehr guter Maulesel getödtet wurde. Die Kerle hatten geglaubt, daß wir ebenfalls eine so feige Natur wie sie selbst hätten und, von ihrer Ueberzahl erschreckt, davon laufen würden, wie dies auch meine sämmtlichen mexicanischen Treiber thaten. Sie kamen aber diesmal an unrechte Leute, holten sich blutige Köpfe und mußten mit leeren Händen wieder abziehen. So wie die Räuber ihre erste Salve abgefeuert hatten, rief ich meinen Leuten zu, aus dem Scheine des Feuers fortzuspringen, da wir, von demselben beleuchtet, gute Zielpunkte abgaben, während unsere Feinde in der Dunkelheit waren. Wir feuerten nun einzeln auf die Angreifer, die trotz ihrer Ueberlegenheit nicht wagten, ohne Weiteres auf uns loszureiten, sondern in der tiefen Dunkelheit hin und her jagten, so daß sie schwer zu treffen waren. Einige unserer Schüsse mußten jedoch getroffen haben, denn wir hörten mehrfach einen Schmerzeusruf oder ein wildes spanisches Fluchwort, einmal auch einen schweren Fall, als ob ein getroffener Reiter vom Pferde stürzte. Endlich wurde mir das Hin- und Herschießen zu langweilig und ich rief meinen Leuten zu: „Jungens, drauflos, laßt uns die Hunde zusammenhauen.“ Mit einem „Hurrah Deutschland!“ stürmten wir nun drauf, der Franzose rief sein „vive la France!“ und kam auch mit, der Irländer aber lachte vor Freude laut auf, denn so ein rechtes Handgemenge wird stets nach dem Geschmacke eines Paddy sein, und war nicht der Letzte. So wie die Mexicaner sahen, daß wir ihnen nun ernstlich zu Leibe rückten, flohen sie auf die feigste Weise. Einen der Räuber holte mein Hansen noch ein und riß ihn mit seiner gewaltigen Kraft aus dem Sattel, einen anderen fanden wir schwerverwundet am Boden liegen und der Irländer gab ihm den Gnadenschuß durch den Kopf, so daß er augenblicklich todt war.

Ueber unseren Gefangenen, der ein rechtes Galgengesicht hatte, wurde nun an unserem Feuer ein förmliches Kriegsgericht abgehalten. Ich trug darauf an, ihn einigemal tüchtig durchzuhauen und dann laufen zu lassen, der deutsche Goldgräber aber, den die Schußwunde, die er im dicken Fleisch der Hüfte erhalten hatte, sehr wüthend machte, wollte den Kerl auf der Stelle gehängt wissen. Wir stimmten nach echt californischer Sitte hierüber ab, ich, Hansen und der frühere schleswig-holsteinische Soldat waren für eine gehörige Prügelstrafe, die andern vier Beisitzer aber für das augenblickliche Aufhängen, und so war das Schicksal des gefangenen Räubers entschieden. Ich selbst wollte mit der Execution nichts zu schaffen haben und so zogen denn der Franzose, der Irländer und der verwundete deutsche Goldgräber, dem mein Hansen unterdeß die Kugel aus dem Fleisch herausgeschnitten hatte und der stark hinkte, mit dem Gefangenen nach dem nächsten Baume ab. Der Mexicaner, der es jetzt wohl ahnen mochte, welches Schicksal ihm bevorstand, fing kläglich zu winseln und zu bitten an, traf aber nur taube Ohren. Komisch war das Benehmen des Irländers bei dieser Gelegenheit, der sich mit seinem Gefangenen, den er in der nächsten Viertelstunde selbst aufhängen wollte, auf die freundschaftlichste Weise von der Welt unterhielt. „Schneiden Sie nur keine solchen Gesichter, mein Herr Räuber,“ meinte er in seiner kauderwelschen Sprache, „soll ein ganz angenehmes Vergnügen sein, das Hängen, wie mein Vater, der auch richtig am Galgen gestorben ist, stets sagte: ein Hops in die Luft und aus ist es und ich will schon dafür sorgen, daß Ew. Gnaden dabei den rechten Schwung kriegen. Kommen Sie, lassen Sie uns noch einen Schluck auf Ihre glückliche Reise trinken.“ Dabei reichte der kleine lustige Irländer dem Mexicaner seine Flasche mit Brandy hin und dieser, um wohl seine Todesangst zu betäuben, trank dieselbe in einem Zuge aus, so daß der Irländer brummte und meinte: „By Jesus, einen guten Fall in seiner Kehle hat der Kerl und es ist eigentlich schade, daß er aufgehängt werden soll.“

Unterdeß hatten der Franzose und der frühere preußische Soldat einen Eichbaum in der Nähe ausgekundschaftet, der ihnen passend schien, und ein Feuer unter demselben angezündet, damit sie bei ihrem Geschäfte besser sehen konnten. Der Franzose kletterte auf den Baum und legte einen Strick mit einer Schleife über einen Ast desselben, während der Irländer und der deutsche Goldgräber jetzt den Gefangenen, dem sie unterdeß die Hände auf dem Rücken fest geschlungen hatten, nach dem verhängnißvollen Baume hinzerrten. Sei es in Folge der Todesangst oder des zu viel genossenen Branntweins, der mexicanische Räuber konnte sich kaum noch auf den Füßen halten und schwankte hin und her, während der Irländer ihm noch stets Witzeleien und Scherzworte zurief, und ihm Beispiele davon erzählte, auf welche vergnügliche Weise mehrere seiner eigenen Verwandten und Bekannten, auch sein Vater, die den Tod am Galgen gefunden hätten, gestorben wären. Am Baume angekommen, war die Schlinge im Augenblick um den Hals des Delinquenten gelegt, die beiden Deutschen und der Irländer zogen mit einem „all hands“ (alle Hände) an, so daß der Körper wohl an sechs Fuß hoch über dem Boden hing, und der Franzose sprang ihm nun von einem Aste herab auf den Nacken, damit er das Genick brach und der Gehenkte sogleich enden konnte.

Als sei weiter nichts vorgefallen, kamen die Menschen bald darauf wieder zurück, legten sich um das Feuer und schliefen ruhig ein. Leider war uns bei dieser Gelegenheit außer dem erschossenen Maulesel noch ein anderer davon gelaufen, der sich nicht wieder fand, so daß mein Verlust sich auf einige hundert Dollars belief, denn sehr große und starke Maulesel, wie ich sie zu meinem Geschäfte benutzte, waren in Californien damals sehr theuer.

Das dritte Mal, daß ich zu den Waffen greifen mußte, um mein Eigenthum zu vertheidigen, war kurze Zeit vor meiner Abreise, unweit Goodyear-Bar. Ich schlief mit Hansen in einer kleinen Erdhütte, die wir uns gemacht hatten, während meine übrigen deutschen Gehülfen und die mexicanischen Treiber abwesend waren, um einen Mehltransport durch die tief verschneiten Felsschluchten herauf zu bringen, was ein unbeschreiblich mühseliges und langwieriges Geschäft ist.

Mitten in der Nacht wurden wir Beide durch das Gebell meines wachsamen Dachshundes aufgeweckt; wir sprangen schnell auf und sahen, wie drei bewaffnete Männer beschäftigt waren, die Hauptstange, die unsere Hütte hielt, abzusägen, so daß sie uns über dem Kopfe zusammengestürzt wäre. Ohne uns lange zu besinnen, zogen wir Beide zugleich unsere Revolvers, die wir Tag und Nacht scharf geladen im Gürtel trugen, hervor und feuerten sie auf die Kerle ab. Der eine stürzte leblos zu Boden, die andern zwei sprangen davon, doch mußte noch Einer eine Wunde erhalten haben, denn man konnte die Blutspuren am anderen Morgen noch ziemlich weit im Schnee verfolgen. Der Erschossene, der sehr gut bewaffnet war, schien unzweifelhaft ein Yankee zu sein und hatte gegen dreißig Golddoublonen in seiner Tasche, so daß ihn die Noth nicht zu diesem Raubversuch getrieben haben konnte.

Wir begruben am Morgen die Leiche ohne Weiteres, machten auch sonst keine Anzeige von dem Vorfall bei den Gerichten, da uns dies nur nutzlose Mühe verursacht hätte, und schenkten das bei der Leiche gefundene Geld dem Hospital in San Francisco, wo es gewiß zur Pflege von Kranken gut angewendet worden ist. Durch Zufall erfuhr ich einige Wochen später, daß der von uns Erschossene ein berüchtigter Raufbold und Räuber von Profession gewesen sei.



Nicht zu übersehen!

Alle Einsendungen von Manuscripten, Büchern etc. etc. für die Redaktion der Gartenlaube sind stets an die unterzeichnete Verlagshandlung zu adressiren.

Leipzig.
Ernst Keil. 

Verlag von Ernst Keil in Leipzig. – Druck von Alexander Wiede in Leipzig.