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Textdaten
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Autor: Franz Bendt
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Titel: Die Electricität im Hause
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 14–18
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Elektricität im Hause.
Von Franz Bendt. Mit Abbildungen von A. Kiekebusch.
Die Gartenlaube (1897) b 014.jpg

Elektrische Treppenbeleuchtung.

Allüberall, in der Stadt und auf dem Lande, kann man das siegreiche Vordringen der Elektricität beobachten. Die Dampftechnik, die Gastechnik und die meisten anderen Zweige der angewandten Physik werden von der Elektrotechnik immer mehr aus ihren Stellungen gedrängt und sie können sich nur erhalten, indem sie sich selbst in den Dienst der jungen Königin stellen. Es ist daher keine Redensart, wenn man behauptet, daß wir uns im Anfange einer neuen Epoche, im Beginn des Zeitalters der Elektricität befinden. Am klarsten wird die Richtigkeit des Auspruches dadurch bewiesen, daß die Elektricität bereits beginnt, auch im kleinsten zu wirken und in den vielen Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens Verwendung zu finden. Wir können jetzt in der That unsere Häuslichkeit ganz elektrisch gestalten. Das Schlagwort „alles elektrisch“ ist also keine bloße Phrase mehr.

Am leichtesten ist es dem Großstädter gemacht, wenn er beabsichtigt, sein Heim elektrisch einzurichten. Die elektrischen Centralen, welche sich zum Zwecke der Beleuchtung in vielen Städten befinden, führen die stromtragenden Kabel durch die Stadt, bis weit hinaus an ihre Grenzen. Es ist nur nötig, das betreffende Gebäude in den Kreis mit einzuschließen.

Aber auch die Orte, die sich keiner Elektricitätswerke erfreuen, auch die Bewohner eines Landhauses vermögen sich leicht mit dem nötigen Strome zu versorgen, wenn sie sich der sehr bequemen, freilich auch etwas kostspieligen Accumulatoren bedienen. Accumulatoren, oder auch wohl kurz Sammler genannt, heißen die uns von den Physikern geschenkten wunderbaren Zauberkasten, in welchen elektrische Energie aufgespeichert und bewahrt werden kann. Man darf sie etwa mit Flaschen vergleichen, die mit Elektricität gefüllt sind. Von Zeit zu Zeit müssen die Accumulatoren natürlich geladen werden. So empfangen beispielsweise in den Vororten Wiens viele Villenbesitzer durch einen für den Zweck besonders gebauten Batteriewagen, an Stelle der erschöpften, neue Accumulatoren von einem Elektricitätswerk der Stadt.

Der Zeit nach waren es zuerst die feineren Eigenschaften der Elektricität – also u. a. ihre unvergleichliche Geschwindigkeit – welche die Techniker im Interesse des Menschengeschlechtes verwendeten. Erst viel später erkannten sie die gewaltigen Mächte, welche in dieser Naturkraft schlummern, und erzogen die junge Riesin zur willigen Magd, die auch die schwersten Arbeiten verrichtet. Die große Geschwindigkeit macht die Elektricität vorzüglich zum Nachrichtendienst geeignet; und zu solchen Zwecken zog sie auch zuerst in unsere Wohnungen ein. Jetzt kennt jedermann den kleinen Knopf, der auf einen schwachen Druck die Signalglocken auslöst, welche den Gast ankündigen oder den Diener herbeirufen. Noch einfacher hat das Telephon den Verkehr im Hause gestaltet. Es sind hierfür Apparate geschaffen worden, die auch in ihrem Aeußeren kleinen Kunstwerken gleichen und die einen anmutigen Schmuck der Wand oder auch des Arbeitstisches und des Büffetts darstellen. Im öffentlichen Telephonverkehr bedient man sich bekanntlich der Zwischenstationen, um die notwendigen Linienverbindungen zu gewinnen. Für den Gebrauch in den Wohnungen sind sogenannte „Linienwähler“ gebaut worden, die durch eine Kurbel, welche über Zahlen läuft, die den Zimmern entsprechen, die gewünschten Verbindungen selbstthätig veranlassen.

Jedoch erst mit der Erfindung der Glühlampe eroberte sich die Elektricität tatsächlich das Haus. Ihr schönes, helles Licht schlägt in einer Beziehung unbedingt alle Lichtarten, die durch Verbrennung erzeugt werden. Unabwendbar sind mit der Verbrennung von Leuchtgas, Erdöl u. s. w. die Verbrennungsgase verbunden; welche die Luft verschlechtern, ihren Wärmegehalt erhöhen und den menschlichen Organismus schädlich beeinflussen. Nur die elektrische Glühlampe, spendet ohne jedes nennenswerte Nebenprodukt einzig das, was man von ihr begehrt: Licht!

In den letzten Jahren wurden auch die elektrischen Bogenlampen, die ihre riesigen Lichtmengen bisher nur über Straßen, Plätze und große Hallen ausschütteten, in so kleinen Formen angefertigt, daß sie sich auch für das Haus eignen. Damit beginnen sie gleichfalls in den Konkurrenzkampf um die beste und – was nicht zu unterschätzen ist – um die billigste unter den Beleuchtungsarten mit einzutreten.

Aber nicht nur schön und gesund, auch in unvergleichlicher Weise bequem ist das elektrische Licht; genügt doch auch hier ein Druck auf den Knopf, um den Raum mit Licht zu durchfluten. Das Zündhölzchen ist, wie sich im weiteren noch öfters zeigen wird, in der elektrisch eingerichteten Häuslichkeit ein überwundener Faktor.

Der augenblickliche Gehorsam, mit dem das elektrische Licht dem Befehle folgt, hat zu einer ganzen Anzahl origineller Anwendungen geleitet. Zumal die zeitweise nächtliche Beleuchtung des Flurs und des Treppenhauses ist in verschiedener Weise gelöst worden. Die Beleuchtung darf natürlich nur so lange währen, bis der Bewohner sein Heim erreicht hat. Die Stromauslösung läßt sich sehr einfach durch einen Knopf erzielen, der sich unmittelbar in der Nähe der Hausthür befindet. Noch zweckmäßigere Einrichtungen sind von der rastlos vorwärtsschreitenden Elektrotechnik geschaffen worden. Bei ihnen verursacht das Oeffnen des Thores selbst das Aufleuchten der Lampen. Nach etwa fünf Minuten schaltet sich der Strom dann selbstthätig wiederum aus.

[15] Auch im elektrisch erleuchtbaren Uhrhalter haben uns die Techniker einen ähnlichen sehr niedlichen und praktischen Apparat geschenkt, der die Verwendung der Zündhölzchen beschränkt und uns unmittelbar in der Nacht zu erkennen erlaubt, was die Stunde geschlagen hat.

Alle diese Einrichtungen sind seit Jahren mehr oder minder erprobt und ziemlich allgemein bekannt. Neu ist dagegen die Verwendung der Elektricität zu Heiz- und Kochzwecken.

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Elektrisch beleuchteter Uhrhalter.

Fast sämtliche Lichtquellen, deren man sich seit der Väter Zeiten und auch jetzt bedient, sind zugleich Wärmequellen. Wird doch beispielsweise das Leuchtgas mit Erfolg zum Heizen und Kochen verwendet. In solchen Fällen muß der Techniker die Aufgabe lösen, die Energie der Flamme soviel wie möglich in Wärme umzuwandeln. In je höherem Maße dies gelingt, um so bedeutender ist der Vorteil, mit dem er arbeitet.

Von allen Kräften, die unsere Erde spendet, besitzt keine eine so große Anpassungsfähigkeit wie die Elektricität, sie genügt durchaus jeder Forderung, die wir an sie stellen. Wünschen wir Licht zu haben, so vermögen wir den elektrischen Strom, der uns zur Verfügung steht, in Licht umzuwandeln; bedürfen wir seiner wärmenden Kraft, so erscheint er in neuer Verwandlung nur als Wärme. Das sind, wie man sofort einsieht, ganz hervorragende wirtschaftliche Eigenschaften. Wenn trotzdem noch die Meinung herrscht, daß die Elektricität besonders für Koch- und Heizzwecke zu kostspielig sei, so liegt das nur in der Höhe des Grundpreises, den die elektrischen Gesellschaften gegenwärtig noch wegen zu geringer Zahl der Abnehmer für den Strom ansetzen müssen. Das wird sich sofort ändern, wenn die Zahl der Anschlüsse wesentlich zunimmt.

Die Häuslichkeit, in der die Elektricität herrscht, kann mit allen dabei in Betracht kommenden Verhältnissen wirklich eine ideale genannt werden. Die Bezeichnung ist durchaus nicht überschwenglich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß Rauch und Ruß und der schlechte Geruch der Feuerungsgase aus einem solchen Haushalte verbannt sind und daß die umständliche und immerhin unsaubere Art des Feuerns durch einen Handgriff ersetzt werden kann.

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Elektrischer Cigarrenanzünder.

Aber wie vermag man denn am besten die Elektricität in Wärme umzuwandeln? Die Frage wurde schon vor einem halben Jahrhundert von den Physikern beantwortet. Wird ein elektrischer Strom durch Drähte geleitet, so erhitzen sie sich, wenn der Strom stark genug ist, bis zur Weißglut. Der Grund für die erzeugte hohe Temperatur liegt in dem Widerstande, den der Draht dem Strom beim Durchfließen entgegenstellt. Die Größe des Widerstandes wiederum wird von der Substanz des Drahtes und der Kleinheit seines Querschnittes beeinflußt. In der freien Luft würde ein in Weißglut gebrachter Draht sehr schnell verbrennen. Man hat ihn deshalb bei den elektrischen Glühlampen in eine luftleer gemachte Glasbirne gesetzt; und so entfaltet er Licht, ohne zu zerfallen. Um nur Wärmewirkungen zu erzielen, muß man den Strom in solche Körper einführen, in denen er nicht zum Leuchten kommen kann. Das veranlassen aber die elektrischen Heizplatten, denen wir in den Heiz- und Kochapparaten in allen Formen begegnen werden.

Die elektrischen Heizplatten bauen sich zumeist in folgender Weise auf. Eine gußeiserne Platte wird mit einer sehr schwer schmelzbaren Emailleschicht überdeckt, in welche man die stromführenden Drähte einbettet, die, um große Wirkungen zu erzielen, zu möglichst engen Spiralen aufgewunden sind. Zum Schluß überstreicht man die ganze Vorrichtung mit einer Deckemaille. Das klingt sehr einfach, und dennoch hat die Herstellung der Heizplatten den Fabrikanten große Schwierigkeiten bereitet. Wie allgemein bekannt, dehnen sich die Körper bei der Erwärmung aus, und zwar in sehr verschiedenem Maße je nach der Art der Körper. Es ist also notwendig, eine solche Emaille herzustellen, die sich in der gleichen Weise ausdehnt wie der eingebettete Draht; geschieht es nicht, dann zerreißen die Drahtspiralen im Innern des Heizkörpers. Die Herstellung der Emailleplatten gilt daher als eine besondere Kunst, die von den Fabrikanten streng geheim gehalten wird.

Kennt man die Zusammensetzung der Heizplatten, so ist nun leicht zu verstehen, wie der elektrische Strom Wärme erzeugt. Die Drähte in ihnen können nicht zur Weißglut gelangen, weil sie fortdauernd ihre Wärme auf die einhüllende Emaille übertragen.

Sehr praktische elektrische Oefen wurden zuerst in England verwendet. Sie setzen sich aus mehreren Heizplatten zusammen, die an die elektrische Leitung angeschlossen sind. Durch einen Handgriff kann die Stromzuführung eingeleitet, aber auch zugleich so reguliert werden, daß die Zimmertemperatur jeder gewünschten Höhe entspricht. Um eine mittlere Zimmerwärme von etwa 15 Grad zu erzielen, müssen die Heizplatten erfahrungsgemäß eine Temperatur, die zwischen 100 und 130 Grad der hundertteiligen Scala liegt, annehmen. Die Erwärmung eines Zimmers von etwa 30 cbm Raum stellt sich dann bei den jetzigen Elektricitätspreisen in Deutschland auf 20 Pfennig für die Stunde.

Eine große Zahl von Gebrauchs- und Luxusgegenständen, die wir in unsern Salons, Arbeits-, Schlaf- und Toilettezimmern vorfinden, sind für den elektrischen Betrieb konstruiert worden. Die Eleganz und Schönheit ihrer äußeren Gestaltung ist meist hervorragend und rückt beim Vergleiche die alten Vorrichtungen, welche entsprechenden Zwecken dienen, weit in den Hintergrund. [16] Ein hübsches Beispiel hierfür bildet der elektrische Cigarrenanzünder. Er hängt entweder an der Wand oder steht auf einem kleinen Metalltischchen. Die Aufhängevorrichtung, beziehentlich das Tischchen, ist in die Leitung eingeschlossen. Hebt man den Cigarrenanzünder zum Gebrauche ab, so schaltet sich der Strom selbstthätig ein und seine vordere kleine Fläche glüht rot auf. Die Zündfläche beim Cigarrenanzünder pflegt man übrigens ausnahmsweise aus einer Asbestmasse herzustellen, die mit Platindrähten durchflochten ist.

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Elektrische Brennschere.

Besonders den Damen dürften die Gebrauchsgegenstände interessant sein, welche die Elektriker für das Toilettezimmer konstruiert haben. Da ist zunächst ein Brennscherenwärmer zu nennen. Er stellt einen kleinen Ofen dar, welcher in seinem Innern mehrere Heizplatten enthält. Durch Oeffnungen können Brennscheren, Toupeteisen u. dergl. in ihn eingefügt werden und so die entsprechende Temperatur empfangen. Es sind aber auch Brennscheren konstruiert worden, die direkt mit Strom beschickt werden und deshalb während des Gebrauches nicht erkalten.

Der Gipfel der Bequemlichkeit und des Komforts wird im Ankleideraum unfraglich durch den elektrischen Wasserwärmer erreicht. Er steht unmittelbar mit der Wasserleitung in Verbindung und hält die Flüssigkeit dauernd in einer mittleren Temperatur von etwa dreißig Grad. Da das Wasserreservoir ziemlich groß gewählt werden kann, so ist man imstande, sich das Waschwasser nach Wunsch zu temperieren und jederzeit das Bad herzurichten.

Am längsten hat sich im modernen Hause die Küche der Einführung der elektrischen Kraft widersetzt. Die elektrischen Apparate, welche hier zum Kochen, Sieden und Braten verwendet werden können, bestehen natürlich der Hauptsache nach aus den elektrischen Heizplatten. Sie unterscheiden sich nur dadurch voneinander, daß die Wärmegrade, welche sie anzunehmen vermögen, nach den Zwecken geregelt sind, welche die einzelnen Vorrichtungen zu erfüllen haben. Um Nahrungsmittel zu rösten oder zu backen, ist z. B. eine Durchschnittstemperatur von 200 Grad der hundertteiligen Skala notwendig. Gerade für das Roesten, Braten und Backen, also für die Zubereitung fester Nahrungsmittel, hat sich der elektrische Betrieb als sehr vorteilhaft erwiesen. Elektrische Bratpfannen, Bratöfen, Fleischroste werden bereits in allen möglichen Größen hergestellt.

Merkwürdig sind die elektrischen Bratöfen. Man hat sie so eingerichtet, daß es ganz in der Hand des Koches liegt, eine jede beliebige Temperatur zwischen 130 und 290 Grad zu erzielen und beliebig lange zu erhalten. In welcher Weise so seine und beständige Temperaturabstufungen auf die Entwicklung der Kochkunst einwirken können, das ist eine Frage, welche die Leserinnen der „Gartenlaube“ besser zu beantworten imstande sein werden als der Berichterstatter.

In England wurden letzthin elektrische Kochherde hergestellt, welche alle Kochvorrichtungen in sich vereinigen. Besonders in Kochschulen bedient man sich ihrer mit Vorliebe.

Auch aus der „elektrischen Küche“ sind alle diejenigen Unannehmlichkeiten verbannt, welche den Koch oder die Köchin sonst zu belästigen pflegen. Abgesehen von der Höhe des elektrischen Grundpreises ist der Gebrauch des elektrischen Stromes für Küchenzwecke unvergleichlich wirtschaftlicher als der des offenen Herdfeuers. Werden doch bei der jetzt so beliebten Verwendung des Rostes nur zwei Prozent von der Wärme des Herdfeuers zum Rösten ausgenutzt; der Rest geht in den Schornstein oder durchstrahlt als schädliche Wärme die Küche und die benachbarten Räume.

Viel größere Schwierigkeiten hat den Technikern die Fabrikation elektrischer Kochapparate zur Bereitung flüssiger Speisen gemacht. Doch auch ihre Herstellung ist vollkommen gelungen. Um ein Liter Wasser zum Sieden zu bringen, bedarf man für zwei Pfennig Strom.

Für den Glücklichen, der nicht mit dem Preise zu kargen braucht und dem es nur auf höchsten Komfort ankommt, sind alle möglichen Kochvorrichtungen konstruiert worden. In elegantester und feinster Ausstattung stellen ihm die Fabrikanten die elektrische Kaffeemaschine, den elektrischen Thee- und Eierkocher, den mit Elektricität geheizten Teller- und Speisenwärmer u. dergl. m. zur Verfügung.

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Elektrische Bratpfanne.

In jeder Häuslichkeit, in der sich elektrische Lichtanlagen befinden, kann man, auch ohne ein Krösus zu sein, sehr leicht und mit geringen Kosten das elektrische Plätteisen einführen. Es schlägt in der That alle seine Nebenbuhler und stellt sich nicht teurer als der ältere Bolzenbetrieb. Die Heizplatten, die das elektrische Plätteisen ausfüllen, empfangen den Strom unmittelbar durch ein dünnes Kabel, das mit einer elektrischen Lampe verbunden wird. Die Temperatur des Eisens schwankt daher niemals, sie bleibt stets auf der gewünschten mittleren Höhe und die Plätterin braucht keinen Augenblick ihre Thätigkeit zu unterbrechen. Uebrigens sind auch verwandte Apparate, die auf gleichem Prinzipe beruhen wie die elektrischen Bügeleisen für den Gebrauch des Hauses, in größerer Form für die Schneider-und Hutmacherwerkstatt gebaut worden. Der [18] hervorragendste Fortschritt auf dem Gebiete der elektrischen Technik wurde gemacht, als Werner von Siemens zeigte, daß man mit Hilfe des elektrischen Stromes auch imstande sei, Maschinen zu bewegen. Die elektrischen Eisenbahnen, welche jetzt an unseren Häusern vorüberhuschen, sind das älteste, aber auch bedeutungsvollste Beispiel für einen solchen Betrieb. In jeder elektrischen Bewegungsmaschine befindet sich je nach ihrer Verwendung ein größerer oder kleinerer Apparat, welchen die Elektriker den Motor nennen. Er setzt sich aus einem festen und aus einem beweglichen Teile zusammen. Fließt ein Strom in den festen Teil hinein, dann dreht sich der bewegliche Teil, der Anker, mit großer Kraft und zwingt eine jede Maschine, die mit ihm in Verbindung steht, zur Arbeitsleistung. Fügt man also einen Elektromotor in eine Nähmaschine ein, so arbeitet sie sofort selbständig und entlastet die Näherin. Uebrigens auch zum Drehen der Kaffeemaschine, zur Bewegung des Reibkolbens im Mörser und zu ähnlichen Küchenzwecken wird der Motor vielfach benutzt.

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Elektrisches Bügeleisen.

In größerer Form werden neuerdings die Motoren zur Hebung und Senkung der Fahrstühle gebraucht; sei es um Speisen und Geschirr von der Küche in das Eßzimmer zu führen, oder um Personen von einem Stockwerk in das andere zu befördern.

So mannigfaltig sind die Anwendungen der Elektricität im Hause! Mit der Verbilligung der elektrischen Kraft werden sie auch den breitesten Schichten des Volkes zu gute kommen, den Aufenthalt im eigenen Heim noch behaglicher und die Hausarbeiten bequemer gestalten. Daß diese Wendung in nicht zu ferner Zeit eintreten wird, dafür bürgt uns der Geist des Fortschritts, der die Technik durchdringt und zu immer höheren Stufen emporleitet.