Die Einweihung der Schloßkirche zu Wittenberg

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Titel: Die Einweihung der Schloßkirche zu Wittenberg
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aus: Die Gartenlaube, Heft 25, S. 800
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Gartenlaube (1892) b 789.jpg

Die Einweihung der wiederhergestellten Schloßkirche zu Wittenberg am 31. Oktober 1892.
Originalzeichnung von H. Lüders.

[800] Die Einweihung der Schloßkirche zu Wittenberg. (Zu dem Bilde S. 789) Eine wechselvolle Geschichte, reich an Mißgeschick, war es, welche die dreieinhalb Jahrhunderte seit Luthers Tod der Stadt seines Wirkens, der Wiege der Reformation gebracht haben. Fast jeder der großen Kriegsstürme, die über Deutschland hereinbrachen, hat seine Wolken auch über Wittenberg entladen - im Schmalkaldischen, im Dreißigjährigen und Siebenjährigen Kriege, in den napoleonischen Kämpfen haben die Kugeln der Kanonen die stattliche Festung an der Elbe bedroht. Und nicht zum wenigsten hat unter diesen Unbilden die Schloßkirche mitgelitten, an deren Thür der kühne Augustinermönch am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen angeschlagen, bei einer Beschießung der Stadt am 13. Oktober 1760 wurde sie in Brand geschossen, so daß fast nur die nackten Mauern stehen blieben, wieder aufgebaut, erfuhr sie neues Unheil in den Jahren 1813 und 1814, in denen sie eine Zeitlang als Magazin benutzt wurde: in der Nacht vom 27. zum 28. September 1813 bei einem fürchterlichen Bombardement, fing der schöne Kirchturm Feuer, und bloß das untere Gemäuer desselben konnte gerettet werden. Seitdem waren die großen Erinnerungsfeste an die Reformation zugleich der Anlaß zur Erneuerung des ehrwürdigen Baues. Nachdem das Jahr 1815 die bis dahin sächsische Stadt an die preußische Krone gebracht hatte, wurde die Schloßkirche durch die Fürsorge König Friedrich Wilhelms III. einer gründlichen Reparatur unterworfen, so daß sie bei der dreihundertsten Wiederkehr des Thesenanschlags wenigstens keinen unwürdigen Mittelpunkt der Feier bildete. Allein es that je länger je mehr eine Erneuerung im großen Stile noth, und der Entschluß dazu entstand in jenen festlichen Tagen, welche das alte Wittenberg 1883 aus Anlaß von Luthers vierhundertjährigem Geburtstag erlebte. Besonders der damalige Kronprinz des Deutschen Reiches, der spätere Kaiser Friedrich, hat diesem Werke der Pietät bis an seinen allzufrühen Tod eine lebhafte Theilnahme zugewandt, und Kaiser Wilhelm II. bat die Vollendung des Angefangenen als ein willkommenes Vermächtniß übernommen. So konnte denn am 31. Oktober dieses Jahres der in neuer Schönheit, aber in der alten gothischen Gestalt wiederherstellte Bau in feierlicher Weise eingeweiht werden. Der Kaiser selbst, an der Spitze der protestantischen Fürsten Deutschlands, war herbeigeeilt, das Fest mit zu begehen, und es war ein glänzendes Bild, als sich der farbenreiche Zug, den Kaiser in der Mitte, über den ehrwürdigen Marktplatz hinweg zur Kirche in Bewegung setzte. In den Nachmittagsstunden schloß sich dann dem ernsteren Theile der Feier ein Festzug an, der in charakteristischen Gestalten und künstlerisch angeordneten Abteilungen den Beschauer im Fluge durch die letzten sieben Jahrhunderte führte. Unser Bild giebt aus dem Zuge die Figuren des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen und des Schwedenkönigs Gustav Adolf wieder, sowie die Gruppe, welche im Kostüm des 12. Jahrhunderts den Reigen eröffnete. -

Ein goldiger Herbsttag leuchtete dem Feste, und es waren gewaltige Eindrücke, welche dort in Wittenberg am 31. Oktober wachgerufen wurden inmitten der stummen Zeugen jener Geisterstadt, aus der ein neues Völkerleben entsprossen ist.