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Titel: Die Eiche bei Krayn
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 18, S. 576, 578
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[549]
Die Gartenlaube (1890) b 549.jpg

Deutschlands merkwürdige Bäume: Die Eiche bei Krayn.
Nach einer Photographie von H. Härtelt in Liegnitz.

[576] Deutschlands merkwürdige Bäume. Die Eiche bei Krayn. (Zu dem Bilde S. 549.) Es ist eine stolze Gesellschaft, die da auf einer Wiese nahe bei dem Dorfe Krayn zwischen Goldberg und Liegnitz in Schlesien beisammen steht. Es sind 6 uralte Eichen, die auf unserem Bildchen sichtbar sind; diejenige aber, welche im Vordergrunde steht, ist die älteste und stärkste. Neun Meter mißt sie im Umfange, und wie viele Stürme schon über sie hinweggebraust sind, wie oft der Blitzstrahl sie heimgesucht hat, das verkündet uns die vielfach zerrissene und zersplitterte Krone.

„Mehr als tausend Jahre“ soll sie zählen – so geht es im Volksmund und so berichtet eine schöne Inschrift an dem Baume:

„Wohl mehr als tausend Jahre zähl’ ich schon;
Ich sah dereinst das Deutsche Reich erstehn;
Ich sah im Jahre sechs es wiederum vergehn.
Seitdem ich jüngst gesehn sein frisches Auferstehn,
Möcht’ ich um keinen Preis es nochmals sehn im Untergehn.
Das walte Gott auf seinem ew’gen Thron!

Schönau, im August 1871.
Die älteste der alten Sechs.“

Freilich, ob der begeisterte Dichter und der willige Glaube des Volkes sich nicht zu hoch verstiegen haben, muß zweifelhaft erscheinen. Denn nach den Ansichten eines Fachmannes, welche der Leser im „Gartenlaube-Kalender“ von 1887 auseinandergesetzt findet, sind Eichen von 600 Jahren mindestens ebenso selten wie Menschen von 100 Jahren.

Wie dem aber auch sein mag, ein gut Stück Geschichte schaut von diesem knorrigen Geäste und Gezweige auf den Menschen der Gegenwart hernieder. Und es ist geschichtlicher Boden, auf dem die Eichen von Krayn [578] stehen. Hier war es, wo der alte Blücher einst am 26. August 1813 mit seinen Preußen und Russen die Franzosen in die vom Regen hoch angeschwollene Wüthende Neiße und Katzbach trieb.

Eine hübsche Sage aber erzählt, vor einigen Menschenaltern habe auf der Wiese eine noch weit gewaltigere Eiche gestanden, die „Sieben Kälber-Eiche“. Und zwar habe sie ihren Namen darum getragen, weil einst in Kriegszeiten eine Frau mit sieben Kälbern in dem hohlen Stamme Zuflucht gefunden habe.