Die Chalifengräber zu Kairo

Textdaten
<<< >>>
Autor: George Morin
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Chalifengräber zu Kairo
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 7, S. 217, 228
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Bildbeschreibung zu einem Gemälde von Friedrich Perlberg
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[217]

Die Chalifengräber zu Kairo.
Nach einem Gemälde von F. Perlberg.

[228] Die Chalifengräber zu Kairo. (Zu dem Bilde S. 217.) Eine merkwürdige Stadt erstreckt sich im Südosten Kairos um den Fuß den Mokattamberges, eine Gräberstadt voll prächtiger Grabmale, Moscheen und Minarets. Es sind die sogenannten „Chalifengräber“, kunstvolle Mausoleen, welche sich die Mamelukensultane hier erbaut haben, jene gewaltthätigen Herrscher, die 550 Jahre bald mehr bald minder unumschränkt über Aegypten geboten und deren Macht erst 1799 in der „Schlacht an den Pyramiden“ der Kriegskunst Napoleons I. erlag.

Heute freilich sind diese stolzen Zeichen einstiger Größe stark im Verfalle begriffen. Das zeigt auch das Bild des Malers Perlberg, das wir heute unsern Lesern vorführen. Prächtig ragen an dem zunächst liegenden Grabdenkmale der erhabene Kuppelbau, das schlanke, reich verzierte Minaret zum Himmel empor; aber an dem Fuße des letzteren hat der nagende Zahn der Zeit schon so viel Mauerwerk abgebröckelt, daß fast ein Drittel des mächtigen, sonst noch ziemlich unversehrten Thurmes ohne Unterlage frei in der Luft schwebt. Wie lange wird es dauern, bis das schlanke Bauwerk umstürzen und die kleinen Hütten der armen Fellahin, die sich in seiner Nähe angesiedelt haben, unter seinen Trümmern begraben wird. Der Künstler hat es verstanden, die Straße dieser zeitweise so öden Gräberstadt reizvoll zu beleben. Rechts im Vordergrund hat vor der armseligen Hütte eines Geflügelhändlers ein kaffeeschenkender Moslem ein buntfarbiges, schon ziemlich zerfetztes Zeltdach aufgeschlagen, unter welchem einige Araber auf dem Boden Platz genommen haben, um sich an dem braunen Lieblingsgetränk zu laben.

Vor ihnen, den arabischen Gästen zugewandt, hat ihr Diener mit den bepackten Kamelen Halt gemacht und wartet geduldig, bis die Gäste sich zur Fortsetzung der unterbrochenen Wanderung wieder von dem sandigen Boden dieser Kaffeeschänke einfachster Art erheben. Ihr gegenüber in der anderen Ecke des Bildes bemerken wir eine nicht minder malerische Gruppe von Obst- und Taubenhändlern, zu welchen sich eine tiefverschleierte ägyptische Frau, den Wasserkrug auf dem Kopfe tragend, gesellt hat, während im Hintergrund der Straße eine heranziehende Karawane durch die aufwirbelnden Staubwolken hindurch sichtbar wird.

Unmittelbar hinter dem Friedhofe der Könige beginnt die syrische Wüste, und oft in der Nacht, wenn tiefe Stille über der Todtenstadt liegt und der Mond und die ewigen Sterne mitleidig auf die verfallenden Riesengräber jener Mamelukenfürsten herabblicken, tönt das heisere Geheul der Schakale aus der dürren Ebene herüber, als ein trauriges Schlummerlied für die vermodernden Beherrscher Aegyptens, welche einst diese großen und herrlichen Mausoleen erbauten. George Morin.