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Titel: Die Briefmarken
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aus: Die Gartenlaube, Heft 11, S. 180
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[180] Die Briefmarken, diese für unsere heutigen Verkehrsverhältnisse ganz unentbehrliche Erfindung, haben doch auch ihre Gefahren, und schon wiederholt ist vor dem Befeuchten derselben mit Zunge oder Lippen gewarnt worden, da unter Umständen der Klebstoff gesundheitsschädliche Eigenschaften annimmt. Ganz besondere Vorsicht aber ist bei der Verwendung gebrauchter Briefmarken geboten, die bei Händlern und Sammlern ja vielfach von Hand zu Hand gehen und von Kindern und Erwachsenen in das Album eingeklebt werden. Kürzlich brachte ein englisches Blatt die Mittheilung, daß in einer Familie in Birmingham plötzlich die Diphtheritis ausgebrochen sei, obgleich in der Stadt seit langer Zeit kein Krankheitsfall dieser Art beobachtet worden war. Sorgfältige Nachforschungen ergaben, daß der Ansteckungsstoff nur durch gebrauchte Briefmarken eingeschleppt worden sein konnte, die ein auswärtiger Verwandter der Familie dem Sohne derselben für seine Sammlung eingesandt hatte. Der Knabe hatte die Marken beleckt, seinem Album einverleibt und auf diese Weise den Krankheitsstoff in sich aufgenommen.

Ein ganz ähnlicher Fall wurde vor einigen Jahren in Freiberg in Sachsen beobachtet; auch hier trat die Krankheit ganz plötzlich und völlig vereinzelt auf, so daß das Entstehen derselben unerklärlich blieb, bis festgestellt wurde, daß die Ansteckung auf dieselbe Weise erfolgt sein mußte wie im vorstehend erwähnten Falle. Das Kind war ein leidenschaftlicher Briefmarkensammler und tauschte mit einem ehemaligen Schulkameraden, der mit seinen Eltern nach einer andern Stadt verzogen war, diese Werthzeichen brieflich ein. In diesem Orte aber herrschte die Krankheit bereits seit Wochen und es war daher fast zweifellos, daß dieselbe durch diese Marken übertragen worden war.

Bei dem großen Umfang, den die Liebhaberei des Markensammelns allerwärts angenommen hat, ist es gewiß angezeigt, auf diesen bis jetzt kaum beachteten Umstand aufmerksam zu machen, denn die Gefahr, auch andere Krankheiten durch Ansteckung zu übertragen, liegt sehr nahe. Man dulde also keinesfalls das Berühren der Briefmarken, weder neuer noch gebrauchter, mit der Zunge.