Des Deutschen Reichs höchste Zinne

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Titel: Des Deutschen Reichs höchste Zinne
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aus: Die Gartenlaube, Heft 25, S. 409, 413, 427–428
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1894
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[409]

Auf dem Gipfel der Zugspitze.
Nach einer Originalzeichnung von M. Zeno Diemer.

[413]

Das Wetterloch bei der Zugspitze.
Nach einer Originalzeichnung von M. Zeno Diemer.

[427] Des Deutschen Reiches höchste Zinne. (Zu den Bildern S. 409 und 413.) Ehe es ein Deutsch-Ostafrika gab, hatte unbestrittenen Anspruch auf den Ehrentitel als „des Deutschen Reiches höchste Zinne“ die Zugspitze (2968 m), die höchste Erhebung des Wettersteingebirges in den bayerischen Alpen. Nachdem freilich der Grund und Boden, auf dem der Kilimandscharo mit seinen 6000 Metern sich auftürmt, dem deutschen Schutzgebiete in Ostafrika einverleibt worden ist, hat die Zugspitze einen übermächtigen Nebenbuhler erhalten, nicht sie, sondern der die höchste Kuppe des Kilimandscharo darstellende „Kibo“ sollte von nun ab „des Deutschen Reiches höchste Zinne“ sein. Indessen ist der afrikanische Riese doch nur in weiterem Sinne ein „deutscher“ Berg, und wenn wir darum von ihm und seinen Landsleuten absehen, so bleibt der Zugspitze ihr alter Ruhm gewahrt – noch immer bezeichnet das mächtige goldene Kreuz, das wir dem Leser auf S. 409 vorführen, in der That „des Deutschen Reiches höchste Zinne“.

Noch im Anfange unseres Jahrhunderts galt die Zugspitze als „unersteiglich“, aber schon im Jahre 1820 wurde dieser Glaube durch die That widerlegt und drei Jahrzehnte später wurde sogar ein weithin sichtbares vergoldetes Kreuz gleichsam als Siegesdenkmal auf dem Scheitel des überwundenen Berges errichtet. Die Zugspitze hat zwei nahe beieinander liegende Gipfel. Man erreicht zuerst den um etwa zwei Meter niedrigeren Westgipfel, erst von diesem aus gelangt man über einen schmalen zerrissenen Grat zum höheren Ostgipfel. Die schwierige Begehbarkeit dieses Grates war der Grund, weshalb man 1851 das Kreuz auf den niedrigeren Gipfel stellte. Im Jahre 1882 brachte man es zu Thal, um es frisch vergolden zu lassen. Inzwischen war nun der Uebergang über jenen Grat durch Anbringung eines Drahtseils wesentlich leichter und gefahrloser gestaltet worden und so konnte man 1883 das in neuem Glanze erstrahlende Kreuz auf dem Ostgipfel, auf der in Wahrheit höchsten Zinne des Deutschen [428] Reiches, errichten, wo es heute noch steht. Das Kreuz ist fünf Meter hoch und von der Kugel an aufwürts im Feuer vergoldet.

Der südliche Nachbar der Zugspitze ist der Schneefernerkopf (2869 m). Wer von dem an die Südseite des Zugspitzstockes sich anlehnenden Plattachferner nicht nach der Zugspitze selbst, sondern auf den Schneefernerkopf will, den führt der Weg an einem Naturschauspiel von überraschender Großartigkeit vorüber, an dem sogenannten „Wetterloch“, das unser Bild S. 413 zeigt. Durch die Oeffnungen, welche die gegeneinander gestürzten Felsen gelassen haben, thut sich ein wunderschöner Blick nach der Thalebene von Lermoos und Ehrwald auf, gegen die das Bergmassiv des Zugspitzstockes in nahezu 2000 Meter hohen Stellwänden abfällt.