Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor: unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der schüchterne Freier
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 4, 5, 20
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[4]
Die Gartenlaube (1893) b 004.jpg

Der schüchterne Freier.
Nach einem Gemälde von Hermann Kaulbach.

[20] Der schüchterne Freier. (Zu dem Bilde S. 4 und 5.) So schwierig hat sich Herr Christoph Vollpfund das Geschäft einer Brautwerbung nicht vorgestellt! Nach mühsam erlangter Erlaubniß des Herrn Vaters, des reichen Großhändlers am Marktplatz, hatte er es eilig, sich in sein kostbarstes Wams zu stecken und die Kappe mit der wunderschönen Pfauenfeder aufzusetzen, dann strich er, so schnell er konnte, dem Witwenhaus zu das die holde, einziggeliebte Ursula barg, um ihr den großen Schatz, welchen sie gewinnen sollte, in eigener Person vor Augen zu stellen.

Die Vorbereitungen zum bedeutungsvollen Vespermahl lassen erkennen, doch die Witwe Griesbeck den reichen Freier nach Gebühr zu schätzen weiß: das feinste Linnen grenzt die obere Tischhälfte von der unteren ab, wo die jüngeren Geschwister mit Milchschüssel und Brotlaib ihren Platz erhalten; ein gebratener Welscher prangt zwischen den Silberbechern, den Zeugen früherer besserer Tage, die Griesbeckin nöthigt wacker zum Zulangen und bemüht sich zwischendurch, den blöden Gast gesprächig zu machen, ihm sozusagen die Reden auf die Zunge zu legen. Aber umsonst! Nie hat sich Jungherr Christoph mehr auf den Mund geschlagen gefühlt als an diesem Tage! Das kalte Schweigen der schönen Ursula verschüchtert ihn ganz und gar, er stammelt und giebt verkehrte Antworten, darüber entwickelt sich eine verdächtige Heiterkeit am unteren Tischende, die ihm vollends die Fassung raubt. Die zwei Backfische, deren einer gerade die köstlichen Schmalzküchlein aufträgt, kichern über der Schüssel, das Nesthäkchen schaut ergötzt von seinem „Mordsstück“ Brot nach dem spaßhaften Stotterer hin, der kleine Mundschenk im samtenen Feiertagsgewand lacht ihm mit der ganzen Heiterkeit seines kindlichen Alters ins Gesicht, selbst um Ursulas strenge Mundwinkel zuckt ein verhaltenes Lachen . . . Ernst nimmt den unseligen Christoph nur einer von der Gesellschaft - der junge Werkführer, der seit Jahr und Tag Haus und Geschäft erhält. Der beargwöhnt ihn mit haßerfüllten Blicken und verwünscht auch im grimmigen Herzen die Alte, die so etwas hinter seinem Rücken angezettelt hat. - Nun, ein wenig Angst schadet dem künftigen Haustyrannen nicht - und über den Ausgang der Sache hat uns ja der Künstler glücklicherweise nicht im Zweifel gelassen!