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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der Wechselbalg
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. S. 183–184
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
Wechselbalg-Sage
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Bearbeitungsstand
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[183]
786) Der Wechselbalg.
(Gegend von Weißenberg.)
Mündlich. Mitgeth. v. Hr. Dr. Haupt.

Ein Wanderbursch traf auf einsamem Waldwege in der Nähe eines Dorfes ein altes graues Männchen, das an einer Pfütze kauerte und aus Straßenkoth einen menschenähnlichen Klumpen formte.

„Was machst Du da?“ fragte der Bursch. Das Männchen grinste: „einen Wechselbalg. Im Dorfe drüben ist ein schönes Menschenkind zur Welt geboren worden, das muß ich haben!“ „Wie willst Du das anstellen?“ fragte der Bursch. Das Männchen grinste: „Während des Essens werde ich sie [184] verlocken, daß sie ohne Dankgebet vom Tische aufstehen und hinauslaufen, daß das Kind alleine bleibt. Dann ist es mein.“

Der Wanderer ging seines Weges fürbaß und beschloß den Teufelsspuk zu verhindern, kam ins Dorf, erfuhr bald das Haus, in dem der Storch eingekehrt war, ging hin, traf die Leute beim Mittagessen, und bat sie um ein wenig Speise und die Erlaubniß ein Weilchen bei ihnen bleiben zu dürfen, er sei krank und sehr müde und erfroren. Die Leute waren mitleidig, gaben ihm zu essen und ließen ihn hinter dem Ofen (in der sogenannten Hölle) Platz nehmen, um sich tüchtig auszuwärmen.

Plötzlich entsteht im Pferdestall ein entsetzliches Schreien und Wiehern, Poltern und Stampfen. Alles eilt bestürzt hinaus, nur das Wochenkindlein bleibt in seiner Wiege und der Wanderbursche in der Hölle.

Alsbald erscheint der Mann aus dem Walde, ergreift das Kind und legt seinen Wechselbalg in die Betten. Aber der Wanderer springt hervor, ringt mit ihm und entreißt ihm das Kind. Die Eltern kommen herbei, der Unhold entflieht, der Wanderer erzählt nun ausführlich, in welcher Gefahr das Kind gewesen sei und setzt dann, begleitet von den Dankeswünschen der Eltern, seinen Wanderstab weiter.