Der Ungetreue

Textdaten
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Autor: Unbekannt (Fräulein von Crailsheim, 18. Jh.)
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Titel: Der Ungetreue
Untertitel:
aus: Die zehnte Muse. Dichtungen vom Brettl und fürs Brettl. S. 62
Herausgeber: Maximilian Bern
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Otto Eisner
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
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Quelle: Commons = Google-USA*
Kurzbeschreibung:
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Die zehnte Muse (Maximilian Bern).djvu
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[62]

Der Ungetreue.

Du sprichst, ich sei dir ungetreu,
Mein Engel, glaub’ es nicht,
Ich lieb’ dich ohne Heuchelei,
Bis mir das Herze bricht;

5
Und wenn ich gleich zum Zeitvertreib

Bei einer andern stehen bleib’,
So glaub’, mein Engel, glaube mir:
Mich dünkt, ich steh’ bei dir.

Sprichst du, das wäre leidlich noch,

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Wenn’s nur nicht weiter käm’,

Allein, mein Kind, bedenke doch
Und dich nicht ferner gräm’;
Und wenn ich gleich zum Possenspiel
Ein ander Mädchen küssen will,

15
So glaub’, mein Engel, glaube mir:

Mich dünkt, ich tät’ es dir.

Drum stelle nur dein Eifern ein,
Schlag’ alles aus dem Sinn,
Es kann dir nicht nachteilig sein,

20
Dass ich nicht bei dir bin;

Und wenn es endlich so weit käm,
Dass sie mich mit zu Bette nähm’,
So glaub’, mein Engel’ glaube mir:
Mich dünkt, ich schlief bei dir.

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Mich dünkt, ich fühle deinen Schoss,

Wenn ich die Flamme kühl’,
Es giebt sich unsere Liebe bloss,
Wenn ich mit andern spiel;
Und wenn ich auch nach Jahreszeit

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Mit einem Kindchen werd’ erfreut,

So glaub’, mein Engel, glaube mir:
Mich dünkt, es wär’ von dir!

(Aus der Handschrift des Fräulein
von Crailsheim. 18. Jahrhundert.)