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Titel: Der Sperber
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aus: Die Gartenlaube, Heft 40, S. 669, 671-672
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[669] 
Die Gartenlaube (1882) b 669.jpg

Der Sperber.
Originalzeichnung von F. Specht.

[671] Der Sperber. (Mit Abbildung Seite 669.) Der gemeinste unter unseren Raubvögeln, der strolchende Dieb und Wegelagerer der gefiederten Welt ist es, den wir heute unseren Lesern in Bild und Wort vorführen – in der Gallerie unserer Thierbilder ein charakteristisches Pendant zu dem blut- und beutegierigen Hermännchen (vergl. Nr. 22 dieses Jahrgangs). Der kühne und gewandte Sperber hat Europa und den größten Theil Mittelasiens zu seiner Heimath; in den schneebedeckten Fichtenwäldern Skandinaviens und in Griechenlands Cypressenhainen, an des Amurs nebligen Ufern und auf der sonnigen Insel Madeira baut er sein Räubernest, und eenn die singenden Schaaren der Finken und Lerchen im Herbst ihre Wanderungen nach dem Süden unternehmen, dann pflegt er oft ihnen zu folgen bis nach Indien und den Küstenländern von Nordafrika. Waldungen aller Art bilden in der Regel seinen Aufenthaltsort, aber er scheut keineswegs die Nähe der Menschen und schlägt gern dicht neben Dörfern und Städten sein Standquartier auf. Seine wilde Jagd beschränkt er dabei nicht auf Wald und Flur, sondern plündert und mordet auch die kleine gefiederte Welt, die in den Baumgärtchen rauchgeschwärzter Städte von den Menschen gastlich bewirthet wird. So gehört er zu den bekanntesten Raubvögeln, und wer dem Leben und Treiben in der Natur ein regeres Interesse entgegenbringt, der hat ihn oft gesehen. Wir ersparen uns daher eine genauere Beschreibung seines schwärzlich aschgrauen Gefieders, welches an der Unterseite weißlich erscheint und mit rostrothen Wellenlinien geziert ist, und heben nur hervor, daß das Sperberweibchen stärker ist, als das etwa zweiunddreißig Centimeter lange und vierundsechszig Centimeter breite Männchen, Dieser Größenunterschied ist oft so bedeutend, daß man lange Zeit hindurch das Weibchen für eine besondere Art hielt, der man den Namen des großen Sperbers beilegte.

In manchen Gegenden nennt man diesen Raubvogel Finkenhabicht, Schwalben- oder Sperlingsstößer, da er seine Angriffe vorzüglich gegen die kleinen Vögel richtet und nur selten sich an Rebhühnern oder Hasen vergreift.

Wiewohl er im Gegensatz zu anderen Raubvögeln in der Kunst der Verstellung ein großer Meister ist und oft durch veränderten Flug das zur Beute auserlesene Opfer zu täuschen versucht oder sich an dasselbe heranzuschleichen weiß, so giebt er doch, wenn seine Raubgier einmal erregt worden ist, Beweise der blindesten Wuth und kühnsten Verwegenheit. Brehm erzählt in seinem „Thierleben“, daß Sperber selbst im Innern von Häusern oder fahrenden Wagen gefangen wurden: „sie hatten ihre Beute bis dahin so gierig verfolgt, daß sie alles übrige vergaßen. Gefangene Vögel im Bauer vor oder hinter den Fenstern sind vor dem Angriffe des Sperbers ebenso wenig gesichert wie die freilebenden. Der Glasscheiben nicht achtend, stürzt er sich auf die Gebauer, zerbricht, nicht immer ohne Lebensgefahr, in jähem Anpralle das Glas und greift im Zimmer, unbekümmert um die aufschreienden Bewohner, nach dem Vogel.

Ist ihm der Fang gelungen, so trägt er seine Beute an einen verborgenen Ort, rupft ihr die großen Federn aus und verzehrt sie hierauf in Ruhe. Da er ausschließlich Vögel kröpft, so ist er in der Gefangenschaft sehr schwierig durchzufüttern und verschmäht das gewohnte Ranbthierfutter unserer Zoologischen Gärten, das Fleisch des edlen Rosses. So geht er frühzeitig im Käfig zu Grunde, wie O. von Riesenthal treffend bemerkt, als eine getreue Illustration des Sprüchworts „Friß, Vogel, oder stirb!“

Nur die geschicktesten unter dem kleinen Geflügel fürchten nicht den Sperber, und die Rauchschwalben verfolgen ihn sogar mit lautem Geschrei, seine gefährliche Gegenwart den anderen Vögeln verrathend. Aber er hat auch Feinde, die ihm überlegen sind. Schon mit den Krähen muß er oft harten Strauß ausfechten, und die größeren Edelfalken wie auch der Habicht fressen ihn ohne Umstände.

Bei uns stellt ihm auch der Jäger nach, und nur in Mittelasien wird er von vielen Völkern als ein vortrefflicher Baizvogel geachtet. Man füttert die Jungen im Sommer auf und benutzt sie im Herbst zur Jagd. Dabei wählt man nur die kräftigeren Weibchen aus. Im Mittler läßt man die abgerichteten Vögel wieder fliegen, weil es sich nicht lohnt, sie den Winter hindurch zu füttern.

Mit den abgerichteten Sperberweibchen werden im Südural, in [672] Persien und Indien Rebhühner, Wachteln, Schnepfen und Tauben gejagt, und außerdem wird mit ihnen im Hochsommer noch ein besonderer Sport getrieben. Wenn nämlich in Persien die Witterung für anstrengende Jagd zu heiß ist, so ist es eines der beliebtesten Sommervergnügen, Sperlinge mit Sperbern zu jagen. Der Sperber fehlt selten seine Beute und schlägt fünfzehn bis zwanzig Sperlinge in einer Stunde. Er verfolgt die Spatzen dabei mit solchem Eifer, daß er selbst in Mauerlöcher eindringt und in denselben oft zu Grunde geht.

Da gegenwärtig bei uns der Vertilgungskrieg gegen den Sperling eröffnet wurde und auch das Interesse für den Sport aller Art in rapidem Wachsen begriffen ist, so wäre vielleicht die Einführung solcher Sperlingsjagden vielen Sportlustigen willkommen. Dann würde unter Umständen auch der Sperber ein sehr gesuchter Vogel werden.