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Textdaten
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Autor: Wilhelm Busch
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Titel: Der Schweinejunge und die Prinzessin
Untertitel:
aus: Ut ôler Welt. Volksmärchen, Sagen, Volkslieder und Reime. S. 104-106
Herausgeber: Otto Nöldeke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1910
Verlag: Lothar Joachim
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Erscheinungsort: München
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: ULB Düsseldorf und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[104]
39. Der Schweinejunge und die Prinzessin.

Da war einmal ein Schweinejunge, der kaufte sich, die Zeit zu kürzen, eine Pfeife und drei kleine bunte Ferklein dazu, und brachte es durch Zeit und Fleiß zuwege, daß die Thierlein nach dem Ton der Pfeife gar zierlich auf zwei Beinen tanzen lernten; Galopp und Walzer, kurzum alle Tänze, wie sie des Landes Brauch waren. Wenn er dann seine Heerde hinaustrieb in den Wald und sich da lagerte, so zog er sein Pfeifchen hervor und spielte eine lustige Weise, und wie er pfiff, fingen die drei Ferklein gleich zu tanzen an und sprangen munter um ihn herum; das war ihm eine liebe Zeitverkürzung in der Einsamkeit des Waldes.

Nun traf es sich, daß er einmal hinaustrieb bis vor der königlichen Prinzessin ihr Sommerschloß. Da legte er sich unter einen Eichbaum in die warme Sonne und ließ wieder seine Schweinchen nach der Pfeife tanzen. Das sah von ihrem Fenster aus die Prinzessin und kam ihr so lieb und drollig vor, daß sie sogleich ihre Magd zu dem Jungen hinunter schickte und ihn fragen ließ, ob er nicht von den Ferklein eins verkaufen wollte. »Einen schönen Gruß von der Prinzessin«, sagte die Magd zu dem Jungen, »und ob von deinen schönen bunten Ferklein nicht eins zu kaufen wäre?« »Zu kaufen nicht«, sprach der Junge, »aber abzuverdienen. Sage nur deiner Prinzessin, wenn ich eine Nacht bei ihrer Kammerjunfer im Bette schlafen sollte, so würde ich gern von meinen Ferklein eins hergeben:« Mit dem Bescheid ging die Magd zu der Prinzessin; die trug aber so großes Verlangen nach dem niedlichen Ferklein, daß sie dem Jungen seinen Willen ließ. Darnach als sie das Ferklein hatte, kaufte sie sich eine Pfeife und wollte das Ferklein auch [105] tanzen lassen, aber es tanzte nicht; sie spielte die schönsten Tänze, die sie nur wußte, sie liebkoste das Thier, sie streichelte es, aber das Ferklein tanzte nicht. »Ach Gott«, rief die Prinzessin da, »das Thierchen will gewiß nicht tanzen, weil es keinen Gespielen bei sich hat; ich muß sehen, daß ich noch eins dazu kriege.« Sie war aber ganz traurig, daß ihr Ferkelchen gar nicht tanzen wollte.

Den andern Tag hüthete der Junge wieder sein Vieh in der Nähe des Schlosses. Da schickte die Prinzessin zum zweiten Male zu ihm, ob nicht von den beiden Ferklein noch eins zu kaufen stände. »Zu kaufen nicht«, ließ der Junge wieder sagen, »aber abzuverdienen. Wenn ich noch eine Nacht bei der Prinzessin ihrer Kammerjunfer im Bette schlafen soll, so will ich auch das andere Ferkelchen hergeben; anders thu ich es nicht.« Die Prinzessin, die doch gar zu gern das Ferkelchen gehabt hätte, ließ dem Jungen seinen Willen. Darnach, als sie das Ferklein hatte, brachte sie es zu dem andern, nahm ihre Pfeife hervor und blies viel schöne Stücklein, aber die Ferklein tanzten nicht; nun sah sie wohl, daß die Pfeife die Schuld hatte; darum so wartete sie mit Ungeduld, da der Junge wiederkäme, ob sie nicht von ihm das dritte Ferkelchen sammt der Pfeife erlangen könnte.

Der Junge kam den andern Tag auch richtig wieder an, legte sich unter den Eichbaum in den warmen Sonnenschein und ließ sein einziges Ferkelchen nach der Pfeife tanzen, Galopp und Walzer, kurz alle Tänze, wie sie des Landes Brauch waren. Da schickte die Prinzessin zu ihm hin und ließ fragen, ob nicht auch das dritte Ferklein sammt der Pfeife zu verkaufen wäre. »Zu kaufen nicht«, ließ der Junge wieder sagen, »aber abzuverdienen. Wenn ich diese Nacht bei der Prinzessin selber im Bette schlafen soll, so will ich darum gern mein Ferkelchen sammt der Pfeife geben.« Als das die Prinzessin vernahm, war es ihr doch ein wenig zu arg; weil sie aber doch gar zu gerne das Ferkelchen und die Pfeife gehabt hätte, so ließ sie dem Jungen sagen, ob es ihm nicht einerlei wäre, wenn er noch eine Nacht bei der Kammerjunfer im Bette schliefe. »Ne!« antwortete der Junge, »hier ist nichts zu handeln. Wenn die Prinzessin nicht will, was ich gesagt habe, so ist es auch gut, so behalte ich mein Ferkelchen und meine Pfeife.« Da sah die Prinzessin wohl ein, daß kein anderer Rath war, sie mußte dem Jungen seinen Willen lassen. Nun hatte sie aber auch alle die drei kleinen bunten Ferklein beisammen, die tanzten gar drollig nach dem Tone der Pfeife, Galopp und Walzer, kurz alle Tänze, wie sie im Lande Brauch waren, und das war für die Prinzessin so ergötzlich, daß sie gar nicht müde ward, den Thierchen aufzuspielen. Dem Jungen aber, nun er seine Ferkelchen und seine Pfeife nicht mehr hatte, gefiel es in der Gegend gar nicht mehr; darum so begab er sich auf die Wanderschaft und ging ein gut Stück Weges in die weite Welt hinein.

Es begab sich aber zu derselben Zeit, daß der König in allen Ländern [106] bekannt machen ließ, wer das Muttermal errathen könnte, das die Prinzessin an ihrem Leibe hätte, der sollte sie zur Gemahlin haben, er sei arm oder reich, hoch oder niedrig; wer aber käme und könnte es nicht errathen, der müßte den Kopf und dazu das Leben lassen. Da nun diese Kunde dem Schweinejungen zu Ohren kam, machte er sich alsbald auf den Heimweg, denn er gedachte das Räthsel zu lösen. Unterwegs gesellte sich ein Pfaff zu ihm, der fragte ihn wohin? und woher? und in was für Geschäften er wäre ausgegangen? »Ich will hin an den königlichen Hof,« entgegnete der Junge, »ob ich nicht das Muttermal der Prinzessin errathen kann.« Sprach der Pfaff: »Weißt du denn schon was davon, mein Sohn? Du möchtest sonst leichtlich darum den Kopf und dazu dein junges Leben verlieren.« »So recht weiß ich es noch nicht,« sagte der Junge, »aber soviel ist gewiß, die Prinzessin hat in der einen Seite drei Haare sitzen.« Als das der Pfaff vernahm, gedachte er, da er nun das Zeichen wußte, auch sein Heil zu versuchen und dem Jungen womöglich zuvorzukommen. »Ich bin in derselben Sache ausgegangen, wie du mein Sohn«, sprach er zu dem Jungen, »darum wollen wir den Weg zusammen gehen, so es dir recht ist.« Der Junge war es zufrieden, und sie gingen mit einander weiter, bis sie an den königlichen Hof kamen. Da ließen sie sich sogleich bei dem Könige anmelden, und als der vernahm, um welcher Sache willen sie gekommen waren, ließ er den Scharfrichter holen, der mußte sich mit dem blanken Schwerte bereit halten. »So!« sprach der König, »jetzt kann die Sache ihren Anfang nehmen. Zuerst kommt der Pfaff an die Reihe, wie billig ist, und dann der Schweinejunge. Also sagt an, Herr Pfaff! Welches ist das Zeichen, das meine Tochter an ihrem Leibe hat?« Der listige Pfaff, der sich schon freute, daß er zuerst an die Reihe kam, sprach schnell: »Drei Haare in der einen Seite!« »Ganz recht!« sprach der König; »aber, lieber Herr, in welcher Seite? und dann, wie lang sein sie? und wie dick sein sie? und wie sehn sie aus?« Da stand nun der Pfaff und ließ sein Maul hängen und wußte nicht, was er sagen sollte. »Höre mal Pfaff!« fuhr ihn der König an; »von Rechts wegen müßtest du jetzt einen Kopf kürzer gemacht werden; weil du aber doch etwas errathen hast, so soll dir für diesmal noch das Leben geschenkt sein!« Damit wandte er sich an den Schweinejungen und sprach: »Nun, mein Junge, jetzt rathe du! Welches ist das Zeichen, das meine Tochter an ihrem Leibe hat?« »Drei Haare in der einen Seite.« »Ganz recht, mein Sohn! Aber in welcher Seite?« »In der linken Seite.« »Richtig! Aber nun: wie lang sein sie? und wie dick sein sie? und wie sehen sie aus?« »Mit Verlaub Herr König, sie sind so lang und so dick wie Strickstöcke und sind, so wie mich dünkt, ganz golden.« »Richtig, mein Sohn,« rief da der König; »du hast es errathen und sollst nun auch die Prinzessin haben, und das von Rechts wegen.« So mußte der Pfaff beschämt seines Weges gehn; der Schweinejunge aber hielt Hochzeit mit der schönen Prinzessin.